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von Andrea Müller
Wer Informationen zu speziellen Themen sucht, könnte im WWW verzweifeln: Ein Handbuch für das Gerät eines inzwischen pleite gegangenen Herstellers, Hilfe bei einem obskuren Computer-Problem oder eine Kaufempfehlung für den richtigen DVD-Brenner -- Suchmaschinen erschlagen den Benutzer inzwischen mit mehr als 1000 Treffern, aus denen man die nicht kommerziellen erst einmal mühsam herauspicken muss.
Viel erfolgsversprechender ist es, dort zu fragen, wo die Experten sitzen, die Leute, die ein Thema als Steckenpferd betrachten und praktisch alles darüber wissen.
Das Usenet ist einer der vielfältigsten Dienste im Internet: Es gibt dort Gruppen zu nahezu jedem Thema von Modelleisenbahnen bis hin zur Naturheilkunde. Mit anderen Interessierten tauschen Sie dort Ihre Erfahrungen aus und finden oft Hilfe zu speziellen Problemen. Dabei ist das Usenet mehr als ein Web- oder Chat-Forum. In diesen Medien herrscht reger Publikumsverkehr, und eine Frage, auf die gerade niemand eine Antwort kennt, ist nach einem Tag schon in Vergessenheit geraten. Das Usenet dagegen ist wie ein schwarzes Brett -- die Diskussion dort erfolgt asynchron. In gewissem Sinne ist der Vergleich mit einer Mailing-Liste passend. Doch anders als solche Listen steht das Usenet jedem offen.
Das Angebot liegt auch nicht auf einem einzigen Server, wie etwa ein Web-Forum, sondern unzählige Newsserver auf der ganzen Welt tauschen täglich die Beiträge der Teilnehmer untereinander aus. Wenn Sie über Provider A eine Nachricht schicken, erhält Sie auch ein anderer Nutzer, der in einem anderen Land von Provider B seine News holt, innerhalb weniger Stunden.
Die Gruppen des Usenet sind in Hierarchien unterteilt. So beginnen viele deutschsprachige Gruppen mit der Zeichenfolge de. Neben länderspezifischen Hierarchien existieren auch thematische, etwa die Gruppen, deren Name mit comp. (für Computer) beginnt. Dort unterhalten die Teilnehmer sich allerdings meistens in Englisch.
So wie der erste Teil eines Gruppennamens die Hierarchie festlegt, übernimmt der restliche Teil die thematische Einordnung der Newsgroup. Die Gruppe de.comp.os.unix.apps.kde gehört zur de-Hierarchie. Sie ist im Bereich comp.os.unix (Computer / Betriebssysteme / unix-artige) angesiedelt und beschäftigt sich mit KDE-Programmen (apps.kde).
Diese thematische Einordnung ist sehr wichtig, da sonst zu viele Nachrichten in einer Gruppe landeten, so dass niemand mehr die Zeit hätte, die Dinge herauszusuchen, die ihn interessieren. Eine Grundregel für die Teilnahme am Usenet ist daher, immer zuerst in eine speziellere Gruppe zu posten. Haben Sie ein Problem mit KMail, ist dieses Thema in der KDE-, nicht aber in der Linux-Gruppe richtig. KDE läuft nämlich außer auf Linux auf vielen anderen Betriebssystemen, und vielleicht kennt jemand, der den Desktop unter BSD oder Solaris einsetzt, die Lösung Ihres Problems. Dadurch dass Sie in einer passenden Gruppe fragen, erhöhen Sie die Chance, eine Antwort zu erhalten.
Um Artikel im Usenet zu lesen, greift man normalerweise zu einem speziellen Programm, einem Newsreader. Unter Windows bietet beispielsweise Outlook Express die Möglichkeit sowohl Mail als auch News zu lesen. Suchen Sie eine ähnliche Anwendung unter Linux, ist Thunderbird eine gute Wahl: Er kommt ebenfalls mit Mail und News zurecht.
Um einfach im Usenet zu recherchieren, gibt es jedoch einen schnelleren Weg: die Gruppensuche der Suchmaschine Google. Dort archiviert der Anbieter alle Newsgroup-Beiträge und bietet Ihnen eine komfortable Suchfunktion. Die Hauptseite erreichen Sie unter http://groups.google.de.
