claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 07/2005   »   Ausgabe bestellen

Analoge TV-Karten unter Linux nutzen

Tatort Linux-PC

von Marcel Hilzinger


Fernsehen unter Linux muss nicht viel kosten. Eine analoge TV-Karte für 40 Euro liefert bereits ausgezeichnete Bilder. EasyLinux hat vier von ihnen getestet.

Besitzen Sie zu Hause TV-Empfang über einen Kabelanschluss, eine Haus-Antenne oder eine Satelliten-Schüssel, benötigen Sie weder eine DVB-S- noch eine DVB-T-Karte (siehe dazu den Artikel zu VDR auf Seite 24), um auf dem PC fern zu sehen: Hier genügt eine analoge TV-Karte vollständig.

Augen auf...

Die Hersteller von TV-Karten bieten viele Modelle unter dem gleichen Namen an,zum Teil sogar mit unterschiedlicher Ausstattung, wie Fernbedienung oder Radio-Tuner. Oft halten sie auch am Namen einer erfolgreichen Karte fest, bestücken diese aber mit ständig neuer Hardware. Aus diesem Grund fällt es schwer, eine Liste der von Linux unterstützten TV-Karten aufzustellen.

Nicht alle TV-Karten funktionieren unter Linux. Sie sollten sich deshalb vor dem Kauf ein Rückgaberecht aushandeln. In puncto Qualität liefern die unterstützen Karten hingegen eine gute Qualität. Nicht selten sind Windows-Benutzer erstaunt, wie viel besser das Bild ihrer TV-Karte unter Linux ist.

Einrichten einer TV-Karte

Am Einfachsten gestaltet sich die Einrichtung der TV-Karte während der Installation des Betriebsystems. Fedora Core 3, Suse und Mandriva Linux erkennen dann die TV-Karte automatisch und richten diese meistens fehlerfrei ein. Bauen Sie die Karte nachträglich ein, wird Sie unter Umständen falsch oder gar nicht erkannt.

Damit die TV-Karte funktioniert, muss das Betriebssystem den Chipsatz und den Tuner richtig erkennen. Die benötigten Parameter lassen sich allerdings nicht immer automatisch ermitteln. Sie müssen diese deshalb manchmal von Hand angeben. Dies geschieht beim Laden des entsprechenden Treibers (Kernel-Moduls). Der Befehl

modprobe saa7134 card=26 qss=0

lädt zum Beispiel das Kernel-Modul für Philips-Tuner (saa7134) der Karten PCTV Rave und PCTV Stereo (card=26). Die Option qss=0 bewirkt, dass das Modul den "Quasi Split Sound" -- eine Technik, die in Frankreich verbreitet ist -- abschaltet. Lassen Sie diese Option weg, hören Sie anstelle des Tons nur ein Rauschen.

Je nach Kernel-Modul benötigen Sie andere Optionen. Für die Hauppauge-Karte WinTV Express lautet der entsprechende Befehl zum Beispiel

modprobe bttv card=51 tuner=38

Funktioniert die Karte, tragen Sie die richtigen Werte in die Datei /etc/modprobe.conf respektive /etc/modprobe.conf.local (Suse Linux 9.3) ein.

Die Testkandidaten

Die Redaktion erhielt von Hauppauge die Karten WinTV Express und WinTV Go2 sowie von Pinnacle die Modelle PCTV Rave und PCTV Stereo (siehe Tabelle Testkandidaten). Hierbei handelt es sich um aktuelle Modelle, die sich jetzt im Handel befinden. Mit Ausnahme der WinTV Go2 funktionieren sämtliche Karten unter den EasyLinux-Distributionen. Bei der WinTV Go2 hat Hauppauge in der neuesten Serie den Tuner gewechselt. Besitzen Sie ein älteres Modell dieser Karte, läuft sie vermutlich auch unter Linux.

Die PCTV Rave und PCTV Stereo besitzen beide einen Philips-Chipsatz. Einziger Unterschied zwischen den Karten ist, dass der PCTV Stereo eine Fernbedienung beliegt, die in unseren Tests allerdings unter Linux nicht funktionierte. Für Linux-Benutzer empfiehlt sich deshalb der Kauf der kostengünstigeren Rave-Variante. Da Pinnacle unter dem gleichen Namen auch TV-Karten mit Bttv878- und Conexant-Chipsatz produziert, sollten Sie vor dem definitiven Kauf die Karte auspacken (lassen) und überprüfen, ob sie einen Philips- (Abbildung 1) oder einen Bttv878-Chipsatz besitzt. Ist die Karte mit einem Conexant-Chipsatz bestückt, sollten Sie vom Kauf absehen.

