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Erschienen in EasyLinux 05/2005   »   Ausgabe bestellen

KDE-Dateimanager über die Schulter geschaut

Einnehmende Führungskraft

von Jens-Christoph Brendel


Der KDE-Dateimanager gehört ganz gewiss nicht zu den Nieten in Nadelstreifen. Im Gegenteil: Flexibel, hilfsbereit und zuverlässig assistiert er jedermann bei der Dateiverwaltung.

Er hat sich einen verwegenen Namen zugelegt, abgeleitet von "Eroberer". KPencilPusher, der Bürohengst, hätte wohl weniger sexy geklungen - aber eher dem entsprochen, was er wenigstens in der Hälfte der Zeit tatsächlich tut: Ordner anlegen, Akten verschieben, Verzeichnisse durchforsten. Darin allerdings macht ihm keiner so leicht etwas vor, sein Dateisystem hat er im Griff, der Konqueror, seines Zeichens Dateimanager bei KDE.

Heutzutage lassen sich ja selbst Manager mieten, Konqueror aber bietet seine Dienste kostenfrei an. Für jedermann, einzige Bedingung: Man muss ihm in seiner Sprache sagen, was zu tun ist. Hat man ihn instruiert - dieser Beitrag stellt die Grundlagen dafür vor - erledigt er seinen Job stets zuverlässig und effizient.

Putzjob für Manager

Gerne hilft er sogar bei gemeinhin eher unbeliebten Arbeiten wie dem Aufräumen. Spätestens nachdem das eben gespeicherte wichtige Dokument auf Nimmerwiedersehen in der Flut der Desktop-Icons versunken ist, wird es Zeit, ihn ins Team zu holen. Zuerst dirigiert man den Manager an seinen Einsatzort. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten.

Im ersten Fall geht man von einem Verzeichnis aus, das bereits im Hauptfenster dargestellt wird, und hangelt sich von dort aus Schritt für Schritt durch die Verzeichnishierarchie. Ein einfacher Klick auf einen Eintrag mit einem Mappensymbol führt in das zugehörige Unterverzeichnis, in die andere Richtung, also in das übergeordnete Verzeichnis, gelangt man durch einen Klick auf den Aufwärtspfeil in der Werkzeugleiste. Der Rückwärtspfeil führt in das zuvor besuchte Verzeichnis.

Abb. 1: Wo ist was im Konqueror? Die Titelleiste (1) am oberen Fensterrand enthält den Namen des aktuellen Verzeichnisses. Darunter findet sich die Menü- (2) gefolgt von der Werkzeugleiste (3). Die Eingabezeile darunter heißt hier Adressleiste (4). Unter ihr liegt das Hauptfenster (5), an dessen unterem Rand wiederum die Statuszeile (6).

Im zweiten Fall versorgt man den Konqueror mit einer kompletten Wegbeschreibung, trägt also den Pfad zum Zielordner in die Adressleiste (Abbildung 1) ein, etwa /home/Liederjan/chaos. Als Zeichen, dass es nicht in fremde Gefilde aufzubrechen gilt - in diesem Fall würde sich der Eroberer in einen Web-Browser verwandeln - kann man dem Pfad ein file:/ voranstellen. Gewöhnlich erkennt er das aber selber und ergänzt das Präfix automatisch.

Information at your fingertips

Andere mögliche Präfixe vor den Einträgen in der Adressleiste können nicht aus dem Kontext erraten werden und müssen deshalb angegeben werden. Das betrifft zum Beispiel man:/, info:/ und help:/, gefolgt von einem Stichwort. Zu Unrecht sind diese Kürzel wenig bekannt, führen sie doch schnell und bequem zu schön formatierten und verlinkten Linux-Handbuch- oder Info-Seiten beziehungsweise in die KDE-Hilfe (Abbildung 2).

Abb. 2: Hilfe immer zur Hand: Über spezielle Kürzel lassen sich im Konqueror jederzeit Hilfeseiten zu Linux-Kommandos, KDE-Themen oder dem Dateimanager selber aufrufen.

