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Erschienen in EasyLinux 05/2005   »   Ausgabe bestellen

Know-how für die Kommandozeile

Shell-Tipps

von Andrea Müller


Was Windows-Nutzer oft gar nicht kennen oder als Qual empfinden, wollen viele Linuxer nicht missen: die Kommandozeile. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Bash viel komfortabler ist als die sperrige Eingabeaufforderung aus Redmond. Wir stellen die pfiffigsten Features vor.

Prozessortyp auslesen

Im proc-Dateisystem speichert Linux unter anderem Informationen zur Hardware des Rechners. Sie greifen über das Verzeichnis /proc auf die dort gespeicherten Daten zu. Im Gegensatz zu normalen Partitionen handelt es sich bei proc um ein Pseudodateisystem. Linux legt es dynamisch zur Laufzeit an, und die Dateien im Verzeichnis /proc benötigen keinen Platz auf der Festplatte.

Möchten Sie wissen, was für ein Prozessor in dem Rechner werkelt, an dem Sie gerade sitzen, erfahren Sie das mit dem Kommando

cat /proc/cpuinfo

Der Prozessortyp steht in der mit model name beginnenden Zeile. Dort finden Sie oft auch Angaben zur Taktfrequenz. Wundern Sie sich nicht, wenn diese vom Wert in der mit cpu MHz beginnenden Zeile abweichen: Das ist besonders oft bei modernen Notebooks mit Pentium-M-Prozessoren der Fall. Dieser Prozessor beherrscht ein Feature namens Speedstep, das es erlaubt, ihn zum Stromsparen mit einer niedrigeren Taktfrequenz zu betreiben. Funktionieren die Energiesparfunktionen bei Ihrem Rechner, stellen die Distributionen die Taktfrequenz des Prozessors abhängig davon ein, ob Sie am Stromnetz oder mobil arbeiten.

Bei einem Pentium M 1,3 GHz könnten die beiden Zeilen im mobilen Betrieb so aussehen:

model name      : Intel(R) Pentium(R) M processor 1300MHz
cpu MHz         : 598.247

In diesem Beispiel läuft die CPU mit stromsparenden 600 MHz.

Arbeiten Sie mit einem Mehrprozessorsystem, informiert Sie die Ausgabe von cat /proc/cpuinfo über alle CPUs im Rechner. Das gilt auch bei den beiden virtuellen Prozessoren eines Pentium-IV-Systems mit Hyperthreading (Abbildung 1).

Abb. 1: Der Befehl "cat /proc/cpuinfo" verrät, welcher Prozessor im Rechner steckt.

Startparameter des Kernels herausfinden

Funktioniert etwas nicht so wie gewünscht, existieren für Linux-Nutzer unzählige Web-Foren und Newsgroups, in denen man Hilfe findet. Oft benötigen potentielle Helfer jedoch einige zusätzliche Informationen, um Probleme einzugrenzen. Eine recht häufige Frage bei Hardware-Problemen ist, mit welchen Parametern Sie den Kernel starten. Damit teilen die Distributoren dem System schon beim Start wichtige Informationen mit. So erfährt der Kernel, auf welcher Partition das Root-Dateisystem liegt und mit welcher grafischen Auflösung er booten soll. Zusätzlich kann man schon hier Modulparameter angeben: Dabei handelt es sich um Informationen, die dem Kernel sagen, mit welchen Optionen er einen Treiber für bestimmte Hardware laden soll. Alle Startparameter, die der Kernel nicht kennt, ignoriert er und gibt sie an den ersten gestarteten Prozess, init, weiter. Ist der Parameter in den Startskripten des Systems definiert, reagiert init entsprechend darauf.

Welche Startparameter der Distributor bei der Installation für Ihren Rechner eingetragen hat, erfahren Sie am schnellsten mit dem Kommando cat /proc/cmdline. Diese Information steht außerdem in der Konfigurationsdatei des Boot-Managers im Linux-Abschnitt. Unter Suse Linux und Fedora Core 2 heißt die Datei menu.lst und liegt im Ordner /boot/grub. Mandrake Linux dagegen benutzt Lilo zum Booten, dessen Konfiguration Sie in der Datei /etc/lilo.conf finden.

Speicherinformationen addieren

Mit dem Kommando free erfahren Sie auf der Kommandozeile alles über den Speicherstatus des Systems. Allerdings zeigt der Befehl den freien und belegten Arbeits- und Auslagerungsspeicher in KByte an. Eine viel lesbarere Ausgabe erhalten Sie mit dem Parameter -m, der die Anzeige auf MByte umstellt. Zusätzlich kennt free die Aufrufoption -t (für total). Das Kommando

free -mt

blendet am Ende der Ausgabe eine Zeile ein, in der das Programm von links nach rechts folgende Informationen anzeigt: den addierten gesamten Arbeits- und Auslagerungsspeicher, den addierten benutzten Arbeits- und Auslagerungsspeicher und die Summe des freien Arbeits- und Auslagerungsspeichers (Abbildung 2).

