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Erschienen in EasyLinux 03/2005   »   Ausgabe bestellen

Desktop-Spielzeug

Nicht nur für Spielkinder

von Andrea Müller


Spaßprogramme für den Desktop sind wie Klingeltöne und Logos für das Handy: meistens überflüssig, aber trotzdem heiß begehrt. Linux hat in Sachen Desktop-Spielzeug einiges zu bieten -- und im Gegensatz zum kommerziellen Gebimmel kosten Sie die amüsanten Arbeitszeitvernichter keinen Cent.

Wer täglich viele Stunden am Computer arbeitet, braucht zwischendurch ein wenig Abwechslung. Wie sonst erklärt es sich, dass Icons, Hintergrundbilder und alles, was den Desktop schöner macht, sich so großer Beliebtheit erfreut. Ebenso wie unter Windows müssen Sie auch unter Linux nicht auf die überflüssigen Spielereien verzichten. Dieser Artikel stellt drei Programme vor, die den tristen Alltag ein wenig auflockern.

Ich schau Dir in die Augen

Augen, deren Blick aufmerksam dem Mauszeiger folgt, sind der Klassiker unter den Desktop-Spielereien. Schon vor mehreren Jahren gehörte das Programm Xeyes zu jeder Linux-Standardinstallation. Heutzutage gibt es modernere Vertreter dieser Gattung, die als so genanntes Applet daherkommen. Das sind Miniprogramme, die sich in die KDE-Leiste, den Kicker, oder das Gnome-Panel einnisten. Die KDE-Variante der Augen ist auf keiner der von uns unterstützten Distributionen standardmäßig installiert. Das holen Sie jedoch über die Paketverwaltung schnell nach:

  1. Unter Suse Linux starten Sie über System / YaST des K-Menüs das Konfigurations-Tool der Distribution. Geben Sie in der Dialogbox das Root-Passwort ein, da nur der Administrator systemweit Software installieren darf.
  1. Wechseln Sie im Bereich Software zum Modul Software installieren oder löschen. Geben Sie in das Suchfeld kdetoys ein und drücken Sie [Eingabe].
  1. YaST findet das Paket kdetoys3, das das Augen-Applet enthält (Abbildung 1). Markieren Sie es mit einem Häkchen zur Installation und starten Sie das Kopieren der Dateien mit einem Klick auf Übernehmen.

Wer mit der Personal-Version von Suse Linux 9.1 oder unserem Suse-Linux-9.2-StarterKit arbeitet, findet das Paket nicht auf dem Installationsmedium. Laden Sie es stattdessen vom FTP-Server des Distributors [1, 2] herunter. Klicken Sie die RPM-Datei im Konqueror an und spielen Sie die Software über die Schaltfläche Installiere Paket mit YaST ein.

Abb. 1: Die Augen, deren Blick dem Mauszeiger folgt, stecken unter Suse Linux im Paket kdetoys3.

Mandrake Linux bringt das kdetoys-Paket ebenfalls auf den Installations-CDs mit.

  1. Starten Sie die Paketverwaltung über System / Einstellungen / Paketierung / Software installieren und authentifizieren Sie sich mit dem Administratorpasswort.
  1. Tragen Sie in das Eingabefeld hinter Finden den Suchbegriff kdetoys ein und drücken Sie [Eingabe].
  1. Mandrake Linux zeigt das gefundene Paket in der linken Fensterhälfte unter dem Eintrag Suchergebnisse an. Versehen Sie die Checkbox davor mit einem Häkchen und spielen Sie die Unterhaltungsprogramme für KDE mit einem Klick auf Installieren ein.

Bei Fedora Core 2 ist die Installation ein wenig komplizierter. Das grafische Paketverwaltungsprogramm bietet nur eine beschränkte Auswahl und unterschlägt einige Pakete, die sich auf der Installations-DVD befinden. Da auch das kdetoys-Paket dazugehört, spielen Sie es per Mausklick im Konqueror ein.

