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Erschienen in EasyLinux 06/2005   »   Ausgabe bestellen

Mass-Storage-Kameras unter Linux

Massenspeicher

von Marcel Hilzinger


Dank USB-Storage funktionieren die meisten Digitalkameras unter Linux per Plug & Play. Dieser Artikel erklärt Ihnen den Gebrauch und die Vorzüge des USB-Massenspeichers und zeigt, was bei eventuellen Problemen zu tun ist.

Sprechen Sie mit einem Linux-Guru über Digitalkameras, wird er Ihnen ausschweifend über die Einrichtung und Benutzung von Gphoto auf der Kommandozeile berichten. Dabei benötigen Sie bei den meisten modernen Digitalkameras überhaupt keine spezielle Software, um das Gerät unter Linux in Betrieb zu nehmen. Nach dem Anschließen der Kamera erkennt Linux die sich im Fotoapparat befindende Speicherkarte und zeigt sie als neues Laufwerk an. Ein Klick in Konqueror, und schon tauchen die Erinnerungen auf.

USB-Storage

Linux unterscheidet grundlegend zwei Typen von Digitalkameras:

GPhoto-Kameras müssen Sie zunächst im Kontrollzentrum einrichten, um unter KDE auf das Gerät zugreifen zu können (siehe dazu den separaten Artikel zu GPhoto auf Seite 24). Das System sieht diese auch nicht als Laufwerk. Sie können deshalb lediglich die Fotos von der Kamera herunterladen oder über ein spezielles Programm in den Fotos herumstöbern.

Bei USB-Storage-Kameras müssen Sie weder die Kamera einrichten, noch benötigen Sie zum Betrachten der Bilder ein spezielles Programm. Im Normalfall schließen Sie hier einfach die Kamera an die USB-Buchse an, und Konqueror öffnet ein neues Fenster, das den Inhalt der Kamera anzeigt. Der Speicher der Kamera verhält sich wie ein gewöhnliches Laufwerk. Sie können darauf nicht nur Fotos ablegen, sondern auch Textdokumente, Präsentationen oder Musikstücke speichern.

Während Sie GPhoto-Kameras bei allen EasyLinux-Distributionen grundsätzlich gleich einrichten, bestehen bei USB-Storage-Kameras unter den einzelnen EasyLinux-Distributionen Unterschiede darin, welcher Weg zum Ziel führt.

Viele Wege führen nach Rom

Unter Suse Linux meldet sich das System nach dem Anschließen einer USB-Storage-Kamera mit der Meldung, dass es eine externe Festplatte gefunden hat (Abbildung 1). Klicken Sie hier auf Ja, öffnet Konqueror den Speicher der Kamera und zeigt den Ordner dcim (Digital Camera Images) sowie -- je nach Hersteller und Modell -- weitere Ordner an (Abbildung 2). Möchten Sie, dass Konqueror das Verzeichnis in Zukunft automatisch öffnet, entfernen Sie einfach das Häkchen vor der Option Diese Nachfrage nicht mehr anzeigen.

Abb. 1: Suse Linux hat eine neue "Festplatte" entdeckt.

Abb. 2: Die Bilder befinden sich in der Regel im Verzeichnis "dcim".

Suse Linux wählt für den Mountpunk eines externen Datenträgers ein Verzeichnis unter /media, dessen Name sich aus dem Protokoll, dem Namen/Hersteller der Kamera oder der USB-ID und Angaben zur Partition zusammensetzt, zum Beispiel /media/usb-JVC-12670000:0:p1. Diesen Pfad sollten Sie sich notieren, da Sie ihn später für die Einrichtung von Digikam benötigen.

Unter Fedora Core 2 klicken Sie nach dem Anschließen der Kamera auf dem Arbeitsplatz das Symbol Hier starten an. Öffnen Sie dann auf der Seitenleiste den Eintrag Geräte, zeigt Ihnen Fedora Core die Kamera als separates Laufwerkssymbol an (Festplatte (sda1) [/mnt/camera] auf Abbildung 3). Wählen Sie den richtigen Eintrag mit einem Doppelklick, öffnet Konqueror das Verzeichnis /mnt/camera. Hier sollten Sie nun wie unter Suse Linux das Verzeichnis dcim sehen.

Abb. 3: Fedora Core 2 zeigt das neue Laufwerk in Konqueror unter der URL "devices:/" an.

