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von Andrea Müller
Jeder Windows-Benutzer bekommt es früher oder später mit Zip-Dateien zu tun. Ob man ein Programm aus dem Internet herunterlädt oder einfach nur die elektronische Telefonrechnung der Telekom per Mail erhält: Unzählige Dateien tragen die Endung .zip, und dahinter verbirgt sich ein komprimiertes Archiv. Darin liegen eine oder mehrere Dateien, manchmal sogar ganze Verzeichnisstrukturen, die das zum Erzeugen der Zip-Datei genutzte Programm vorher auf einen Bruchteil ihrer Größe komprimiert hat. So eignen sich Archive nicht nur gut dazu, viele Dateien in kompakter Form zu verschicken, sondern Sie sparen mit Archiven auch Platz. Selbst in Zeiten riesiger Festplatten lohnt sich das Komprimieren: Kaum jemand freut sich über mehrere MByte große Mail-Anhänge, und wenn es darum geht, die wichtigsten Dokumente auf eine einzige CD oder DVD zu quetschen, leisten Komprimierer gute Dienste.
Unter Windows nimmt das populäre Shareware-Programm Winzip die Platzhirsch-Position unter den Archivierern ein. Es existieren jedoch unzählige weitere Tools, die bei allen Fragen ums Packen und Komprimieren um die Gunst der Anwender buhlen. Nahezu allen ist gemein, dass sie direkt bei der Installation eine Kontextmenüerweiterung im Windows-Explorer einrichten. So können Sie das Packprogramm direkt aus dem Datei-Manager heraus starten. Nach dem Umstieg auf Linux müssen Sie sich nicht umgewöhnen: Selbst das Nachinstallieren eines leistungsfähigen Packers entfällt, denn das richtige Tool für diese Aufgabe -- Ark -- kommt zusammen mit dem KDE-Desktop auf die Festplatte.
Für den KDE-Archivar ist die Kontextmenü-Integration in den Konqueror ebenso selbstverständlich wie die Kenntnis unterschiedlicher Formate. Das Programm kommt sowohl mit den unter Windows verbreiteten Zip-Archiven als auch mit den unter Linux gebräuchlichen Formaten mit den Endungen tar.gz und tar.bz2 zurecht. Auch dahinter verbergen sich komprimierte Archive, allerdings unterschieden sie sich von Zip-Dateien. Wo Zip das Zusammenfassen vieler Dateien und die Kompression mehr oder weniger in einem Rutsch erledigt, entstehen tar.gz- und tar.bz-Archive in zwei Schritten. Zunächst fasst das Archivprogramm tar alle Dateien in einer einzigen zusammen. Die so erzeugten Dateien erkennen Sie an der Endung .tar. Danach kommt ein Packer wie gzip oder bzip2 zum Einsatz, der das Archiv komprimiert.
Das Prinzip folgt der Devise "One job, one tool", wonach es für jede Aufgabe genau ein Programm gibt. Diese Aufgabe soll das Programm möglichst perfekt beherrschen. So können die Programme gzip und bzip2 nicht mit mehreren Dateien auf einmal umgehen -- sie sind reine Komprimierspezialisten. Das Archivprogramm tar weiß dagegen nichts von Platz sparender Kompression, sondern fasst nur mehrere Dateien in einer zusammen.
Diese drei Kommandozeilenprogramme [1] nutzt das grafische Ark im Hintergrund, so dass sich das Erstellen von Archiven für den Benutzer ebenso einfach gestaltet wie unter Windows. Ob Sie ein Zip- oder tar.gz-Archiv erstellen, ist Geschmackssache: Möchten Sie die gepackten Dateien später unter Linux nutzen, sollten Sie sich für das tar.gz-Format entscheiden. Archive, die Sie auch unter Windows entpacken wollen, erstellen Sie besser im Zip-Format -- neuere Windows-Versionen kommen ohne Zusatzprogramme mit Zip-Archiven zurecht.
Mehrere Dateien in einem Archiv zusammenzufassen, ist schnell erledigt:
In der unteren Fensterhälfte zeigt Ark alle Dateien an, die im Archiv stecken (Abbildung 1). Über die erneute Auswahl von Aktion / Dateien hinzufügen erweitern Sie das Archiv um zusätzliche Dateien und Ordner. Haben Sie versehentlich die falsche Datei eingepackt, markieren Sie sie und entfernen sie danach mit Aktion / Löschen aus dem Archiv.