  1. Legen Sie die Installations-DVD ins Laufwerk und doppelklicken Sie auf das CD-Symbol auf dem Desktop.
  1. Konqueror startet im Wurzelverzeichnis der DVD. Wechseln Sie in den Unterordner Fedora/RPMS und scrollen Sie bis zur Datei kdetoys-3.2.2-1.i386.rpm herunter.
  1. Klicken Sie doppelt auf diese RPM-Datei und tragen Sie im folgenden Dialog system-install-packages ein. Dadurch öffnen Sie die Datei mit einem Installationshelfer, der neben dem markierten Paket auch alle weiteren benötigten Programme und Bibliotheken einspielt.

  1. Authentifizieren Sie sich als Administrator und klicken Sie im nächsten Bildschirm auf Weiter. system-install-packages kopiert die KDE-Spielzeuge auf die Festplatte und beendet sich.

Um Ihren Mauszeiger unter die Beobachtung des Augen-Applets zu stellen, starten Sie das Miniprogramm aus dem Kontextmenü der KDE-Leiste. Klicken Sie dazu einen freien Bereich mit der rechten Maustaste an und wählen Sie den Eintrag Hinzufügen / Miniprogramm / Augen.

In der KDE-Leiste erscheint ein Augenpaar, dessen Pupillen jeder Mausbewegung folgen. Links neben den Augen liegt eine gestrichelte Linie mit einem nach oben zeigenden Pfeil. Mit einem Klick auf das Pfeilsymbol öffnen Sie das Applet-Menü, über das Sie die Augen wieder entfernen oder verschieben. Letzteres geht noch schneller, wenn Sie mit der linken Maustaste auf die gestrichelte Linie klicken und das Applet in die gewünschte Richtung ziehen. Wollen Sie die Größe der KDE-Leiste ändern, müssen Sie das Augen-Applet nicht vorher beenden. Es passt seine Größe automatisch an die Höhe des Kickers an.

Einen lustigen Effekt erzielen Sie, wenn Sie den Mauszeiger genau zwischen das Augenpaar bewegen, da Sie das Miniprogramm so zum Schielen zwingen. Weil vier Augen mehr sehen als zwei, lässt sich das Applet sogar mehrmals starten (Abbildung 2). Allein die Bildschirmbreite begrenzt die Zahl der Beobachter in der KDE-Leiste.

Abb. 2: Aller guten Dinge sind drei: Diese drei Augenpaare lassen den Mauszeiger keine Sekunde unbeobachtet.

Glupschaugen für Gnome

Fedora startet nach einer Standardinstallation mit dem Gnome-Desktop. Auch bei Mandrake und Suse Linux können Sie die alternative Arbeitsoberfläche schon bei der Installation auswählen. Wer mit Gnome anstelle von KDE arbeitet, kann das Augen-Applet des anderen Desktops nicht nutzen. Zwar funktionieren nahezu alle KDE-Anwendungen unter Gnome, nicht jedoch die Miniprograme für die KDE-Leiste. Mit dem unter Gnome laufenden Panel wissen sie nichts anzufangen, da sie speziell für die KDE-Leiste programmiert wurden.

Doch Gnome lässt sich nicht lumpen und bringt ein eigenes Augen-Applet mit. Im Gegensatz zu den KDE-Guckern haben Sie hier sogar die Wahl zwischen unterschiedlich gestalteten Augenpaaren. Das Miniprogramm steckt im Paket gnome-applets. Mit diesem Suchbegriff gefüttert, fischen die Paketverwaltungsprogramme von Mandrake und Suse Linux das richtige Päckchen heraus. Unter Fedora Core 2 müssen Sie nichts nachinstallieren, die Spaßprogramme fürs Panel landen standardmäßig auf der Festplatte.

