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von Heike Jurzik
In Mail-Programme oder Text-Editoren integrierte Rechtschreibprüfungen helfen nicht nur Schreibprofis, Tippfehler zu vermeiden. In vielen KDE-Programmen gibt es daher dank KSpell die Möglichkeit, die eigenen Texte per Mausklick überprüfen zu lassen. Welcher Spell-Checker dabei die eigentliche Arbeit übernimmt, entscheiden Sie selbst. Mit ispell und aspell stehen zwei Tools zur Wahl, die Ihnen das Korrekturlesen erleichtern. Dieser Artikel stellt die beiden Kommandozeilenprogramme vor, verrät Tipps und Tricks zur Benutzung und zeigt, wie die Funktionen in KDE integriert sind.
Das Programm ispell arbeitet interaktiv auf der Kommandozeile und spürt falsch geschriebene Wörter auf. Findet es einen Begriff, der nicht im Wörterbuch enthalten ist, schlägt ispell Alternativen vor. Sie entscheiden, ob Sie das Wort ersetzen, dem persönlichen Wörterbuch hinzufügen oder die Fehlermeldung ignorieren. Während das Rechtschreibprogramm unter Suse Linux 9.1 und 9.2 mit einigen Wörterbüchern Teil der Standardinstallation ist, können Benutzer von Fedora Core 2 diesen Abschnitt überspringen und ab dem aspell-Abschnitt weiterlesen -- ispell ist dort lediglich ein Shell-Skript, das auf aspell verweist. Wer Mandrake Linux 10.1 einsetzt, muss ispell und verschiedene Wörterbücher nachinstallieren. Der Kasten "ispell" unter Mandrake Linux 10.1 installieren verrät, wie's geht.
Für den ersten ispell-Testlauf öffnen Sie zunächst eine Konsole, z. B. über KDEs Schnellstarter [Alt-F2] und Eingabe von konsole. Suchen Sie sich eine einfache Textdatei aus, die Sie überprüfen wollen, und tippen Sie:
ispell textdatei
Abbildung 1 zeigt, was ispell in diesem ersten Versuch alles beanstandet -- gleich das erste Wort, der deutsche Artikel "Das", wird als Rechtschreibfehler interpretiert. Des Rätsels Lösung: Standardmäßig verwendet ispell für die Korrekturläufe ein englisches Wörterbuch. Um auf deutsche Sprache umzuschalten, müssen Sie explizit das deutsche Wörterbuch mit der Option -d (für englisch: "dictionary") beim Aufruf mit angeben. ispell verwaltet sämtliche Wortlisten in .aff-Dateien, die Silbenregeln und Umlautkodierungen enthalten. Werfen Sie einen Blick ins Verzeichnis /usr/lib/ispell: Die Wortliste zur alten deutschen Rechtschreibung heißt deutsch.aff, die neue Rechtschreibung arbeitet mit der Datei german.aff. Um die Textdatei von eben also nun mit dem Wörterbuch zur neuen deutschen Rechtschreibung nach Fehlern zu durchforsten, verwenden Sie den Befehl
ispell -d german -T latin1 textdatei
Die zusätzliche Angabe von -T latin1 (Kodierung der Umlaute gemäß ISO 8859-1) bewirkt, dass ispell auch deutsche Umlaute richtig erkennt. Eventuelle Fehler erscheinen hervorgehoben im oberen Bereich; sofern ispell im Wörterbuch ähnliche Begriffe findet, bietet es diese als Alternative an. Diese Vorschläge erscheinen jeweils durchnummeriert -- um das Wort zu ersetzen, müssen Sie lediglich die Ziffer der gewünschten Alternative drücken.
