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Erschienen in EasyLinux 04/2005   »   Ausgabe bestellen

Weblogs -- Anbieter finden und Online-Tagebücher schreiben

Netztagebuch

von Ulrich Wolf


Weblogs sind Online-Tagebücher und liegen voll im Trend. Legen Sie selbst eines an und berichten Sie zum Beispiel über Ihre Linux-Erfahrungen oder informieren Sie sich in den Weblogs anderer Nutzer.

Mit etwas Verspätung kam der Trend der Weblogs -- oder kurz Blogs -- spätestens letztes Jahr auch in Deutschland an. Weblogs eine Art öffentlicher Tagebücher, meist von Einzelpersonen, oft zu bestimmten Themenbereichen und in der Regel mit einer Funktion zum Kommentieren ausgestattet. Verbreitet sind aber auch einfache Tagebücher ohne die Möglichkeit zu kommentieren, kollektive Weblogs mehrerer Personen und jede Menge Abstufungen.

Websites mit diesen Funktionen gab es schon, bevor der Begriff Blog populär wurde. Zum Massenphänomen entwickelten sie sich aber erst, als Firmen und Open-Source-Projekte spezielle Server-Software entwickelten, die es sehr einfach macht, ohne jegliche HTML-Kenntnisse und ohne Einarbeitungszeit solche Weblogs anzulegen und laufend mit Text und Bildern zu ergänzen. Im Prinzip handelt es sich dabei um spezialisierte Content-Management-Systeme. Neben der einfachen Bedienbarkeit liegt die Stärke dieser Blog-Software darin, dass sie es ganz einfach macht, Einträge zu ähnlichen Themen oder von Freunden und Bekannten untereinander zu vernetzen. So entsteht die sogenannte Blogosphäre, in der sich Informationen, manchmal auch Gerüchte und Falschmeldungen, wie Lauffeuer verbreiten. Das hat übrigens auch Auswirkungen auf Suchmaschinen wie Google. Für Google ist eine Website um so wichtiger, je öfter auf sie verlinkt wird. Die starke Verlinkung von Blog-Einträgen untereinander bringt diese ausgefeilten Ranglisten kräftig durcheinander. Trotzdem oder gerade deswegen kann Bloggen Spaß machen.

Zugriff per Browser

Jeder kann mit etwas technischem Verständnis bei einem Webspace-Anbieter selber Blogging-Server aufsetzen. Einen Vergleich der dazu nötigen Software bringt das Linux-Magazin-Sonderheft "Web Publishing". Die mindestens 36 000 Weblogs, die es in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt, liegen aber vor allem bei kommerziellen, darauf spezialisierten Hostern. Diese finanzieren sich über Werbung und kostenpflichtige Angebote -- oder versuchen es zumindest. Vielen gelingt es nicht, diese nehmen dann entweder keine neuen Mitglieder mehr auf oder schließen ganz.

Die Anmeldung bei einem Blogging-Dienst ist in der Regel kostenlos, die Anzahl der Werbebanner, die Sie dafür in Kauf nehmen müssen, hält sich meist in Grenzen, auch ganz werbefreie kostenlose Blogs sind möglich. Der zur Verfügung stehende Plattenplatz reicht bei den meisten Anbietern für mehrbändige Romane aus, wenn Sie nur Text schreiben, aber auch für Bilder steht oft reichlich Platz zur Verfügung.

Um bei den verschiedenen Anbietern ein Blog anzulegen und mit Einträgen zu aktualisieren, genügt ein Browser. Die Oberflächen der Weblog-Systeme haben dazu einfach zu bedienende Text-Editoren, die direkt im Browser dargetellt werden. Es gibt trotzdem noch einige kleine, schlanke Programme, die direkt auf eine Schnittstelle der Blog-Server zugreifen, so dass kein Online-Formular mehr nötig ist, um seine Einträge auf den Server zu senden. Interessanterweise gibt es sehr viele Programme für den Macintosh, einiges für Windows aber nur wenige derartige Tools für Linux.

Zwei eigenständige Programme sind BlogGTK und Gnomeblog. Mozblog ist ein Browser-Plugin für Mozilla. Es benötigt aber das "große" Mozilla-Paket, mit dem eigenständigen schlanken Firefox-Browser vom Mozilla-Projekt funktioniert es nicht. Alle drei Tools sind zwar klein und einfach, trotzdem aber problematisch zu installieren, da Abhängigkeiten zu anderer Software bestehen. Sie müssten also einiges nachinstallieren, deshalb verzichten wir auf eine Beschreibung dieser Werkzeuge.

Abb. 1: Alle Weblogs haben -- wie hier Blogg.de -- einfach zu bedienende Texteditoren direkt im Browserfenster.

