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Erschienen in EasyLinux 06/2005   »   Ausgabe bestellen

Gemeinsamer Mail-Zugriff unter Windows und Linux

Thunderbird: Eines für alle

von Heike Jurzik


Wer ein Dual-Boot-System sein Eigen nennt, hat sich sicher schon oft gewünscht, auf beiden Systemen das gleiche Mail-Programm mit derselben Konfiguration und den gleichen Postfächern vorzufinden. Wir zeigen, wie Sie Thunderbird unter Windows und Linux nutzen.

Der Wunsch nach gemeinsamem Zugriff auf die elektronische Post ist nicht neu -- viele Foren und Newsgroups im Internet beschäftigen sich mit diesem Thema, und auch im EasyLinux gab es schon einen Artikel zu diesem Thema [1]. Da einige der beschriebenen Anleitungen mitunter lückenhaft sind oder komplizierte Wege beschreiten, ist es an der Zeit, das Thema noch einmal aufzunehmen und eine alternative Lösung vorzustellen.

Die richtige Partition

Wie schon im alten EasyLinux-Artikel beschrieben, benötigen Sie eine Partition, die Sie unter Windows und Linux lesen und beschreiben können, also am besten eine FAT32-Partition. Damit diese unter Linux schon beim Booten mit den richtigen Rechten eingehängt wird, müssen Sie als Administrator zunächst die Datei /etc/fstab anpassen.

  1. Öffnen Sie ein Terminal-Fenster, z. B. über [Alt-F2] und Eingabe von konsole. Werden Sie durch Eingabe von su - und dem Root-Passwort zum Administrator und legen Sie zunächst eine Sicherheitskopie des Originals an:
    cp /etc/fstab /etc/fstab.orig
  2. Anschließend bearbeiten Sie die Datei mit Administratorrechten, z. B. über das Kommando [Alt-F2] und Eingabe von kdesu kwrite /etc/fstab.
  3. Der neue Eintrag für die FAT32-Partition enthält u. a. Angaben zur Gerätedatei, zum Mount-Punkt, dem verwendeten Dateisystem und den Zugriffsrechten. Ein EasyLinux-Artikel, den Sie unter [2] (und auf der Heft-CD) einsehen können, beschäftigt sich genauer mit diesem Thema und gibt Hilfestellung beim Herausfinden des Gerätedateinamens. Ein Beispieleintrag könnte (wenn sich die FAT32-Partition auf der ersten logischen Partition der zweiten IDE-Festplatte befindet) so aussehen:
    /dev/hdb5  /dos  vfat  umask=002,gid=502  0 2
  4. Beachten Sie, dass im vierten Feld die Zugriffsrechte und Gruppenzugehörigkeit festgelegt werden (mehr zum Rechtesystem von Linux lesen Sie unter [3]) -- auf diese Weise bestimmen Sie, dass nur Mitglieder einer bestimmten Gruppe lesend und schreibend auf die Partition zugreifen können. Wie Sie eine solche neue Gruppe unter den verschiedenen Distributionen anlegen und deren GID ("Group Identification") für den fstab-Eintrag herausfinden, erklärt der Kasten Neue Gruppe für die FAT32-Partition.

Anschließend erstellen Sie -- ebenfalls als Administrator -- den neuen Einhängepunkt. Dazu starten Sie beispielsweise KDEs Datei-Manager mit Root-Rechten ([Alt-F2], Eingabe von kdesu konqueror), gehen auf die oberste Ebene (file:/) und wählen aus dem Menü Bearbeiten / Neu erstellen / Ordner. Als Namen tragen Sie den in der Datei /etc/fstab gewählten Einhängepunkt (z. B. /dos) ein.