In der unteren Zeile sehen Sie weitere Tastenkürzel, die zum Arbeiten mit ispell zur Verfügung stehen. Drücken Sie beispielsweise [R] ("replace with" = "ersetze durch"), erscheint eine Eingabeaufforderung, an der Sie angeben können, wodurch das Wort im gesamten Text ersetzt werden soll. Wollen Sie das als fehlerhaft erkannte Wort für den Rest des ispell-Laufs akzeptieren, nicht aber dauerhaft dem persönlichen Wörterbuch hinzufügen, drücken Sie [A]. Mit [I] fügt ispell den Begriff Ihrem persönlichen Wörterbuch hinzu. Es handelt sich hierbei um eine versteckte Datei (zu erkennen daran, dass sie mit einem Punkt beginnt), die in Ihrem Home-Verzeichnis liegt. Wenn Sie mit dem deutschen Wörterbuch arbeiten, lautet der Dateiname .ispell_german; für das englische Wörterbuch heißt die persönliche Wortliste .ispell_english. Jedes Wort steht dort in einer eigenen Zeile -- im Klartext, d. h. Sie können die Datei jederzeit in einem Text-Editor anpassen (Abbildung 2). Beim nächsten ispell-Aufruf sind die persönlichen Einträge bekannt und werden nicht mehr als Fehler angemerkt.
Nach dem Korrekturlauf beendet sich ispell standardmäßig von selbst -- es gibt allerdings zwei Möglichkeiten, den Spell-Checker vorzeitig zu verlassen: Drücken Sie entweder [X], um die gemachten Änderungen zu speichern und das Programm zu verlassen, oder [Q], um die Änderungen zu verwerfen. Die Sicherheitsabfrage
Are you sure you want to throw away your changes?
muss mit der Taste [Y] bestätigt werden -- alternativ drücken Sie auf [N], und ispell fährt mit der Arbeit fort. Zusätzliche Sicherheit bringt der Parameter -b im Aufruf: Dann legt ispell ein Backup der Originaldatei an. Die auf diese Weise gesicherten Kopien tragen entweder eine Tilde oder den Zusatz .bak am Ende des Dateinamens.
Wer keine Lust hat, sich die Optionen für das Wörterbuch und den Zeichensatz zu merken, kann in der Bash-Konfigurationsdatei .bashrc im eigenen Home-Verzeichnis die folgenden zwei Zeilen eintragen:
export DICTIONARY=german export CHARSET=latin1
Damit die Änderungen greifen, verlassen Sie am besten KDE und melden sich neu an. Beim nächsten ispell-Aufruf können Sie nun die beiden Parameter -d german und -T latin1 weglassen.
Mit der Option -C ist es möglich, ispells Verhalten bei zusammengesetzten Worten genauer zu definieren. Wenn zwei Wörter in einem Wörterbuch stehen, also bekannt sind, und Sie diese beiden Begriffe zu einem neuen zusammensetzen, können Sie ispell beim Aufruf mitteilen, dass es sich nicht um eine falsche Schreibweise handelt. Sind also sowohl das Wort "Bier" als auch der Begriff "Wanderung" bekannt und taucht in einem Text das Wort "Bierwanderung" auf, merkt ispell das normalerweise als Fehler an. Starten Sie hingegen den Spell-Checker über
ispell -C textdatei
gibt es für ispell nichts zu beanstanden. Voraussetzung ist aber nicht nur, dass beide Begriffe im Wörterbuch stehen, sondern dass diese auch jeweils mindestens aus drei Buchstaben bestehen. Mehr als zwei Begriffe können Sie nicht miteinander verbinden -- das Wort "Linuxbierwanderung" wird als Fehler hervorgehoben, obwohl alle drei Worte "Linux", "Bier" und "Wanderung" bekannt sind.