Auf der Suche

Der mit Abstand größte Anbieter ist Myblog http://www.myblog.de Fast die Hälfte aller deutschen Weblogs liegt dort. Das relativ neue Portal http://www.blogg.de und der Veteran der Blogging-Szene http://www.20six.de folgen auf den Plätzen 2 und 3. Daneben sind noch Blogigo (http://www.Blogigo.de) und Antville (http://www.antville.de) relevant. Letzterer ist einer der Weblog-Pioniere, Neuanmeldungen sind dort derzeit aber nicht mehr möglich, die Betreiber verweisen stattdessen auf den österreichischen Betreiber Twoday (http://www.twoday.net), der ebenfalls die Antville-Software nutzt. Das werbefreie http://www.blogger.de, einer der ersten Anbieter in Deutschland, nimmt derzeit ebenfalls keine neuen Mitglieder mehr auf.

Blogg.de nervt gelegentlich mit Werbebannern, die Töne von sich geben. Bei der Anmeldung verlangt werden Name, Postadresse und E-Mail-Adresse des Bloggers. Diese Daten erscheinen -- wie bei allen anderen Blogdiensten auch -- nicht automatisch auf den angelegten Seiten. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen des Betreibers weisen jedoch auf die in Deutschland bestehende Impressumspflicht für Webseiten hin. Verboten sind "das Anbieten von Inhalten und die Verlinkung solcher Inhalte, die nach gesetzlichen Maßstäben, den allgemeinen Moralvorstellungen und letztinstanzlich der Entscheidung von blogg.de als obszön, beleidigend, diffamierend, anstößig, pornografisch, belästigend, rassistisch, ausländerfeindlich, rechtsradikal oder sonstig verwerflich anzusehen sind" Die Betreiber behalten sich also das Recht vor, Einträge, die sie "verwerflich" finden, zu löschen.

Dieser Hinweis findet sich in ähnlicher Form bei allen Blog-Portalen, so auch bei Myblog.de. Dort wollen die Betreiber aber noch ein paar mehr Daten haben, nämlich außer Namen, Anschrift und E-Mail-Adresse auch noch Geschlecht und Geburtsdatum. Laut AGB verpflichten sich die Betreiber, Daten nur nach Zustimmung des Nutzers weiterzugeben. Jeder Myblog-Benutzer bekommt allerdings einen wöchentlichen E-Mail-Newsletter, den er nicht abbestellen darf.

Abb. 2: Fast alle Weblog-Anbieter ermöglichen es, fertige Layouts für das Online-Tagebuch auszuwählen. Einige, wie Twodays.net lassen es auch zu, direkt HTML zu bearbeiten und damit die Seiten individuell zu gestalten.

20six.de ist der zweitgrößte Anbieter und hat kostenlose und kostenpflichtige Angebote im Programm, wobei das kostenlose mit einem Megabyte Speicherplatz etwas zu dürftig ausgestattet ist, um beispielsweise ausgiebige Fotosafaris zu dokumentieren. Sinn von Weblogs ist es ja, alte Einträge nicht zu löschen. Ein Umstieg auf ein kostenpflichtiges Angebot ist also hier fast unausweichlich, zumindest für alle, die regelmäßig Fotos einstellen. 20six "glänzt" außerdem mit seitenlangen allgemeinen Geschäftsbedingungen ebenfalls mit dem vorbehaltenen Recht, Einträge ohne Angabe von Gründen zu löschen. Eingabe eines Namens und einer Adresse ist Pflicht.

Kurz vor Redaktionsschluss ging das neue Portal Blog.de an den Start. Auch hier gab es (noch) keine Werbung. Es war außerdem eines der wenigen Portale, die vom Nutzer nicht verlangten, sich mit Realnamen und Postadresse zu registrieren. Allderdings ist das Projekt in der Betaphase, die Bedingungen können sich also noch ändern.

Weblogs mit Linux-Themen

Viele Weblogs befassen sich mit Linux und Open Source. Die meisten davon stammen jedoch von IT-Profis oder sind reine Nachrichten-Sammelstellen. Einige Ausnahmen gibt es jedoch auch in der deutschsprachigen Blogosphäre.

"Suzans Lust und Frust mit Linux" ist der Titel eines Blogs, der den Inhalt ziemlich genau trifft. Alltagsprobleme mit Hardware oder pixelig und hässlich aussehenden Anwendungen kommen dort genauso zur Sprache wie die Freude, wenn eine neu gekaufte TV-Karte sofort läuft. Einsteiger und Normalanwender werden dieses Blog nützlich finden, weil es besser als typische Anleitungen nachvollziehbar macht, wie man unter Linux Probleme löst und sie können von der Herangehensweise der Autorin einiges für den Umgang mit dem eigenen System lernen. Ein kleiner Tutorial-Bereich gibt zudem wertvolle Tipps und Tricks.

