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Erschienen in EasyLinux 04/2005   »   Ausgabe bestellen

Zwei aktuelle Fotodrucker im Test

Bilderbuch-Drucker

von Mirko Dölle


Der Alltag für einen Tintenstrahldrucker ist überschaubar: Ein paar Briefe und immer öfter Fotos müssen die Tintenpuster zu Papier bringen. Doch das Druckergebnis hängt maßgeblich vom Treiber ab, vor allem unter Linux.

Die meisten Anwender benutzen Tintenstrahldrucker für ihre Korrespondenz sowie zum Ausdruck von Fotos, die sie mit der Digitalkamera geschossen haben. Dementsprechend testeten wir die Qualität und die Druckzeit für ein 10-Seitiges Office-Dokument [1] mit Diagrammen, farbigen Hinterlegungen und einem eingedruckten Briefkopf. Zur Beurteilung des Foto-Ausdrucks diente das Bild des Models Bianca [1].

Der erste Drucker, ein HP Photosmart 8150, ist erst seit wenigen Wochen erhältlich -- dementsprechend gab es weder bei Suse Linux 9.2 noch bei Mandrake Linux 10.1 einen spezialisierten Treiber, hier verwendeten wir die Einstellungen für das Modell 8100. Bei Suse Linux 9.1 und Fedora Core 2 ist selbst der Treiber für den HP Photosmart 8100 nicht enthalten, weshalb wir auf die Einstellungen des Photosmart 7960 zurückgriffen.

Der zweite Drucker im Feld, ein Epson Stylus Photo R200, ist bereits seit einigen Monaten erhältlich und wird von Suse Linux 9.2 und Mandrake Linux 10.1 unterstützt. Bei Suse Linux 9.1 und Fedora Core 2 gab es wiederum keinen Treiber für den Drucker, hier funktionierte nur der Treiber für das Modell Stylus Photo 1200, das schon etwas betagt ist. Zudem testeten wir den kommerziellen Druckertreiber aus dem Turboprint-Paket für 30 Euro von Zedonet [2], der einen spezialisierten und auf Fotodruck optimierten Treiber für Epsons Stylus Photo R200 enthält.

Auf die Plätze...

Bei der Druckgeschwindigkeit liegt Epsons Stylus Photo R200 klar hinten, egal ob mit den Open-Source-Treibern der Distributionen oder dem spezialisierten Treiber von Turboprint. So dauerte der Ausdruck des Office-Dokuments auf Normalpapier und in Standard-Qualität 8:03 Minuten, wenn der R200-Treiber von Suse Linux 9.2 zum Einsatz kam. Mit dem Treiber für den Epson Stylus Photo 1200 brauchte der Drucker gleich 50% länger, erst nach 12:39 Minuten war das Dokument vollständig ausgedruckt. Der Turboprint-Treiber lag mit 8:56 Minuten dazwischen.

Der HP Photosmart 8150 brauchte gerade einmal die Hälfte der Zeit, nach 4:15 Minuten lag das Dokument im Ausgabefach, egal ob wir den Treiber für das Modell 8100 oder 7960 einstellten.

Noch drastischer klafft die Lücke beim Ausdruck des A4-Fotos: Fast eine halbe Stunde benötigten die Open-Source-Treiber des Epson Stylus Photo R200 und Stylus Photo 1200, um das Bianca-Foto zu Papier zu bringen. Turboprint schaffte das gleiche Kunststück in gerade einmal 6:49 Minuten, einem Viertel der Zeit. HPs Photosmart 8150 schlug den Epson Stylus Photo R200 dennoch: Beide Open-Source-Treiber benötigten nur 4:30 Minuten für das Foto.

Zusätzlich stoppten wir die Druckzeit des HP im autonomen Betrieb. Dazu wandelte er das Foto verlustfrei in JPEG um und kopierte die gut 10 MByte große Datei mit 4160x3325 Pixeln auf eine Compact-Flash-Karte. Die Auswahl lief dabei über das im Drucker eingebaute, hintergrundbeleuchtete Farb-Display. Für den Ausdruck benötigte der HP Photosmart 8150 mit 5:24 Minuten nur eine knappe Minute länger als beim Ausdruck über den Computer.

