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Erschienen in EasyLinux 06/2005   »   Ausgabe bestellen

Was kann die aktuelle Gimp-Version 2.2?

Malermeister in neuem Gewand

von Claudia Dotterweich


Bereits Ende 2004 haben die Gimp-Entwickler die stabile Release 2.2 veröffentlicht. Wir stellen die wichtigsten Änderungen der neuen Gimp-Version vor und zeigen, was sich wirklich verbessert hat.

Gimp (GNU Image Manipulation Program) ist die unbestrittene Nummer 1 unter den Grafikprogrammen für Linux. Das Programm machte entwicklungstechnisch einen beachtlichen Sprung, als vor einigen Monaten die stabile Version 2.2 erschien. Die Entwickler haben wieder einige interessante Features hinzugefügt, die Ihre Arbeit vereinfachen und für den nötigen Kreativitätsschub sorgen.

Neuer Look

Bereits beim ersten Start der neuen Gimp-Version wird Ihnen das Programm in einer optisch aufgepeppten und sauber organisierbaren Oberfläche präsentiert: Umsteigern wird die Bedienung der Software erleichtert. Gimp wurde an den GNOME HIG (Gnome Human Interface Guide) Standard angepasst. Darunter versteht man eine intuitiv und konsistent gestaltete Oberfläche, unter der jedes Bedienelement genau das tut, was Sie von ihm erwarten.

Die neue Version liefert Ihnen nicht nur farbige Werkzeug-Icons und neu gestaltete Paletten, sondern auch andockbare Fenster. Dieses Feature ist deswegen so wichtig, weil ein Programmpaket wie Gimp sehr viele Werkzeuge und Funktionen bietet. Diese können Sie nun nach Bedarf gruppieren -- so sind sie schneller erreichbar.

Um zum Beispiel ein "Dock" für Ebenen, Kanäle und Pfade zu erstellen und zu bearbeiten, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Zum Hinzufügen von Docks wählen Sie im Menü Datei / Dialoge / Dock hinzufügen und dann den Punkt Ebenen, Kanäle und Pfade aus. Sie haben damit Ihr erstes Dock erstellt.
  2. Um das Dock Ebenen, Kanäle und Pfade um einen weiteren Reiter Ihrer Wahl zu erweitern, klicken Sie auf die Schaltfläche für das Reitermenü. Über den Menüpunkt Reiter hinzufügen steht Ihnen eine Auswahl möglicher neuer Reiter zur Verfügung (Abbildung 1). Sie können mehr als einen Dialog hinzufügen -- einzelne Dialoge wählen Sie über die Karteikartenreiter aus. Zum Entfernen nicht mehr benötigter Dialoge klicken Sie auf die Schaltfläche Diesen Reiter schließen.
  3. Einzelne Dialoge eines Docks können Sie jederzeit in separate Docks umwandeln. Dazu wählen Sie den freizustellenden Dialog aus, klicken auf die Schaltfläche für das Reitermenü und wählen dort Reiter lösen. Optional ziehen Sie den entsprechenden Dialog per Drag & Drop auf die Desktop-Oberfläche.

Abb. 1: Abhängig vom Dock ist die Funktionalität des Reitermenüs unterschiedlich.

Noch mehr Features

Neben der optisch besseren Aufmachung liefert Gimp 2.2 auch viele Verbesserungen im Werkzeugbereich. Einige stellen wir Ihnen in den folgenden Abschnitten kurz vor.

Die Vorschau

Zahlreiche Dateidialoge, Plug-ins sowie Transformationswerkzeuge verfügen seit der neuen Programmversion über eine Vorschau bzw. eine verbesserte Vorschaufunktion. Wo vorher bei den Transformationswerkzeugen ein Gitternetz zur Visualisierung verwendet wurde, rotiert und skaliert das aktuelle Gimp in Echtzeit den ausgewählten Bildbereich.

Um etwa die Bildperspektive zu ändern, wählen Sie im Bildmenü den Punkt Werkzeuge / Transformationen / Perspektive. Dann erscheint das Dialogfenster Perspektive mit Informationen zur Perspektiventransformation. Gleichzeitig wird das zu transformierende Bild von einer perforierten Linie umgeben, die Sie an den vier Bildecken in die gewünschte Position ziehen. Am aktuellen Bild sehen Sie eine Vorschau Ihrer Perspektivenverzerrung (Abbildung 2). Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, schließen Sie den Dialog mit einem Klick auf Transformation.

Alternativ rufen Sie das Werkzeug übrigens via Mausklick auf das entsprechende Icon im Werkzeugkasten oder mit [Strg-P] auf.

Abb. 2: Im Dialogfenster der Transformationswerkzeuge ist ebenfalls eine kleine Bildvorschau integriert.

Das Textwerkzeug

Auch beim Textwerkzeug, das Sie mit [T] aufrufen, hat sich viel getan: Neben der Möglichkeit, Ihre Texte nachträglich zu bearbeiten, können Sie nun auch externen Text aus einer Datei laden.

