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von Oliver Frommel
Windows-Programme laufen normalerweise nicht unter Linux. Wer trotzdem nicht auf lieb gewordene Software verzichten möchten, dem kann geholfen werden: Programme wie Wine und VMware (siehe Artikel in diesem Heft) bringen Windows-Software auf den Linux-Desktop. Als Alternative bietet sich Qemu an, ein freier Emulator, der einen kompletten PC nachbildet [1]. Dazu emuliert es also nicht nur einen Intel-Prozessor, sondern auch die dazu gehörige Hardware: Motherboard, Soundkarte, Diskettenlaufwerk, Maus, Grafikkarte und die IDE-Schnittstelle für Festplatten und CD-ROMs.
Mit einem solchen System lassen sich, anders als beispielsweise mit Wine, keine einzelnen Programme ausführen. In einem Emulator müssen Sie stattdessen ein komplettes Betriebssystem (Windows, Linux ...) installieren, das nicht bemerkt, dass es nur auf einem virtuellen PC läuft. Andersrum gesehen wird die Pflicht zur Chance: Richtige Emulatoren bieten die Möglichkeit, neue Betriebssysteme auszuprobieren, ohne sie gleich auf der echten Festplatte zu installieren.
Mit Qemu kommen dafür auch ältere Windows-Versionen in Frage, zum Beispiel Windows 98, ME oder 2000. Mit dem aktuellen Windows XP scheint laut dem Programmautor noch nicht alles zu funktionieren [2].
Wer von Linux schon so begeistert ist, dass er auf Windows getrost verzichten kann, dem ermöglicht Qemu einen Blick auf andere Distributionen. Da Qemu die PC-Hardware in Software nachbildet, läuft ein solches System natürlich entsprechend langsamer. Verfügen Sie aber über einen modernen Computer, ist Qemu zum Ausprobieren durchaus geeignet.
Fertige Pakete für die EasyLinux-Distributionen finden Sie in unserem Download-Bereich. Dort klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das für Ihre Distribution passende Paket und speichern es auf der Festplatte. Suse-Benutzer verfahren dann folgendermaßen:
Als Mandrake-User doppelklicken Sie auf dem Desktop das Icon Persönlicher Ordner. Daraufhin öffnet sich der Datei-Manager, in dem Sie die heruntergeladene Datei lokalisieren. Doppelklicken Sie auch auf diese, startet der Paket-Manager RpmDrake. Sollte ein zusätzliches Dialogfenster erscheinen, dass Sie fragt, ob Sie installieren oder speichern wollen, klicken Sie auf Installieren. Damit ist für Mandrake-Benutzer die Installation abgeschlossen.
Läuft auf Ihrem Rechner Fedora Core 2, gelangen Sie mit folgenden Schritten ans Ziel:
Im Internet finden sich vielfach so genannte ISO-Images von Linux-CD-ROMs, zum Beispiel auf der Website [4]. Normalerweise schreiben Sie diese mit einem Brennprogramm auf einen CD-Rohling. Um heruntergeladene Images mal eben zu booten, bietet sich ein Emulator wie Qemu an.
Am besten öffnen Sie dazu eine KDE-Konsole, denn Qemu arbeitet textorientiert. In der Konsole geben Sie qemu -cdrom ein, gefolgt vom Namen des CD-Images. Haben Sie dessen erste Buchstaben getippt, drücken Sie [Tab], um den Namen zu vervollständigen -- das spart Tipparbeit bei langen und komplizierten Dateinamen.
qemu -cdrom KNOPPIX_V3.6-2004-08-16-DE.iso
Ist die Kommandozeile komplett, drücken Sie die [Eingabe]-Taste. Qemu startet daraufhin den virtuellen PC und bootet das System der ISO-Datei. Da es sich bei Knoppix um eine so genannte Live-CD handelt, startet Qemu gleich das darauf befindliche Linux-System in einem Fenster (Abbildung 1).
Klicken Sie mit der Maus in das Qemu-Fenster, bewegt sich der Zeiger innerhalb des emulierten Systems. Um den Zeiger wieder zu befreien und auf Ihren Linux-Desktop zu bewegen, drücken Sie gleichzeitig die [Strg]- und die [Alt]-Taste.
Alternativ verwendet Qemu das echte CD- oder DVD-Laufwerk, das in Ihrem Computer eingebaut ist. Wenn Sie also dort eine CD/DVD einlegen, startet Qemu auch das darauf befindliche System in einem Fenster. Dazu geben Sie statt dem Namen des ISO-Images den Namen der Gerätedatei des Laufwerks an, normalerweise /dev/cdrom oder auch /dev/hdc. Die komplette Zeile sieht also so aus:
qemu -cdrom /dev/cdrom
Wie schon erwähnt bietet Qemu auch die Möglichkeit, ein komplettes Betriebssystem innerhalb der emulierten Umgebung zu installieren. Dazu braucht es allerdings noch eine virtuelle Festplatte, auf der es die Daten speichert. Qemu verwendet dazu einfach nur eine Datei, die Sie allerdings vorher anlegen müssen. Das übernimmt das Programm qemu-img. Sie rufen es mit dem Befehl create, dem Dateinamen für die virtuelle Festplatte und deren Größe auf:
qemu-img create hdimg 3GB
Damit erstellen Sie eine Datei mit dem Namen hdimg und einer Größe von 3 GByte.
Damit sind alle Voraussetzungen erfüllt, um im Emulator Qemu eine neue Distribution oder auch ein Windows-Betriebssystem zu installieren.
Benutzen Sie das emulierte System so, als ob es auf einem echten PC liefe. Insbesondere sollten Sie das jeweilige Betriebssystem immer herunterfahren -- Qemu beendet sich dann ebenfalls. Schließen Sie stattdessen einfach das Qemu-Fenster, kann die emulierte Festplatte Schaden nehmen. Keine Angst: Ihr echtes Linux bleibt davon unangetastet.
Die gängigsten Anwendungen von Qemu erfordern zwar die Benutzung der Kommandozeile, aber nur wenige einfache Befehle. Mit etwas Geduld lässt sich sogar Windows in dem freien Emulator betreiben (Abbildung 3). Qemu bietet sogar ein eingebautes Netzwerk, mit dem die emulierten Systeme zum Beispiel ins Internet gehen können. Qemu arbeitet (noch) etwas langsamer als VMware, ist aber dafür umsonst. (ofr)
| Infos |
|
[1] Qemu-Homepage: http://fabrice.bellard.free.fr/qemu
[2] Unterstützte Betriebssysteme: http://fabrice.bellard.free.fr/qemu/ossupport.html [3] Qemu-Pakete: http://www.easylinux.de/Download [4] Linux ISO-Images: http://linuxiso.org |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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