Qualitätsunterschiede

Die Qualität der Ausdrucke hängt entscheidend davon ab, wie gut der jeweilige Treiber die Daten aufbereitet. Idealerweise können Sie einen speziell an das jeweilige Gerät angepassten Treiber benutzen, die Ansteuerung ist jedoch oft kompatibel zu Vorgängermodellen, so dass sich die meisten Drucker mit dem Treiber eines älteren Modells benutzen lassen -- meist jedoch zu Lasten der Qualität.

Dies war auch beim Epson Stylus Photo R200 der Fall. Der Treiber für den Stylus Photo 1200 druckte das schlechteste Foto im Test, es war deutlich zu hell und enthielt etwas wenig Gelb. Der Treiber Stylus Photo R200 von Suse Linux 9.2 war jedoch nicht viel besser, er erzeugte statt dessen einen Braunstich, insgesamt war das Bild aber trotzdem noch etwas hell. Für den Ausdruck verwendeten wir das von Epson empfohlene Fotopapier Epson Premium Photo Paper Glossy.

Der Turboprint-Treiber des Stylus Photo R200 erledigte seine Arbeit nicht nur schneller, sondern auch besser. Der Graukeil der Farbmesstafel auf dem Tisch war gut aufgefächert, und die Farben kamen dem Original sehr viel näher. Lediglich am linken Rand gab es eine leicht bräunliche Verfärbung.

Das beste Foto druckte jedoch der HP Photosmart 8150 mit dem Treiber des Photosmart 8100. Die Farben leuchteten auf dem HP Premium Plus Photo Paper, wenn auch der Ausdruck ganz leicht blaustichig war. Der Treiber des Photosmart 7960 machte seine Arbeit fast genauso gut, beide Ausdrucke waren kaum zu unterscheiden.

Autonomer Betrieb

Anders sah die Situation im autonomen Betrieb beim Ausdruck von der Compact-Flash-Karte aus. Hier war das Bild zu dunkel und stärker blaustichig, insgesamt aber noch ein akzeptabler Ausdruck.

Die mit den beiden Open-Source-Treibern ausgedruckten Office-Dokumente des HP Photosmart 8150 waren nicht zu unterscheiden und qualitativ gut bis sehr gut. Lediglich bei dunkelblauer Schrift auf schwarzem Hintergrund lief die Tinte etwas zusammen.

Mit dem Treiber für das Modell Stylus Photo 1200 liefert Epsons Stylus Photo R200 nur noch zufriedenstellende Druckergebnisse beim Office-Dokument. Besonders störend waren die kleinen Streifen in flächigen Hintergründen, vor allem bei schwarz hinterlegtem Text in gelber Schrift. Dort kam es auch zu sichtbaren Tintenverläufen, die Serifen der Buchstaben fehlten bei gelbem Text auf schwarzem Grund. Den rosafarbenen Text auf weißem Grund bewältigte der Treiber gar nicht: Außer einem leichten Schatten war nichts zu erkennen. Mit diesem Treiber ist der Epson R200 nicht zu empfehlen.

Der Treiber für den Stylus Photo R200 von Suse Linux 9.2 war nicht viel besser, zwar verlief die Tinte bei gelbem Text auf schwarzem Grund kaum noch, aber auch hier fehlten die hellen Textpassagen auf Seite 9 des Dokuments. Nur Turboprint brachte den Text korrekt und lesbar zu Papier, genauso die dunkelblauen Absätze auf schwarzem Hintergrund. Einziges Manko: Bei gelber Schrift auf schwarzem Hintergrund liefen die Serifen der Buchstaben mit schwarzer Tinte zu, dies ist aber zu verschmerzen.