Da die Karte keinen externen Audio-Ausgang besitzt ist es wichtig, dass Sie sie beim Einbauen mit Hilfe des zum Lieferumfang gehörenden Kabels mit der Soundkarte verbinden. Der entsprechende Ausgang (Abbildung 1 ganz rechts) ist auf der Tunerkarte mit einem schwarzen Kunststoffwürfel geschützt. Sie müssen diesen vor der Installation entfernen.

Suse Linux und Fedora Core 3 erkennen die Karte beim Booten des Systems automatisch und fragen nach, ob Sie die Karte einrichten möchten. Bei Fedora Core antworten Sie dazu mit Ja und zweimaligem Drücken der [Enter]-Taste. Unter Suse Linux wählen Sie als Anbieter Pinnacle und als Kartentyp PCTV Stereo (saa7134) aus. Mandriva Linux erkennt die Karte nicht automatisch. Hier führen folgende Schritte zum Erfolg:

  1. Starten Sie über [Alt-F2] und die Eingabe kdesu kedit den Texteditor Kate als root.
  1. Öffnen Sie die Datei /etc/modprobe.conf und fügen Sie folgende Zeilen am Ende der Datei ein:
    alias char-major-81 saa7134
    options saa7134 qss=0

Nach einem Neustart des Rechners ist die Karte betriebsbereit. Hören Sie unter Suse Linux oder Fedora Core 3 anstelle des Tons nur ein Rauschen, müssen Sie die Zeile options saa7134 qss=0 ebenfalls an die Datei /etc/modprobe.conf anhängen.

Abb. 1: Die neuen PCTV-Modelle besitzen einen Philips-Tuner.

Abb. 2: Karten mit diesem Conexant-Chipsatz sollten Sie meiden.

Die WinTV Go2 mit Conexant-Chipsatz (Abbildung 2) besitzt ebenfalls eine Fernbedienung. Diese funktioniert jedoch -- wie die TV-Karte selbst -- nicht mit Linux. Sämtliche Distributionen erkannten die Testkarte als Winfast 2000 XP Expert, konnten diese aber nicht ins System einbinden. Lediglich unter Fedora Core 3 zeigte die Karte nach einigen Versuchen von Hand den richtigen Tuner herauszufinden ein schwarzweißes Bild. Besitzen Sie eine ältere Go2, können jedoch folgende Einträge in der Datei /etc/modprobe.conf Bild und Ton hervorzaubern:

alias char-major-81 cx8800
options cx88xx tuner=37

Leichter gestaltet sich die Inbetriebnahme der WinTV Express mit Bttv878-Chipsatz (Abbildung 3). Achten Sie beim Kauf auf das Logo "Powered by Bt878 Conexant". Trägt die Verpackung dieses Logo, ist die Karte Linux-tauglich. Fedora Core 3 und Suse Linux erkennen die TV-Karte beim Systemstart und richten sie automatisch ein. Beide Distributionen erkennen aber die Karte nicht ganz korrekt. Sie müssen also auch hier von Hand nachhelfen. Tragen Sie dazu folgende Zeilen in die Datei /etc/modprobe.conf ein:

alias char-major-81 bttv
options bttv card=51 tuner=38

Mit diesen Einstellungen funktioniert die Karte auch unter Mandriva Linux.

Abb. 3: Die WinTV Express besitzt trotzt Conexant-Aufschrift ein Brooktree-Chipset.

Achtung, Aufnahme!

Um über die Karte fern zu schauen, eignet sich zum Beispiel Kdetv oder XawTV. Zu diesen Programmen finden Sie je einen Artikel in diesem EasyLinux. Kdetv bietet aber keine Aufnahmefunktion, XawTV nur eine sehr umständliche. Auf der Heft-CD befindet sich deshalb auch das Programm Fftv, mit dessen Hilfe Sie Ihre Lieblingssendungen über einen einzigen Mausklick im MPEG2-Format aufnehmen können. Details zur Bedienung des Programms finden Sie ebenfalls auf der Heft-CD. (mhi)

Testkandidaten
ModellHerstellerChipKernel-ModulePreis ca.Linux-tauglich
PCTV RavePinnaclePhilipssaa713440 EuroX
PCTV StereoPinnaclePhilipssaa713445 EuroX
WinTV ExpressHauppaugeBrooktreebttv,bt87840 EuroX
WinTV Go2HauppaugeConexantcx88xx,cx880050 Euro

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2010 Linux New Media AG | Last modified: 2007-04-05 11:10

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]