Mandrake Linux legt auf dem Schreibtisch ein neues Symbol mit dem Namen der Kamera ab, sobald Sie die Digitalkamera angeschlossen haben. Wählen Sie einfach dieses Symbol per Doppelklick an, und schon sehen Sie den Ordner dcim. Wie Fedora Core hängt auch Mandrake Linux den Speicher über das Verzeichnis /mnt/camera/ in den Linux-Dateisystembaum ein. In seltenen Fällen erkennt Mandrake Linux die Kamera nicht als solche. Es benutzt dann den Pfad /mnt/removable.

Zusammenarbeit mit Digikam

Um nur schnell die neuen Fotos anzuschauen, benötigen Sie wie erwähnt lediglich den Datei-Manager Konqueror. Um aber auch bei mehreren Hundert Fotos nicht den Überblick zu verlieren, lohnt sich der Einsatz eines speziellen Foto-Management-Programmes. Eine der besten Anwendungen auf diesem Gebiet ist das KDE-Programm Digikam (siehe auch den nachfolgenden Artikel ab Seite 30).

Vielleicht haben Sie Digikam schon mal ausprobiert, mussten dann aber enttäuscht feststellen, dass sich Ihr Fotoapparat nicht auf der Liste der unterstützen Digitalkameras befindet. Kein Problem: Digikam arbeitet auch mit USB-Storage-Geräten zusammen. Wählen Sie dazu Kamera / Kamera hinzufügen (in älteren Versionen: Einstellungen / Digikam einrichten / Kameras) und klicken Sie auf Hinzufügen. Verwenden Sie nicht die automatische Erkennung, da Sie bei USB-Storage-Kameras nicht zum Ziel führt. Scrollen Sie nun in der Liste der Kameras nach unten und wählen Sie den Eintrag USB Mass Storage aus.

Unter Fedora Core und Mandrake Linux ist damit die Einstellung schon beendet, da diese Distributionen den bereits eingestellten Mount-Punkt /mnt/camera benutzen. Tragen Sie unter Kamera Titel noch den Namen der Kamera ein und bestätigen Sie dann die Einstellungen über OK. Bei Suse Linux müssen Sie unter Kamera Mountpfad noch den richtigen Pfad eingeben (Abbildung 4). Kopieren Sie dazu in Konqueror die Adresse der Kamera mit der linken Maustaste und fügen Sie diese anschließend in Digikam mit einem Klick auf die mittlere Taste ein (bei Scrollmäusen das Rad drücken). Sie vermeiden so Schreibfehler.

Abb. 4: Um USB-Storage-Kameras mit Digikam benutzen zu können, müssen Sie unter Suse Linux den richtigen Mountpfad eintragen.

Problemlösung

Treten beim Einrichten einer digitalen Kamera Probleme auf, sollten Sie sich zunächst vergewissern, ob Linux die Kamera überhaupt erkannt hat und ob es sich um eine USB-Mass-Storage-Kamera handelt. Öffnen Sie dazu mit [Alt-F2] ein Terminal-Fenster und geben Sie anschließend folgenden Befehl ein, um die Rechte des Administrators root zu übernehmen:

su -

Nach Eingabe des Root-Passwortes und dem Betätigen der Eingabetaste geben Sie folgenden Befehl ein:

tail -f /var/log/messages

Dieser Befehl zeigt die aktuellen Systemmeldungen des Linux-Kernels an. (Sie sollten ihn sich gut merken, da er Ihnen bei fast allen Linux-Problemen von Nutzen sein kann.) Schließen Sie nun die Kamera an, sehen Sie im Terminalfester allerlei Meldungen. Ein Beispiel dazu sehen Sie im Kasten Systemmeldungen einer USB-Storage-Kamera. Suchen Sie nach einem Eintrag, wie ihn der Kasten in der letzten Zeile aufführt. Dieser zeigt an, dass Linux die Festplatte als /dev/sda erkannt hat (siehe dazu die Erklärungen in der Tabelle Gerätebezeichnung) und dass sich darauf eine Partition befindet (sda:sda1). Diese können Sie im Notfall als root mit dem Befehl mount /dev/sda1 /mnt/camera von Hand einhängen (unter Suse Linux mount /dev/sda1 /mnt). In ganz seltenen Fällen sind auch Speicherkarten ohne Partitionstabelle anzutreffen. Bei diesen Geräten müssen Sie anstelle der Partition die ganze Festplatte mounten:

mount /dev/sda /mnt/camera

Erscheinen im Terminal-Fenster überhaupt keine neuen Meldungen, müssen Sie die Kamera vermutlich noch in den USB-Modus schalten. Dies geschieht meistens über das Menü mit der Play-Taste. Da sich die Vorgehensweise hier nicht von der unter Windows unterscheidet, lohnt es sich auch, die Dokumentation der Digitalkamera zu Rate zu ziehen.

