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Erschienen in EasyLinux 05/2005   »   Ausgabe bestellen

PCs mit Qemu emulieren

Computer ohne Chips

von Oliver Frommel


VMware ist die verbreitetste Lösung dafür, unter Linux einen PC zu emulieren. Leider ist das kommerzielle Produkt nicht ganz billig. Qemu bietet ähnliche Funktionen zum Nulltarif.

Windows-Programme laufen normalerweise nicht unter Linux. Wer trotzdem nicht auf lieb gewordene Software verzichten möchten, dem kann geholfen werden: Programme wie Wine und VMware (siehe Artikel in diesem Heft) bringen Windows-Software auf den Linux-Desktop. Als Alternative bietet sich Qemu an, ein freier Emulator, der einen kompletten PC nachbildet [1]. Dazu emuliert es also nicht nur einen Intel-Prozessor, sondern auch die dazu gehörige Hardware: Motherboard, Soundkarte, Diskettenlaufwerk, Maus, Grafikkarte und die IDE-Schnittstelle für Festplatten und CD-ROMs.

Emulierter PC

Mit einem solchen System lassen sich, anders als beispielsweise mit Wine, keine einzelnen Programme ausführen. In einem Emulator müssen Sie stattdessen ein komplettes Betriebssystem (Windows, Linux ...) installieren, das nicht bemerkt, dass es nur auf einem virtuellen PC läuft. Andersrum gesehen wird die Pflicht zur Chance: Richtige Emulatoren bieten die Möglichkeit, neue Betriebssysteme auszuprobieren, ohne sie gleich auf der echten Festplatte zu installieren.

Mit Qemu kommen dafür auch ältere Windows-Versionen in Frage, zum Beispiel Windows 98, ME oder 2000. Mit dem aktuellen Windows XP scheint laut dem Programmautor noch nicht alles zu funktionieren [2].

Wer von Linux schon so begeistert ist, dass er auf Windows getrost verzichten kann, dem ermöglicht Qemu einen Blick auf andere Distributionen. Da Qemu die PC-Hardware in Software nachbildet, läuft ein solches System natürlich entsprechend langsamer. Verfügen Sie aber über einen modernen Computer, ist Qemu zum Ausprobieren durchaus geeignet.

Installation

Fertige Pakete für die EasyLinux-Distributionen finden Sie in unserem Download-Bereich. Dort klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das für Ihre Distribution passende Paket und speichern es auf der Festplatte. Suse-Benutzer verfahren dann folgendermaßen:

  1. Klicken Sie die Datei im Konqueror an. In der Vorschauansicht starten Sie über die Schaltfläche Install package with Yast das Suse-Konfigurationsprogramm.
  1. Geben Sie im folgenden Dialogfenster das Root-Passwort ein, um sich als Administrator auszuweisen.
  1. Yast startet, überprüft die Abhängigkeiten und spielt die Software ein. Nachdem er die Konfigurationsdateien auf den neuesten Stand gebracht hat, beendet er sich.

Als Mandrake-User doppelklicken Sie auf dem Desktop das Icon Persönlicher Ordner. Daraufhin öffnet sich der Datei-Manager, in dem Sie die heruntergeladene Datei lokalisieren. Doppelklicken Sie auch auf diese, startet der Paket-Manager RpmDrake. Sollte ein zusätzliches Dialogfenster erscheinen, dass Sie fragt, ob Sie installieren oder speichern wollen, klicken Sie auf Installieren. Damit ist für Mandrake-Benutzer die Installation abgeschlossen.

Läuft auf Ihrem Rechner Fedora Core 2, gelangen Sie mit folgenden Schritten ans Ziel:

  1. Starten Sie den Konqueror und öffnen Sie das Verzeichnis, in das Sie die heruntergeladene Datei gespeichert haben. Dort klicken Sie doppelt auf die RPM-Datei.
  1. Der Datei-Manager fragt, mit welcher Anwendung Sie das Paket öffnen wollen. Tragen Sie in die Befehlszeile system-install-packages ein. Die folgende Dialogbox erwartet die Eingabe des Root-Passworts und startet das Installationsprogramm, das die restlichen Schritte absolviert.

(Virtuelle) CDs booten

Im Internet finden sich vielfach so genannte ISO-Images von Linux-CD-ROMs, zum Beispiel auf der Website [4]. Normalerweise schreiben Sie diese mit einem Brennprogramm auf einen CD-Rohling. Um heruntergeladene Images mal eben zu booten, bietet sich ein Emulator wie Qemu an.

Am besten öffnen Sie dazu eine KDE-Konsole, denn Qemu arbeitet textorientiert. In der Konsole geben Sie qemu -cdrom ein, gefolgt vom Namen des CD-Images. Haben Sie dessen erste Buchstaben getippt, drücken Sie [Tab], um den Namen zu vervollständigen -- das spart Tipparbeit bei langen und komplizierten Dateinamen.

qemu -cdrom KNOPPIX_V3.6-2004-08-16-DE.iso

Ist die Kommandozeile komplett, drücken Sie die [Eingabe]-Taste. Qemu startet daraufhin den virtuellen PC und bootet das System der ISO-Datei. Da es sich bei Knoppix um eine so genannte Live-CD handelt, startet Qemu gleich das darauf befindliche Linux-System in einem Fenster (Abbildung 1).

