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Erschienen in EasyLinux 04/2005   »   Ausgabe bestellen

Mit Thunderbird ins Usenet

News frei Haus

von Elisabeth Bauer


Im Mail-Client Thunderbird steckt mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist: So beherrscht das einsteigerfreundliche Programm auch den Umgang mit Newsgroups. Wir zeigen, wie Sie Thunderbird fit für das weltumspannende Diskussionsnetz machen.

Ein wenig steht er immer noch im Schatten seines berühmten Bruders Firefox, doch seine Anhängerschaft wächst: Thunderbird ist Nachfolger der Mozilla-Mail- und News-Komponente. Das Programm lässt sich daher nicht nur für E-Mail nutzen, sondern besitzt auch alle nötigen Funktionen eines Newsreaders. Auf manchen Schnickschnack, den spezialisierte News-Clients enthalten, muss man zwar verzichten, aber das macht Thunderbird mit einfacher Einrichtung und Bedienung wett.

Aufs System bringen

Sowohl Suse und Mandrake Linux als auch Fedora Core bringen Thunderbird als Distributionspaket mit. Wer jedoch immer die neuste Version haben will, ist mit dem allgemeinen Linux-Installer besser bedient, da dieser häufiger aktualisiert wird. Wer den Mailer schon installiert hat, kann die folgenden Schritte überspringen und sich gleich in die Konfiguration fürs Usenet stürzen.

  1. Rufen Sie die Adresse der deutschsprachigen Thunderbird-Homepage [1] im Browser auf und klicken Sie auf der Startseite auf den Link hier herunterladen.
  1. Mit einem Klick auf Jetzt herunterladen! auf der folgenden Seite starten Sie den Download. Speichern Sie die Datei in Ihrem Home-Verzeichnis.
  1. Im Konqueror navigieren Sie in Ihr Home-Verzeichnis. Ein Klick mit der rechten Maustaste auf die heruntergeladene Datei öffnet das Kontextmenü, aus dem Sie Aktionen / Hierher entpacken wählen. In Ihrem Home-Verzeichnis sollte nun ein Verzeichnis thunderbird liegen.
  1. Navigieren Sie in das Verzeichnis thunderbird und ziehen Sie die dort liegende Datei thunderbird in den freien Bereich Ihrer Kontrollleiste. Darauf öffnet sich der Dialog Einrichtung von Nicht-KDE-Programmen.
  1. Per Klick auf das Icon-Symbol öffnen Sie die Symbolsammlung Ihres Systems. Wählen Sie ein Icon aus, das Ihnen gefällt, und bestätigen Sie beide Dialoge mit OK.
  1. Verschieben Sie mit der mittleren Maustaste das neue Icon an die gewünschte Stelle in der Kontrollleiste.
  1. Ein Klick auf das Icon startet den Mailer.

Thunderbird präsentiert beim ersten Start automatisch den Konten-Assistent, über den Sie Mail- und News-Konten einrichten. Wie Sie in Thunderbird Ihre Mail-Verwaltung organisieren, haben wir in [2] beschrieben, diesmal kümmern wir uns speziell um die Newsreader-Funktionen.

Wer den Mail-Client schon installiert hatte, ruft an dieser Stelle über Bearbeiten / Konten(A)... die Kontenübersicht auf und klickt links unten auf Konto hinzufügen, um ebenfalls den Assistent zu starten.

Konto eröffnen

  1. Im ersten Dialog stellen Sie ein, welche Art von Konto Sie einrichten wollen. Markieren Sie hier die Option Newsgruppen-Konto und klicken Sie auf Weiter >.
  1. Der folgende Dialog Identität stellt den Anwender vor zwei heikle Fragen: Name und E-Mail-Adresse (Abbildung 1). Im deutschen Usenet ist es üblich, seinen vollen Namen zu verwenden. Wer hier nur einen Spitznamen einträgt, sollte sich auf mehr oder weniger freundliche Hinweise -- "steht da wirklich superman in deiner Geburtsurkunde?" -- gefasst machen. Da Usenet-Postings öffentlich archiviert werden und die E-Mail-Adressen somit auch für Spammer zugänglich sind, sollten Sie fürs Usenet auf keinen Fall Ihre Haupt-Mail-Adresse verwenden. Stattdessen bieten sich Freemail-Adressen an, die Sie wechseln, sobald das Spam-Aufkommen zu hoch wird. Gut eignen sich auch auf "Wegwerf"-Adressen spezialisierte Dienste wie Spamgourmet [3].
  1. Unter Newsgruppen-Server tragen Sie die Adresse Ihres News-Servers ein, T-Online-Nutzer zum Beispiel news.t-online.de oder news.individual.de für den freien News-Server der Universität Berlin.
  1. Die Konten-Bezeichnung zeigt Thunderbird später links in der Kontenübersicht an, der Name ist frei wählbar.
  1. Im letzten Dialog präsentiert Thunderbird eine Übersicht Ihrer Angaben (Abbildung 2). Klicken Sie auf Fertigstellen, um den Account einzurichten. Schließen Sie den Kontendialog mit OK.

Abb. 1: Eine Frage der Netiquette: Im Usenet ist es üblich, den so genannten Realname -- den echten Namen -- anzugeben. Für die E-Mail-Adresse eignet sich als Spam-Schutz am besten eine Wegwerf-Adresse, funktionieren sollte sie jedoch schon.

