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Erschienen in EasyLinux 07/2005   »   Ausgabe bestellen

Fernsehen und Videotext mit XawTV

In die Ferne schweifen

von Max Werner


Am Computer fernzusehen, muss nicht umständlich sein. Mit der TV-Suite XawTV bekommen Fernsehbegeisterte alle Programme an die Hand, die ihre Herzen begehren. Neben TV-Viewern bietet das Paket zwei Videotext-Betrachter. Altmeister XawTV besticht durch seine Einfachheit und Stabilität.

Die heimischen PCs entwickeln sich mehr und mehr zu komplett ausgestatteten Multimedia-Maschinen. Dank kleiner und wohnzimmertauglich leiser Gehäuse dienen sie als Ersatz für die Stereoanlage und sogar für den Fernseher. Zudem ist Fernsehen am Computer deutlich günstiger, als sich ein neues TV-Gerät zu kaufen. Analoge TV-Karten gibt es bereits für 40 Euro im Handel (siehe Artikel ab Seite 16).

Mit der Programm-Suite XawTV steuern Sie Ihre Karte zudem bequem von Linux aus. XawTV ist das Urgestein der TV-Applikationen für Linux; Stabilität und Robustheit machen die gewöhnungsbedürftige Oberfläche wieder wett. Speziell für analoge TV-Karten entwickelt, beherbergt das XawTV-Paket nicht nur zwei Programme zum Fernsehen (XawTV und MoTV), sondern auch gleich zwei, die sich um den Videotext kümmern, namentlich AleVT und Mtt.

Wie Sie all diese Programme auf Ihren Rechner befördern, entnehmen Sie der Anleitung auf der beigelegte Heft-CD. Suse Linux 9.2 und 9.3 bringen bereits alles Nötige mit, bei Fedora Core und Mandriva Linux benötigen Sie zusätzliche Pakete, die sich ebenfalls auf der Heft-CD befinden. Fedora-Benutzer müssen für Videotext mit AleVT Vorlieb nehmen, da es kein Mtt-Paket gibt.

Blick in die Röhre

Nachdem Sie alle nötigen Pakete installiert haben (ob von unserer CD oder der Ihrer Distribution), tauchen im Startmenü bereits die wichtigsten Einträge auf. Bei Suse Linux unter Multimedia / TV, bei Fedora Core unter Audio & Video, und Mandrake Linux legt sie im Unterpunkt Multimedia / Video ab. Falls Sie in Ihrer Distribution keinen Eintrag für eines der Programme finden, betätigen Sie die Tastenkombination [Alt-F2], geben den Programmnamen ein und drücken [Eingabe]. Achten Sie darauf, alle Programmnamen stets mit kleinen Buchstaben zu schreiben.

Werfen Sie als erstes einen Blick auf MoTV, das eine schönere Oberfläche als XawTV bietet und die Einrichtung aller Kanäle auf wenige Klicks reduziert. Nach dem Start von MoTV sehen Sie ein TV-Fenster (Abbildung 1), ein Klick darauf öffnet ein zweites ähnlich Abbildung 2. Da die Sender noch nicht eingestellt sind, sehen Sie im zweiten Fenster nur eine graue Fläche im unteren Bereich.

Abb. 1: Das TV-Fenster von XawTV und MoTV ist sehr dezent und lässt sich wunderbar in eine Ecke des Desktops schieben, um neben dem Surfen im Web nichts zu verpassen.

Um den Sendersuchlauf zu starten, sind einige Vorkehrungen notwendig. Klicken Sie als erstes auf Einstellungen und legen Sie für capture den Modus overlay fest. Sollten Sie einmal Probleme bei der Darstellung des TV-Bildes haben, versuchen Sie es hier mit der Option grabdisplay, sie verursacht in der Regel weniger Probleme mit der Hardware.

