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von Hans-Georg Eßer
Wer nach Hilfen für den Einstieg in Linux sucht, hat typischerweise drei Möglichkeiten: Im Freundes- und Bekanntenkreis ist vielleicht ein erfahrener Linux-Benutzer, der bei den ersten Schritten hilft -- ansonsten bleibt der Griff zum Buch oder zur Fachzeitschrift.
Seit kurzem gibt es eine Alternative: Markt+Technik (http://www.mut.de) hat in Zusammenarbeit mit Video2Brain (http://www.video2brain.com/) eine DVD zusammengestellt, die in einer zwölf Stunden langen Videopräsentation viele einführende aber auch zahlreiche fortgeschrittene Themen behandelt.
Zwölf Stunden wird kein Anwender am Stück anschauen wollen, und deswegen ist die DVD in zehn Kapitel (teilweise mit Unterkapiteln) unterteilt, die wiederum in einzelne Filme untergliedert sind (Abbildung 1). Die Kapitel sind:
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Abb. 1: Das Hauptmenü mit den zehn Kapiteln. |
Insgesamt gibt es 80 Videobeiträge unterschiedlicher Länge; der längste Beitrag "Systemeinstellungen anpassen" im Kapitel "Grafische Benutzeroberfläche" hat eine Spielzeit von 24:45 Minuten.
Die Videos bieten interessante Informationen und beschreiben einzelne Aspekte sehr detailliert, so dass auch fortgeschrittene Anwender hier noch viel lernen können. Das gilt vor allem für die Workshops im letzten Kapitel, wo zum Beispiel die Einrichtung und Nutzung eines LAMP-Servers (Linux, Apache, MySQL und PHP) beschrieben werden.
Auf dem Testrechner geschah beim Aufruf der Seite index.html in Mozilla nichts -- anders als in der Anleitung beschrieben, war ein Aufruf von start_cd.html die richtige Wahl. Dann ging es auch gleich los: Ein installiertes Flash-Plug-in ist die Voraussetzung für den Videogenuss im Browser, doch dessen Einsatz ist heute auch unter Linux beinahe Standard. Außer Linux unterstützt die DVD auch Windows und Mac OS (sowohl OS 9 als auch OS X).
Die Gestaltung der Oberfläche ist sehr übersichtlich. Fährt man mit der Maus über einen der Menüpunkte, wird im rechten Teil eine Kurzbeschreibung eingeblendet. Diese Beschreibungen entsprechen den Inhaltsangaben im Begleitheft.
Die Oberfläche verwendet 1024x768 Pixel -- das ist genau die kleinste noch übliche Auflösung, so dass die Darstellung für jeden Rechner geeignet ist. Auf einem 1600x1200-Monitor würde man sich zwar eine größere Darstellung wünschen, aber da es viele Geräte, vor allem Notebooks, mit 1024er Auflösung gibt, war die Wahl dieser Auflösung richtig.
Über das Hauptmenü erreicht man eine zweite und bei manchen Themen noch eine dritte Menüebene, von der aus dann die einzelnen Filme gestartet werden.
Die Bildqualität ist ausgezeichnet. Der dargestellte Desktop hat ein Wide-Display-Format (1024x600 Pixel), so dass die Breite voll ausgenutzt wird und unter dem Bild ausreichend Platz für die Steuerungselemente bleibt. Diese sind an die Bedienknöpfe eines DVD-Players angelehnt und intuitiv zu bedienen. Neben Kapitel, Abschnitt und Film wird über einen Fortschrittsbalken auch angezeigt, wieviel Material im aktuellen Film noch verbleibt (Abbildung 2). Die Oberfläche ist rundum gelungen, und die Steuerknöpfe reagieren schnell auf Mausklicks.
Zwar gibt es bei größeren Bewegungen (etwa beim Verschieben eines großen Fensters über den Desktop) leichte Ruckler im Bild; diese sind aber nicht störend.
Auch die Klangqualität ist sehr gut. Die kurzen und unmotivierten Sprechpausen, die selten auch mitten im Satz auftreten, sind zu verkraften. Sprache und Bild sind synchron.
Gelegentlich gibt es längere Textpassagen, während denen sich das Bild nicht verändert, aber das kommt bei normalen Schulungsvorträgen auch vor -- und an diese lehnt sich die DVD an, so wird der Sprecher Thomas Kraetschmer auch "Trainer" und nicht Sprecher genannt.
Herr Kraetschmer ist übrigens Österreicher, was am leichten Akzent und gelegentlich durch ungewöhnliche Wortwahl auffällt. Nach kurzer Zeit haben sich aber auch deutsche Ohren an den Dialekt gewöhnt, und er spricht mit gutem Tempo und klarer Aussprache.