Abb. 2: Am Ende der Kontoeinrichtung fasst Thunderbird alle Einstellungen zusammen. Haben Sie sich irgendwo vertippt, können Sie über "Zurück" die Angabe korrigieren.

Zurück im Hauptfenster finden Sie in der linken Spalte unter Konten Ihren Newsgroup-Account.

Jetzt ist es an der Zeit, die ersten Gruppen zu abonnieren. Klicken Sie dazu auf das Konto und anschließend rechts auf Newsgruppen abonnieren. Beim ersten Mal dauert es ein wenig, da Thunderbird die gesamte Gruppenliste vom News-Server lädt. Um eine Gruppe zu finden, geben Sie entweder einen Namensteil ins Suchfeld ein oder klicken sich im unteren Feld durch die Hierarchie. Markieren Sie die Checkbox neben den Gruppen, die Sie abonnieren wollen, und schließen Sie den Dialog mit OK (Abbildung 3).

Abb. 3: Mehr als 10000 Gruppen umfasst das Usenet. Welche davon Sie lesen wollen, stellen Sie in der Abonnementverwaltung von Thunderbird ein.

Über Abrufen holen Sie genau wie beim Mail-Empfang auch die neuen News-Beiträge ab.

Wenn der News-Server eine Authentifizierung erfordert, fragt Thunderbird nun Ihren Login-Namen und das Passwort ab. Geben Sie die Daten ein und markieren Sie die Checkbox neben Passwort-Manager verwenden, damit sich Thunderbird die Eingaben merkt.

Erschrecken Sie nicht über die Zahl der ungelesen Nachrichten in den Gruppen. Beim Klick auf eine Gruppe holt Thunderbird zunächst nicht die Beiträge ab, sondern nur die Kopfzeilen mit Absender und Betreff. Wenn Sie in einer Gruppe mitdiskutieren wollen, empfiehlt es sich, ein bisschen durch ältere Beiträge zu stöbern. Thunderbird schlägt vor, 500 Kopfzeilen herunterzuladen. Kreuzen Sie die Checkbox Übrige Kopfzeilen als gelesen markieren an und klicken Sie auf Herunterladen (Abbildung 4).

Abb. 4: Standardmäßig lädt Thunderbird nur die Kopfzeilen einer Gruppe herunter, und auch hier zeigt er eine Warnung, wenn es zuviele sind.

Das Lesen einer Newsgroup funktioniert genauso wie das Stöbern in einem IMAP-E-Mail-Account. Thunderbird zeigt die Diskussionen standardmäßig in der Thread-Ansicht an, sortiert also Diskussionen hierarchisch. Wenn Sie auf eine Kopfzeile klicken, lädt Thunderbird die Nachricht vom Server (Abbildung 5).

Abb. 5: Vom Zuckerguss bis zur richtigen Temperatur für eine Lammkeule: In "de.rec.mampf" werden lebenswichtige Fragen rund ums Thema Essen geklärt.

Für Anwender ohne Flatrate ist es unpraktisch und teuer, News online zu lesen. Über den Eintrag Eigenschaften... im Kontextmenü aktivieren Sie den Offline-Modus. Markieren Sie die Checkbox im Reiter Offline, damit Thunderbird die kompletten Beiträge herunterlädt.

Ein neues Posting legen Sie per Klick auf Verfassen an. Haben Sie in der Kontenübersicht gerade die Gruppe markiert, in die Sie posten wollen, trägt Thunderbird den Gruppennamen automatisch ein. Ansonsten wählen Sie in der Drop-Down-Box der Adresszeile Newsgruppe: und tragen als Adresse den Gruppennamen ein. Wenn Sie mehrere Konten besitzen, achten Sie darauf, dass unter Von Ihr Usenet-Konto ausgewählt ist.

Bei der Wahl des Betreffs ist Überlegung gefragt: Je besser er formuliert ist, desto höher ist die Chance, dass Ihr Posting gelesen wird und Sie eine Antwort erhalten. Bevor Sie es mit dem Senden-Button auf die Reise schicken, lesen Sie es Korrektur -- Usenet-Beiträge sind auch noch Jahre später über Archive im Internet abrufbar.

Zwischen den Zeilen schreiben

Auf einen News-Beitrag zu antworten, funktioniert ebenfalls fast genauso wie eine E-Mail zu schreiben. Klicken Sie auf Antworten, öffnet Thunderbird ein Edit-Fenster, in das er schon den richtigen Gruppennamen und den Beitrag, auf den Sie antworten, eingesetzt hat. Löschen Sie den zitierten Text bis auf die so genannte "Attribution line", die Autorenzeile, und die relevanten Stellen, auf die Sie sich in Ihrer Antwort beziehen wollen, und setzen Sie Ihre Antworten jeweils zwischen die zitierten Absätze. Im Usenet ist es erwünscht und üblich, "dazwischen" zu schreiben. Am besten stellen Sie es sich als Interview vor. Ihre Antwort sollte auch für Außenstehende, die den vorhergehenden Beitrag nicht gelesen haben, Sinn ergeben. (eba)

Infos
[1] Thunderbird: http://thunderbird-mail.de
[2] Kaller Gerwien: "Postbote und Türsteher", EasyLinux 03/2004, S. 32ff.
[3] "Wegwerf"-Mailadressen: http://www.spamgourmet.com

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