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Erschienen in EasyLinux 05/2005   »   Ausgabe bestellen

Windows-Programme unter Linux nutzen

Nachgemachte Fenster

von Hans-Georg Eßer und Thomas Leichtenstern


VMware und CrossOver Office sind die beiden beliebtesten Lösungen des Problems, Windows-Programme unter Linux auszuführen. Wir haben verglichen, wie gut beide unter den aktuellen EasyLinux-Distributionen laufen.

Die beiden Programme VMware und CrossOver Office verfolgen zwar das gleiche Ziel, gehen aber ganz unterschiedliche Wege. VMware ist ein klassischer PC-Emulator, der einen virtuellen Rechner (inklusive konfigurierbarem BIOS) zur Verfügung stellt -- auf diesem PC kann man fast jedes Betriebssystem installieren. CrossOver Office ist hingegen eine kommerzielle Variante von Wine (siehe Artikel ab Seite 12), die (genau wie Wine) die Windows-Funktionsaufrufe auf entsprechende Linux-Funktionen "umbiegt" und somit den Start von Windows-Programmen unter Linux erlaubt.

Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile: Ein PC-Emulator wie VMware bietet eine nahezu 100-prozentige Kompatibilität, denn unter VMware installiert man ein reguläres Windows-System, und das arbeitet dann wie gewohnt. Der Preis dafür ist eine gewisse Trägheit: Emulation kostet Rechenzeit, und so verhalten sich Programme unter VMware immer spürbar langsamer als auf einem echten Rechner. Der andere Weg führt zu schnelleren Programmen, aber dafür leidet die Kompatibilität -- manche Programme laufen nur eingeschränkt oder gar nicht.

CrossOver Office

CrossOver Office ist -- ähnlich wie das auch in dieser Ausgabe vorgestellte Cedega (Artikel ab Seite 25) -- eine kommerzielle Erweiterung der freien Emulator-Software Wine (Seite 12). Während Cedega sich darauf konzentriert, Windows-Spiele zum Laufen zu bewegen, geht es bei CrossOver Office in erster Linie um populäre Office-Anwendungen. Die von uns getestete Version 4.1 ist Weihnachten 2004 erschienen, eine Liste der unterstützten Windows-Programme hält der Hersteller unter [2] bereit. Programme, die in dieser Liste mit einer goldenen oder silbernen "Medaille" ausgezeichnet sind, sollten problemlos laufen.

Die Einrichtung von CrossOver Office verläuft auf allen Distributionen gleich:

  1. Vom Web-Server des Herstellers [1] laden Sie die Datei install-crossover-standard-demo-4.1.sh herunter und speichern Sie in Ihrem Home-Verzeichnis.
  1. Dann öffnen Sie mit [Alt-F2] und Eingabe von konsole ein Terminal-Fenster und werden darin mit sux (Suse Linux) bzw. su (andere Distributionen) zum Administrator root.
  1. Geben Sie dann den Befehl
    sh install-crossover-standard-demo-4.1.sh
    ein -- damit starten Sie die Installationsroutine, die zunächst die Lizenz anzeigt -- nach einem Klick auf OK geht es weiter. Der Installer schlägt dann vor, das Programm ins Verzeichnis /opt/cxoffice zu installieren; diesen Vorschläg können Sie akzeptieren.

  1. Nach der Einrichtung klicken Sie auf Configure now und übernehmen im folgenden Dialog die Vorgabe Exit now... -- die Einrichtung von Windows-Programmen führen Sie als normaler Benutzer (ohne Root-Rechte) durch.

Im KDE-Menü hat der Installer ein neues Untermenü CrossOver angelegt (Abbildung 1), aus dem Sie den Eintrag Office Setup aufrufen.

Abb. 1: Die neuen "CrossOver"-Einträge im KDE-Startmenü.

Über diesen Setup-Aufruf richten Sie neue Windows-Programme ein. Einige davon lädt der Installer gleich selbständig aus dem Internet (z. B. Internet Explorer, Acrobat Reader, iTunes), für andere benötigen Sie die Installations-CD (z. B. Microsoft Office).