  1. Klicken Sie zum Laden der externen Textquelle mit dem Textwerkzeug auf das Bild, erscheint Gimps Text-Editor. Mit einem weiteren Mausklick auf die Schaltfläche Öffnen rufen Sie den Dateidialog zum Auswählen der Textdatei auf.
  2. Den Text formatieren Sie nun mit den Werkzeugeinstellungen beliebig nach Schrift, Größe und Ausrichtung. Über den Menüpunkt Datei / Dialoge / Werkzeugeinstellungen rufen Sie das Dialogfenster auf.
  3. Nachträglich lassen sich noch Änderungen am Text durchführen. Hierbei muss das Bild jedoch in einem Dateiformat abgespeichert werden, das die Ebenen beibehält -- das ist zum Beispiel beim Gimp-eigenen Dateiformat XCF der Fall. Das verbesserte Drag & Drop erlaubt Ihnen einen schnellen Wechsel der Textfarbe. Wählen Sie eine passende Vordergrundfarbe aus und ziehen Sie diese bei gehaltener linker Maustaste auf die Textebene.

Tipp: Sie können die Werkzeugeinstellungen natürlich auch als zusätzlichen Reiter in einem Dock öffnen, um die Übersichtlichkeit Ihrer Oberfläche beizubehalten. Die Texteingabe im Gimp Text Editor beenden Sie mit Schließen.

Neue Dialogboxen

Auch die Dialogboxen zu den Menüpunkten Datei öffnen ([Strg-O]) und Datei speichern ([Strg-S]) haben einige Verbesserungen erfahren. Der Öffnen-Dialog hat eine automatische Bildvorschau. Wenn es sich um Dateien im Gimp-Format (XCF) oder Photoshop-Format (PSD) handelt, sehen Sie auch die Anzahl der verwendeten Ebenen im Bild. Die Vorschaugröße können Sie über das Menü Datei / Einstellungen / Umgebung verändern: Unter Bild Vorschau stehen die drei Varianten Keine Vorschau, Normal (128x128) und Groß (256x256) bereit.

Wie bereits erwähnt, wurde Gimp an den GNOME-HIG-Standard angepasst. Dieser findet auch in den Dialogfenstern Verwendung. Sie können nicht benötigte Felder ein- und ausblenden und behalten so einen besseren Überblick.

Weitere Highlights

Ein weiteres Highlight der neuen Gimp-Version ist der neue Editor zur Konfiguration von Tastenkürzeln. Dieser Editor erlaubt Ihnen die Zuordnung neuer Tastaturkürzel zu beliebigen Aktionen und überschreibt die Gimp-eigenen Standardkürzel. Zum Öffnen des Dialogfensters wählen Sie den Menüpunkt Datei / Einstellungen. Unter Oberfläche rufen Sie den Editor im Bereich Tastenkürzel durch einen Klick auf die Schaltfläche Tastenkürzel konfigurieren auf. Zum Konfigurieren eines Tastenkürzels klicken Sie auf die entsprechende Zeile und ersetzen das bestehende Kürzel durch Ihre Eingabe (Abbildung 3).

Über die Schaltfläche Schließen verlassen Sie den Dialog und gelangen zurück zu den Einstellungen für die Benutzeroberfläche. Speichern Sie Ihre Änderungen mit einem Mausklick auf Tastenkürzel jetzt speichern. Um die Änderungen zu verwerfen, klicken Sie auf Tastenkürzel auf Vorgabewerte zurücksetzen.

Abb. 3: Mit dem neuen Tastaturkürzel-Editor haben Sie nun auch die Möglichkeit, "Shortcuts" für Aktionen ohne Menüeinträge zu definieren.

Auch der Bereich Fensterverwaltung im Einstellungsdialog wurde überarbeitet: Unter Fensterpositionen legen Sie fest, ob Sie die Fensterpositionen beim Beenden speichern wollen. Aktivieren Sie diese Option und klicken Sie auf die Schaltfläche Fensterposition jetzt speichern, nachdem Sie die Fenster auf der Programmoberfläche nach Ihren Vorstellungen ausgerichtet haben. Mit Hilfe von Fensterpositionen jetzt auf Vorgabewerte setzen werden Ihre Änderungen wieder durch die Standardwerte ersetzt.

Neue Plug-ins

Zusätzlich wurden in der neuen Gimp-Version die Plug-ins um einige neue Effekte erweitert.

Über das Bildmenü Filter / Farben / Retinex öffnen Sie das neue Plug-in Retinex zur Farbverbesserung.

Einen Filter, der Kanten im Bild sucht und durch Neonfarben verstärkt, finden Sie im Bildmenü Filter / Kanten finden / Neon. Abhängig von Ihren Angaben bei Radius und Menge im Filterdialog wird Ihnen das mögliche Ergebnis in der Vorschau präsentiert.

Drei neue Filter (Cartoon, Fotokopie und Softglow), die Ihre Bilder mit wenigen Handgriffen in ein Kunstwerk verwandeln, verbergen sich im Bildmenü Filter / Künstlerisch.

Abb. 4: Mit den künstlerischen Filtern können Sie Ihre Bilder mit einem Effekt versehen, der eine Malstilrichtung imitiert.

Viele weitere Funktionen sind hinzugekommen oder bieten jetzt mehr Features. Drag & Drop wurde ebenso verbessert wie Copy & Paste zwischen Gimp und Anwendungen wie OpenOffice.

Fazit

In der Open-Source-Gemeinde zählt Gimp wohl zu den beliebtesten Programmen überhaupt. Mit der stabilen Version 2.2 dürfte es noch an Bekanntheit zulegen.

Die aktuelle Version wird die Ansprüche der meisten Grafiker mehr als zufriedenstellen -- selbst wenn sie eine frühere Programmversion aufgrund von Mängeln aufgegeben haben. Wer noch nie mit Gimp gearbeitet hat, wird beeindruckt sein. (hge)

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