Erscheint nur ein Teil der Meldungen, kann es sein, dass das automatische Laden des Kernel-Moduls usb-storage fehlgeschlagen ist. Dieses Modul ist dafür verantwortlich, dass Linux das USB-Speichermedium als Laufwerk einbinden kann. Zeigt der Befehl

/sbin/lsmod | grep usb

keinen Eintrag usb_storage an, müssen Sie das Modul von Hand nachladen. Dies geschieht als Benutzer root mit dem Befehl modprobe usb-storage. Passiert auch so nichts, starten Sie das KDE-Kontrollzentrum, wählen Angeschlossene Geräte / Digitalkamera und klicken auf das Kamera-Symbol. Finden Sie Ihre Kamera in der Liste der unterstützten Kameras, handelt es sich um eine GPhoto-Kamera und nicht um ein USB-Storage-Gerät.

Systemmeldungen einer USB-Storage-Kamera

Apr 11 14:30:25 kim kernel: usb 1-1: new full speed USB device using uhci_hcd and address 8
Apr 11 14:30:28 kim kernel: scsi2 : SCSI emulation for USB Mass Storage devices
Apr 11 14:30:28 kim kernel: usb-storage: device found at 8
Apr 11 14:30:28 kim kernel: usb-storage: waiting for device to settle before scanning
Apr 11 14:30:33 kim kernel:   Vendor: JVC       Model: DIGITAL CAMERA    Rev: 0000
Apr 11 14:30:33 kim kernel:   Type:   Direct-Access                      ANSI SCSI revision: 00
Apr 11 14:30:33 kim kernel: SCSI device sda: 256000 512-byte hdwr sectors (131 MB)
Apr 11 14:30:33 kim kernel: sda: Write Protect is off
Apr 11 14:30:33 kim kernel: sda: Mode Sense: 00 32 02 00
Apr 11 14:30:33 kim kernel: sda: assuming drive cache: write through
Apr 11 14:30:33 kim kernel: SCSI device sda: 256000 512-byte hdwr sectors (131 MB)
Apr 11 14:30:33 kim kernel: sda: Write Protect is off
Apr 11 14:30:33 kim kernel: sda: Mode Sense: 00 32 02 00
Apr 11 14:30:33 kim kernel: sda: assuming drive cache: write through
Apr 11 14:30:33 kim kernel:  sda: sda1

Gerätebezeichnung
GerätErklärung
/dev/sdaErste SCSI-Festplatte im System. Linux behandelt USB-Laufwerke als SCSI-Geräte. Ist im System bereits eine SCSI-Festplatte vorhanden, erhält die Platte die Bezeichnung /dev/sdb.
/dev/sda1Erste Partition auf der ersten SCSI-Festplatte. Dies ist das Standardlaufwerk von digitalen Fotoapparaten, falls keine internen SCSI-Festplatten oder andere externe USB-Festplatten angeschlossen sind.
/dev/sdbZweite SCSI-Festplatte.
/dev/sdb1Erste Partition auf der zweiten SCSI-Festplatte.

Unter Suse Linux kann es auch vorkommen, dass das System die Kamera nicht als neues Laufwerk, sondern als neues Gerät erkennt (Abbildung 5). Hier sollten Sie Abbrechen oder Nein wählen, da YaST sonst den Partitionierungsdialog startet. In der Regel bindet das System die Festplatte aber auch so automatisch ein.

Bringen Sie Ihre Digitalkamera trotz aller Versuche unter Linux nicht zum Laufen, bleibt immer noch der Umweg über einen externen Kartenleser [1]. (mhi)

Abb. 5: Hier hat Suse Linux die Kamera fälschlicherweise als neue Hardware erkannt.
Infos
[1] Kalle Gerwien, "Die Karten, bitte -- USB-Kartenlesegeräte in KDE einbinden": EasyLinux 08/2004, S. 68.

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