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Erschienen in EasyLinux 04/2005   »   Ausgabe bestellen

Druckjobs im Überblick behalten mit KJobviewer

Schlangestehen

von Andreas Grytz


Ein kleines Programm auf Ihrem KDE-Desktop verschafft Ihnen zu jeder Zeit die volle Kontrolle über die anstehenden Druckjobs.

Der Klick auf den Drucken-Knopf geht schnell von der Hand. Auch ein 350-Seiten-Handbuch schicken Sie so leicht zum Drucker. Merken Sie danach, dass es doch nicht das gewünschte Dokument war, hilft Ihnen der KJobviewer, Papier zu sparen. Darüber hinaus erlaubt es das nützliche Tool, Druckjobs auf andere Drucker umzuleiten, anzuhalten oder zeitgesteuert zu starten.

Der KJobviewer gehört bei vielen Distributionen zum Standardumfang: Bei Fedora Core 2 sowie Suse Linux 9.1 und 9.2 ist es im Paket kdebase enthalten. Der französische Distributor Mandrakesoft paketiert etwas anders und steckt das Programm in das Paket kdebase-progs. Verwenden Sie den KDE-Desktop, sollte dieses Paket jedoch bereits in Ihrem System vorhanden sein.

Wie bei den anderen Tools KDEPrintfax und KPrinter aus diesem Paket hängt der Funktionsumfang der Software im Wesentlichen von dem darunterliegenden Drucksystem ab. Bei modernen Distributionen kommt heute vorwiegend das Common UNIX Printing System, kurz CUPS [1], zum Einsatz.

Grob gesagt arbeiten beim CUPS-Drucksystem zwei Komponenten Hand in Hand: Auf einem Rechner läuft ein Druck-Server, der so genannte CUPS-Daemon. Dieser verarbeitet die eingehenden Druckdaten. Die Aufgabe des CUPS-Clients beschränkt sich auf die Weiterleitung der Daten an den Server.

Dieses Modell löste in den letzten Jahren weitgehend den älteren Line Printer Daemon (LPD) ab, der lange Zeit in der Unix-Welt seinen Dienst verrichtete. Ein Grund für den Wechsel ist die Tatsache, dass CUPS sehr umfangreiche Optionen zur Verfügung stellt. Arbeiten Sie einmal an einem System, das noch den älteren LPD einsetzt, stehen Ihnen weit weniger Möglichkeiten offen.

Schnittstelle zum Benutzer

Wo steckt nun in diesem Zusammenspiel der KJobviewer? Das KDE-Programm stellt Ihnen eine bequeme Schnittstelle zur Verfügung, um Dokumente, die der Drucker-Server verarbeitet, zu verwalten, zu löschen oder von einem Drucker auf einen anderen umzuleiten.

Trotz dieser mächtigen Funktionen sieht die Oberfläche von KJobviewer erfreulich übersichtlich aus. Windows-Umsteiger werden die Ähnlichkeit mit dem Druckjob-Manager mit dem ihnen bekannten Programm schätzen (Abbildung 1).

Abb. 1: Der Druckerdialog von Windows XP (hier im Bild) und der KJobviewer haben eine sehr ähnliche Oberflächen.

Unter der Menüleiste befindet sich beim KJobviewer eine Symbolleiste, die den schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen gewährt. Im Hauptfenster stellt die Software stellt alle Druckjobs in einer Liste dar. Dabei zeigt es die so genannte Job-ID, den Eigentümer, den Dokumententitel, den Status sowie die Dateigröße an. Weitere Felder geben Auskunft über die Anzahl der Seiten, die Priorität sowie eventuelle Kostenstellen.

Beim normalen Hausgebrauch dürfen Sie Kostenstellen natürlich ignorieren. Diese Funktion kommt nur in Unternehmen zum Einsatz, bei denen viele Abteilungen auf einen oder mehrere Drucker zugreifen. Zu den für Sie wichtigen Angaben zählt neben dem Dokumentennamen der Status.

Jobs kontrollieren

Wie lassen sich nun die Jobs kontrollieren? Der Drucker-Daemon stellt alle anfallenden Jobs in eine Warteschlange, von der für jeden Drucker eine separate existiert. Je nach Verarbeitungsgeschwindigkeit holt sich der Drucker die Aufträge von dort und druckt die Dokumente aus. Was der KJobviewer in seiner Listenansicht zeigt, ist letztendlich nicht anderes als eine grafische Darstellung dieser Warteschlange.

