claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 06/2005   »   Ausgabe bestellen

Suse Linux 9.3 im Test

Chamäleon-Novelle

von Marcel Hilzinger


Suse Linux 9.3 Professional ist da. Wie gewohnt liefern die Nürnberger einen Haufen aktuelle Software, ein paar neue und verbesserte YaST-Module und happige Handbücher. Dieser Artikel zeigt Ihnen, was Novell in 9.3 sonst noch geändert hat.

Kaum hat man sich an eine Version gewöhnt, bringt Novell ein neues Linux heraus. Suse Linux 9.3 Professional macht einen frischen Eindruck, lässt sich problemlos installieren und bringt eine üppige Programmfülle mit. Obschon sich an der Oberfläche kaum etwas geändert hat, nahmen die Suse-Entwickler auch bei dieser Version zahlreiche Verbesserungen vor und bauten neue Features ein.

Installation

Die Installation mit YaST unterscheidet sich nur geringfügig von früheren Versionen. In einem ersten Dialog -- noch vor der eigentlichen Installation -- müssen Sie auf Englisch die Lizenzbedingungen von Novell akzeptieren, dann geht das Setup mit der Auswahl der Sprache und dem Einrichten der Hauptkomponenten weiter. Ist auf Ihrem System noch kein Betriebssystem installiert, akzeptieren Sie einfach die Vorschläge des Installationsprogramms YaST, und nach rund 25 Minuten ist Suse Linux 9.3 komplett installiert.

Befindet sich auf dem Rechner bereits ein Windows, verkleinert YaST automatisch die bestehende FAT- oder NTFS-Partition und legt die für Suse Linux 9.3 benötigten Partitionen an. Der Installer geht dabei nicht zimperlich um und verwendet rund zwei Drittel der Festplatte für Linux. Möchten Sie das Ausmaß der Windows-Verkleinerung selbst bestimmen, müssen Sie unbedingt die manuelle Partitionierung wählen.

Sind auf dem Rechner mehrere Betriebssysteme installiert, sollten Sie das Suse-Handbuch zu Rate ziehen und ebenfalls die manuelle Partitionierung wählen. Ein Update von Suse Linux 9.2 verlief im Test problemlos; Updates von älteren Suse-Versionen sollten Sie hingegen vermeiden. Auf drei getesteten Rechnern erkannte der Installer sämtliche Hardware korrekt und band Sie teils vollautomatisch, teils per Mausklick ins System ein.

Am Ende der Installation bietet YaST ein Online-Update an, und Sie erhalten Einblick in die Release-Notes zu 9.3. Novell hat anscheinend in vielen Bereichen bis zur letzten Minute an Suse Linux 9.3 gearbeitet. Die deutschen Release-Notes fallen denn auch sehr knapp aus und wirken unvollständig. Laden Sie hier wenn möglich die aktuellste Version über das Internet herunter oder lesen Sie nach der Installation das englische Original unter /usr/share/doc/release-notes/.

Frischer Anstrich

Mit KDE 3.4 und Gnome 2.10 enthält die Box die jeweils aktuellsten Versionen der grafischen Arbeitsumgebungen. Auch von OpenOffice hätte Novell gerne die fertige Version 2.0 beigefügt: Der Splash Screen zeigt denn auch diese Versionsnummer an. Es handelt sich jedoch um eine Vorabversion, die offiziell die Versionsnummer 1.9.79 trägt. Gimp ist in der Version 2.2 dabei und wird standardmäßig inklusive CMYK-Plug-In installiert. Die Versionsnummern weiterer zentraler Komponenten finden Sie in der Tabelle Versionsnummern.