Nun ist es Zeit, zu testen, ob sich die FAT32-Partition unter Linux in den Dateibaum einhängen lässt. Dabei hilft das Kommando mount. (Auch dieses Kommando ist ausführlich im Artikel unter [2] erklärt.) Dazu arbeiten Sie wieder als Administrator auf der Konsole ([Alt-F2], Eingabe von konsole, dann su - und das Root-Passwort) und tippen:

mount /dos

(Dabei ersetzen Sie /dos durch den tatsächlichen Einhängepunkt.) Sollte an dieser Stelle eine Fehlermeldung erscheinen, überprüfen Sie, ob Sie sich bei den Einträgen in der /etc/fstab vertippt haben. Eine Bestätigung, dass alles geklappt hat, erhalten Sie ebenfalls auf der Kommandozeile über den mount-Befehl, der anzeigt, welche Partitionen eingehängt sind:

# mount
/dev/hda12 on / type ext3 (rw,acl,user_xattr)
/dev/hda7 on /boot type ext2 (rw,acl,user_xattr)
/dev/hda13 on /home type ext3 (rw)
/dev/hdb5 on /dos type vfat (rw,umask=002,gid=1000)
...

In der Ausgabe sehen Sie, dass die FAT32-Partition wie erwartet unter /dos im Linux-Dateibaum zur Verfügung steht. Beim nächsten Neustart des Rechners wird die DOS-Partition automatisch gemountet, und Sie können auf das manuelle Einhängen verzichten.

Neue Gruppe für die FAT32-Partition

In der Datei /etc/fstab können Sie für die FAT32-Partition gezielt Zugriffsrechte konfigurieren. Am besten legen Sie für diese Zwecke eine neue Gruppe (z. B. mit dem Namen win) an und fügen dieser Benutzer hinzu, die entsprechende Rechte erhalten sollen. Unter Suse Linux erledigt YaST beide Aufgaben für Sie:

  1. Starten Sie YaST, z. B. über das K-Menü / System / YaST, und gehen Sie ins Modul Sicherheit und Benutzer. Von dort starten Sie Gruppen bearbeiten und anlegen.
  2. Klicken Sie auf Hinzufügen und geben Sie als Namen beispielsweise win an; die GID wählt YaST automatisch aus. (Das ist die Nummer, die Sie in der fstab-Datei hinter gid= schreiben.)

  1. Bestätigen Sie über Weiter. Aktivieren Sie anschließend die Checkbox Benutzer oben im Fenster, um zu den Benutzereinstellungen zu gelangen. Wählen Sie einen Account aus und klicken Sie auf Bearbeiten. Gehen Sie danach auf die Schaltfläche Details und versehen Sie in der Liste der Gruppen die neue Gruppe win mit einem Häkchen.
  2. Speichern und verlassen Sie das Konfigurationsprogramm, indem Sie zweimal auf Weiter und dann auf Beenden klicken.

Benutzer von Mandrake Linux 10.1 nehmen das Tool userdrake zur Hilfe:

  1. Das Programm finden Sie im K-Menü unter System / Einstellungen / Sonstiges / Benutzerverwaltung. Identifizieren Sie sich nach dem Start mit dem Root-Passwort.
  2. Klicken Sie auf den Button Gruppe hinzufügen und geben Sie einen Namen (z. B. win) ein. Eine GID, die Sie in der fstab-Datei hinter gid= schreiben, wählt das System selbständig aus. Bestätigen Sie über OK.
  3. Anschließend doppelklicken Sie einen Benutzereintrag, den Sie zur neuen Gruppe hinzufügen wollen, gehen auf den Reiter Gruppen und wählen die neue Gruppe aus.

  1. Anschließend können Sie userdrake beenden.

Wer Fedora Core 2 einsetzt, benutzt das Programm system-config-users:

  1. Starten Sie das Konfigurations-Tool über das K-Menü / Systemeinstellungen / Benutzer und Gruppen und identifizieren Sie sich mit dem Root-Passwort.
  2. Klicken Sie in der Werkzeugleiste auf den Button Gruppe hinzufügen und geben Sie einen Namen, z. B. win, ein. Auch hier sorgt das System standardmäßig für die Vergabe einer passenden GID, die Sie in die Datei /etc/fstab hinter gid= eintragen.