Erhalten Sie ein Archiv per Mail oder wollen ein selbst erstelltes wieder auspacken, gelingt das ebenso leicht. Starten Sie Ark und wählen Sie Datei / Öffnen. Markieren Sie im Dateiauswahldialog ein Archiv und klicken Sie auf Öffnen. Ark listet im unteren Teil des Hauptfensters alle Dateien und Ordner des Archivs auf. In der Spalte Größe erfahren Sie, wie viel Platz die Dateien im entpackten Zustand verbrauchen. Bei Zip-Archiven gibt es einen kleinen Unterschied: Dort verrät Ihnen Ark sowohl die Größe als auch die jetzige Größe. Der zweite Wert enthält die Information, wie groß die Datei im komprimierten Zustand ist (Abbildung 2). Anhand dieser Angabe sehen Sie, bei welchen Formaten sich das Komprimieren lohnt. Textdateien und Bilder im BMP-Format lassen sich sehr gut Platz sparend verpacken. Bei MP3- oder PNG-Dateien gewinnen Sie meistens nur einige wenige KByte, da es sich dabei schon um komprimierte Formate handelt.
Um das Archiv auf einen Rutsch auszupacken, wählen Sie Aktion / Entpacken aus dem Menü. Setzen Sie im folgenden Dialog ein Häkchen vor Alle und stellen Sie hinter Entpacken nach das Zielverzeichnis ein. Ein Klick auf OK packt das Archiv aus. Standardmäßig schlägt Ark vor, ein Verzeichnis anzulegen, das genauso heißt wie das Archiv. Entpacken Sie die Datei gepackt.tar.gz, lautet der voreingestellte Name des Speicherordners gepackt. Sofern dieses Verzeichnis noch nicht existiert, legt Ark es an.
Möchten Sie nur einzelne Dateien auspacken, markieren Sie sie mit gedrückt gehaltener Strg-Taste, bevor Sie den Menüeintrag Aktion / Entpacken auswählen. Aktivieren Sie danach die Option Ausgewählte Dateien und klicken Sie auf OK.
Darüber hinaus bietet Ark die Option, erst einmal einen Blick in eine Datei zu werfen, bevor Sie sie entpacken. Markieren Sie dazu das Exemplar, das Sie genauer unter die Lupe nehmen wollen, und klicken Sie auf das Symbol mit den zwei Augen. Alternativ bedienen Sie sich des Menüpunktes Aktion / Ansehen. Ark entpackt die Datei dann in ein temporäres Verzeichnis und zeigt sie in einem Betrachter an. Wie es sich für ein ordentliches Programm gehört, löscht Ark die temporär entpackte Datei, sobald Sie den Betrachter schließen.
Wenn es Ihnen zu umständlich ist, zum Packen und Entpacken erst Ark zu starten, beschleunigen Sie den Umgang mit Archiven, indem Sie stattdessen die von Ark installierte Kontextmenüerweiterung im Konqueror nutzen. Markieren Sie beispielsweise einen Ordner und öffnen Sie das Kontextmenü mit einem Klick der rechten Maustaste. Wählen Sie dort Aktionen / tar.gz Archiv erstellen (Komprimieren / Gzip-komprimiertes Tar-Archiv unter Suse Linux 9.2). Heißt der Ordner bilder, liegt kurz danach das Archiv bilder.tar.gz im aktuellen Verzeichnis. Um ein Zip-Archiv zu erstellen, wählen Sie stattdessen den Eintrag Aktionen / Zip-Archiv erstellen (Komprimieren / Komprimieren als / Name_des_Ordners.zip für Suse-Linux-9.2-Nutzer).
Wenn Sie eine Archivdatei markieren, bietet ihr Kontextmenü ebenfalls passende Menüpunkte an: Über Aktionen / Hierher entpacken (Unter Suse Linux 9.2 Entpacken / Hier entpacken) speichern Sie den Inhalt des Archivs im aktuellen Ordner. Die Auswahl von Aktionen / Entpacken nach (unter Suse Linux 9.2 Entpacken / Entpacken nach) öffnet den Entpacker-Dialog von Ark, in dem Sie selbst das Zielverzeichnis festlegen. Das ist praktisch, wenn das Archiv in einem Ordner liegt, in dem Sie keine Schreibrechte haben. Wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Archiv viele einzelne Dateien enthält, sollten Sie wegen der besseren Übersicht immer diese Option wählen und einen eigenen Ordner für den Archivinhalt erstellen. (amü)
| Infos |
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[1] Artikel zum Erstellen komprimierter Archive auf der Kommandozeile: Heike Jurzik, "Komprimierkünstler", EasyLinux 07/2004, S.84 f., http://www.easylinux.de/2004/07/084-guru-tar/
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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