Geben Sie dort mehrere Suchbegriffe ein. Daraufhin durchforstet Google das Usenet-Archiv nach allen Nachrichten, die diese Worte enthalten. Um die Suche einzugrenzen, klicken Sie auf Erweiterte Groups-Suche. Dieser Link bringt Sie zu einer Eingabemaske, in der Sie weitere Suchkriterien, wie den Autor einer Nachricht, die Gruppen, die Google durchsuchen soll, und einen Zeitraum, einstellen können (Abbildung 1).
Google präsentiert daraufhin eine Seite mit allen Treffern. Haben Sie einen Beitrag gefunden, der Sie interessiert, klicken Sie am besten auf den Link Ansicht Diskussionsthema. Dann zeigt Google den gesamten Diskussionsstrang an. Der englischsprachige Fachbegriff dafür heißt Thread. In der linken Fensterhälfte sehen Sie den ersten Beitrag und alle darauf folgenden Antworten, auf der rechten Seite stehen die einzelnen Postings (Abbildung 2).
Um schnell eine Frage loszuwerden, können Sie sogar über das Google-Web-Interface Nachrichten an eine Gruppe schicken. Möchten Sie dagegen regelmäßig am Usenet teilnehmen, ist das ziemlich unkomfortabel. In diesem Fall bietet es sich an, die Beiträge mit einem Newsreader zu lesen und zu schreiben. Passende Programme, von denen wir in den folgenden Artikeln drei vorstellen, bringt Linux von Haus aus mit. Sie müssen sich nur noch um einen Usenet-Zugang kümmern, also um einen Anbieter, der Ihnen Zugriff auf seinen Newsserver einräumt.
Haben Sie einen festen Internet-Zugangs-Provider (ISP) stehen die Chancen gut, dass in seinem Angebot schon der Zugriff auf einen Newsserver enthalten ist. So bietet T-Online seinen Kunden Zugang über den Server news.t-online.de. Um von dort News zu holen und eigene Beiträge zu posten, müssen Sie allerdings über T-Online eingewählt sein. Dafür müssen Sie sich als T-Online-Kunde nur den Namen des Servers merken: Die Anmeldung mit Benutzername und Passwort ist nicht notwendig, da T-Online Sie über Ihre IP-Adresse identifiziert. Ob Ihr ISP einen News-Zugang anbietet, erfahren Sie in der Regel in den Anmeldeformularen oder auf der Homepage des Anbieters.
Wenn Sie sich meistens über Call-by-call-Provider ins Internet einwählen, bietet es sich an, einen Provider-unabhängigen Newsserver zu benutzen. Sofern Sie keine Gruppen abonnieren möchten, in denen die Teilnehmer Binärdateien wie Programme und Bilder austauschen, kostet Sie das keinen Cent: Unter der Adresse http://news.individual.de/ bietet die Zentraleinrichtung für Datenverarbeitung (ZEDAT), die zum Hochschulrechenzentrum der Freien Universität Berlin gehört, einen kostenlosen News-Zugang. Die einzige Bedingung ist, dass Sie sich an die unter http://news.individual.de/rules.html festgelegten Nutzungsbedingungen halten. Diese verbieten es beispielsweise, Postings unter einer nicht Ihnen gehörenden Mail-Adresse abzuschicken oder Gruppen mit Werbung zu fluten. Ein Zugang ist schnell eingerichtet:
Innerhalb der nächsten Stunde erreicht Sie eine Eingangsbestätigung. Jetzt dauert es noch ca. einen Tag, bis Ihr News-Zugang freigeschaltet wird. Sobald es soweit ist, erhalten Sie erneut eine E-Mail, in der Benutzername und Passwort stehen, mit denen Sie sich beim Newsserver news.individual.de anmelden können.
Wer zum ersten Mal im Usenet postet, muss Einiges beachten. Im Unterschied zu Web-Foren gelten dort andere Regeln. So sind gerade im deutschsprachigen Usenet Spitznamen nicht gerne gesehen. Ganz übel ecken Sie mit einer ungültigen Mail-Adresse an, deren Benutzung viele Provider übrigens verbieten. Um zu verhindern, zu viel Spam an die Adresse im From zu erhalten, sollten Sie eine spezielle Adresse nur fürs Usenet einrichten. Mit dieser Maßnahmen halten Sie Ihr normales Mail-Konto sauber.
Haben Sie eine Newsgroup gefunden, deren Thema Sie interessiert, posten Sie nicht gleich drauflos, sondern lesen Sie die Gruppe erst einige Tage mit. Sie erfahren so, welcher Ton dort herrscht und ob es vielleicht sogar eine FAQ gibt, die Antworten auf häufig gestellte Fragen bietet. Außerdem bewahrt Sie das davor, gleich am ersten Tag ins Fettnäpfchen zu treten: Mit der Frage "Was haltet Ihr von der Helmpflicht für Radfahrer" hat sich in de.rec.fahrrad noch niemand Freunde gemacht. Diese Frage führt erfahrungsgemäß zu unerfreulichen, von Beleidigungen geprägten Endlosdiskussionen.