Klicken Sie mit der Maus in das Qemu-Fenster, bewegt sich der Zeiger innerhalb des emulierten Systems. Um den Zeiger wieder zu befreien und auf Ihren Linux-Desktop zu bewegen, drücken Sie gleichzeitig die [Strg]- und die [Alt]-Taste.

Abb. 1: Der Emulator Qemu bootet ein Knoppix-System.

Alternativ verwendet Qemu das echte CD- oder DVD-Laufwerk, das in Ihrem Computer eingebaut ist. Wenn Sie also dort eine CD/DVD einlegen, startet Qemu auch das darauf befindliche System in einem Fenster. Dazu geben Sie statt dem Namen des ISO-Images den Namen der Gerätedatei des Laufwerks an, normalerweise /dev/cdrom oder auch /dev/hdc. Die komplette Zeile sieht also so aus:

qemu -cdrom /dev/cdrom

Wie schon erwähnt bietet Qemu auch die Möglichkeit, ein komplettes Betriebssystem innerhalb der emulierten Umgebung zu installieren. Dazu braucht es allerdings noch eine virtuelle Festplatte, auf der es die Daten speichert. Qemu verwendet dazu einfach nur eine Datei, die Sie allerdings vorher anlegen müssen. Das übernimmt das Programm qemu-img. Sie rufen es mit dem Befehl create, dem Dateinamen für die virtuelle Festplatte und deren Größe auf:

qemu-img create hdimg 3GB

Damit erstellen Sie eine Datei mit dem Namen hdimg und einer Größe von 3 GByte.

Distributionen installieren

Damit sind alle Voraussetzungen erfüllt, um im Emulator Qemu eine neue Distribution oder auch ein Windows-Betriebssystem zu installieren.

  1. Legen Sie, wie beschrieben, mit qemu-img eine virtuelle Festplatte an, die genügend Kapazität besitzt. Für eine Linux-Distribution genügen üblicherweise 2 GByte. Auf Ihrer echten Festplatte muss entsprechend viel Platz für diese Datei frei sein.
  1. Legen Sie eine CD mit dem gewünschten System in Ihr Laufwerk ein oder laden Sie das entsprechende ISO-Image auf die Festplatte.
  1. Starten Sie Qemu mit den Optionen für das Festplatten-Image und das virtuelle CD-ROM-Laufwerk, also zum Beispiel qemu -boot d -cdrom /dev/cdrom hdimg. Die Parameterkombination -boot d sorgt dafür, dass Qemu von CD-ROM und nicht von der virtuellen Festplatte bootet, die zu diesem Zeitpunkt ohnehin noch leer ist. Als Gedächtnisstütze: Unter Windows besitzt das CD-Laufwerk häufig den Laufwerksbuchstaben D.
  1. Verfahren Sie bei der Installation des Systems, als ob es sich um einen echten Computer handelte. Das zu installierende Betriebssystem merkt nicht, dass es in einem Emulator läuft. Als Beispiel sehen Sie in Abbildung 2 den Suse-Installer, der ohne zu murren arbeitet.
  1. Ist die Installation abgeschlossen, starten Sie Qemu im einfachsten Fall mit qemu hdimg.

Abb. 2: Das Installationsprogramm der Suse-Distribution läuft im Qemu-Fenster.

Benutzen Sie das emulierte System so, als ob es auf einem echten PC liefe. Insbesondere sollten Sie das jeweilige Betriebssystem immer herunterfahren -- Qemu beendet sich dann ebenfalls. Schließen Sie stattdessen einfach das Qemu-Fenster, kann die emulierte Festplatte Schaden nehmen. Keine Angst: Ihr echtes Linux bleibt davon unangetastet.

Für Fortgeschrittene

Abb. 3: Ältere Windows-Versionen lassen sich mit etwas Aufwand unter Qemu zum Laufen bringen.

Die gängigsten Anwendungen von Qemu erfordern zwar die Benutzung der Kommandozeile, aber nur wenige einfache Befehle. Mit etwas Geduld lässt sich sogar Windows in dem freien Emulator betreiben (Abbildung 3). Qemu bietet sogar ein eingebautes Netzwerk, mit dem die emulierten Systeme zum Beispiel ins Internet gehen können. Qemu arbeitet (noch) etwas langsamer als VMware, ist aber dafür umsonst. (ofr)

Infos
[1] Qemu-Homepage: http://fabrice.bellard.free.fr/qemu
[2] Unterstützte Betriebssysteme: http://fabrice.bellard.free.fr/qemu/ossupport.html
[3] Qemu-Pakete: http://www.easylinux.de/Download
[4] Linux ISO-Images: http://linuxiso.org

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