Versionsnummern
KomponenteVersion
Kernel2.6.11.4
Glibc2.3.4
Gcc3.3.5
Samba3.0.12
MySQL4.1.10
PostgreSQL8.0.1
KDE3.4
Gnome2.10
Gimp2.2.4
Acrobat Reader7.0

Am KDE-Desktop hat sich einiges getan. So zeigt Konqueror zum Beispiel nach dem Start einen Übersichtsbildschirm mit Links zum Mülleimer, zu Ordnern, Einstellungen, Speichermedien und Programmen an (Abbildung 1). Über diese Links greifen Sie schnell auf die wichtigsten Elemente der Arbeitsumgebung zu. Auch die Einführung in Konqueror, die Sie über den Link Es folgt: Eine Einführung in Konqueror erreichen, enthält interessante Informationen zum KDE-Browser. Sollten Sie die neue Startseite von Konqueror aus Versehen geändert haben, zaubert die URL about:/ sie wieder hervor.

Auch am Panel hat sich einiges verändert. Halten Sie den Mauszeiger für kurze Zeit über eines der Symbole auf der linken Seite des Panels, erscheint ein hübsches Infofenster. Weiter erhielt das Panel auch ein Mülleimer-Applet. Was anfänglich nach einem Entwicklerscherz tönt, erweist sich im täglichen Betrieb als nützliches Feature, ist doch der Mülleimer oft gerade dann durch ein Fenster verdeckt, wenn man ihn nötig hätte. So haben Sie über das Panel jederzeit Zugriff auf den Inhalt des Mülleimers und können auch per Drag & Drop neue Dateien in den Abfall befördern. Zusätzlich zeigt der Tooltip des Mülleimers an, wie viele Elemente sich darin befinden.

Abb. 1: Die neue Startseite von Konqueror.

Bei der Fensterdekoration hat sich Suse endlich von seinem eigenen Stil verabschiedet und diesen durch eine leicht angepasste Variante des KDE-Standardstils Plastik ersetzt. Eine entsprechende Grafikkarte und CPU vorausgesetzt, unterstützt KDE auch die Darstellung von transparenten Fenstern. Diese Option ist aber in den Standardeinstellungen deaktiviert.

Die meisten optischen Änderungen gehen auf das Konto der neuen KDE-Version 3.4. Gebrauch von den neuen KDE-Features macht auch das Symbol Arbeitsplatz auf dem Desktop. Es ruft die Adresse media:/ auf und zeigt alle Laufwerke des Systems an. Bei Partitionen mit Namen zeigt Konqueror das entsprechende Label an. Bei Laufwerken ohne Label erzeugt Suse Linux einen generischen Namen aus der Kapazität des Laufwerkes, zum Beispiel 32G Medium oder 131M Wechselmedium (siehe Abbildung 2).

Abb. 2: Suse Linux 9.3 bindet Laufwerke nach Label oder nach Größe und Typ ein.

Einen Platz auf dem Suse-Desktop hat sich nun auch der Internet-Browser Firefox ergattert. Er löst damit Mozilla als Konqueror-Alternative ab.

MP3 nur über YOU

Spätestens nach dem Start von Amarok und dem Einlesen der eigenen MP3-Sammlung merken Sie, dass Novell auch einiges am System geändert hat. Nach dem Anklicken einer MP3-Datei in Amarok geschieht erstmal gar nichts. Starten Sie hingegen die KDE-Jukebox über die Konsole, erscheint im Terminal-Fenster der entscheidende Hinweis: Could not load mpeg-decoder. Novell hat sich in letzter Minute dazu entschlossen, keinen MP3-Decoder auf die Medien zu packen. Im Gegensatz zu Red Hat stellt der Distributor jedoch die benötigten Pakete in vier separaten "Multimedia Option Packs" per YaST Online Update zur Verfügung (Abbildung 3).

Abb. 3: Die für das Abspielen von MP3-Songs benötigten Programme sind nur noch via YaST Online Update erhältlich.

