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von Fred Andresen
Geteilter Druck ist doppelte Freud sagt sich der Linux-Netzwerker. Nur: Wenn die Anwender mehrerer PCs einen Netzwerkdrucker nutzen wollen, muss der Rechner, an den der Drucker angeschlossen ist, immer laufen. Das bringt eine ständige Geräuschbelästigung mit sich und verbrät zusätzlich mehr Strom als nötig.
Für wenig Geld gibt's im Elektromarkt um die Ecke oder per Versand spezielle Printserver. Das sind kleine Kästchen, die man in sein Netz hängt und an die man einen oder mehrere Drucker anschließt. Sie kommen wahlweise mit paralleler oder USB-Schnittstelle und funktionieren solo, das heißt ausschließlich als Druckeranschluss oder gleich als Kombilösung mit integriertem Internet-Zugangsrouter. Dabei unterscheiden sich noch Geräte, die per Netzwerkkabel mit den PCs im Heimnetz kommunizieren, und solche, die zusätzlich kabelloses, also Funknetz per WLAN oder Bluetooth unterstützen. Ein ganz neuer Typ sind WLAN-Printserver, die sich in ein bestehendes Funknetz einklinken lassen. Einen Vertreter dieser Art, den Belkin Wireless USB Printserver mit zwei USB-Buchsen für zwei Drucker, haben wir für die Installationsbeschreibung herangezogen.
Der Vorteil eines dedizierten Printservers liegt auf der Hand: Er braucht wenig Platz, macht keinen Lärm und verbraucht weniger Strom als ein einzelner Rechner. Der Nachteil: Die Hersteller scheinen Linux nicht zu kennen (obwohl sie es in ihren Printservern meistens selbst benutzen). Die Handbücher, die den Geräten beiliegen, gehen nur im Ausnahmefall auf das Einrichten unter Linux ein, und die Programme sind ohnehin nur für Windows oder in seltenen Fällen auch einmal für Macintosh-Systeme von Apple verfügbar.
Da die Konfiguration dieser Geräte über ein Web-Interface im Browser gelingt, ist es auch unter Linux kein Problem, sie mit den richtigen Einstellungen zu versorgen. Alles, was Sie brauchen, sind ein Rechner mit Netzwerkkarte und ein Web-Browser. Ein LAN-Kabel liegt den Kästchen fast immer bei. Selbst die Printserver, die Druckaufträge per WLAN annehmen, müssen Sie zunächst per Kabel konfigurieren.
Die Printserver sind von Haus aus mit einer festen IP-Adresse vorkonfiguriert, die in der Regel nicht in Ihr bereits bestehendes Netz passt. Diese Werkseinstellung müssen Sie zuerst ändern. Das erledigen Sie, indem Sie der Netzwerkkarte, die in Ihrem Rechner steckt, eine IP-Adresse aus demselben Subnetz zuteilen, in dem die IP des Printservers liegt. Im nächsten Schritt rufen Sie mit dem Browser die Konfigurationsseite auf dem Webserver des Printservers auf. Dort passen Sie dessen Konfiguration an Ihr bestehendes Netzwerk an. Nach einem Neustart des Printservers liest dieser die geänderten Konfigurationsdaten ein und steht so allen Rechnern im Netz zu Diensten.
In diesem Artikel beschreiben wir den wohl häufigsten Anwendungsfall: Wir gehen von einem existierenden Netzwerk aus, in das Sie nachträglich einen Printserver integrieren. Sie können unsere Anleitung auch dann nutzen, wenn der Printserver nur einen einzigen Rechner bedienen soll, etwa weil Sie im kommenden Sommer mit Ihrem Notebook im Garten sitzen und dennoch Papier aus dem Arbeitszimmer-Drucker jagen wollen. Eine Netzwerkkarte im Rechner ist allerdings Pflicht, sonst haben Sie keinen Zugriff auf das Konfigurationsmenü.
