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Erschienen in EasyLinux 05/2005   »   Ausgabe bestellen

Ipod mit Linux benutzen

Mobiler Musikmacher

von Marcel Hilzinger


Er ist hübsch, klein und hat Platz für tausend Dinge: Apples Ipod. Dieser Workshop zeigt Ihnen, wie Sie den tragbaren Wurlitzer unter Linux in Betrieb nehmen.

Seit Macintosh mit Mac OS X auf eine Unix-Variante als Betriebssystem setzt, haben Mac- und Linux-Benutzer einiges gemeinsam. Dazu gehört neben der Stabilität des Systems, dem guten Schutz vor Viren und der ansprechenden grafischen Oberfläche auch die Vorliebe für den Ipod. Der tragbare Musik-Player von Apple arbeitet auch mit Linux zusammen.

Öfter mal was neues

Den Ipod gibt es in den Varianten Standard, Mini, Shuffle und Photo. Je nach Alter bezeichnet man ihn als Ipod erster, zweiter, dritter oder vierter Generation (1G bis 4G). Zudem sind Ipods je nach Ausführung mit dem Windows Dateisystem FAT oder mit dem Dateisystem HFS+ von Apple formatiert. Für die Tests zu diesem Artikel standen dem Autor ein Ipod 4G mit dem Dateisystem HFS+ und ein FAT-formatierter Ipod Mini zur Verfügung.

Für den Ipod Shuffle gibt es unter Linux noch keine grafischen Tools. Scheuen Sie sich hingegen vor der Kommandozeile nicht, finden Sie unter [1] ein leicht zu bedienendes Shell-Programm, mit dessen Hilfe Sie auch den Ipod Shuffle unter Linux in Betrieb nehmen.

Außer dem Ipod Shuffle, den man wie einen USB-Memorystick an den PC anschließt, verfügen sämtliche neueren Ipods über ein Firewire- und ein USB-Kabel. Während ältere Ipods auch über USB arbeiten, funktionieren die 4G-Geräte ohne Änderung des Kernels nur mit Firewire problemlos. Besitzen Sie einen Ipod der neuesten Generation, lohnt sich deshalb die Anschaffung einer Firewire-Karte (ab 30 Euro).

Grundlegende Einstellungen

Ipods der Generationen iPod 1, 2 und 3 sollten problemlos mit allen EasyLinux-Distributionen funktionieren. Hier müssen Sie nur den Ipod über das USB-Kabel mit dem Rechner verbinden und warten, bis auf dem Desktop ein neues Laufwerksymbol erscheint (Mandrake Linux und Fedora Core 2) oder Konqueror das entsprechende Verzeichnis öffnet (Suse Linux).

Benutzen Sie einen neuen 4G Ipod, aktivieren Sie zunächst den Firewire-Support Ihrer Distribution. Am einfachsten funktioniert dies unter Suse Linux: Hier erscheint nach dem Anschließen des Ipods über das Firewire-Kabel automatisch ein Konqueror-Fenster auf dem Desktop, das die Verzeichnisse Calendars, Contacts, iPod_Control und Notes anzeigt (Abbildung 1). Bei Geräten mit dem Apple-Dateisystem mounten Suse und Mandrake Linux allerdings den Ipod versehentlich als normales HFS. Wie Sie hier Abhilfe schaffen, steht im Kasten "Ipod mit HFS+".

Abb. 1: Ist der Ipod richtig eingehängt, zeigt Ihnen Konqueror diese Verzeichnisse an.
Ipod mit HFS+

Sehen Sie nach dem Mounten des Ipods anstelle der Verzeichnisse Calendars, Contacts, iPod_Control und Notes fünf Dateien, von denen lediglich die README-Datei lesbar ist, besitzen Sie einen Ipod mit dem Dateisystem HFS+.

Damit Suse Linux beim automatischen Mounten eines Ipods mit HFS+ das richtige Dateisystem wählt, müssen Sie als Benutzer root die Datei /etc/filesystems bearbeiten. Starten Sie dazu den Editor Kate mit dem Befehl kdesu kate und öffnen Sie im Editor über Datei / Öffnen die Datei filesystems aus dem Verzeichnis /etc. Ändern Sie hier den Eintrag hfs nach hfsplus ab, speichern Sie die Datei und schließen Sie den Editor. Nach einem Neustart des Rechners sehen Sie nun die richtigen Verzeichnisse. Haben Sie das automatische Öffnen von Konqueror für Laufwerke deaktiviert, finden Sie die Partitionen nach einem Klick auf das Symbol Arbeitsplatz.

