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von Oliver Frommel
Hörbücher sind in aller Munde, besser gesagt Ohren. Das Prinzip dahinter ist häufig: Man nehme ein urheberrechtsfreies literarisches Werk, nehme den Text auf und brenne das Ergebnis auf CD. Dazu braucht es heute allerdings keinen Verlag mehr, das schaffen Sie auch selbst zu Hause. Neben einem Computer und einem Mikrofon benötigen Sie natürlich noch die richtige Software, um ihre Klangwerke zu bearbeiten.
Das Schnittprogramm Audacity (Englisch für: Dreistigkeit) bringt die wichtigsten Funktionen zur Bearbeitung von Audiodateien mit. Zusätzlich beherrscht es eine Menge Sound-Effekte, die das Ergebnis verschönern -- vorausgesetzt, Sie setzen sie mit Bedacht ein.
Bevor sie loslegen können, müssen Sie Audacity erst einmal installieren. Mandrake Linux bringt das Schnittprogramm schon mit, Pakete und Installationsanleitungen für Fedora Core und Suse Linux finden Sie auf der Heft-CD.
Um Musik oder Sprache in den Computer zu bekommen, müssen Sie ihn über ein Kabel mit einer externe Sound-Quelle verbinden. Das kann beispielsweise ein Mikrofon, ein Plattenspieler oder ein Kassettengerät sein. Diese Geräte besitzen unterschiedliche Ausgangsleistung, der unterschiedliche Anschlüsse an der Sound-Karte entsprechen. Mikrofone schließen Sie am besten am Mikrofoneingang an, andere Geräte an Line-In.
Sie starten Audacity über den Menüeintrag Multimedia / Klänge / Audacity oder, indem Sie im Schnellstartfenster ([Alt-F2]) oder einer KDE-Konsole audacity eingeben. Erscheint eine Fehlermeldung über Probleme bei der Initialisierung der Ein- und Ausgabe (E/A), beenden Sie den KDE-Sound-Server mit killall artsd. Danach starten Sie Audacity neu. Abbildung 1 beschreibt kurz die wichtigsten Funktionen der Buttons im Hauptfenster.
Haben Sie ein Mikrofon am Computer angeschlossen, können Sie gesprochene Texte aufnehmen. Achten Sie bei der Audacity-Version 1.2.3 darauf, dass als Aufnahmequelle Mic ausgewählt ist.
Bei der Audiobearbeitung am Computer ist das Wichtigste eine gute Aufnahme. Nehmen Sie zu laut auf, können Störgeräusche auftreten, die sich im Nachhinein nur schwer entfernen lassen. Ist die Aufnahme zu leise, führt das ebenfalls zu Problemen: Nachträgliches Verstärken klappt nur unter gewissen Umständen, zum Beispiel wenn das Hintergrundrauschen sehr schwach ist.
Sie können versuchen, die Aufnahmelautstärke einzustellen, indem Sie im Ausklappmenü neben dem rechten Mikrofon-Symbol Monitor Input auswählen. Dann zeigt Audacity in roten Balken die aktuelle Lautstärke an, die Sie mit dem Lautstärkeregler einstellen.
Allerdings ist diese Anzeige nicht sehr genau, sodass Sie besser einige Probeaufnahmen machen. Drücken Sie den Record-Button, startet die Tonaufnahme, deren Wellenform Audacity in einer neuen Spur anzeigt. Anhand des Wellenverlaufs erkennen Sie, ob die Lautstärke passt. Sind sehr viele Ausschläge am Rand der Spur abgeschnitten, reduzieren Sie die Aufnahmelautstärke mit dem Regler. Ist die Wellenform kaum zu erkennen, ziehen Sie ihn nach rechts. Beispiele für beide Fehlerfälle und die richtige Aussteuerung finden Sie in Abbildung 2. Das KDE-Mischpult KMix wirkt sich übrigens nicht auf die Aufnahme aus. Mit ihm kontrollien Sie zum Beispiel die Wiedergabelautstärke, die Sie bei Mikrofonaufnahmen auf 0 stellen sollten, da es sonst zu einem Rückkopplungseffekt kommt, der sich in einem unangenehmen Pfeifen äußert.

Haben Sie das richtige Maß für die Aufnahmelautstärke gefunden, können Sie nach Lust und Laune aufnehmen -- Korrekturen nehmen Sie später vor. Lassen Sie sich nicht vom seltsamen Klang der eigenen Stimme irritieren. Sie nehmen sich selbst sonst weniger über den Luftschall als über den eigenen Körper wahr.