Für den MP3-Genuss benötigen Sie nur das Multimedia Option Pack 1. Es beinhaltet alle MP3-Erweiterungen und ist lediglich 834 KByte groß. Die Option Packs 2 bis 4 liefern weitere Multimedia-Anwendungen. Novell will damit offiziell auch den schnell wechselnden Ansprüchen der Multimedia-Welt gerecht werden. Warum die Pakete aber nur per YOU zu haben sind, bleibt auch mit dieser offiziellen Erklärung offen.

Mit von der Partie sind zum ersten Mal die binären ATI-Treiber für neuere Radeon-Karten. Von den benötigten zwei Paketen befindet sich aber nur das Kernel-Modul km_fglrx auf den CDs; das Paket fglrx fand wie viele andere Pakete nur auf der DVD Platz. Auch werden die Treiber nicht automatisch installiert oder zur Installation angeboten.

Ebenfalls neu sind die Epkowa-Treiber für die Epson-Scanner Epson Perfection 1250, 1250 Photo, 1260, 1260 Photo, 3170 Photo, 4180 Photo, GT-7200U, GT-7300U, GT-9400 und GT-F600. Zum Einrichten dieser Scanner verwenden Sie das Scanner-Modul von YaST und starten dann das Programm Iscan.

Novell hat in Suse Linux 9.3 einiges am Hardware-Erkennungsmechanismus geändert. Hier kommen jetzt wie bei anderen Distributionen schon länger üblich HAL und die D-Bus-Architektur zum Einsatz. Von diesen Änderungen profitieren in erster Linie Hotplug-Geräte, wie USB-Sticks, externe Festplatten und CD/DVD-Brenner. Hier hat die neue Version gegenüber ihrem Vorgänger deutliche Verbesserungen erfahren.

Änderungen in YaST

Neuerungen sind auch in diversen YaST-Modulen zu finden. Bei der Benutzerverwaltung erleichtern drei separate Reiter für Benutzerdaten, Details und Passworteinstellung das Anlegen und Bearbeiten von Benutzern. Das Firewall-Modul hat Novell grundlegend überarbeitet (siehe Abbildung 4). So ist es jetzt auch möglich verschiedene Zonen zu definieren und über IPSec eine verschlüsselte Verbindung aufzubauen. Die freizugebenden Dienste lassen sich aus einer Liste auswählen und per Mausklick hinzufügen.

Abb. 4: Das Firewall-Modul von YaST hat Novell einer gründlichen Revision unterzogen.

Ebenfalls von den Firewall-Einstellungen betroffen ist das Drucker-Modul. Wie üblich richtet Suse Linux den Rechner bei der Installation als CUPS-Client ein, öffnet aber in Version 9.3 den benötigten Port in der Grundeinstellung nicht. Da dieses Detail bei der Installation leicht übersehen wird, ist es anschließend nötig, den Drucker- oder den Firewall-Dialog zu starten und den Dienst IPP-Client auf die Liste der erlaubten Dienste zu setzen.

Als neues YaST-Modul bietet Suse Linux 9.3 nun einen Media Check. Über Software | Media Check überprüfen Sie CDs und DVDs auf Fehler. Dieses Feature steht auch während der Installation zur Verfügung, allerdings nur im Textmodus. Brechen Sie dazu einfach die grafische Installation ab und wählen Sie dann aus dem Hauptmenü des Boot-Menüs den Eintrag Installations-CD-ROM/DVD prüfen.

Lohnt sich das Update?

Arbeiten Sie zur Zeit mit Suse Linux 9.x oder einem vergleichbar aktuellen System, lohnt sich das Update, falls Sie mit Ihrem jetzigen System nicht zufrieden sind. Die folgende Pros und Kontras sollen Ihnen bei der Entscheidung helfen.

OpenOffice 2.0 macht einen aufgeräumten, frischen Eindruck. Die Startzeiten für die einzelnen Programme sind zwar nicht drastisch kürzer geworden, aber immerhin beschränken sie sich jetzt auf zwei bis drei Sekunden. Die Office Suite stürzte in den Tests auch einige Male ab, es gelang ihr dann jedoch jeweils, das nicht gespeicherte Dokument wieder herzustellen. Für Access-Umsteiger stellt das neue Datenbankmodul eine große Hilfe dar.