Apropos ergänzen: Auch den Pfad selbst vermag der Dateimanager gewissermaßen vorauszuahnen und während der Eingabe sinnvolle Fortsetzungen vorzuschlagen. Für diese automatische Textergänzung beherrscht er sogar mehrere Verfahren, die nach einem Rechtsklick in die Adressleiste aus deren Kontextmenü auswählbar sind. Dabei kann man festlegen, ob der Konqueror die wahrscheinliche Fortsetzung automatisch oder manuell (mit [Strg-E]) einblenden soll und ob er die in Frage kommenden Varianten in einem kleinen Ausklappmenü unter der Adressleiste aufführen soll, wo man den passenden Eintrag mit Hilfe der Pfeiltasten markieren kann.

Lagebild

Am Arbeitsort angekommen, empfiehlt es sich, zuerst die Lage zu sondieren. Der Konqueror bietet dabei verschiedene Sichten auf den Verzeichnisinhalt an. Wenn bei sehr vielen Unterordnern und Dateien die Symboldarstellung zu unübersichtlich wird, wählt man aus dem Menü Ansicht (Tastenkürzel [Alt-A]) die Mehrspaltige Ansicht, die im selben Fenster eine viel größere Menge an Einträgen unterbringt. Interessieren außerdem Dateiattribute wie Größe oder Änderungsdatum, führt die Detaillierte Listen-Ansicht zum Ziel. Steht die einfache Navigation im Vordergrund, bietet sich stattdessen die Baum-Ansicht an. Ordner symbolisiert der Konqueror hier durch ein Kästchen mit einem Plus-Zeichen, ein Klick darauf blendet die darunter liegende Hierarchieebene ein. Wer schließlich das Arbeiten im Terminal gewohnt ist, dem wird die Text-Ansicht vertraut erscheinen.

Der Umfang der erwähnten Zusatzinformationen kann man übrigens via Ansicht/Details anzeigen justieren. Aber Achtung: Manche Menüpunkte werden nur dann aufgeführt, wenn der aktuell eingestellte Ansichtsmodus ihre Verwendung tatsächlich erlaubt. Das heißt, in der Symbolansicht fehlt beispielsweise das erwähnte Untermenü Details anzeigen, während etwa im Textmodus der Punkt Vorschau nicht erreichbar ist.

Hilfstruppen

Wird man aus dem Dateinamen und den möglichen Zusatzangaben alleine nicht schlau, hilft vielleicht das Icon weiter. Es kann nämlich einen Hinweis auf den Dateityp geben, wenn die betreffende Typanzeige unter Ansicht/Vorschau aktiviert wurde. Wem auch das nicht auf die Sprünge hilft, dem bleibt nur, einen Blick auf den Dateiinhalt zu werfen. Auch dabei kann man sich in den meisten Fällen auf den Konqueror verlassen. Zwar kann er nicht persönlich helfen, doch hat er eine ganze Reihe Subunternehmer unter Vertrag, Helfer-Applikationen, die etwa Bild-, Ton-, Archiv- oder PDF-Dateien genauso wie ein Vielzahl proprietärer Formate darstellen können. Manche zeigen die Datei eingebettet, das heißt im Konqueror-Fenster an. In diesem Fall gelangt man über den Rückwärtspfeil in der Werkzeugleiste wieder zurück zur Verzeichnisansicht.

Wer dabei wofür zuständig ist, legt man unter Einstellungen/Konqueror einrichten/Dateizuordnungen fest. Ein Doppelklick auf das fragliche Dokument öffnet es mit der ersten in Frage kommenden Anwendung. Möchte man einmal einen anderen als diesen Helfer beauftragen, geht das nach einem Rechtsklick auf das Dokument mit Öffnen mit aus dem Kontextmenü. Handelt es sich nicht um eine Datendatei, sondern um ein Programm, dann wird es durch den Doppelklick wenn möglich gestartet.