  1. Um einen Benutzer einer Gruppe hinzuzufügen, doppelklicken Sie den Account-Namen, gehen auf den Reiter Gruppen und wählen durch Klick in die Checkbox die Gruppe(n) aus.
  2. Anschließend können Sie das Programm über das Menü / Datei / Beenden verlassen.

Für alle vier Distributionen gilt: Damit die Änderungen greifen, verlassen Sie am besten KDE und melden sich neu an -- der Benutzer sollte danach als Mitglied der Gruppe win auf die FAT32-Partition zugreifen können.

Weitere Schritte

Wie im Artikel unter [1] beschrieben, installieren Sie anschließend Thunderbird -- erst unter Windows, dann unter Linux (die aktuelle Version 1.0.2 finden Sie unter [4] und auf der Heft-CD) und richten mindestens ein Konto ein. Sollte der Mailer auf Ihrem System bereits zum Einsatz kommen, ist auch das kein Problem, und Sie können die folgenden Schritte ebenfalls nachvollziehen, um den Thunderbird-Datenbestand unter Linux zur Verfügung zu stellen:

  1. Legen Sie ein Verzeichnis für die Thunderbird-Daten auf der FAT32-Partition an und kopieren Sie das vollständige Profiles-Verzeichnis dorthin. (Wo sich dieses auf Ihrer Windows-Version befindet, verrät die Übersicht unter [5].)

  1. Als Nächstes gehen Sie vom ursprünglichen Profiles-Ordner aus eine Hierarchie weiter nach oben -- dort liegt die Datei profiles.ini, die Sie nun in einem Text-Editor anpassen müssen.
  2. Ändern Sie die Einträge unter IsRelative und Path, so dass die Datei nun folgende Form hat:

    Achten Sie darauf, dass Sie die Schrägstriche in der Pfadangabe jeweils durch einen Backslash (\) ersetzen. Speichern Sie danach die Änderungen und verlassen Sie den Editor.

Jetzt sind automatisch alle Pfade richtig gesetzt, so dass Sie weder Änderungen im Thunderbird selbst noch an der Datei prefs.js vornehmen müssen.

Die Linux-Seite

Unter Linux legt Thunderbird standardmäßig im eigenen Home-Verzeichnis den versteckten Ordner .thunderbird an, in dem Sie alle wichtigen Einstellungen und die Profile finden. Um das Windows-Profil einzusetzen, das auf der FAT32-Partition liegt, passen Sie die Datei ~/.thunderbird/profiles.ini in einem Text-Editor an; diese sollte anschließend in etwa so aussehen:

[General]
StartWithLastProfile=1

[Profile0]
Name=default
IsRelative=0
Path=/dos/thunder/Profiles/6fs3mpvr.default

Achten Sie darauf, dass Sie den Pfad zum eigenen Profil auf der FAT32-Partition an Ihr eigenes System anpassen. Wenn Sie Thunderbird das nächste Mal starten, arbeiten Sie mit den gleichen Einstellungen -- und natürlich auch allen Mails -- wie auf dem Windows-System (Abbildung 1). (hge)

Abb. 1: Eines für alle -- hier der Thunderbird unter Windows und Linux mit dem jeweils gleichen Profil und Postfach.
Infos
[1] Thunderbird-Artikel: Inga Rapp, "Two in one", EasyLinux 09/2004, S. 26 ff., http://www.easylinux.de
[2] Artikel zu mount: Heike Jurzik und Hans-Georg Eßer, "Bergsteiger", EasyLinux 06/2004, S. 80 ff., http://www.easylinux.de/2004/06/080-guru-mount/
[3] Artikel zur Rechtevergabe unter Linux: Elisabeth Bauer, "Alles, was recht ist", EasyLinux 09/2003, S. 71 ff., http://www.easylinux.de/2003/09/071-guru-chmod/
[4] Thunderbird-Download für alle Betriebssysteme: http://www.thunderbird-mail.de/thunderbird/
[5] Profiles-Verzeichnisse von Thunderbird auf den verschiedenen Windows-Versionen: http://www.thunderbird-mail.de/hilfe/dokumentation/profilordner.php

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