Erschrecken Sie nicht, wenn in der ersten und der letzten Zeile der Ausgabe nur sehr wenig RAM frei zu sein scheint. In diesen beiden Zeilen rechnet free auch zwischengespeicherte Inhalte, den so genannten Cache, zum belegten Speicher hinzu. Linux ist nämlich so schlau, den vorhandenen Speicher auszunutzen. Haben Sie ein Programm wie Mozilla gestartet und wieder beendet, behält Linux einen Großteil der Daten im Arbeitsspeicher. Wenn Sie danach Mozilla erneut starten, geht das wesentlich fixer als beim ersten Mal: Linux lädt den zwischengespeicherten Teil des Programms aus dem schnellen RAM und nicht von der Festplatte. Angst, dass das System so Ihren ganzen Arbeitsspeicher belegt, müssen Sie nicht haben: Sobald Sie RAM für eine Applikation benötigen, fliegen die zwischengespeicherten Inhalte raus. Den Speicher, den Linux als Cache verwendet, kann es jederzeit freigeben. Um zu sehen, wie viel Arbeitsspeicher wirklich frei ist, schauen Sie auf die mit -/+ buffers/cache beginnende Zeile in der Ausgabe von free. Dort behandelt das Programm den Teil des Speichers, den Linux als Cache verwendet, als freien RAM.

Abb. 2: Der Befehl "free -mt" zeigt den belegten und freien Speicher des Systems an.

Farbe für grep

Mit dem Kommando grep suchen Sie in Dateien nach einer bestimmten Zeichenfolge [1]. Der Befehl

grep Linux *.txt

sucht in allen Dateien im aktuellen Arbeitsverzeichnis, deren Name mit einer beliebigen Zeichenfolge beginnt und auf .txt endet (*.txt), nach dem Begriff Linux. Als Ausgabe präsentiert das Text-Tool alle Zeilen, in denen Linux steht. Bei sehr vielen Treffern ist das Ergebnis allerdings nicht besonders übersichtlich. In diesem Fall schafft der Aufrufparameter --color=auto Abhilfe: Geben Sie

grep --color=auto Linux *.txt

ein, damit grep die Zeichenkette Linux in der Ausgabe rot einfärbt (Abbildung 3).

Abb. 3: Mit dem Aufrufparameter "--color=auto" bringen Sie Farbe und Übersicht in die Ausgabe von "grep".

Verzeichnisgröße ohne Unterordner berechnen

Der Befehl du zeigt, wie viel Platz die Dateien im aktuellen Verzeichnis und dessen Unterordnern belegen. Zunächst listet der Befehl den Füllstand der Unterverzeichnisse auf und präsentiert in der letzten Zeile die Gesamtsumme des verbrauchten Festplattenplatzes. Möchten Sie nur wissen, wie viel Platz die Dateien im aktuellen Verzeichnis benötigen, und wollen den Inhalt der Unterordner nicht mit einrechnen, rufen Sie stattdessen du -S auf. Das Kommando zeigt zwar immer noch an, wie viel Platz die Dateien in den Unterordnern belegen, die letzte Zeile enthält jedoch nur die addierte Größe der Dateien im aktuellen Ordner. Damit du den verbrauchten Platz in gut lesbaren MByte anzeigt, verwenden Sie zusätzlich den Aufrufparameter -h (für human-readable=von Menschen lesbar), also du -Sh (Abbildung 4).

Abb. 4: Der Parameter "-S" bewirkt, dass "du" nur die Größe der Dateien im aktuellen Verzeichnis addiert.

Update-Intervall von top anpassen

In der Standardkonfiguration aktualisiert der Prozessmonitor top alle drei Sekunden die Anzeige. Ist Ihnen dieses Intervall zu kurz oder zu lang, ändern Sie es mit einem Druck auf [D]. top blendet daraufhin über der Prozesstabelle den Text Change delay from 3.0 to ein. Geben Sie dort die Zeit in Sekunden ein, nach denen top die Anzeige automatisch aktualisieren soll, etwa 5, und bestätigen Sie die Einstellung mit einem Druck auf [Eingabe]. Überlegen Sie es sich im letzten Moment anders und wollen den Zeitabstand doch nicht ändern, drücken Sie [Eingabe], ohne vorher eine Zahl einzugeben.

Midnight Commander in schwarz-weiß

Gefällt Ihnen der blaue Hintergrund des Norton-Commander-Clones Midnight Commander nicht, lässt sich das Programm auch in klassischer Schwarz-weiß-Optik betreiben: Starten Sie den Datei-Manager für die Kommandozeile dazu mit dem Befehl mc -b. Das Programm präsentiert sich daraufhin mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund.

Dateiinformationen im Midnight Commander

Normalerweise zeigt der Datei-Manager zwei Fensterhälften mit jeweils einem Verzeichnis an. Sie können jedoch in der rechten Fensterhälfte jederzeit Informationen zur gerade markierten Datei einblenden. Drücken Sie dazu die Tastenkombination [Strg-X] [I]. Der Midnight Commander zeigt dann auf der rechten Seite unter anderem die Größe und die Rechte der markierten Datei an. Um zur klassischen Ansicht zurückzukehren, drücken Sie erneut [Strg-X] [I]. (amü)

Abb. 5: Der Midnight Commander zeigt auf Wunsch Dateiinformationen in der rechten Fensterhälfte an.
Infos
[1] grep-Artikel: Elisabeth Bauer, "Text fischen", EasyLinux 10/2003, S. 74 ff. http://www.easylinux.de/2003/10/074-grep/index.html

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