Audio-CDs kann Audacity nicht direkt laden. Praktischerweise bietet dafür der Konqueror eine Lösung. Geben Sie in seinem Adresse-Feld audiocd:/ ein und drücken die Eingabetaste, zeigt er mehrere Sichten auf den Tonträger: als WAV-Dateien, MP3- und Ogg-Dateien und einiges mehr (Abbildung 3). Tatsächlich handelt es sich nur um Platzhalter, die bei einem Doppelklick die Audiodaten von der CD kopieren und in das gewünschte Format wandeln. Schieben Sie eines der Icons in ein anderes Verzeichnis, dauert es eine kurze Weile, dann finden Sie dort eine neue Sound-Datei vor. Das Verzeichnis Gesamte CD führt zu einer großen Datei, die die ganze CD enthält. Um an einzelne Stücke zu gelangen, verwenden Sie die Ordner Nach Namen und Nach Titel. Dort finden Sie für jedes Stück auf der Audio-CD eine Datei im WAV-Format, das sich am besten für die Arbeit mit Audacity eignet.
Mit dem Menüeintrag Projekt / Audio importieren laden Sie Audiodateien in Audacity, das jede solche Datei in einer eigenen Spur anzeigt. Haben Sie mehrere Tonspuren angelegt und drücken dann den Abspielknopf, spielt Audacity alle gleichzeitig. Dabei sehen Sie am Linien-Cursor, an welcher Stelle sich das Programm beim Abspielen gerade befindet. Um einen Klang nach dem anderen abzuspielen, verschieben Sie einzelne Spuren zeitlich nach hinten, in der Zeitskala also nach rechts (Abbildung 4).
Sollten bei der Wiedergabe Aussetzer auftreten, schalten Sie das Scrollen der Wellenformen ab, das zusätzlich Rechenzeit verbraucht. Dafür öffnen Sie über Datei / Einstellungen den Audacity-Konfigurationsdialog. Im Reiter Interface finden Sie den Punkt Automatisch scrollen, bei dem Sie das gesetzte Häkchen entfernen. Weniger Rechenleistung verbraucht Audacity auch, wenn Sie im Reiter Qualität das Standard Sampleformat von 32-bit float auf 24-Bit umschalten.
Folgen unterschiedliche Sound-Stücke aufeinander, zum Beispiel gesprochener Text und Musik, ist oft ein harter Übergang hörbar, der die Atmosphäre zerstört. Sanfte Überblendungen klingen meist besser. Um eine Audiospur weich auslaufen zu lassen, markieren Sie mit dem Auwahlwerkzeug einen kurzen Abschnitt am Ende der Spur. Dann wählen Sie aus dem Menü Effekt den Punkt Ausblenden. Sie sehen, wie die Wellenform nun stärker abfällt (Abbildung 5). Um den Effekt zu verstärken, also schneller auszublenden, wiederholen Sie den Schritt beliebig oft. Dazu bietet Audacity sogar eine Abkürzung: Der erste Menüpunkt unter Effekt wiederholt den jeweils zuletzt gewählten Effekt. Analog verfahren Sie mit dem Anfang der folgenden Tonspur, wählen im Filter-Menü aber Einblenden. Spielen Sie die Übergangsstelle ab und verschieben Sie die Spuren, bis Ihnen das Ergebnis zusagt. (Abbildung 6).

Das gleiche Ergebnis erzielen Sie auch mit dem Hüllkurvenwerkzeug. Wählen Sie es aus, zeigt Audacity zusätzlich zur Wellenform mit einer etwas dickeren blauen Linie die so genannte Hüllkurve, die den Lautstärkeverlauf anzeigt. Klicken Sie mit dem Werkzeug auf diese Linie, fügt Audacity einen weißen Punkt ein, den Sie im Folgenden verschieben können. So oft Sie an eine Stelle klicken, an der sich noch kein solcher Kontrollpunkt befindet, fügt das Programm einen hinzu. Damit regeln Sie bequem den Lautstärkeverlauf und können ihn auch ohne weiteres im Inneren einer Tonspur anpassen (Abbildung 7).
Haben Sie sich bei der Aufnahme versprochen, können Sie auch ganze Stücke einer Tonspur entfernen. Dazu markieren Sie die entsprechende Stelle mit dem Auswahlwerkzeug. Wählen Sie dann im Hauptmenü Bearbeiten / Schnitt, entfernt Audacity den Bereich. Schneiden Sie im Inneren einer Spur, schiebt das Programm die beiden resultierenden Bereiche zusammen -- die Tonspur wird dann kürzer. Wollen Sie stattdessen die Gesamtlänge beibehalten und nur einen Bereich ausblenden, benutzen Sie den Menüpunkt Bearbeiten / Stille. Gefällt Ihnen das Ergebnis nicht, können Sie alle Schritte mit Bearbeiten / Rückgangig ungeschehen machen.