Unter Mandrake Linux müssen Sie beim Mounten der Partition die Option -t hfsplus angeben. Dies geht am einfachsten durch das Anlegen eines Skripts für Gtkpod, wie dies im Artikel weiter unten beschrieben ist. Diese Variante funktioniert auch für Fedora Core 2.

Unter Mandrake Linux müssen Sie den Firewire-Support von Hand aktivieren. Starten Sie dazu den Editor Kate über kdesu kate und öffnen Sie anschließend die Datei /etc/modprobe.conf. Hier tragen Sie folgende Zeile am Ende der Datei ein:

alias ieee1394-controller ohci1\
394

Nach dem Neustart des Systems erscheint beim Anschließen des Ipods auf dem KDE-Schreibtisch ein Laufwerksymbol mit dem Titel Apple iPod.

Fedora Core 2 bietet keine Firewire-Unterstützung. Hier empfiehlt sich für Ipods der vierten Generation ein Update auf Fedora Core 3.

Gtkpod einrichten

Gtkpod ist das ideale Tool, um unter Linux auf die Songs des Ipods zuzugreifen. Sie finden das Programm inklusive Installationsanleitung im EasyLinux-Download-Bereich. Benutzer von Suse Linux Professional können es auch bequem über Yast installieren.

Nach dem ersten Start der Anwendung über [Alt-F2] und die Eingabe von gtkpod müssen Sie noch einige Einstellungen vornehmen. Zunächst legen Sie unter Bearbeiten / Einstellungen den Mount-Punkt des Ipods fest. Mandrake Linux und Fedora Core 2 hängen den Ipod nach /mnt/ipod ein, hier brauchen Sie also nichts zu ändern. Bei Fedora Core 3 tragen Sie /media/ipod ein.

Suse Linux hängt den Ipod ebenfalls im Verzeichnis /media ein, benutzt dazu aber ein individuelles Verzeichnis. Geben Sie hier in Konqueror die Adresse file://media ein und suchen Sie nach einem Eintrag ähnlich /media/usb-storage-000000742513:0:0:0p2 (bei USB) oder /media/ieee1394_sbp2-0010b90006b1357-1-0p1 (bei Firewire). Für Suse Linux 9.3 sind hier größere Änderungen geplant. Details dazu finden Sie im Kasten Neuerungen in Suse Linux 9.3.

Neuerungen in Suse Linux 9.3

Die nächste Version von Suse Linux unterstützt den Ipod direkt in Konqueror. Über die Adresse ipod:/ erhalten Benutzer automatisch Zugriff auf die virtuellen Verzeichnisse Artists, Playlists und Utilities. Um neue Musikstücke auf den Ipod zu verschieben, erstellen Sie im Verzeichnis Playlists einen neuen Ordner und kopieren dann die entsprechenden Dateien ins neue Verzeichnis. Der Name des angelegten Verzeichnisses erscheint dann unter dem Ipod als Playlisten-Eintrag. Anschließend wechseln Sie ins Verzeichnis Utilities, wählen die Datei Synchronize aus und klicken unten auf der Seite auf den OK-Knopf.

Als weitere Neuerung mountet Suse Linux 9.3 USB- und Firewire-Festplatten nicht mehr mit ID-Nummern, die nur schwer zu merken sind, sondern mit dem Namen des Gerätes. Ipods werden standardmäßig nach /media/ipod gemountet.

Damit Linux den Ipod wieder sauber aus dem System entfernt und auf dem Display die Meldung Bitte nicht trennen verschwindet, müssen Sie den Befehl eject Mount-Punkt_des_Ipod verwenden. Ein einfaches Aushängen über das Kontextmenü des Laufwerksymbols reicht nicht. Diese Arbeit kann Ihnen Gtkpod abnehmen und so den Ipod beim Beenden des Programmes automatisch freigeben.

