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Erschienen in EasyLinux 07/2005   »   Ausgabe bestellen

Digitaler Videorekorder im Eigenbau

Fernsehen in Eigenregie

von Mirko Dölle


Bandsalat und schwammige VHS-Bilder gehören der Vergangenheit an, das Videorekorder-Programm VDR speichert das Fernsehprogramm digital und fast in DVD-Qualität auf die Festplatte. Die Einrichtung ist dabei nicht einmal schwierig.

VDR wurde von Klaus Schmidinger als digitaler Videorekorder entworfen, der nicht nur die Aufzeichnungen digital als MPEG-2-Dateien auf der Festplatte ablegt, sondern auch das digitale Fernsehen (DVB, Digital Video Broadcasting) empfängt. Mit analogen Signalquellen von herkömmlichen TV-Empfangskarten kann VDR nichts anfangen -- wenn man bedenkt, dass derzeit in ganz Deutschland die Umstellung von analogem auf digitales Fernsehen läuft und bis spätestens 2010 abgeschlossen sein soll, ist dies nur ein kleiner Wermutstropfen.

Für den Empfang der digitalen Fernsehkanäle benötigen Sie entsprechend auch eine digitale Empfangskarte. Damit sind nicht herkömmliche TV-Empfangskarten mit BT-848- oder Conexant-Chipsatz gemeint, sondern DVB-Empfangskarten von Technotrend, Hauppauge und anderen Herstellern.

Digital per Satellit

In diesem Workshop besprechen wir lediglich den Satellitenempfang, da dieser ohne weitere Änderungen an der Software und den Konfigurationsdateien möglich ist. Wollen Sie DVB-T empfangen, brauchen Sie nicht nur eine entsprechende Empfangskarte, sondern müssen zudem aus den Windows-Treibern die Firmware der jeweiligen Karten herauskopieren und unter Linux installieren. Gleiches gilt für digitale Kabel-Karten. Bei DVB-S ist dies nicht erforderlich, die Programmpakete enthalten bereits die nötige Firmware und alle Konfigurationsdateien, Sie benötigen einfach nur eine digitaltaugliche Satellitenschüssel und pro DVB-Empfangskarte ein Sat-Kabel. Die Tabelle DVB-Empfangskarten enthält eine Übersicht der verschiedenen Empfangskarten, die Suse Linux 9.2, Suse Linux 9.3 und Mandrake Linux 10.2 gut unterstützen. Einzig Fedora-Core-Benutzer bleiben leider außen vor, die Kernel-Unterstützung für die Empfangskarten ist bei dieser Distribution unbrauchbar.

DVB-Empfangskarten
TypHerstellerModellRevisionenPreis
Full-FeaturedHauppaugeWinTV Nexus-s2.1, 2.2ca. 220-250 Euro
Full-FeaturedTechnotrendDVB-S Premium1.3, 1.5, 1.6ca. 130-180 Euro
BudgetHauppaugeNova-s--ca. 70-90 Euro
BudgetTechnotrendDVB-S Budget S11xx--ca. 60-80 Euro

Der wesentliche Unterschied zwischen den so genannten Full-Featured- und Budget-Karten ist, dass erstere zusätzlich mit einem MPEG-2-Decoder ausgestattet sind und einen Composite-Video-Anschluss für den Fernseher besitzen. Die Abbildungen 1 und 2 verdeutlichen dies anschaulich.

Abb. 1: Die Technotrend DVB-S Premium Rev. 1.5 zählt aufgrund des MPEG-2-Decoders (rechts, Aufschrift "DSP") und dem TV-Anschluss links unten zu den Full-Featured-Karten ...

Abb. 2: ... bei Budget-Karten wie der Technotrend Budget DVB-S fehlen hingegen die komplette rechte Platinenhälfte mit dem Decoder sowie die Audio- und Video-Anschlüsse links unten.

Der zweite Unterschied ist der schwarze Pfostenstecker zum Anschluss eines CI-Adapters rechts außen an der Full-Featured-Karte. Ein solcher CI-Adapter für rund 85 Euro enthält zwei PCMCIA-Steckplätze, in die Sie jeweils ein Common-Access-Modul (CAM, ca 130-170 Euro) mit der Smartcard Ihres Pay-TV-Providers stecken. Dies ist aber nur für den Empfang verschlüsselter Kanäle wie ORF oder Premiere erforderlich.