Noch mehr über gutes Benehmen im Usenet erfahren Sie -- wie könnte es anders sein -- in einer Newsgroup. Lesen Sie sich doch einmal die Beiträge in der Gruppe de.newusers.infos durch, die nahezu auf alle Fragen von Usenet-Neulingen eingeht. Die Gruppe ist moderiert und Sie selbst können dort keine Beiträge schreiben. Postings an moderierte Gruppen gelangen nicht sofort auf den Newsserver, sondern erst an einen Moderator. Erst wenn er grünes Licht gibt, erscheint der Beitrag in der Gruppe. Moderierte Gruppen tragen normalerweise das Wort moderated im Gruppennamen. Ausnahmen sind reine Informationsgruppen. Dort erscheinen nur Beiträge des Moderators. Neben der Gruppe de.newusers.infos ist auch de.comp.os.unix.linux.infos ein Beispiel für eine solche Gruppe. Die Artikel dort beantworten häufig gestellte Fragen von Linux-Einsteigern.
Eine weitere sehr gute Übersicht über die Gepflogenheiten im Usenet erhalten Sie unter http://einklich.net/usenet/rules.htm.
Damit Sie die Usenet-typischen Begriffe nicht gleich wieder in die Flucht schlagen, erklären wir in der Tabelle Usenet-Fachchinesisch die wichtigsten.
| Usenet-Fachchinesisch | |
| Fachbegriff | Bedeutung |
|---|---|
| Posting | Ein Beitrag bzw. Artikel. |
| Crossposting | Ein Artikel, den ein Teilnehmer an mehrere Gruppen schickt; ohne FUP nicht gerne gesehen. |
| Thread | Der baumartige Gesprächsfaden einer Diskussion. |
| Header | Die Kopfzeilen eines Beitrags, dort stehen Informationen wie Absender, Betreff, Datum und die Gruppen, in denen der Artikel erscheint. |
| FUP | Abkürzung für Follow Up; das bedeutet, dass Antworten auf einen Artikel nicht in der aktuellen Gruppe erscheinen, sondern in der, die im Follow-Up-Feld steht. So leitet man beispielsweise Diskussionen um, die vom Thema einer Gruppe abgeschweift sind und besser in eine andere Gruppe passen. |
| Killfile | Die Filterdatei, in der ein Teilnehmer festlegt, wessen Postings er nicht mehr lesen will. Wenn man einen anderen Teilnehmer ins Killfile steckt, zeigen die meisten Newsreader dessen Postings nicht mehr an. |
| Plonk | Eine lautmalerische Bezeichnung dafür, jemanden ins Killfile zu packen. Wenn Ihnen jemand nur mit dem Wort Plonk antwortet, bedeutet das, dass er Ihre Beiträge in Zukunft nicht mehr lesen wird. |
| Score adjusted | Steht für "Bewertung angepasst". Scoring ist eine Erweiterung des Killfiles. Man kann Postings mit einer Punktzahl bewerten. Belegt jemand den Absender mit einer Punktzahl von -100, den Betreff aber mit 500 Punkten, erhält das Posting insgesamt 400 Punkte. Je nachdem, wie man seinen Newsreader einstellt, zeigt er Postings abhängig von der Punktzahl exponiert oder gar nicht an. |
| RTFM | In Linux-Gruppen besonders häufig zu lesende Aufforderung, das Handbuch bzw. die Manpage zu lesen, Abkürzung für Read the fine manual, wobei anstelle von "fine" häufig etwas Unhöflicheres gemeint ist. |
| Regular | Teilnehmer eine Newsgroup, der dort regelmäßig postet. |
Für alle, die nun Lust bekommen haben, das Usenet zu erkunden, stellen wir in den folgenden drei Artikeln leistungsfähige Newsreader für Linux vor. Vielleicht kommen Sie bei Ihrem Streifzug durch die Newsgroups auch einmal an de.alt.folklore.ddr vorbei. Dort diskutieren die Teilnehmer tatsächlich manchmal über Rotkäppchen-Sekt. Die Ping-Pong-Fraktion finden Sie direkt nebenan in der Gruppe de.alt.sport.tischtennis. (amü)
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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