Einen ausführlichen Test von CrossOver Office haben wir in Ausgabe 07/2004 [3] abgedruckt, der Artikel ist auch online. Im Vergleich zur damals getesteten Version 3.0 hat sich vor allem die Liste der kompatiblen Windows-Programme verlängert; unter anderem läuft jetzt auch iTunes mit Hilfe von CrossOver Office, so dass einem Zugriff Apples Musikbörse "iTunes Music Store" nichts mehr im Weg steht (Abbildung 2).

Abb. 2: Auch Apple iTunes ist über CrossOver Office schnell installiert und bringt damit als Windows-Programm den Apple-Look auf den Linux-PC.

Wie es auch unter Wine üblich ist, greifen die Windows-Programme über Laufwerksbuchstaben auf die Linux-Verzeichnisse zu; Ihr Home-Verzeichnis erreichen Sie zum Beispiel über Y: und das Wurzelverzeichnis / über Z: (Abbildung 3).

Abb. 3: Die Windows-Version des Acrobat-Readers greift über Laufwerksbuchstaben auf das Linux-Dateisystem zu.

VMware 4.5.2

Anders als bei CrossOver Office geht es VMware um die Emulation eines vollwertigen PCs. Daher ist neben den Windows-Programmen und dem Emulator VMware auch eine installierbare Version eines Windows-Betriebssystems notwendig -- hier haben Sie aber freie Wahl: Alle alten und neuen Windows-Versionen laufen.

Fast lohnt es sich schon nicht mehr, über VMware 4.5.2 zu schreiben, denn die neue Version 5.0 steht kurz vor der Veröffentlichung, eine Beta-Version kann man schon testen [6]. Trotzdem -- und auch weil vielleicht der eine oder andere Leser schon eine Lizenz für VMware 4.x hat und diese nicht (kostenpflichtig) auf Version 5 aktualisieren will -- gehen wir in diesem Artikel auch auf die auslaufende Version ein, denn diese bereitet speziell unter Suse Linux 9.2 einige Probleme.

Doch zunächst die gute Nachricht: Unter Suse Linux 9.1, Mandrake Linux 10.1 und Fedora Core 2 installieren Sie VMware 4.5.2 in wenigen Schritten (siehe Kasten VMware unter verschiedenen Distributionen). Auf dem VMware-Web-Server liegt eine Testversion [4], für die Sie sich allerdings von der gleichen Seite noch einen 30 Tage gültigen Lizenzschlüssel besorgen müssen. Die Schlüssel für die Windows- und die Linux-Version von VMware sind übrigens nicht austauschbar -- achten Sie also darauf, das richtige Betriebssystem anzugeben.

Anders als Crossover Office erzeugt VMware keinen Eintrag im Startmenü. Deswegen starten Sie das Programm über die Konsole oder ein Schnellstartfenster [Alt-F2] und dortige Eingabe von vmware.

Läuft der Emulator, geht es mit der Definition einer virtuellen Maschine weiter: Dabei hilft Ihnen der Assistent, der auch fragt, welches Betriebssystem Sie installieren wollen, und davon abhängig sinnvolle Vorschläge für Platten- und Hauptspeichergröße des virtuellen Rechners macht. Ist das Gastbetriebssystem auch installiert, kann es los gehen: Abbildung 4 zeigt eine Windows-XP-Sitzung in VMware.

Abb. 4: Windows XP unter VMware 4.5.2 auf einem Suse-Linux-9.2-Rechner.

In einer aktiven VMware-Sitzung ist übrigens die Maus gefangen, sobald Sie hinein klicken. Wollen Sie das Fenster verlassen, geht das mit der Tastenkombination [Strg-Alt] -- oder mit dem VMware Tools auch leichter.

VMware Tools

Sehr hilfreich ist die Einrichtung der VMware Tools. Im virtuellen Windows-System ist das besonders einfach: Nach Auswahl des Menüpunkts VM / Install VMware Tools hat Windows den Eindruck, dass Sie eine CD eingelegt haben, und ruft brav den für den Autostart eingetragenen Installer der VMware Tools auf (Abbildung 5). Die sind dann auch in wenigen Schritten eingerichtet, und nach einem Neustart (des Gast-Windows) sind vor allem zwei Komfortfunktionen verfügbar:

Abb. 5: Installation der VMware Tools unter dem virtuellen Windows.
VMware unter verschiedenen Distributionen

Suse Linux 9.1:

Den geringsten Installationsaufwand erfordert VMware unter Suse Linux 9.1, denn für diese Distribution gibt es im VMware-Paket fertige Kernel-Module. Es reicht entsprechend aus, das RPM-Paket über YaST zu installieren und dann mit Root-Rechten das Konfigurations-Tool vmware-config.pl zu starten.