Sie sollten jedoch nicht vergessen, dass ein solches Weblog kein Support-Forum ist, und dort womöglich erwarten, dass die Autorin Ihre ganz persönlichen Probleme mit Linux löst.

"Penguins -- Überlaufen zu Linux" ist ein Gemeinschafts-Blog, an dem die Autorin von "Suzans Lust und Frust" beteiligt ist. Es hat nicht diese persönliche Note, die viele tagebuchartige Weblogs ausmacht. Statt dessen gibt es Veranstaltungshinweise, Politisches rund um die Linux-Szene, Linux zu nützlichen Seiten im Internet und wie der Name des Blogs schon sagt, massenweise Umstiegstipps. Hier sind übrigens auch Fragen von Einsteigern erwünscht, und zwar in einem dafür angelegtem Forum. (http://linuxlog.de/) Zwei weitere Blogs eher privater Art, die gelegentlich Erfahrungen mit Linux auf dem Desktop beschreiben, sind Rabenhorst http://rabenhorst.blogg.de/ und das Netzbuch http://www.das-netzbuch.de/. "Jans Technik-Blog" http://www.theofel.de/archives/linux/index.html sammelt und kommentiert Neuigkeiten aus dem Internet und den Medien über Linux und Open Source.

Abb. 3: Linuxlog ist ein Gemeinschafts-Weblog für alle Linux-Umsteiger mit vielen Links, Tipps und aktuellen Linux-Themem.

Nützliche Tipps und Linux-Frustbewältigung

Allgemeines zum Thema Linux und Open Source, Tipps zu Software und Erfahrungsberichte bringt http://www.clemens-kraus.de/cgi-bin/blosxom/linux/. Der Autor benutzt derzeit Suse Linux 9.2 und beschreibt seine Erlebnisse mit dieser Distribution. Eher in die Kategorie Profis gehört http://codefreak.de/archiv/category/unixlinux/, aber auch hier finden sich Praxistipps zu Hardware-Problemen.

Manche Blogs erlauben auch Einblicke in das Privatleben der Linux-Prominenz, so etwa die Tagebücher des legendären Kernel-Entwicklers Alan Cox (derzeit offline) und seiner Frau Telsa http://zenii.linux.org.uk/~telsa/Diary/ oder von Ian Murdock, dem Erfinder der Debian-Distribution http://ianmurdock.com/.

Der neueste Trend sind so genannte Moblogs (Mobile Weblogs). Dabei ist nicht das Weblog selber mobil, sondern wird von mobilen Geräten aus gefüttert. Im einfachsten Fall geht das so: Ihnen fällt unterwegs etwas Mitteilenswertes ein, Sie schicken eine SMS an eine bestimmte Mailadresse des Blogging-Dienstes Ihrer Wahl, die Ihre Zugangsdaten und den Text enthält, und schon erscheint er auf Ihrem Weblog. Myblog.de, 20six und Blogg.de bieten diese Möglichkeit über SMS an, bei Twodays ist ein MMS-fähiges Handy nötig.

Die Qual der Wahl

Die Entscheidung für einen Blogging-Anbieter hängt mit davon ab, was der künftige Tagebuchschreiber bezweckt und ob er bereit ist, ein paar Euro im Monat dafür auszugeben. Für Blogger mit ernsthaften Anliegen sind 2 bis 5 Euro monatlich sicher kein Problem. Wer das nicht möchte, muss mit sehr begrenztem Platzangebot und/oder Banner-Werbung leben. Eine Ausnahme ist hier Twodays.net, der akzeptable 3 MByte auch ohne Werbung anbietet. Hinzu kommt dort eine freundliche Community. Lässt man sich durch Banner-Werbung nicht stören, ist Blogg.de mit 100 MByte das Paradies für Fotofreaks. (uwo)

Deutschsprachige Weblog-Portale
kostenloser Zugangkostenpflichtiger Basis-Zugang
Anbieter SpeicherplatzWerbungBlog-Anzahlmobiles BloggingSpeicherplatzWerbungBlog-Anzahlmobiles BloggingPreis/Monat
20six.de1 MByteja1SMS/MMS/Telefon50 MBytenein3SMS/MMS/Telefon2,95 Euro
blogg.de100 MByteja5SMS/MMS100 MBytenein5SMS/MMS4,95 Euro
blogigo.de250 kBja5nein10 MBytenein5nein1,66 Euro
blog.denoch im Beta-Stadium
myblog.de500 kByteja1nein
twodays.net3 MBytenein1MMS100 MBytenein1MMS5,00 Euro

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