Die Gnome-Augen starten Sie über einen Rechtsklick auf das Gnome-Panel. Wählen Sie im aufklappenden Kontextmenü Zum Panel hinzufügen / Unterhaltung / Geyes. In der Voreinstellung startet ein recht kleines Augenpaar, dessen Blicke den Bewegungen des Mauszeigers folgen. Mit gedrückt gehaltener Maustaste schieben Sie das Miniprogramm nach rechts oder links.

Erscheinen Ihnen die Augen allzu winzig, ersetzen Sie sie einfach durch andere. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf das Applet und wählen Sie Einstellungen aus dem Menü. Im folgenden Dialog stehen fünf Themes zur Auswahl (Abbildung 3). Sobald Sie eines auswählen, ändert sich das Aussehen der Augen -- so sehen Sie schon im Einstellungsdialog, was Ihnen am besten gefällt. Default und Default-tiny zeigen die klassischen Augen in unterschiedlicher Größe. Das Horrid-Theme besteht aus einem einzelnen deformierten Auge, während Bloodshot nicht weniger gruselig mit blutunterlaufenen Augen daher kommt. Bizarre gibt sich ebenfalls blutig, hat dafür aber gleich drei Sehorgane im Angebot. Mit einem Klick auf Schließen bestätigen Sie Ihre Wahl.

Abb. 3: Gnome bietet insgesamt fünf Augenpaare an.

Wenn Sie sich nicht für ein Theme entscheiden können, starten Sie mehrere Geyes-Applets, für die Sie unterschiedliche Themes einstellen (Abbildung 4). Um dem Mauszeiger wieder ein wenig Privatsphäre zu gönnen, beenden Sie die Applets über den Eintrag Aus dem Panel entfernen im Kontextmenü.

Abb. 4: Unter Gnome starten Sie mehrere Augen-Applets mit unterschiedlichen Themes.

Pinguin-Invasion

Pinguins-Fans müssen nicht an den Südpol reisen, um die putzigen Tierchen zu beobachten. Das Programm XPenguins lässt possierlich gezeichnete Frackträger über Ihren Desktop flanieren. Die Anwendung ist nur bei Suse Linux 9.1 Professional und Suse Linux 9.2 Professional von Haus dabei. Da der Distributor es nicht standardmäßig installiert, holen Sie das über das Software-Modul von YaST nach. Benutzen Sie xpenguins als Suchbegriff -- damit finden Sie das Paket am schnellsten.

Wer mit der Personal Edition von Suse Linux 9.1 oder dem EasyLinux StarterKit der Version 9.2 arbeitet, lädt das xpenguins-Paket vom Suse-Linux-FTP-Server [1, 2] herunter. Ein Klick auf die Datei im Konqueror öffnet die erweiterte Vorschau. Klicken Sie dort auf Installiere Paket mit YaST, um das Programm einzuspielen.

Nutzer von Fedora Core 2 und Mandrake Linux erhalten die Pinguine für den Desktop auf der EasyLinux-Download-Seite [3]. Ein Doppelklick in Konqueror öffnet unter Mandrake Linux den Installationassistent, der die Software einspielt. Unter Fedora Core 2 gelingt das ebenso leicht, allerdings müssen Sie dem Konqueror zuvor mitteilen, mit welcher Anwedung er das RPM-Paket öffnen soll. Das richtige Kommando lautet system-install-packages. Dieses Programm installiert unter Fedora Core 2 Pakete von Drittanbietern und löst eventuell bestehende Abhängigkeiten auf.

Bevor Sie Ihren Desktop-Zoo eröffnen, gilt es, KDE passend zu konfigurieren. Bei der Desktop-Umgebung ist das Programm kdesktop für das Zeichnen des Hintergrundes verantwortlich. Es zeigt nicht nur das ausgewählte Hintergrundbild an, sondern stellt auch die Desktop-Symbole dar. Dafür legt es ein weiteres rahmenloses Fenster über den Hintergrund. Starten Sie auf einem Standard-KDE-Desktop XPenguins, läuft das Programm hinter dem kdesktop-Fenster, und Sie sehen die Antarktis-Bewohner nicht. Wie Sie das Programm auch unter KDE nutzen, erfahren Sie im Kasten KDE auf das Federvieh vorbereiten.