Das Rechtschreibprogramm ispell kann aber nicht nur reine Textdateien korrigieren, sondern auch mit weiteren Formaten, wie TeX/LaTeX und HTML umgehen. Sofern eine Datei beispielsweise die Endung .htm oder .html trägt, identifiziert ispell diese als HTML-Datei, und alles was zwischen den spitzen Klammern ("Tags") < und > steht, wird von der Überprüfung ausgeklammert. Einzige Ausname ist das ALT-Attribut, das alternativen Text für ein Bild enthält, z. B.:
<IMG SRC="titel_s.jpg" ALT="Titelbild">
| "ispell" unter Mandrake Linux 10.1 installieren |
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1. Starten Sie den Paket-Manager über das K-Menü / System / Einstellungen / Paketierung / Software installieren und geben Sie auf Aufforderung das Root-Passwort ein. 2. Geben Sie als Suchbegriff ispell ein, wählen Sie das gefundene Paket ispell-3.2.06-11.mdk zur Installation aus und klicken Sie auf Installieren. 3. Mandrake Linux 10.1 fordert Sie nun auf, das richtige Medium einzulegen. Klicken Sie danach auf OK -- dann wird ispell eingespielt. Auf den Installationsmedien befinden sich leider keine ispell-Wörterbücher, so dass Sie einen kleinen Ausflug ins Internet unternehmen müssen: 1. Gehen Sie mit dem Konqueror zu einer RPM-Suchmaschine, z. B. http://www.rpmseek.com/, und geben Sie als Suchbegriff ispell ein. 2. In der recht langen Liste der gefundenen Pakete wählen Sie jeweils das gewünschte Wörterbuch aus (z. B. ispell-de) und folgen den Links zum Download. Wählen Sie einen Server in Ihrer Nähe aus und bestätigen Sie im Dialogfenster über Mit "RpmDrake" öffnen. 3. Geben Sie nach dem Download das Root-Passwort ein und bestätigen Sie die nachfolgenden Fragen zur Installation und Auflösung der Abhängigkeiten. 4. Die installierten Bücher befinden sich anschließend im Verzeichnis /usr/lib/ispell. |
Ein alternative Rechtschreibprüfer ist aspell. Auch dieses Programm wird auf der Kommandozeile gestartet; mit dem Parameter -c datei verraten Sie dem Spell-Checker, welche Datei nach Fehlern durchforstet werden soll, also z. B.:
aspell -c textdatei
Ein deutsches Wörterbuch müssen Sie in der Regel nicht extra definieren, da aspell Ihre Spracheinstellungen auswertet. Sollte das nicht funktionieren, können Sie mit der Option -d <dictionary> ein Wörterbuch beim Aufruf angeben. Sämtliche Wortlisten legt aspell im Verzeichnis /usr/lib/aspell ab. Suse Linux 9.1 und 9.2 sowie Mandrake Linux 10.1 installieren standardmäßig nur aspell-de -- wer fremdsprachige Texte überprüfen möchte, kann über den Paket-Manager YaST oder RpmDrake nachträglich weitere Wörterbücher einspielen (Abbildung 3). Die Fedora-Core-2-Installation kommt hingegen direkt mit mehreren Sprachen; auch British und American English sind standardmäßig dabei. Um also beispielsweise einen englischen Text, welcher der britischen Schreibweise folgt, Korrektur zu lesen, schreiben Sie:
aspell -d en_GB -c datei
Genau wie bei ispell erscheinen nach dem aspell-Start nicht bekannte Begriffe hervorgehoben (Abbildung 4). Neben den durchnummerierten Ersetzungsvorschlägen ist auch hier eine Hilfe zur Tastatursteuerung eingeblendet. Um einen Vorschlag zu übernehmen, drücken Sie wie bei ispell einfach die entsprechende Nummer. Mit [R] können Sie das Wort durch das ersetzen, was Sie neu eingeben. Über [Umschalt-R] gilt das gleich für den ganzen Text. Verschiedene Steuerungssequenzen erleichtern hier die Arbeit:
Wer den Begriff für die aktuelle aspell-Sitzung als richtig geschrieben definieren möchte, drückt [I]; um das Wort dauerhaft ins persönliche Wörterbuch aufzunehmen, drücken Sie [A]. Eigene Wortlisten legt aspell ebenso wie ispell versteckt im Home-Verzeichnis ab, z. B. .aspell.de.pws, wenn Sie das deutsche Wörterbuch verwenden. Auch diese Listen liegen im Textformat vor, und jeder Begriff steht in einer eigenen Zeile.