Danach gilt es die Frequenztabelle auf europe-west einzustellen und bei der Fernsehnorm den PAL-Modus auszuwählen. Bei Eingang ist meistens television die richtige Wahl. Je nach TV-Karte haben Sie auch die Möglichkeit, eine Videokamera anzuschließen, dann müssen Sie eventuell einen anderen Eingang setzen.

MoTV sucht für Sie, wie jedes übliche TV-Gerät, die Frequenzen nach empfangbaren Sendern ab. Diesen Sendersuchlauf starten Sie mit einem Klick auf Einstellungen / Sendersuche. Daraufhin öffnet sich ein Fenster, das nach einem weiteren Klick auf Start den Fortschritt der Suche anzeigt.

Ist MoTV damit fertig, taucht im Hauptfenster für jeden Sender je ein Knopf auf. Ein Klick darauf wechselt den Sender im TV-Fenster. Alternativ benutzen Sie die beiden Pfeile in der Button-Leiste, um zum vorherigen und nächsten Sender zu springen. Die Buttons rechts daneben speichern ein Foto des angezeigten Senders oder nehmen einen Film im AVI-Format auf. Der Knopf ganz rechts beendet MoTV.

Abb. 2: Sind alle Sender eingerichtet, erreichen Sie sie im Programm MoTV mit nur einem Mausklick. Einfacher geht's nicht.

Bevor Sie jedoch MoTV nach einer Änderung der Einstellungen verlassen, vergessen Sie nicht, die Neuerungen über den Menüpunkt Einstellungen / Einstellungen speichern zu sichern, ansonsten müssen Sie beim nächsten Start wieder alle Sender erneut suchen lassen. Beide TV-Viewer aus der Suite speichern ihre Einstellungen in der Datei .xawtv in Ihrem Heimatverzeichnis.

Der ältere Bruder

Das ursprüngliche Programm XawTV ist nicht ganz so schick aufgemacht. Nach dem Start sehen Sie lediglich das aus MoTV bekannte TV-Fenster. Sollten Sie vorher MoTV noch nicht gestartet haben, sehen Sie mit aller Wahrscheinlichkeit nur den bekannten Schnee. In diesem Fall stellen Sie vorher mit MoTV die Sender ein, da XawTV keine Sendersuche anbietet.

Mit einem Klick der rechten Maustaste auf das Fenster öffnen Sie den Konfigurationsdialog (Abbildung 3). Hier wählen Sie genau wie bei MoTV TV-Norm, Frequenztabelle und Videoeingang aus. Auch Helligkeit, Farbton, Kontrast und Farbe sind dank der Regler schnell optimiert.

Abb. 3: Die Konfiguration von XawTV ist denkbar einfach. Mit wenigen Klicks passen Sie alle Optionen an Ihre Bedürfnisse an. Einen Sendersuchlauf gibt es allerdings nicht.

Die Buchstaben rechts von den Optionsnamen zeigen an, dass Sie fast jedes Feature von XawTV mit der Tastatur erreichen. Das ist sehr gemütlich und spart Zeit. Das Channel Window etwa zeigt alle Sender untereinander mit einem Standbild des aktuellen Programms an. Mit Channel Hopping wechselt XawTV alle paar Sekunden zum nächsten Sender, die perfekte Option für notorische Zapper. Die Taste [F] werden Sie wohl am häufigsten brauchen: Mit ihr schalten Sie zwischen Vollbild- und Fenstermodus um.

Hat der Sendersuchlauf nicht alle Sendernamen ermitteln können, klicken Sie im Konfigurationsdialog auf den Menüpunkt Channel Editor. Dort sehen Sie alle Kanäle aufgelistet. Klicken Sie einfach auf den Sender, den Sie ändern möchten, und geben Sie ihm den richtigen Namen.

Außerdem haben Sie in diesem Fenster die Möglichkeit, jedem Sender einen eigenen Tastatur-Shortcut zuzuweisen. Drücken Sie dann die entsprechende Taste, springt XawTV direkt zu diesem Sender. Das funktioniert auch innerhalb von MoTV, da sich die beiden Programme eine Konfigurationsdatei teilen.