Printserver besitzen in der Regel einen integrierten DHCP-Server. DHCP bedeutet Dynamic Host Configuration Protocol und steht für ein Verfahren, bei dem der DHCP-Server allen Rechnern im Netz automatisch eine IP-Adresse aus dem gleichen Subnetz zuteilt. Das Subnetz ist ein Teilsegment, ein abgeschlossener Bereich, in dem die IP-Adressen der Rechner liegen [1].
Weil die Werkseinstellung des Kästchens vorgegeben ist und seine IP-Adresse eventuell in einem anderen Subnetz als die Ihres Rechners liegt, müssen Sie die Adresse Ihres PCs gegebenenfalls anpassen.
Schließen Sie dazu zunächst den Printserver, wie in seiner Anleitung beschrieben, an und schalten Sie ihn ein. Verbinden Sie danach das Netzwerkkabel Ihres PCs mit der LAN-Buchse des Printservers. Bei den meisten Printservern läuft der DHCP-Server in der Voreinstellung bereits, bei manchen nicht. Sie müssen Ihren Rechner auch nicht neu booten oder die Netzwerkkonfiguration mit dem Verwaltungs-Tool der Distribution umstellen, nur um einmal den Printserver zu konfigurieren -- das geht am schnellsten, indem Sie Ihrer Netzwerkkarte nur für dieses eine Mal auf der Kommandozeile eine neue IP-Adresse verpassen. Finden Sie zunächst die Werkseinstellungen des Printservers heraus. Auf welche IP-Adresse das Gerät eingestellt ist, steht entweder in der mitgelieferten Installationsanleitung, oder in der Dokumentation auf der beiliegenden CD.
Suchen Sie in der Installationsbeschreibung nach den Werkseinstellungen für die IP-Adresse des Printservers. Möglicherweise ist sie nur aus einem Screenshot ersichtlich. Finden Sie dort eine Adresse der Art 192.168.0.254 müssen Sie der Netzwerkkarte Ihres PC eine IP-Adresse aus demselben Subnetz zuteilen, in diesem Fall zum Beispiel die 192.168.0.1. Übernehmen sie die ersten drei Ziffernblöcke und wählen Sie als letzte Ziffer eine beliebige, von der des Printservers abweichende. Die Zahl darf dabei zwischen 1 und 254 liegen.
Um Ihre bestehende Netzkonfiguration nicht über den Haufen zu werfen, geben Sie die neue IP-Adresse nur für die einmalige Ersteinrichtung des Printservers auf der Kommandozeile ein:
ifconfig eth0 192.168.0.1 net\ mask 255.255.255.0 up
Als Nächstes tragen Sie die Netzwerkeinstellungen für Ihr bestehendes Netzwerk auch auf dem Printserver ein. Bei unserem Testgerät heißt der entsprechende Menüpunkt Network / LAN / Wireless. Haben Sie bereits ein Netzwerk installiert, tragen Sie die passenden Daten in die Felder für Netzwerkadress und Netzmaske ein. Wollen Sie lediglich von einem Rechner aus drucken, wählen Sie am besten die Option, dass der Druck-Server gleichzeitig als DHCP-Server arbeitet. Dann können Sie die Voreinstellungen für das Netzwerk auch gleich belassen. Die von uns unterstützten Distributionen sind von vornherein als DHCP-Clients konfiguriert.
Nach der Eingabe der Netzwerkeinstellungen starten Sie den Printserver neu. Meistens existiert auch dafür ein entsprechender Menüpunkt im Web-Interface, etwa Reboot oder Neustart. Danach ist der Printserver unter der neu eingestellten IP-Adresse im Netz erreichbar. Damit Ihr PC ebenfalls wieder mit seiner gewohnten Netzwerkkonfiguration arbeitet, starten Sie ihn entweder neu oder geben in der noch geöffneten Root-Konsole das Kommando
/etc/init.d/network restart
ein, damit Linux das Netz mit den Standardeinstellungen neu startet.