Eine kleine Auswahl der Kapitel kann man auch über einen normalen DVD-Player am Fernseher betrachten. Hier hatten die DVD-Entwickler allerdings das Problem zu lösen, die Wide-Screen-Videos auf 4:3-Fernsehern anzuzeigen -- Teile der Videos werden im Vollbildmodus dargestellt, in dem sich Schrift nicht mehr lesen lässt; meist wird aber ein Ausschnitt vergrößert dargestellt (Abbildung 3). In der Teilansicht kann man fast alles gut erkennen, allerdings verwirrt der häufige Wechsel des sichtbaren Bereichs.
Am Fernseher sollte die DVD daher nur betrachtet werden, wenn kein Computer zur Verfügung steht -- es gibt dort ohnehin nur eine kleine Auswahl der Filme zu sehen.
Bei aller Liebe zum Detail, mit der die sehr umfangreiche DVD zusammengestellt wurde, haben sich leider auch viele Ungereimtheiten und ein paar Fehler eingeschlichen: Da wird die DVD ins CD-ROM-Laufwerk gelegt, /home wird zum Home-Verzeichnis des Benutzers erklärt (während die Home-Verzeichnisse eine Ebene unterhalb von /home liegen), und der Begriff "blockorientierte Geräte" findet die Erklärung, dass man unter Linux immer Datenblöcke liest... Bei der praktischen Vorführung des Scanner-Programms Kooka sieht man zwei erfolglose Versuche, ein Bild über den Scanner einzulesen -- das dürfte ein wenig demotivierend sein.
Einige Anleitungen sind nur für eine bestimmte Distribution gültig, z. B. wird die Soundkarteneinrichtung über system-config-soundcard beschrieben -- das Tool gibt es nur unter Fedora Core, es entsteht aber der Eindruck, dass es ein Bestandteil von KDE (und damit auf jedem System verfügbar) wäre.
Linux-Profis drängt sich der Eindruck auf, dass die Inhalte teilweise von Autoren erstellt wurden, die noch nicht allzu viel Erfahrung mit Linux haben. Das macht die DVD nicht unbrauchbar, führt aber -- abhängig vom Linux-Kenntnisstand des Betrachters -- mehr oder weniger häufig zu Kopfschütteln.
Was die Einsteigertauglichkeit angeht, ist der Gesamteindruck gemischt. Viele Kapitel sind sehr hilfreich, aber wenn der Trainer plötzlich von "Sources" spricht, hervorhebt, dass Mandrake Linux Clustering-Software mitbringt, wenn er vorschlägt, "Befehle aus Binary-Verzeichnissen auszuführen" und schließlich mitteilt, dass Konqueror "den Mount /mnt/hdc6" anzeigt -- dann fehlen an solchen Stellen doch ausführlichere Erklärungen, wovon eigentlich die Rede ist.
Neben der DVD erhalten Käufer eine Knoppix-CD -- das ist eine Linux-Live-CD, mit der sich viele der Lektionen gleich am Rechner nachvollziehen lassen, ohne dafür Linux installieren zu müssen: Knoppix bootet man von der CD und kann dann mit dem KDE-Desktop arbeiten.
Ein 24-seitiges Booklet listet den Inhalt auf: Zu jedem Kapitel findet sich hier eine kurze Beschreibung, was den Betrachter erwartet. Dazu kommen eine kurze Übersicht wichtiger Shell-Befehle und Bedienhinweise für die DVD.
Eine einheitliche Bewertung der DVD ist schwierig: Auf der Habenseite finden sich eine gewaltige Informationsmenge, sehr übersichtliche Navigation und ausgezeichnete Bild- und Tonqualität, die viele Tage interessanten Lernens versprechen -- andererseits wird dieser gute Eindruck durch viele Unstimmigkeiten und kleinere Fehler getrübt.
Lehnt man sich zurück und erwartet keine 100-prozentige Korrektheit des zwölfstündigen Materials, kann man ohne Anstrengung eine Menge über Linux erfahren. Mit 39,95 Euro ist die DVD nur etwa doppelt so teuer wie eine aktuelle Spielfilm-DVD. Für den gleichen Preis kann man zwar ein thematisch umfassenderes Buch kaufen -- aber das will auch gelesen werden, während die DVD bequemeren "Konsum" der Informationen erlaubt.
Wenn der Hersteller die bestehenden Probleme noch behebt, kann in der nächsten Auflage ein Spitzenprodukt entstehen. (hge)
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Titel: Jetzt lerne ich Linux (DVD)
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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