Nix wie weg

Ist das Chaos gesichtet, lässt es sich vielleicht auch gleich lichten - sprich: Man löscht einige garantiert nicht mehr benötigte Dateien. Dafür gibt es drei Varianten. Die Taste [Entf] oder die Funktion Löschen aus dem Kontextmenü des Dokuments befördert die Datei sofort ins Datengrab. [Umschalt-Entf] oder In den Mülleimer werfen aus dem Kontextmenü tut, was der Name des Menüeintrags verheißt. Überlegt man es sich später anders, kann man die gelöschten Dateien so lange aus dem Mülleimer zurückholen, bis er entleert wird. Schließlich ist es auch noch möglich, das Icon per Drag & Drop in den Desktop-Mülleimer zu befördern.

Was übrig bleibt, will geordnet werden. Beispielsweise ist es sicher keine schlechte Idee, für "MeinDokument_13" einen sprechenderen Namen zu wählen. Dazu klickt man es einfach mit der rechten Maustaste an und wählt aus dem nun aufklappenden Menü den Punkt Eigenschaften. Es öffnet sich ein kleineres Fenster, in dem man nicht nur den Namen bearbeiten, sondern auch die Zugriffsberechtigungen einstellen und diverse Meta-Informationen nachschlagen kann.

Verschiebebahnhof

Braucht man beim Aufräumen neue Verzeichnisse, erzeugt man sie direkt im Konqueror durch einen Rechtsklick auf den Fensterhintergrund. Wieder öffnet sich ein Kontextmenü, das diesmal die Funktion Neu erstellen/Ordner... anbietet. Zum selben Ziel führt der Weg über das Menü Bearbeiten/Neu erstellen....

Den neuen Ordner befüllt man am einfachsten, in dem man andere Ordner oder Dateien über ihm fallen lässt. Danach erscheint ein kleines Auswahlfenster, das fragt, ob man die neuen Elemente in dieses Verzeichnis verschieben oder kopieren will.

Alternativ gibt es auch hier wieder einen Weg über das per Rechtsklick erreichbare Kontextmenü des Ordners oder der Datei, die man bewegen möchte. Die Menüpunkte Verschieben nach und Kopieren nach präsentieren eine kleine Liste häufiger Ziele, von denen aus über nacheinander aufklappende Untermenüs der Zielordner erreicht werden kann. Zusätzlich bietet auch das Menü Bearbeiten die Einträge Dateien kopieren... und Dateien verschieben... an.

Fensterln

Hat man nur ein Fenster, funktioniert die Drag & Drop-Variante natürlich nur dann, wenn sich Quelle und Ziel auf derselben Hierarchieebene des Dateisystems befinden. Ansonsten müsste man Konquerer zweimal starten oder die Zwischenablage verwenden. Dateien und ganze Verzeichnisse können nämlich dorthin kopiert und nach einem Verzeichniswechsel an neuer Stelle wieder eingesetzt werden. (Wie gewohnt mit [Strg-C] für Kopieren oder [Strg-X] für Ausschneiden, [Strg-V] für das Einsetzen). Auch der Desktop kann als Zwischenspeicher verwendet werden, denn auch von dort aus funktioniert das Kopieren oder Verschieben durchs Bewegen in ein Konqueror-Fenster.

Zum Glück geht es aber auch noch einfacher, das Hauptfenster kann nämlich sowohl horizontal wie auch vertikal geteilen werden (Abbildung 3).Dazu wählt man entweder aus dem Menü Fenster die Funktion Ansicht in linke und rechte Hälfte teilen oder Ansicht in obere und untere Hälfte teilen oder benutzt die zugehörigen Tastenkürzel [Strg-Umschalt-L] beziehungsweise [Strg-Umschalt-T].

Abb 3. Mehrere Fenster in einem: So gelingt das Kopieren oder Verschieben von Dateien oder Ordnern zwischen verschiedenen Verzeichnissen kinderleicht.