Kreuzen Sie dazu in Gtkpod unter Bearbeiten / Einstellungen die Option Mount/Unmount des iPod-Verzeichnisses an und legen Sie anschließend in Ihrem Home-Verzeichnis im Ordner .gtkpod/ ein Skript mit dem Dateinamen gtkpod.out an. Gehen Sie dazu folgendermaßen vor:

  1. Starten Sie den Editor Kate über [Alt-F2] und die Eingabe von kate.
  1. Tragen Sie folgende zwei Zeilen in das neue Dokument ein (wobei Sie /media/ipod durch den Mount-Punkt Ihrer Distribution ersetzen müssen):
    #!/bin/bash
    eject /media/ipod
  1. Wählen Sie Datei / Speichern. Da das Verzeichnis .gtkpod/ mit einem Punkt beginnt, zeigt es der Dateimanager nicht an. Geben Sie deshalb unter Adresse den Eintrag .gtkpod/ ein und betätigen Sie die Eingabetaste. Der Dateimanager wechselt nun in den Ordner, und Sie können unter Adresse den Dateinamen gtkpod.out angeben.
  1. Nach einem Klick auf OK speichert Kate die Datei. Schließen Sie nun den Editor wieder.

Analog zu gtkpod.out können Sie auch ein Skript gtkpod.in anlegen. Dieses führt das Programm beim Start aus. Sie benötigen ein solches Skript allerdings nur unter Mandrake Linux, falls Ihr Ipod mit dem Dateisystem HFS+ formatiert ist. In diesem Fall müssen Sie im Skript den entsprechenden Mount-Befehl eintragen, etwa:

mount -t hfsplus /dev/sda2 /mnt\
/ipod

Ebenfalls nur unter Mandrake Linux sind folgende Schritte nötig, damit der Befehl eject auch von normalen Benutzern ausgeführt werden darf:

  1. Öffnen Sie über [Alt-F2] und die Eingabe von kdesu konsole ein Terminal-Fenster als Benutzer root.
  1. Geben Sie folgenden Befehl ein:
    chmod +s /usr/bin/eject

Mit diesen Einstellungen lässt sich nun der Ipod über Gtkpod bedienen, ohne später von Hand irgendwelche Befehle eingeben zu müssen.

Schließen Sie dazu das Programmfenster von Gtkpod und verbinden Sie den Ipod mit dem PC. Warten Sie, bis Linux das neue Gerät erkannt hat. Unter Mandrake Linux und Fedora Core ist dies der Fall, sobald das Ipod-Symbol auf dem Desktop erscheint. Bei Suse Linux klicken Sie auf das Symbol Arbeitsplatz und warten, bis ein neues Laufwerk zu sehen ist. Starten Sie nun Gtkpod und klicken auf Einlesen, sollten Sie die Musikstücke des Ipods sehen (Abbildung 2).

Abb. 2: Gtkpod bietet komfortablen Zugriff auf die Musikstücke des Ipods.

Benutzung von Gtkpod

Das Gtkpod-Fenster besteht aus fünf Teilen. In der oberen Fensterhälfte finden Sie die grundlegenden Bedienelemente, um dem Ipod Dateien, Verzeichnisse und Playlisten hinzuzufügen. Links sehen Sie die einzelnen Wiedergabelisten. Wählen Sie eine von ihnen aus, erscheinen in der unteren Fensterhälfte die darin enthaltenen Titel. Über die zwei Fenster mit den Reitern Künstler, Album, Genre, Komp., Titel, Jahr und Spezial legen Sie eine individuelle Ansicht fest. Praktisch erwies sich im Test die Einstellung Künstler für das linke Fenster und der Reiter Album im rechten Fenster. So sehen Sie auf einen Blick, welche Titel zu welchem Album gehören.

Um Ihren Ipod mit Musik aufzufüllen, gibt es generell zwei Vorgehensweisen. Bei der ersten fügen Sie die Musikstücke zunächst keiner Wiedergabeliste hinzu. Später legen Sie dann Playlisten an und ordnen gezielt Songs einzelnen Wiedergabelisten zu. Klicken Sie dazu auf Verzeichnisse und wählen Sie das Verzeichnis aus, das Ihre Musik enthält. Gtkpod sucht daraufhin im Verzeichnis und sämtlichen Unterverzeichnissen nach Musikdateien und fügt diese dem Ipod hinzu.

Bei der zweiten Vorgehensweise legen Sie erst Playlisten an und fügen dann Musikstücke oder ganze Verzeichnisse der Wiedergabeliste hinzu. Klicken Sie dazu auf Neue PL und geben Sie der Liste einen Namen. Jetzt markieren Sie die neue Playliste und klicken auf Dateien oder Verzeichnisse, je nachdem, ob Sie einzelne Dateien oder ganze Verzeichnisse hinzufügen möchten.

