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von Claudia Dotterweich
Gimp (GNU Image Manipulation Program) ist die unbestrittene Nummer 1 unter den Grafikprogrammen für Linux. Das Programm machte entwicklungstechnisch einen beachtlichen Sprung, als vor einigen Monaten die stabile Version 2.2 erschien. Die Entwickler haben wieder einige interessante Features hinzugefügt, die Ihre Arbeit vereinfachen und für den nötigen Kreativitätsschub sorgen.
Bereits beim ersten Start der neuen Gimp-Version wird Ihnen das Programm in einer optisch aufgepeppten und sauber organisierbaren Oberfläche präsentiert: Umsteigern wird die Bedienung der Software erleichtert. Gimp wurde an den GNOME HIG (Gnome Human Interface Guide) Standard angepasst. Darunter versteht man eine intuitiv und konsistent gestaltete Oberfläche, unter der jedes Bedienelement genau das tut, was Sie von ihm erwarten.
Die neue Version liefert Ihnen nicht nur farbige Werkzeug-Icons und neu gestaltete Paletten, sondern auch andockbare Fenster. Dieses Feature ist deswegen so wichtig, weil ein Programmpaket wie Gimp sehr viele Werkzeuge und Funktionen bietet. Diese können Sie nun nach Bedarf gruppieren -- so sind sie schneller erreichbar.
Um zum Beispiel ein "Dock" für Ebenen, Kanäle und Pfade zu erstellen und zu bearbeiten, gehen Sie wie folgt vor:
Neben der optisch besseren Aufmachung liefert Gimp 2.2 auch viele Verbesserungen im Werkzeugbereich. Einige stellen wir Ihnen in den folgenden Abschnitten kurz vor.
Zahlreiche Dateidialoge, Plug-ins sowie Transformationswerkzeuge verfügen seit der neuen Programmversion über eine Vorschau bzw. eine verbesserte Vorschaufunktion. Wo vorher bei den Transformationswerkzeugen ein Gitternetz zur Visualisierung verwendet wurde, rotiert und skaliert das aktuelle Gimp in Echtzeit den ausgewählten Bildbereich.
Um etwa die Bildperspektive zu ändern, wählen Sie im Bildmenü den Punkt Werkzeuge / Transformationen / Perspektive. Dann erscheint das Dialogfenster Perspektive mit Informationen zur Perspektiventransformation. Gleichzeitig wird das zu transformierende Bild von einer perforierten Linie umgeben, die Sie an den vier Bildecken in die gewünschte Position ziehen. Am aktuellen Bild sehen Sie eine Vorschau Ihrer Perspektivenverzerrung (Abbildung 2). Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, schließen Sie den Dialog mit einem Klick auf Transformation.
Alternativ rufen Sie das Werkzeug übrigens via Mausklick auf das entsprechende Icon im Werkzeugkasten oder mit [Strg-P] auf.
Auch beim Textwerkzeug, das Sie mit [T] aufrufen, hat sich viel getan: Neben der Möglichkeit, Ihre Texte nachträglich zu bearbeiten, können Sie nun auch externen Text aus einer Datei laden.
Tipp: Sie können die Werkzeugeinstellungen natürlich auch als zusätzlichen Reiter in einem Dock öffnen, um die Übersichtlichkeit Ihrer Oberfläche beizubehalten. Die Texteingabe im Gimp Text Editor beenden Sie mit Schließen.
Auch die Dialogboxen zu den Menüpunkten Datei öffnen ([Strg-O]) und Datei speichern ([Strg-S]) haben einige Verbesserungen erfahren. Der Öffnen-Dialog hat eine automatische Bildvorschau. Wenn es sich um Dateien im Gimp-Format (XCF) oder Photoshop-Format (PSD) handelt, sehen Sie auch die Anzahl der verwendeten Ebenen im Bild. Die Vorschaugröße können Sie über das Menü Datei / Einstellungen / Umgebung verändern: Unter Bild Vorschau stehen die drei Varianten Keine Vorschau, Normal (128x128) und Groß (256x256) bereit.
Wie bereits erwähnt, wurde Gimp an den GNOME-HIG-Standard angepasst. Dieser findet auch in den Dialogfenstern Verwendung. Sie können nicht benötigte Felder ein- und ausblenden und behalten so einen besseren Überblick.
Ein weiteres Highlight der neuen Gimp-Version ist der neue Editor zur Konfiguration von Tastenkürzeln. Dieser Editor erlaubt Ihnen die Zuordnung neuer Tastaturkürzel zu beliebigen Aktionen und überschreibt die Gimp-eigenen Standardkürzel. Zum Öffnen des Dialogfensters wählen Sie den Menüpunkt Datei / Einstellungen. Unter Oberfläche rufen Sie den Editor im Bereich Tastenkürzel durch einen Klick auf die Schaltfläche Tastenkürzel konfigurieren auf. Zum Konfigurieren eines Tastenkürzels klicken Sie auf die entsprechende Zeile und ersetzen das bestehende Kürzel durch Ihre Eingabe (Abbildung 3).
Über die Schaltfläche Schließen verlassen Sie den Dialog und gelangen zurück zu den Einstellungen für die Benutzeroberfläche. Speichern Sie Ihre Änderungen mit einem Mausklick auf Tastenkürzel jetzt speichern. Um die Änderungen zu verwerfen, klicken Sie auf Tastenkürzel auf Vorgabewerte zurücksetzen.
Auch der Bereich Fensterverwaltung im Einstellungsdialog wurde überarbeitet: Unter Fensterpositionen legen Sie fest, ob Sie die Fensterpositionen beim Beenden speichern wollen. Aktivieren Sie diese Option und klicken Sie auf die Schaltfläche Fensterposition jetzt speichern, nachdem Sie die Fenster auf der Programmoberfläche nach Ihren Vorstellungen ausgerichtet haben. Mit Hilfe von Fensterpositionen jetzt auf Vorgabewerte setzen werden Ihre Änderungen wieder durch die Standardwerte ersetzt.
Zusätzlich wurden in der neuen Gimp-Version die Plug-ins um einige neue Effekte erweitert.
Über das Bildmenü Filter / Farben / Retinex öffnen Sie das neue Plug-in Retinex zur Farbverbesserung.
Einen Filter, der Kanten im Bild sucht und durch Neonfarben verstärkt, finden Sie im Bildmenü Filter / Kanten finden / Neon. Abhängig von Ihren Angaben bei Radius und Menge im Filterdialog wird Ihnen das mögliche Ergebnis in der Vorschau präsentiert.
Drei neue Filter (Cartoon, Fotokopie und Softglow), die Ihre Bilder mit wenigen Handgriffen in ein Kunstwerk verwandeln, verbergen sich im Bildmenü Filter / Künstlerisch.
Viele weitere Funktionen sind hinzugekommen oder bieten jetzt mehr Features. Drag & Drop wurde ebenso verbessert wie Copy & Paste zwischen Gimp und Anwendungen wie OpenOffice.
In der Open-Source-Gemeinde zählt Gimp wohl zu den beliebtesten Programmen überhaupt. Mit der stabilen Version 2.2 dürfte es noch an Bekanntheit zulegen.
Die aktuelle Version wird die Ansprüche der meisten Grafiker mehr als zufriedenstellen -- selbst wenn sie eine frühere Programmversion aufgrund von Mängeln aufgegeben haben. Wer noch nie mit Gimp gearbeitet hat, wird beeindruckt sein. (hge)
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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