Druck für die CD

Zum Lieferumfang des Epson R200 gehört ein CD-Halter, der über eine separate Klappe auf der Vorderseite des Druckers eingeführt wird. Für den CD-Druck muss der Epson R200 vom Treiber in einen speziellen Modus umgeschaltet werden. Die Open-Source-Treiber scheiterten allesamt an der Ansteuerung des Druckers im Zusammenhang mit dem CD-Halter, auch auf http://linuxprinting.org ist dieses Feature als nicht unterstützt gelistet. Hier springt Zedonet mit dem kommerziellen Druckertreiber Turboprint für rund 30 Euro in die Bresche.

Einen ausführlichen Artikel zur Installation und Bedienung von Turboprint finden Sie unter [3]. Für den Test des Epson R200 verwendeten wir die aktuelle Turboprint-Version 1.91.

Für den Ausdruck auf CD ist es wichtig, dass Sie zunächst mit dem Turboprint-Konfigurationsprogramm xtpconfig den Papiertyp auf "CD" umstellen (Abbildung 1). Andernfalls beginnt der Drucker zwar augenscheinlich mit dem Ausdruck, schiebt dann jedoch den CD-Halter wieder heraus und blinkt mit den Papier- und Tinten-Warnleuchten, bis Sie das Fach für die CD wieder geschlossen haben -- um dann den Ausdruck auf Papier fortzusetzen.

Abb. 1: Damit der Drucker eine CD akzeptiert, muss im Turboprint-Konfigurationsprogramm der Papiertyp auf "CD" stehen. Andernfalls blockiert der Drucker.

Tinte überall

Die Papiereinstellung für die Anwendungen bleibt wie üblich DIN A4, der Treiber versetzt den linken Seitenrand jedoch nach rechts, bis zum Anfang des CD-Halters. Leider blendet der Treiber die nicht-bedruckbaren Bereiche rund um das Mittenloch der CD sowie außerhalb der CD-Oberfläche nicht aus. Wenn Sie zum Beispiel ein Foto auf DIN A4 vergrößern und ausdrucken, wird es vom linken Rand bis etwa zur Blattmitte, aber in gesamter Länge ausgedruckt -- die Tinte verteilt sich damit ganzflächig über den CD-Halter inklusive CD.

Spezialprogramme für den Ausdruck aus CDs gibt es noch nicht für Linux, Sie müssen also herkömmliche Anwendungen wie zum Beispiel das Zeichenmodul von OpenOffice verwenden. Die Seitenränder für den Bereich der CD sind 1,5 cm rechts, 0,8 cm oben, 7,5 cm rechts und 16,9 cm unten.

Vorlage für OpenOffice

Eine besondere Schwierigkeit ist, die üblicherweise rechteckigen Fotos an die CD-Rundungen anzupassen. Unter [4] finden Sie eine Vorlage für OpenOffice, die eine Abdeckmaske für die nicht bedruckbaren Bereiche der CD enthält.

Wenn Sie die Datei geöffnet haben, sehen Sie die einzelnen Maskenelemente aus Abbildung 2. Die Maske besteht aus mehreren weiß gefüllten Elementen, deren Umrandung noch schwarz gefärbt ist. Neu eingefügte Objekte wie Text oder Grafiken legt OpenOffice oberhalb der Maske ab, so dass sie nach und nach verdeckt wird -- das spielt zunächst jedoch keine Rolle.

Abb. 2: Die CD-Vorlage enthält eine Abdeckmaske, die nur den bedruckbaren Bereich der CD transparent lässt und den Rest der Seite weiß abdeckt. Vor dem Ausdruck müssen Sie noch die schwarzen Linien entfernen.

Wenn Sie die fertige Ansicht kontrollieren wollen, klicken Sie mit dem Auswahlwerkzeug einfach auf einen freien Bereich der Seite, womit Sie die Maske auswählen, und bringen sie per Ändern / Anordung / Ganz nach vorn in den Vordergrund. Damit verdeckt die Maske alle nicht bedruckbaren Bereiche, wie in Abbildung 2 zu sehen -- das Bild unseres Models Bianca wurde absichtlich über den linken oberen Seitenrand hinaus verschoben, damit Sie die Maske und ihre deckenden Bereiche besser erkennen können.