Als Nächstes tragen Sie den Drucker in Ihre Rechnerkonfiguration ein. Unter Suse Linux rufen Sie das Konfigurations-Tool YaST über System / YaST aus dem K-Menü auf. Im Menü sind Sie im Bereich Hardware / Drucker richtig. Klicken Sie unter dem oberen Feld, in dem Andere (nicht erkannte) steht, auf Konfigurieren. Wählen Sie aus der Liste Über LPD-ähnlichen Netzwerkserver drucken. In der nächsten Maske tragen Sie als Rechnername des Druckerservers die IP-Adresse des Printservers ein, die sie vorher vergeben oder ausgelesen haben, in unserem Beispiel 192.168.0.254. Als Name der entfernten Warteschlange geben Sie den Anschluss an, den Sie im Printserver-Konfigurationsmenü notiert haben, etwa Printer 1 (Abbildung 2). Bei unserem Testgerät mussten wir den Namen ohne das enthaltene Leerzeichen eingeben; Leerzeichen in Datei- oder Gerätenamen verursachen mitunter Probleme. Falls die Konfiguration bei Ihnen nicht auf Anhieb gelingt, versuchen Sie, eventuell vorhandene Leerzeichen im Druckernamen wegzulassen.
In der Benennung für die Druckerwarteschlange dürfen Sie gängige, selbsterklärende Namen verwenden. Bezeichnen Sie den Drucker intern z. B. als wireless_color und beschreiben Sie Gerät und Standort (Abbildung 3). Das ergibt insbesondere in größeren vernetzten Umgebungen Sinn. Achten Sie darauf, die Einstellung lokal filtern beizubehalten. Der Printserver stellt nur den Anschluss zur Verfügung -- die Druckdaten muss Ihr Rechner selbst mit einem passenden Treiber aufbereiten.
Wählen Sie nun aus der Druckerliste den richtigen aus (Abbildung 4). Dazu ein kleiner Tipp: Die meisten besseren Laserdrucker lassen sich mit guten Druckergebnissen als HP Laserjet 4 einrichten.
Fedora Core 2 machen Sie unter Sytemeinstellungen / Druckereinrichtung mit dem Printserver bekannt. Geben Sie zunächst das Root-Passwort ein und klicken Sie danach in der Druckerkonfiguration auf Neu. Im folgenden Dialog wählen Sie Neue Druckerwarteschlange hinzufügen. Unter Warteschlangenname tragen Sie den Namen des Druckers und eine frei wählbare Beschreibung ein.
Im nächsten Fenster legen Sie fest, dass der Drucker unter dem Warteschlangentyp Networked UNIX (LPD) erreichbar ist (Abbildung 5). Danach geben Sie die IP-Adresse des Printservers und den Namen der Schnittstelle ein (Abbildung 5). Funktioniert das Drucken mit dieser Einstellung nicht, hilft es auch unter Fedora Core 2, alle Leerstellen aus dem Namen der Schnittstelle zu entfernen.
Im folgenden Dialog wählen Sie den richtigen Druckertyp aus der Liste, damit Linux die Druckdaten mit dem richtigen Treiber aufbereitet.
Unter Mandrake Linux gelangen Sie über System / Einstellungen / Konfigurieren Sie Ihren Computer ins Mandrake Linux Kontrollzentrum (Abbildung 6).
Nach Abschluss der Konfiguration richten Sie den Drucker auch auf allen weiteren Rechnern im Netzwerk ein. Künftig steht das Gerät allen PCs zur Verfügung und Sie können Dokumente zu Papier bringen, ohne dass dafür ein bestimmter Rechner laufen müsste. (amü)
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[1] Netzwerkgrundlagen-Artikel: Achim Leitner, "Im Netzwerkwald", EasyLinux 03/2005, S. 11 ff.
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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