![]() |
|
||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
von Hans-Georg Eßer
Was nicht jeder weiß: Neben ein paar großen Programmpaketen, die es für Linux und Windows gibt, können Sie Windows auch dank Hunderter von portierten Tools beinahe in eine vollständige Unix-Umgebung verwandeln. Das größte Paket heißt cygwin: Damit landen bei einer Vollinstallation nicht nur die beliebteste Shell (Bash) und ein X-Server auf dem Windows-Rechner, sondern Sie erhalten fast alle wichtigen grafischen und Kommandozeilenprogramme, die auch Linux bietet.
Windows besitzt einen Kommandozeilenmodus, mit dem man allerdings eher selten in Berührung kommt. Das liegt unter anderem daran, dass die "Eingabeaufforderung", cmd.exe, nicht besonders leistungsfähig ist. Schon zu MS-DOS-Zeiten gab es leistungsfähigere Varianten (4dos, Take Command).
Wenn Sie bereits mit Linux oder einer anderen Unix-Variante gearbeitet haben, wissen Sie, dass man hier öfter mit der Shell arbeitet. EasyLinux versucht in den meisten Artikeln, Shell-Kontakte zu vermeiden, weil viele Umsteiger die Verwendung einer Befehlszeile irritierend finden, in unserer Rubrik "Guru-Training" ermuntern wir aber dennoch zum Einsatz der Shell, weil damit Vieles schneller geht.
Wer sich mit der Shell vor einem Linux-Einstieg unter Windows vertraut machen möchte (und auch, wer schon Shell-Anhänger unter Linux ist), installiert einfach die von Cygnus (inzwischen eine Tochter des Linux-Distributors Red Hat) entwickelten Cygwin-Tools: Das sind Windows-Portierungen populärer Linux-Programme. Hier gibt es neben der Shell bash in der aktuellen Version 2.05b auch weitere Zusatzprogramme wie tar, gzip, bzip2, grep, Tcl/Tk und sogar einen X-Server für Windows (im Paket xorg-x11).
Die Installation ist leicht: Auf der Web-Seite http://www.cygwin.com klicken Sie rechts oben auf den Button Install Cygwin now (Abbildung 1); dann startet nach entsprechender Bestätigung mit Öffnen der Installer.
Nach einem kurzen Begrüßungstext fragt das Setup-Programm, in welches Verzeichnis Sie die Cygwin-Tools installieren möchten -- hier können Sie die Vorgabe C:\cygwin akzeptieren.
Wählen Sie einen Mirror-Server -- die Cygwin-Pakete werden auf verschiedenen Rechnern im Internet vorgehalten -- und entscheiden Sie dann, welche Programme das Installationsprogramm herunterlädt (Abbildung 2). Im Zweifelsfall akzeptieren Sie einfach die Vorauswahl.
Nach dem Download der ausgewählten Pakete werden sie entpackt, und der Installer legt einen neuen Eintrag Programme/Cygwin/Cygwin Bash Shell im Startmenü an -- wählen Sie diesen Eintrag aus oder klicken Sie auf das neue Cygwin-Icon auf dem Desktop, um die Standard-Shell bash unter Windows zu starten (Abbildung 3).
Übrigens: Standardmäßig holt der Installer nur eine Minimalauswahl von Paketen auf den Rechner, so fehlt beispielsweise ein SSH-Client (openssh). Um das nachzuholen, starten Sie einfach erneut über die Web-Seite das Setup-Programm -- die bereits installierten Pakete erkennt der Installer und lädt sie nicht erneut herunter. Interessant ist beispielsweise auch der Midnight Commander (mc), ein Klon des DOS- und Windows-Klassikers Norton Commander (Abbildung 4).
Nach dem Start sehen Sie ein Fenster, das zunächst nicht wesentlich anders als Windows' Standard-Kommandozeile aussieht: 80x25 Zeichen, schwarzer Hintergrund, weiße Schrift. Auf den zweiten Blick wird es dann klar: Anstelle des sonst unter Windows üblichen C:\-Prompts erscheint die Linux-typische Eingabeaufforderung "$". In diesem Fenster können Sie weitestgehend mit den gleichen Befehlen arbeiten, die Sie auch unter Linux in einem Bash-Fenster verwenden.