Maske auflegen

Sind Sie mit der Anordnung zufrieden, entfernen Sie die Linien der Maske. Dazu klicken Sie mit dem Auswahlwerkzeug auf die Maske und wählen aus dem Menü Format / Linie. Dort ändern Sie den Linienstil auf "Unsichtbar" und klicken auf OK. Vor dem Ausdruck sollten Sie dann noch einmal überprüfen, ob in der Turboprint-Konfiguration tatsächlich die CD als Papiertyp eingestellt ist.

Das Ergebnis des Ausdrucks war im Test allerdings nicht berauschend: Auf den getesteten CD-Rohlingen, Intenso CD-R Printable 80 Minuten, war das Bild unseres Models Bianca leicht grünstichig, wies deutlich sichtbare Streifen auf, und dunkle Bereiche versackten im Schwarz -- kein Vergleich mit den Druckergebnissen auf Normalpapier oder gar Fotopapier. Mit anderen Rohlingen, etwa von Maxell wurden uns gute Druckergebnisse berichtet, hier lohnt, verschiedene Sorten auszuprobieren.

Der Vorteil beim direkten Bedrucken der CDs ist, dass weder der Schutzlack, der die Reflexionsschicht vor Oxidation schützt, durch den Kleber beschädigt oder angelöst wird noch die CD eine Unwucht bekommt -- letzteres ist gerade in heutigen Hochgeschwindigkeitslaufwerken besonders wichtig. Über die Haltbarkeit von CDs mit bedruckbarer Oberfläche gibt es allerdings nur wenige praktische Erfahrungen, es gibt sie erst seit wenigen Jahren.

Fazit

Der HP Photosmart 8150 schlägt den Epson Stylus Photo R200 bei der Ausstattung und der Druckgeschwindigkeit um Längen: Eine halbe Stunde für ein Foto aus Epsons R200 ist einfach zu lang, wenn der HP Photosmart schon nach gut fünf Minuten fertig ist. Erst mit dem kostenpflichtigen Turboprint sinkt die Druckzeit beim Epson auf knapp sieben Minuten.

Der Preis beider Geräte ist gleich, wenn man die Software einbezieht: Der HP Photosmart kostet knapp 180 Euro, ist jedoch ohne zusätzliche Software unter jeder halbwegs aktuellen Distribution einsatzbereit. Der Epson Stylus Photo R200 kostet zwar nur 150 Euro, um ihn unter Linux vernünftig nutzen zu können, ist allerdings Turboprint für knapp 30 Euro bei diesem Gerät praktisch obligatorisch.

So gesehen hat der Käufer die Wahl zwischen einem schnellen HP Photosmart 8150 mit eingebautem Display und Kartenleser und einem Epson Stylus Photo R200, der zwar gemächlich arbeitet, dafür aber auch CDs bedrucken kann. Mit 180 Euro sind Sie dabei. (mdö)

Infos
[1] Test-Dokumente (Office und Foto): http://www.easylinux.de/Download
[2] Turboprint: http://www.turboprint.de
[3] Hans-Georg Eßer, Heike Jurzik: "Schöner drucken", EasyLinux 02/2005, Seite 28
[4] CD-Vorlage für OpenOffice: http://www.easylinux.de/Download

Fotodrucker unter Linux
 
Hersteller:EpsonHewlett Packard
Modell:Stylus Photo R200Photosmart 8150
Typ:TintenstrahldruckerTintenstrahldrucker
Tinte:6 Farben, einzeln auswechselbar4, Schwarz und Farbe getrennt auswechselbar
Schnittstelle:USB 2.0USB 2.0
Besonderheiten:bedruckt CDsFarb-Display, Kartenleser (unter Linux nutzbar), druckt komplett autonom
Druckdauer Office-Dokument:8-12 min.4:15 min.
Druckdauer A4-Foto:25-28 min.4:30 min.
Preis:ca. 150 Euroca. 180 Euro

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