Im aspell-Paket gibt es ein Skript namens aspell-import. Rufen Sie dieses auf der Kommandozeile auf, importiert es alte persönliche ispell- und aspell-Wortlisten und trägt diese ins aspell-Wörterbuch im Home-Verzeichnis ein:
$ aspell-import Processing "~/.ispell_german", lang = de Merging de @(#) International Ispell Version 3.1.20 (but really Aspell 0.50.5)
Nach getaner Arbeit beendet sich aspell von selbst; sollten Sie vorzeitig abbrechen wollen, drücken Sie [X], um das Programm sofort zu verlassen. Wer hingegen mit [B] abbricht, wird nach einer Bestätigung gefragt:
Are you sure you want to abort?
Bestätigen Sie diese Frage mit Druck auf [Y] -- jede andere Taste wird als "Nein" interpretiert.
Bei vielen KDE-Anwendungen wie beispielsweise KMail, KWrite oder KWord arbeitet das Rechtschreibprogramm KSpell im Hintergrund. Dieses Tool setzt dabei auf die bewährten Spell-Checker ispell und aspell. Welches Tool zur Rechtschreibung eingesetzt wird, können Sie unter Suse Linux 9.1, 9.2 und Mandrake Linux 10.1 entweder für jedes Programm einzeln oder global im KDE-Kontrollzentrum einrichten. Benutzer von Fedora Core 2 können lediglich Standardzeichensatz und -wörterbuch konfigurieren. Dazu gehen Sie wie folgt vor:
Wenn Sie nun beispielsweise mit KMail eine neue Nachricht erstellen, können Sie aus dem Menü Extras / Rechtschreibung wählen, und der Standard-Spell-Checker beginnt mit der Arbeit (Abbildung 5). Die Funktionen unterscheiden sich nicht von der Kommandozeilenbenutzung: Auch im grafischen Dialogfenster entscheiden Sie, ob durch einen Vorschlag aus dem Wörterbuch ersetzt, die Falschschreibung ignoriert oder der Begriff der persönlichen Liste hinzugefügt werden soll. Dieses ist wieder das entsprechende ispell- oder aspell-Wörterbuch im eigenen Home-Verzeichnis. Blenden Sie in KMail über das Menü Ansicht / Wörterbuch ein Pull-down-Menü für die Wortlisten ein, können Sie sogar vor der Überprüfung ein passendes Wörterbuch auswählen.
Im Text-Editor KWrite ist es darüber hinaus möglich, über das Menü Einstellungen / Editor einrichten, zwischen aspell und ispell hin- und herzuwechseln. Blättern Sie in der linken Übersicht einfach bis zum Eintrag Rechtschreibung -- dann sehen Sie den gleichen Konfigurationsdialog wie im Kontrollzentrum.
Auch KWord erlaubt die Wahl zwischen beiden Spell-Checkern -- hier ist allerdings über Einstellungen / KWord einrichten / Rechtschreibung noch ein Fein-Tuning möglich (Abbildung 6): So können Sie über Checkboxen entscheiden, ob Wörter mit Akzenten ignoriert oder Zahlen ignoriert werden sollen, und auch Großschreibung kann ganz oder nur in Überschriften ignoriert werden. Der zweite Reiter Liste komplett ignorieren bietet darüber hinaus an, eine Wortliste komplett von den Kontrolle auszuschließen.
Für welchen Spell-Checker Sie sich entscheiden, ist egal -- man sagt aspell nach, dass es deutlich bessere Alternativen vorschlägt, wenn es einen Fehler findet; ispell ist dagegen ein altbewährtes Programm, das schon lange unter Linux nach Vertippern sucht. Es ist geplant, dass aspell seinen Vorgänger irgendwann ablöst -- unter Fedora Core 2 haben die Entwickler den Schritt schon vollzogen und ispell nicht mit in die Distribution aufgenommen. Ob Sie die Tools auf der Kommandozeile aufrufen oder in KDE-Programme integriert verwenden, ist Geschmackssache -- unter der Haube sucht dasselbe Tool nach Fehlern. (hge)
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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