KDE auf das Federvieh vorbereiten

Mit einer Option im KDE-Kontrollzentrum sorgen Sie dafür, dass auch KDE die Desktop-Pinguine richtig darstellt:

  • Starten Sie das KDE-Kontrollzentrum über ein Schnellstartfenster ([Alt-F2]), in das Sie kcontrol eingeben.
  • Markieren Sie in der Baumansicht den Eintrag Arbeitsfläche / Verhalten.
  • Aktivieren Sie die Option Programme im Arbeitsflächenfenster unterstützen und speichern Sie die Einstellung mit einem Klick auf Anwenden.

Desktop-Gewusel

XPenguins starten Sie am besten aus der KDE-Konsole. Das hat den Vorteil, dass Sie das Programm nicht über einen Prozessmonitor beenden müssen. Stattdessen drücken Sie einfach im Befehlsfenster, aus dem Sie die Anwendung gestartet haben, [Strg-C].

Öffnen Sie eine Konsole und geben Sie dort den Befehl xpenguins ein -- schon fallen acht Pinguine vom oberen Bildschirmrand. Einige schlagen Salti, andere haben einen Strauß Luftballons im Gepäck, der den Fall abbremst und für eine weiche Landung sorgt. Eine solche ist nicht selbstverständlich, da Pinguine bekanntermaßen nicht fliegen können: Manche der Tierchen ereilt ein frühes, blutiges Ende, wenn sie unsanft auf einem Fenster oder dem unteren Bildschirmrand landen. Der Dahingeschiedene tritt dann als Engel seine Reise zum oberen Bildschirmrand an, von dem aus kurz danach ein Ersatzmann heruntersegelt.

Die Tierchen, die den Sturz heil überstanden haben, marschieren auf Fensterrahmen und der KDE-Leiste auf und ab. Sportliche Vertreter packen ihr Skateboard aus und stören die flanierenden Artgenossen. Einige Pinguine haben ein Buch mitgebracht, und gelegentlich taucht ein Bauarbeiter-Pinguin mit Presslufthammer auf.

Pinguine, die beim Hinuntersegeln an Desktop-Symbolen vorbeikommen, machen die Icons unkenntlich und lassen nur das eingestellte Hintergrundbild übrig. Sie blenden die Symbole wieder ein, indem Sie mit der Maus darüber "wischen" oder ein Fenster über die Symbolposition ziehen. Hüten Sie sich dabei vor allzu ruckartigen Bewegungen. Die Kollision mit einem schnell verschobenen Fenster überlebt selbst das robusteste Linux-Maskottchen nicht.

Bei heutigen Bildschirmauflösungen sind acht Pinguine etwas wenig, um wirklich Leben auf den Desktop zu bringen. Daher kennt XPenguins den Aufrufparameter -n (für number). Der Parameter erwartet eine Zahl, die festlegt, wie viele Pinguine sich auf der Arbeitsoberfläche tummeln sollen. So bevölkert das Kommando

xpenguins -n 40

den Desktop mit 40 Pinguinen. Das Ergebnis des Befehls sieht nur bei mehreren geöffneten Fenstern gut aus (Abbildung 5) -- ohne genügend Platz treten sich die Frackträger auf der KDE-Leiste gegenseitig auf die Füße. (amü)

Abb. 5: Nach dem Kommando "xpenguins -n 40" tummeln sich 40 Pinguine auf der Arbeitsoberfläche.
Infos
[1] FTP-Verzeichnis für Suse Linux 9.1: ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/9.1/suse/i586/
[2] FTP-Verzeichnis für Suse Linux 9.2: ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/9.2/suse/i586/
[3] EasyLinux-Download-Bereich: http://www.easylinux.de/Download

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