Jede Hälfte kann jetzt ein anderes Verzeichnis anzeigen, aber immer nur eine ist zu einem Zeitpunkt aktiv, reagiert also zum Beispiel auf Eingaben in der Adressleiste. Welche das ist, erkennt man an dem kleinen grünen Punkt in der linken unteren Ecke des Fensters. Hat man Quell- und Zielverzeichnis im Konqueror-Hauptfenster neben- oder untereinander platziert, gelingt das Kopieren oder Verschieben von Dateien oder Ordnern per Drag & Drop problemlos. Nach getaner Arbeit wird die aktive Hälfte mit [Strg-Umschalt-R] oder über die Menüfunktion Fenster/Aktive Ansicht entfernen geschlossen.

Zusatzqualifikation

Wie schon erwähnt ist der Dateimanager im Nebenberuf Web-Browser. Und in diesem Job hat er sich von Kollegen eine Technik abgeguckt, die er nun auch für die Dateiverwaltung anbietet: das Tabbed Browsing. Gemeint sind Unterfenster, die über Reiter am oberen Fensterrand ausgewählt werden können. Zwischen diesen Unterfenstern funktioniert das Drag & Drop genauso wie zwischen den eben beschriebenen Teilfenstern (Abbildung 4).

Abb 4: Browsen im Dateisystem - Tabs, wie sie viele Web-Browser kennen, kann man im Konqueror auch für lokale Verzeichnisse nutzen.

Ein neues Unterfenster dieser Art erzeugt man im Konqueror über [Strg-T], [Strg-Umschalt-N] oder das Menü Fenster/ Neues Unterfenster. Dasselbe Menü bietet auch Optionen zum Schließen, Duplizieren oder Verselbständigen der Tabs an.

Eine zweite Browser-Technik ist übrigens ebenfalls gewinnbringend für das Dateimanagement nutzbar - die Lesezeichen. Häufig verwendete Verzeichnisse kann man genau wie Internetseiten über Lesezeichen/Lesezeichen hinzufügen speichern und später mit einem Klick wieder aufrufen.

Sklavenarbeit

Bisher spielte sich alles im lokalen Dateisystem ab. Doch auch entfernte kann der Konqueror unter bestimmten Voraussetzungen lesen und beschreiben. Das ist sogar eine seiner großen Stärken, denn funktionell besteht dabei fast kein Unterschied zu lokalen Daten. Wieder bedient er sich dafür kleiner Helfer, diesmal heißen sie KIO-Slaves. (KIO steht für KDE-Input/Output, ein virtuelles Dateisystem.) Aufgerufen werden sie jeweils über spezielle URLs.

Mit ftp://<ftp-Server><Verzeichnis> kann der Konqueror das Verzeichnis eines FTP-Servers in einem Fenster darstellen, analog funktioniert sftp:// für die sichere FTP-Version. Lediglich einen einfachen SSH-Daemon auf der Gegenseite setzt fish:// voraus, um Daten verschlüsselt und damit sicher kopieren zu können. An Verzeichnisfreigaben eines Samba- oder Windows-Servers, gelangt man mit smb://<Windows-Netbios-Name>.

Andere KIO-Slaves gewähren den Zugriff auf Archive, tar:/<Pfad_zur-tar-Datei> etwa stellt den Inhalt von tar-Dateien so dar, als hätte man das Archiv zuvor in ein Verzeichnis entpackt. Weitere KIO-Schnittstellen (u. a. WebDAV, Bluetooth) existieren und werden ständig neu und weiterentwickelt. Einziger Wermutstropfen dabei: Im Moment kann man sie sich noch nicht so einfach wie Browser-Plug-ins einbinden, sondern muss sie einkompilieren. Vom nötigen Fachwissen abgesehen, bedeutet das einen sehr hohen Zeitaufwand, der den Ad-hoc-Einsatz neuer Sklaven verhindert.

Mit dem Konqueror verfügt Linux über einen mächtigen und dabei bequem handhabbaren Dateiverwalter. Was ihn von Konkurrenten abhebt ist vor allem die nahtlose Integration spezieller Funktionen und externer Datenquellen über besondere URLs. (jcb)

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