Suse Linux 9.2

Bei der aktuellen Suse-Distribution ist die Installation kompliziert. Da VMware für diese Distribution keine vorkompilierten Kernel-Module mitliefert, muss man diese selbst erstellen. Das erledigt zwar das Konfigurationsprogramm automatisch, jedoch nur, wenn C-Compiler (gcc) und Kernel-Quelltexte installiert und konfiguriert sind. Im Detail beschreibt der Kasten VMware 4.5.2 unter Suse Linux 9.2 die Vorgehensweise.

Mandrake Linux 10.1

VMware stellt auch für diese Distribution keine vorgefertigten Kernel-Module zur Verfügung, so dass Sie diese selbst kompilieren müssen. Die dafür notwendigen Software-Pakete (C-Compiler gcc und Kernel-Quelltexte) finden Sie beim EasyLinux Starter Kit auf den CDs 2 und 3. Nach erfolgreicher Installation dieser Komponenten läuft das Konfigurationsprogramm vmware-config.pl ohne weitere Probleme durch.

Fedora Core 2

Ähnlich wie bei Mandrake Linux muss man auch unter Fedora Core vor der VMware-Einrichtung fehlende Pakete nachinstallieren. Jedoch ist bei dieser Distribution der C-Compiler gcc bereits installiert; lediglich die Kernel-Quellen müssen Sie von Hand nachinstallieren. Diese finden Sie auf der DVD des EasyLinux Starter Kit 6 unter /Fedora/RPMS/kernel-source-2.6.5-1.358.i386.rpm.

Suse Linux 9.2 und VMware 5 Beta

VMware 5 Beta hat unter Suse Linux 9.2 nicht das weiter oben beschriebene Problem -- hier reicht es aus, das RPM-Paket zu installieren und das Konfigurationsprogramm vmware-config.pl aufzurufen.

VMware 4.5.2 unter Suse Linux 9.2

Die Einrichtung von VMware 4.5.2 unter Suse Linux 9.2 ist sehr kompliziert -- deswegen raten wir, auf Version 5.0 zu warten, die problemlos unter dieser Distribution läuft.

Wollen Sie es trotzdem wagen, weil Sie bereits eine VMware-Lizenz für Version 4.x haben, finden Sie hier einige Hinweise zur Installation.

Beim Aufruf von vmware-config.pl stellt das Konfigurationsprogramm fest, dass Module für den unter Suse Linux 9.2 eingesetzten Kernel fehlen. Der Versuch, diese nachträglich zu erzeugen, schlägt zunächst fehl. So gehen Sie vor, um das Problem zu beheben:

  1. Installieren Sie mit YaST von der Suse-DVD (sowohl beim Starter Kit als auch bei der Professional-Version) den C-Compiler gcc und das Paket kernel-sources nach.
  1. Öffnen Sie ein Terminal-Fenster und werden Sie mit su und Eingabe des Root-Passworts zum Administrator.
  1. Wechseln Sie in das Verzeichnis /usr/src/linux:
    cd /usr/src/linux
  1. Geben Sie den folgenden Befehl (komplett in einer Zeile) ein:
    make clean mrproper cloneconfig prepare-all

Nach Abschluss dieses Schrittes sollte die Konfiguration von VMware mit vmware-config.pl problemlos durch laufen.

CD-Laufwerke

Zu beachten ist dann noch, dass VMware 4.5.2 unter Suse Linux 9.2 Probleme mit dem Booten von CD hat. Ist das auch bei Ihnen der Fall, müssen Sie vor dem Starten des virtuellen PCs über Edit virtual machine settings die Einstellungen bearbeiten. Klicken Sie im Konfigurationsdialog auf DVD/CD-ROM und aktivieren Sie rechts das Häkchen vor Legacy emulation.

