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von Andrea Müller
Die Neunkirchener Software-Schmiede Buhl Data [1] bietet bereits seit mehreren Jahren den Steuerhelfer Tax auch für Linux an. Lag die Linux-Version der Software früher auch der Standardversion bei, gibt es sie seit letztem Jahr nur noch als Beigabe zu Tax Professional. Allerdings handelt es sich nicht um native Linux-Software, sondern Tax nutzt den Windows-Schnittstellen-Emulator Wine, um die Windows-Version des Steuerhelfers unter Linux zu betreiben. Wir haben getestet, wie sich Tax 2005 Professional unter aktuellen Distributionen schlägt.
Ist Ihnen die Profi-Version für 40 Euro zu teuer, laden Sie alternativ nur die Linux-Version für 19 Euro aus dem Internet herunter [2]. Anders als bei vielen anderen Software-Paketen lohnt sich der Kauf der Box: Neben der Programm-CD steckt ein über 600 Seiten dickes Handbuch mit im Paket. Der erste Teil widmet sich der Programmbedienung, der zweite Teil enthält einen Steuerratgeber. Er deckt von den Grundlagen -- wer muss eigentlich eine Steuererklärung abgeben -- bis hin zu kniffligeren Fragen, z. B. zur doppelten Haushaltsführung, nahezu alle Themen ab. Komplettiert wird das Ganze von einem neunseitigen Glossar, das einen schnellen Überblick über die wichtigsten Fachbegriffe bietet.
Als notwendige Hardware nennt Buhl Data einen Rechner ab 200 MHz Taktfrequenz, eine Vorgabe, die Sie für den Betrieb unter Linux um ca. 500 MHz aufstocken sollten. Die Emulation unter Wine läuft wesentlich langsamer als Tax unter Windows.
Die Linux-Installation von Tax läuft in einem Kommandozeilenfenster ab. Standardmäßig kopiert das Installationsskript die Software in den Unterordner tax2005 Ihres Home-Verzeichnisses, so dass Sie zur Installation keine Root-Rechte benötigen. Dank der sinnvollen Vorgaben ist das Einspielen der Software auch für Neulinge auf der Kommandozeile kein Hexenwerk:
sh install.x
Haben Sie Tax registriert oder den Vorgang mit Abbrechen beendet, fragt das Installationsskript nach, ob es Tax Professional starten soll. Geben Sie hier ja ein, um direkt mit dem Programm zu arbeiten.
Tax startet mit einem Übersichtsbildschirm aus dem Sie eines der sechs mitgelieferten Programme aufrufen (Abbildung 3). Das Herzstück der Programm-Suite ist die Steuerberechnung. Deren Oberfläche gibt sich aufgeräumt mit den wichtigsten Optionen und ständig wechselnden Steuertipps. Haben Sie schon mit der Vorversion gearbeitet, übernehmen Sie hier die Datenbestände aus Tax 2004; fühlen Sie sich eher als Tax-Novize, verschaffen Sie sich über Erste Schritte in t@x einen Einblick in das Programm. Damit das gelingt, stellen Sie zuvor unter Extras / Optionen / externe Anwendungen den bevorzugten Browser ein, etwa Mozilla. Ein installiertes Flash-Plug-in ist jedoch Pflicht, um die geführte Tour zu absolvieren.
Um gleich mit der Einkommenssteuer loszulegen, führt der Weg über Neue Datei. Tax erfragt in diesem Fall einige Filtereinstellungen, um Sie später nicht mit Fragen zu behelligen, die für Sie irrelevant sind. Standardmäßig ist der so genannte tax-Lotse aktiv, der fiskalisch Unerfahrene an die Hand nimmt, alle relevanten Angaben erfragt und basierend auf diesen Angaben die Steuerformulare ausfüllt (Abbildung 4).
Dabei nimmt Tax Professional dem Benutzer so viel Arbeit wie möglich ab: Kaum hat man die Postleitzahl eingetragen, schon füllt das Programm selbständig die Felder für das Bundesland und die Stadt aus. Das zuständige Finanzamt einzutragen, reicht ebenfalls aus -- Tax kennt die Adressen aller Ämter und füllt den Adressteil der Eingabemaske automatisch aus (Abbildung 5). Auf der linken Seite sehen Sie in einer Baumansicht, welche Fragen Sie bereits beantwortet haben -- dort wechseln Sie auch zwischen den Dialogen hin und her. In der rechten Fensterhälfte bietet Tax permanent ein Hilfefenster. Unter dem Reiter Infos erfahren Sie alles Wissenswerte zu der aktiven Eingabemaske, die Reiter Tipps und Gesetze bieten weiterführende Informationen. Beim Aufruf eines Gesetzestextes öffnet Tax die Windows-Hilfe im CHM-Format, die unter Linux jedoch recht träge reagiert. Selbst auf einem leistungsstarken Rechner dauert das Laden der Hilfe fast eine Minute.