Im TV-Fenster wechseln Sie mit den Tasten [Bild Auf] und [Bild Ab] zum nächsten und vorigen Sender. Die [Plus]- und [Minus]-Tasten auf dem Nummernblock Ihrer Tastatur regeln den Ton, [Eingabe] schaltet den Ton aus.

Textwüste

Um neben dem TV-Programm Nachrichten zu lesen, die neuesten Fußballergebnisse abzufragen oder zu schauen, welcher Film heute abend läuft, ist der gute alte Videotext unentbehrlich. Damit Sie unter Linux nicht darauf müssen, kommt die XawTV-Suite mit den Programmen AleVT und Mtt. Sie stehen im Verhältnis zueinander wie XawTV und MoTV. Mtt ist etwas komfortabler, während AleVT ohne Schnickschnack einfach nur Videotext anzeigt.

Abb. 4: Mit dem Programm Mtt betrachten Sie den Videotext des aktuellen Senders. Da es den großen Arbeitsspeicher des PCs nutzt, liefert es Seiten extrem schnell.

Im Vergleich zum Videotext-Decoder an Fernsehgeräten haben AleVT und Mtt einen großen Vorteil: Sie arbeiten extrem schnell. Möglichst viele Textseiten werden im Arbeitsspeichers Ihres Computers gespeichert, um sie in Sekundenschnelle auszuliefern.

Da beide Programme aber nicht selber die Sender umschalten können, sollten Sie MoTV oder XawTV stets parallel starten. Mtt/AleVT liefert dann jeweils die Seiten des Senders, der ausgewählt ist. Klicken Sie in das Mtt/AleVT-Fenster und geben die gewünschte Seitenzahl ein, springt das Programm direkt dorthin.

Besonders bequem ist die Navigation innerhalb von Seiten, die mehrere Unterseiten beherbergen. Ein Klick auf den Text 1/2 im Programmfenster wechselt zwischen den Unterseiten hin und her. Klicken Sie auf eine der angezeigten Seitenzahlen, springt AleVT/Mtt dorthin, ohne dass Sie die Tastatur bemühen müssen. In AleVT finden Sie auf den speziellen Seite 900 bis 915 eine ausführliche Anleitung zum Programm und dessen Bedienung.

Die meisten Sender zeigen ganz unten auf einer Videotextseite vier bunt hinterlegte "Links" an. Auf dem PC ersetzen die Tasten [F1] bis [F4] die bunten Tasten auf der Fernbedienung. (mwe)

Was tun bei Problemen?

Je nachdem, welche Grafikkarten Sie einsetzen oder welche Videogeräte Sie an Ihrem PC angeschlossen haben, kommt es unter Umständen zu Problemen bei der Darstellung des Bildes. Das fängt schon bei der Auswahl des richtigen Eingangs an. Sollte XawTV oder MoTV nicht das gewünschte Bild liefern, verschaffen Sie sich als erstes einen Überblick über die angeschlossenen Geräte.

Drücken Sie [Alt-F2] und geben konsole gefolgt von [Enter] ein. In der Konsole tippen Sie dann den Befehl xawtv -hwscan oder motv -hwscan. Die ausgegebene Liste zeigt alle Geräte, die als Eingang für die TV-Programme dienen können. Die wichtigste Information ist der Gerätename (etwa /dev/video0). Wollen Sie statt /dev/video0 etwa ihre USB-Webcam an /dev/video1 anzeigen, starten Sie XawTV folgendermaßen:

Drücken Sie wieder [Alt-F2] und geben xawtv -c /dev/video1 ein gefolgt von [Eingabe]. Analog verfahren Sie mit weiteren Videoeingängen.

Sehen Sie gar kein Bild, oder startet das TV-Programm nicht, versuchen Sie die Option noxv. Dazu geben Sie in nach Drücken von [Alt-F2] xawtv -noxv (oder motv -noxv) ein. Allerdings leidet die Grafikdarstellung ein wenig darunter.

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