Danach klicken Sie auf OK, um das Einstellungsfenster zu schließen.

VMware 5.0 Beta

In der letzten Testphase befindet sich die neue Version 5.0 von VMware. Für Anwender, die Compiler-Läufe und die Nachinstallation der Linux-Kernel-Quellen vermeiden wollen, ist sicherlich die Unterstützung von Suse Linux 9.2 eine der wichtigsten Neuerungen, aber VMware 5.0 unterscheidet sich auch in vielen anderen Punkten von der alten Version. Die meisten der neuen Features sind allerdings vor allem für Profi-Anwender interessant, so zum Beispiel die Möglichkeit, die virtuellen Maschinen über Kommandozeilenaufrufe zu steuern.

Hübsch ist in jedem Fall der neue Menüpunkt VM / Capture Movie, mit dem Sie auf die Schnelle eine AVI-Videodatei erzeugen, die alle Aktivitäten im VMware-Fenster festhält (Abbildung 6). Unter Windows spielt der Windows-Mediaplayer diese Dateien problemlos ab, Linux-Player erkennen aber den Codec nicht.

Schade ist nur, dass die in der alten Version vorhandenen Buttons Snapshot und Restore in der aktuellen Version in einem Untermenü verschwunden sind.

Abb. 6: VMware 5 läuft unter Suse Linux 9.2 und kann Videos Ihrer virtuellen Sitzungen aufzeichnen.

Fazit und Preise

CrossOver Office funktioniert auf allen von EasyLinux unterstützten Distributionen ohne Probleme, und die damit installierten Windows-Programme laufen schnell und zuverlässig. Wenn die Software, die Sie unter Linux einsetzen wollen, vom Emulator unterstützt wird, ist CrossOver das Produkt der Wahl.

Benötigen Sie aber volle Windows-Unterstützung, führt zur Zeit kein Weg an VMware vorbei. Anwender von Suse Linux 9.2 sollten aber in jedem Fall auf das Erscheinen der neuen Version 5 warten -- die Einrichtung von VMware 4.5.2 unter Suse Linux 9.2 ist zwar möglich, aber sehr umständlich.

Ein zusätzliches Auswahlkriterium ist die Hardware-Ausstattung Ihres Rechners. Da VMware einen vollständigen Rechner bereitstellt, zwackt es entsprechende Ressourcen ab. Wenn Sie nur 256 MByte RAM (oder weniger) haben, wird das schnell eng, denn 128 MByte sollte man einer virtuellen Maschine schon spendieren -- CrossOver Office ist nicht so speicherhungrig. Auf aktuellen Systemen mit 1 GByte RAM laufen beide Varianten ausgezeichnet.

CrossOver Office 4.1 kostet beim Hersteller als Download-Version (Kreditkarte) 39,95 US-Dollar, bei ixsoft [7] 33,33 Euro. VMware Workstation 4.5.2 liegt preislich bei 189 US-Dollar (Hersteller) bzw. 179 Euro (ixsoft). Wer jetzt noch die alte VMware-Version kauft, kann später ohne Mehrkosten auf Version 5 umsteigen. Zu dem Kaufpreis von VMware kommt allerdings noch der Preis einer Windows-Lizenz hinzu, falls Sie diese noch nicht besitzen -- CrossOver Office läuft ohne separates Windows.

Da beide Emulatoren als kostenlose Demoversion erhältlich sind, können Sie gefahrlos testen, welches der Programme am besten für Sie geeignet ist. (hge)

Infos
[1] CrossOver Office: http://codeweavers.com/
[2] CrossOver-Kompatibilitätsliste: http://www.codeweavers.com/compatibility/browse/name
[3] CrossOver-Office-Artikel: Hans-Georg Eßer, "CrossOver", EasyLinux 07/2004, S. 12 ff., http://www.easylinux.de/2004/07/012-crossover/
[4] VMware-Download: http://www.vmware.com/download/workstation.html
[5] VMware-Artikel: Martin Loschwitz, "Der PC im PC", EasyLinux 07/2004, S. 20 ff., http://www.easylinux.de/2004/07/020-vmware/
[6] VMware 5 Beta, http://www.vmware.com/products/desktop/ws5_beta.html
[7] ixsoft, http://www.ixsoft.de/

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