Wer sich dagegen im Steuerdschungel perfekt auskennt, schaltet den Lotsen über das Leuchtturm-Icon in der Symbolleiste ab. Dann präsentiert sich Tax in der klassischen Ansicht mit Themenleiste (Abbildung 6).
Zusatz-Features offeriert Tax im Menü Extras. Hier rufen Sie den Beleg-Manager auf, in dem Sie Rechnungen für Arbeitsmittel oder außergewöhnliche Belastungen erfassen. Die Steuerklassenwahl verrät Ehepartnern, mit welcher Kombination sie am günstigsten fahren, und Lohn- und Einkommenssteuertabellen zeigen übersichtlich, mit welchen Belastungen Sie bei einem bestimmten Einkommen zu rechnen haben.
Über den Menüpunkt Musterschreiben greifen Sie auf eine große Auswahl vorformulierter Anträge und Schreiben zu, die Tax in der integrierten Textverarbeitung öffnet. Das so reich gefüllte Menü war übrigens das einzige Ärgernis bei unserer Arbeit mit Tax: Unter Suse Linux 9.1 und Fedora Core 2 verschwand sporadisch die Menüleiste. Ein einfacher Trick, sie zurückzuholen, besteht darin, über Fensterverhalten festlegen aus dem Kontextmenü der Titelleiste eine andere Fensterdekoration einzustellen.
Haben Sie das Programm mit allen notwendigen Informationen gefüttert, führt Tax eine Plausibilitätsprüfung durch. Es deckt dabei etwa Tippfehler bei Jahreseingaben auf und macht Sie darauf aufmerksam, wenn Sie eines Ihrer Kinder älter als sich selbst gemacht haben. Die Steuererklärung erstellen Sie dann über das Ausgabe-Menü, wobei Tax-Benutzer über Elektronische Steuererklärung (Elster) ihre Daten gleich online ans Finanzamt übermitteln können.
Auch die anderen Programme der Steuer-Suite bieten einiges für Steuersparfüchse. Das Programm Gewinnermittlung erstellt Einnahme-Überschussrechnungen für Freiberufler und Gewerbetreibende. Beim Lohnsteuer-Ermäßigungsantrag für das Steuerjahr 2005 hilft die Anwendung Freibetrag, das Programm namens Feststellung ist beispielsweise für Personengesellschaften nützlich, die eine Feststellungserklärung abgeben müssen. Besonders raffiniert gibt sich der Steuer-Planer: Er hält viele Ratschläge zur steuerlichen Gestaltung des Folgejahres bereit. Unter Fedora Core 2 und Suse Linux 9.1 gelang es uns jedoch nicht, mit Hilfe des Grunddaten-Assistenten eine individuelle Expertise zu erstellen, das Programm präsentierte beim Klick auf die entsprechende Schaltfläche eine Fehlermeldung (Abbildung 7).
Die restlichen Module des Programms funktionieren jedoch fehlerfrei und halten Tipps und Tricks für alle Finanzlagen bereit. Wollen Sie beispielsweise wissen, welchen Anteil Ihrer PC-, Internet- und Telekommunikationskosten Sie von der Steuer absetzen können, erfahren Sie das vom Computerkosten-Rechner im Abschnitt Telekommunikation, PC+ Internet / Rechner Computerkosten (Abbildung 8).
In den einzelnen Abschnitten gibt es noch weitere praktische Assistenten: So finden Sie etwa unter Reisekosten / Information den Menüpunkt Erfassungshilfe: Fahrtenbuch, in dem Sie berufliche Fahrtkosten verwalten. Das Einkommensteuermodul kann die so erstellten Fahrtenbücher später einfach übernehmen.

Tax Professional 2005 für Linux ist trotz der Abhängigkeit von Wine eine runde Sache. Die Installation gelingt fast ebenso leicht wie unter Windows, und das Programm läuft stabil und zuverlässig. Die einzelnen Module bieten fast schon ein Zuviel an Funktionen, doch dank der ausgezeichneten, immer präsenten Online-Hilfe verirren sich auch unerfahrene Anwender nicht im Blätterwald der Steuerformulare. Da die Programme der Steuer-Suite problemlos untereinander Daten austauschen, spart man sich lästige Mehrfacheingaben. Der einzige Wermutstropfen ist, dass sich Tax unter Linux weit Hardware-hungriger als unter Windows zeigt. Die Emulation verlangsamt den Fensteraufbau und die Navigation, so dass flüssiges Arbeiten erst ab einem 1-GHz-Rechner möglich ist. (amü)
| Infos |
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[1] Buhl Data: http://onlineshop.buhl.de/
[2] Tax Professional 2005 für Linux: http://onlineshop.buhl.de/buhl?art=178 |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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