Abb. 2: KJobviewer stellt die Druckaufträge in einer übersichtlichen Liste dar.

Drucken Sie mehrere Dokumente schnell nacheinander aus oder schicken Sie besonders umfangreiche Dateien an den Drucker, können Sie den Fortschritt in der Liste beobachten. Mit einem Mausklick wählen Sie einen Job an, und über den Rechtsklick bietet die Software kontextbezogene Aktionen an.

Zu den wichtigsten zählen hier Anhalten und Wiederaufnehmen, die je nach Status des Job abwechselnd ausgegraut sind, sowie Entfernen, mit der Sie einen Job aus der Liste löschen.

Betreiben Sie mehrere Drucker, oder befinden Sie sich in einer Netzwerkumgebung mit mehreren Druckern, dann wird die Aktion Verschieben auf Drucker... unter Umständen interessant: Mit dieser können Sie einen noch nicht begonnenen Auftrag einem anderen Drucker zuweisen, der vielleicht gerade im Leerlauf steht.

All diese Funktionen erreichen Sie ebenfalls über die entsprechenden Icons in der Symbolleiste sowie über die entsprechenden Menüeinträge. Die Symbole geben Ihnen dabei einen Anhaltspunkt, welche Funktion wo zu finden ist.

Zusatzfunktionen

Sicher haben Sie schon von der Multiuser-Fähigkeit von Linux gehört (Siehe dazu auch Artikel ab S. 52). Der KJobviewer berücksichtigt dieses Feature und stellt Ihnen eine Schaltfläche zur Verfügung, über die Sie auswählen können, ob Sie die Jobs von allen Anwendern oder nur von einem bestimmten sehen möchten. Das entsprechende Symbol zeigt zwei stilisierte Personen und ist mit einem Texteingabefeld kombiniert.

Dieses Feld ist ausgegraut, wenn die Schaltfläche nicht gedrückt ist: Sie sehen dann alle Jobs. Mit einem Klick aktivieren Sie das Eingabefeld. Standardmäßig befüllt KJobviewer es mit Ihrem User-Namen.

Links neben der Schaltfläche Nur Benutzeraufträge anzeigen aktivieren oder deaktivieren Sie den Filter für bereits abgearbeitete Aufträge. Blenden Sie die Liste der fertigen Aufträge ein, sehen Sie, woher das Dokument kam, ob der Auftrag korrekt gedruckt wurde und wer ihn abgeschickt hat. Diese Funktionen erreichen Sie auch über den Menüpunkt Filter.

Der KJobviewer bietet noch weitere Funktionen an, mit denen sich Aufträge innerhalb einer Warteschlange veschieben lassen oder die Ihnen technische Details zu einem Druckjob anzeigen. Diese benötigen Sie jedoch nur in wirklich großen Netzwerken oder bei der Fehlersuche.

Die Software kann Ihnen mit einem gewohnten Interface helfen, Druckaufträge zu kontrollieren, und möglicherweise eine Menge Altpapier ersparen, wenn Sie versehentlich mal eine falsche Datei an den Drucker gesandt haben.

Goodies

Sicher ist Ihnen bei unserem kleinen Rundgang durch das Programm aufgefallen, dass die Software auch die Möglichkeit bietet, bereits gedruckte Aufträge noch einmal zu starten. Versuchen Sie dies, fordert das System Sie zur Eingabe des Passwortes für den Benutzer auf, dem der entsprechende Job gehört. Anschließend erhalten Sie wahrscheinlich eine Fehlermeldung, die besagt, dass es nun doch nicht mehr möglich sei, den Job zu starten.

Was ist hier passiert? Der Druck-Server merkt sich zwar die in der Liste dargestellten Daten, verwirft aber in der Standardeinstellung die gedruckten Dateien. Für einen Heimarbeitsplatz ist das eine sinnvolle Einstellung, da ansonsten Plattenplatz bald ein rares Gut werden würde. Ändern können Sie die Einstellung, in dem Sie in der Datei /etc/cups/cupsd.conf vor dem Eintrag PreserveJobFiles No die Raute entfernen und das No gegen ein Yes ersetzen. Aber Sie sollten diesen Schritt gut überlegen. (agr)

Infos
[1] KJobviewer-Hompage: http://printing.kde.org/overview/kjobviewer.php
[2] CUPS-Homepage: http://www.cups.org

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