Einzelne Stücke lassen sich auch später noch Playlisten zuordnen. Ziehen Sie dazu einfach den gewünschten Song mit gedrückter Maustaste auf die entsprechende Wiedergabeliste.

Sind Sie mit den Einstellungen zufrieden, klicken Sie auf Abgleichen. Je nach Anzahl der hinzugefügten Titel dauert es dann einige Zeit, bis die Songs auf den Ipod kopiert sind und Gtkpod die Ipod-Datenbank aufgefrischt hat. Über den Fortschritt des Abgleichs informiert Sie Gtkpod in einem separaten Fenster (Abbildung 3).

Falls Ihnen der Vorgang zu lange dauert, unterbrechen Sie ihn mit einem Klick auf Abbrechen. Sie sollten aber auf keinen Fall den Ipod vom Rechner trennen, solange am LCD die Meldung Bitte nicht trennen zu sehen ist, da sonst die Datenbank des Ipods beschädigt werden kann. Warten Sie deshalb nach dem Beenden von Gtkpod, bis der Ipod wieder frei ist. Möchten Sie später nochmals auf den Ipod zugreifen, müssen Sie das Gerät vom PC trennen und erneut anschließen.

Abb. 3: Die Fortschrittsanzeige informiert Sie darüber, wie lange der Abgleich noch dauert.

Weitere Möglichkeiten

Klicken Sie auf dem Ipod während des Abspielen eines Stückes zweimal auf den Eingabeknopf, können Sie über das Scroll-Rad eine Bewertung zwischen einem und fünf Sternen festlegen. Dies funktioniert auch in Gtkpod. Hier klicken Sie einfach in der unteren Fensterhälfte in der Spalte Bwrtng doppelt auf den bestehenden Eintrag und geben dann eine Zahl zwischen 1 und 5 ein.

Hinter dem Reiter Spezial verbirgt sich eine Datenbankfunktion, mit der Sie bestimmte Stücke finden oder die Ansicht nach bestimmten Kriterien einschränken. Möchten Sie nur diejenigen Stücke sehen, denen Sie eine Bewertung von 4 oder besser erteilt haben, wechseln Sie auf den Reiter Spezial, kreuzen den Eintrag Bwrtng an und markieren die akzeptablen Werte (Abbildung 4). Anschließend klicken Sie auf Anzeige oder markieren den Punkt Anzeige automatisch starten, damit Gtkpod die Datensätze anzeigt.

Abb. 4: Über den Reiter "Spezial" sortieren Sie Datensätze.

Um Einträge danach zu filtern, wie oft Sie ein Stück bereits angehört haben, markieren Sie die Option Playcount und geben ins erste Feld den Mindestwert, ins zweite den Maximalwert ein. Über die Einträge Gespielt, Modifiziert und Erstellt legen Sie Zeitkriterien für die Suche fest. Sämtliche Optionen können Sie auch kombinieren, indem Sie unter Logik die Option Alle (UND) wählen.

Haben Sie eine Filterregel erfolgreich angewendet, erstellen Sie eine neue Wiedergabeliste und ziehen sämtliche Songs per Drag & Drop auf die neue Liste. Die gleiche Funktion erreichen Sie auch, indem Sie beim Anlegen einer neuen Wiedergabeliste über Neue PL die Option Intelligente Wiedergabeliste anklicken. Sie können dann die Filterregeln festlegen, nach denen Gtkpod die Playliste erstellen soll.

Über Gtkpod lassen sich auch Musikstücke direkt abspielen oder zum Abspielen vormerken. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf den gewünschten Titel und wählen Sie den entsprechenden Menüeintrag aus. Gtkpod startet dann das unter Bearbeiten / Einstellungen / Werkzeuge eingestellte Programm.

Fazit

Mit Gtkpod verfügt Linux über ein ausgereiftes grafisches Tool, um Musikstücke zwischen dem PC und dem Ipod auszutauschen. Das Programm deckt zwar nicht sämtliche Funktionen von Itunes ab (so ist es beispielsweise nicht möglich, direkt Songs aus dem Internet herunterzuladen oder zu kaufen), lässt sich aber nach erfolgreichem Setup ebenso leicht bedienen. Linux bietet somit keinen Anlass, nicht doch einen Ipod zu kaufen. (mhi)

Infos
[1] Gnupod: http://blinkenlights.ch/cgi-bin/fm.pl?get=ipod

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