Die Bash gaukelt Benutzern unter Windows übrigens eine typische Linux-Verzeichnisstruktur ohne Laufwerksbuchstaben vor: Alle Cygwin-Dateien liegen in Verzeichnissen wie /usr, /bin, /var etc., Home-Verzeichnisse der Benutzer in /home. Wer nach den Daten auf den Windows-"Laufwerken" C:, D: usw. sucht, wird erst auf den zweiten Blick fündig: Diese Laufwerke spricht Cygwin über /cygdrive/c/, /cygdrive/d/ usw. an. Wenn Sie eine Diskette einlegen, können Sie beispielsweise mit dem Befehl ls -l /cygdrive/a ihr Inhaltsverzeichnis anzeigen. Die klassischen Laufwerksbuchstaben können Sie aber auch verwenden: Mit cd c: wechseln Sie genauso ins Hauptverzeichnis von C: wie mit cd /cygdrive/c.
Kommandos, die unter Linux eine mehrfarbige Ausgabe erzeugen können, tun dies auch hier: Geben Sie etwa ls -l --color / ein, zeigt die Shell das Root-Verzeichnis aus Sicht der Cygwin-Tools mit farbig formatierten Einträgen an.
Warum enthält das Wurzelverzeichnis / gar keine Windows-Verzeichnisse und stattdessen die bereits erwähnten Linux-typischen Einträge /usr, /bin etc.? Alle Cygwin-Tools sehen die Laufwerks- und Verzeichnisstruktur von Windows durch eine Brille -- das Verzeichnis, das Sie bei der Installation angegeben haben (im Beispiel: C:\cygnus) betrachten die Tools dabei als Wurzelverzeichnis /. Das hat den Vorteil, dass sich die Unix-Dateien an den richtigen Stellen (etwa Programme in /bin und /usr/bin) befinden, ohne dass diese Verzeichnisse auch aus Windows-Sicht im Hauptverzeichnis liegen müssten. Alle "normalen" Windows-Verzeichnisse sind nur über die bereits erwähnten Pfadangaben /cygdrive/c/ usw. verfügbar.
Die Shell-Variable $PATH enthält neben den Verzeichnissen, in denen sich die Cygwin-Tools befinden, auch die Standard-Verzeichnisse, die Dienstprogramme von Windows enthalten. So starten Sie z. B. durch Eingabe von cmd den Standard-Kommandointerpreter (und verlassen ihn wieder mit exit). exit ist übrigens auch der richtige Befehl, um die Bash-Shell zu beenden.
Die bisher vorgestellten Cygwin-Tools laufen alle im Textmodus innerhalb des Bash-Fensters, in dem Sie sie gestartet haben. Unix-Systeme (wie Linux) bieten aber auch eine grafische Oberfläche, das X Window System (kurz "X"). X-Programme laufen nicht direkt unter Windows; sie benötigen einen so genannten X-Server. Auch den können Sie über Cygwins Setup-Programm bequem nachinstallieren: Schalten Sie dazu in der Übersicht per Klick auf View zur vollständigen Paketansicht um und wählen Sie (mindestens) die Pakete xorg-x11-base und xterm aus. Der X-Server ist so vorkonfiguriert, dass Sie ihn nach der Installation direkt mit startx aufrufen können.
Abbildung 5 zeigt mehrere X-Window-Programme, die auf dem Windows-Rechner angezeigt werden. Das gilt auch für das Word-Fenster: Microsofts Textverarbeitung wurde auf einem im lokalen Netz erreichbaren Linux-PC über den Windows-Emulator CrossOver Office gestartet, das Fenster zeigt der X-Server des Cygwin-Projekts unter Windows an. Verblüffend: Mit dieser sehr umständlich aktivierten Word-Version kann man sogar flüssig arbeiten.
Wollen Sie den Umgang mit der Shell und den zugehörigen Tools vor dem Linux-Umstieg zunächst üben, geht das in vielen Fällen auch unter Windows. Dabei sollten Sie nur im Hinterkopf behalten, dass die aus der Linux-Welt portierten Programme unter Windows teilweise langsamer laufen oder eingeschränkt funktionieren -- das Original ist eben meist besser als die Kopie. (hge)
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.
Druckerfreundliche Version |
Feedback zu dieser Seite |
Datenschutz |
© 2012 Linux New Media AG |
Last modified: 2007-04-05 11:10
[Linux-Magazin]
[LinuxUser]
[Linux-Community]
[Admin-Magazin]
[Ubuntu User]
[Smart Developer]
[Linux Events]
[Linux Magazine]
[Ubuntu User]
[Admin Magazine]
[Smart Developer]
[Linux Magazine Poland]
[Linux Community Poland]
[Linux Magazine Brasil]
[Linux Magazine Spain]
[Linux Technical Review]