Sie haben vielleicht schon bemerkt, dass es recht umständlich ist, für unterschiedliche Arbeitsschritte immer das aktuelle Werkzeug umzuschalten. Schneller als mit der Maus geht das über Tastaturkürzel, die Sie in den Einstellungen im Reiter Tastatur finden und dort auch selbst zuweisen können. Zusätzlich bietet Audacity ein Multifunktions-Tool, das mehrere Werkzeuge vereint (siehe Abbildung 1). Da es also etwas komplexer ist, erfordert es auch für die Handhabung etwas mehr Übung.
Audacitys Wellenformen ermöglichen zwar einen guten Überblick über laute und leise Stellen, geben sonst aber wenig Anhaltspunkte dafür, wie eine Tonspur klingt. Wenn Sie den eingesprochenen Text mit Toneffekten bereichern wollen, ist es allerdings hilfreich den Inhalt etwas genauer zu kennen. Zum Beispiel könnten Sie einer Regenszene den Klang prasselnder Tropfen unterlegen. Nur müssen Sie dazu eben wissen, an welchen Stellen der Regentext beginnt und endet.
Audacity bietet so genannte Textspuren an, die bei diesem Problem helfen. Eine neue Textspur legen Sie mit Projekt / Neue Textspur an. Hören Sie sich die Tonspur an und halten Sie die Wiedergabe an relevanten Stellen an. Um dort eine Markierung anzubringen, wählen Sie Projekt / Text an Markierung hinzufügen oder das Tastaturkürzel [Strg-B]. Sie können nun sofort den beschreibenden Text eingeben, den Sie mit der Eingabetaste abschließen (Abbildung 8). Um ihn nachträglich zu ändern, klicken Sie die Markierung einfach an. Haben Sie so die ganze Textspur kommentiert, fällt es später leicht, die passenden Sound-Effekte an die richtige Stelle zu schieben. Während des Abspielens setzen Sie solche Markierungen mit [Strg-M] -- den Text müssen Sie dann später eingeben.

Haben Sie alle Tonschnipsel arrangiert und die Lautstärke sowie die Übergange angepasst, ist das Stück fertig. Um es an andere weiterzugeben, bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Eine platzsparende Lösung ist die Ausgabe als komprimierte MP3- oder Ogg-Datei. Beide sind technisch und qualitativ vergleichbar, MP3 ist allerdings weiter verbreitet als Ogg. Für beide Varianten bietet Audacity im Datei-Menü einen Eintrag zum Exportieren.
Um das Stück als Audio-CD zu brennen, müssen Sie es über das Menü Datei / Exportieren als WAV zuerst als WAV-Datei speichern. Dann können Sie es mit einem CD-Schreibprogramm wie K3b einfach auf einen Rohling brennen. Allerdings werden Sie auf der fertigen CD nur ein einziges, langes Stück finden, was es schwer macht, an einzelne Stellen zu springen. Audacity kann das ganze Arrangement aber auch in mehreren Dateien speichern.
Dazu fügen Sie noch einmal eine Textspur ein, in der Sie die gewünschten Trennungen markieren. Andere Textspuren sollten Sie vor dem Exportieren entfernen, sonst speichert Audacity zu viele Einzelteile. Am besten speichern Sie Ihr fertiges Stück mit den inhaltlichen Markierungen, löschen bestehende Textspuren, legen eine neue für den WAV-Export an und speichern dann nicht mehr! Die WAV-Stücke exportieren Sie mit Datei / Export Multiple. Diese WAV-Dateien brennen Sie wiederum mit K3b, wobei Sie bei den Brennoptionen Disc-At-Once (DAO) einstellen müssen, damit zwischen den einzelnen Stücken keine Pause zu hören ist.
Nun steht Ihrer eigenen MP3- und CD-Produktion nichts mehr im Weg. Dabei brauchen Sie auch nicht alles selbst zu machen, freie Sound-Schnipsel finden Sie zum Beispiel unter [2], leider nur mit englischer Beschreibung. Fertige Hörbücher, die Sie mit atmosphärischen Klängen unterlegen können, bietet [3]. (ofr)
| Infos |
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[1] Audacity: http://audacity.sourceforge.net
[2] Freie Sound-Effekte: http://www.flashkit.com/soundfx [3] Freie Hörbücher: http://www.vorleser.net |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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