Arbeiten Sie oft mit externen Datenträgern, lohnt sich das Update. Die Probleme mit USB-Sticks, wie sie unter Version 9.2 auftraten, hat Novell gelöst. Beim Einhängen von Partitionen benutzt Suse Linux nun nicht mehr die endlos scheinenden IDs der Geräte, sondern -- sofern vorhanden -- das Label der Partition. Bei externen Datenträgern ohne Label kommt der Mount-Punkt /media/usbdisk zum Einsatz. Auch USB-Sticks ohne Partitionstabelle bindet das System korrekt ein. Störend wirkt sich die Umstellung auf CDs und DVDs aus, da sich auch hier der Mount-Punkt nach dem Label des Mediums richtet. Ein cd /media/dvd/ führt deshalb meist ins Leere.

Weiterhin nicht befriedigend gelöst ist die Einbindung von großen externen Laufwerken mit einer Kapazität von mehreren GByte. Damit sich die Datenträger zu jeder Zeit ohne umount-Befehl entfernen lassen, hängt Suse Linux sämtliche Dateisysteme mit der Option sync ein. Dies sorgt jedoch bei großen Festplatten mit ReiserFS für einen erheblichen Administrationsaufwand: Die Platte synchronisiert ständig und arbeitet dadurch merklich langsamer. Abhilfe schaffen Sie hier, indem Sie die Platte von Hand einhängen. Am besten nehmen Sie dazu den von Suse Linux gewählten Mount-Punkt und hängen die Platte darüber ein. Ein vorhergehendes Unmounten der automatisch eingehängten Partition ist nicht nötig.

Ebenfalls ein Update gönnen sollten sich Benutzer von Laptops. Die Power-Management-Funktionen für ACPI-Rechner in Suse Linux 9.3 haben sich erheblich verbessert. Suspend-to-Disk funktioniert jetzt auch mit den Nvidia-Treibern zusammen und dauert zum Beispiel auf einem Dell Inspiron 8600 rund 20 Sekunden. Auch Standby funktioniert nun auf diesem Rechner erstmals. Laut Novell soll sich das Anlegen einer separaten Partition für /boot mit Ext2 oder Ext3 ebenfalls positiv auf die Geschwindigkeit des Suspend-Vorgangs auswirken. In den Tests zeigte diese Maßnahme jedoch keinen spürbaren Unterschied.

Das Wiederaufwachen nach einem Suspend-to-RAM ist zwar bei vielen Rechnern immer noch Glücksache, Suse Linux 9.3 bietet aber einige Tools, die auch problematische Rechner zum Aufwachen aus dem Speicherschlaf überlisten. Detaillierte Informationen dazu finden Sie in der Datei /usr/share/doc/packages/powersave/README.suspend2ram. Die Datei enthält auch eine Liste der getesteten Laptops.

Fazit

Mit Suse Linux 9.3 bietet Novell eine umfangreiche, solide Linux-Distribution an. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die neue Version zwar kaum vom Vorgänger, unter der Haube hat sich aber trotzdem viel getan. Für Neueinsteiger ist die Distribution in jedem Fall empfehlenswert. Ein Update lohnt sich in erster Linie bei Laptops und Rechnern, die viel mit externen Speichermedien arbeiten. Im Test traten keine großen Überraschungen auf. Ein Blick auf den Artikel Bekannte Probleme und Besonderheiten in Suse Linux 9.3 unter [1] kann hingegen auch bei dieser Suse-Version nicht schaden. (mhi)

Infos
[1] Suse-Support-Datenbank: http://portal.suse.com/sdb/de/index.html

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2012 Linux New Media AG | Last modified: 2007-04-05 11:10

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]