Kartenzwang

Um VDR überhaupt einsetzen zu können, benötigen Sie mindestens eine Full-Featured-Karte: VDR benutzt den dort enthaltenen MPEG-2-Decoder, um das Fernsehbild und ein etwaiges On-Screen-Menü berechnen zu lassen und auf dem Fernseher darzustellen. Doch selbst wenn Sie lediglich über Ihren Monitor fernsehen wollen, ist die Full-Featured-Karte unverzichtbar: Derzeit gibt es keine ausreichend stabile und nachbausichere Lösung, den Datenstrom etwa von Ihrer Grafikkarte zu einem Fernsehbild konvertieren zu lassen.

Der Vorteil einer Full-Featured-Karte ist, dass sie den Rechner bei der Wiedergabe erheblich entlastet. Somit lässt sich prinzipiell jeder alte Computer zu einem Videorekorder umbauen, egal wie schnell die CPU getaktet ist.

Die Budget-Karten sind für den Empfang mehrerer Programme gleichzeitig gedacht, VDR unterstützt bis zu vier DVB-Empfangskarten pro Rechner. Damit lassen sich dann mindestens vier Filme gleichzeitig aufnehmen -- wobei die Betonung auf mindestens liegt: Jede Karte empfängt alles, was auf der gerade eingestellten Frequenz gesendet wird. Bei Satellitenempfang kommt noch die Polarisationsebene, horizontal oder vertikal, als Unterscheidungskriterium hinzu -- Frequenz und Polarisation definieren einen Transponder.

Mehrere Sender gleichzeitig

In der Praxis teilen sich bis zu 16 Fernsehkanäle einen Transponder, das bedeutet: Mit einer einzigen DVB-Empfangskarte könnten Sie im günstigsten Fall 16 Sender gleichzeitig empfangen und auch aufzeichnen. Das deutschsprachige Fernsehprogramm verteilt sich allerdings über gut ein Dutzend verschiedener Transponder, so verwenden ARD, ZDF, die RTL-Gruppe und die Prosieben-Gruppe vier verschiedene.

Den meisten Anwendern genügen zwei DVB-Empfangskarten, damit ist man ausreichend flexibel, um zum Beispiel gleichzeitig Filme von Kabel 1, Prosieben und RTL aufzuzeichnen. VDR erkennt selbst, wie viele Empfangskarten zur Verfügung stehen und verteilt die Aufnahmen entsprechend.

Die Installation

Suse liefert in den Professional-Varianten der Versionen 9.2 und 9.3 fertige VDR-Pakete mit. Wer das EasyLinux Starter Kit mit Suse Linux 9.2 oder Mandrake Linux 10.2 verwendet, findet passende Pakete auf der Heft-CD vor.

Unter Suse Linux 9.3 und 9.2 installieren Sie die Pakete dvb, vdr, vdr-plugins sowie kvdr wie üblich mit YaST nach. Eine Anleitung dazu finden Sie auf der Heft-CD. Anschließend müssen Sie noch die Dienste dvb und vdr aktivieren:

  1. Starten Sie YaST und wählen Sie in der Rubrik System den Runlevel-Editor.
  1. Wählen Sie aus der Liste den Dienst dvb und klicken Sie auf Aktivieren.
  1. Wählen Sie aus der Liste den Dienst vdr und klicken Sie auf Aktivieren.
  1. Beenden Sie den Runlevel-Editor und speichern Sie die Einstellungen.

Damit läuft VDR bereits im Hintergrund und wird auch automatisch bei jedem Neustart des Systems wieder aufgerufen.

Bei Mandrake Linux 10.2 benötigen Sie lediglich die Pakete vdr-1.2.6 und kvdr von der Heft-CD. Anpassungen im Runlevel-Editor wie bei Suse Linux beschrieben sind hier nicht nötig, beim nächsten Start von Mandrake Linux läuft VDR automatisch im Hintergrund.

Bedienung per Tastatur

Für die Bedienung von VDR verwenden Sie die Tastatur, die Tastenbelegung von VDR finden Sie in der Tabelle Tastenbelegung im Live-Betrieb. Damit VDR die Eingaben entgegen nimmt, müssen Sie entweder mit der Tastenkombination [Strg-Alt-F9] auf die Textkonsole 9 umschalten oder das Programm kvdr auf der grafischen Oberfläche aufrufen. Zurück zur grafischen Oberfläche gelangen Sie stets mit der Tastenkombination [Strg-Alt-F7].

Tastenbelegung im Live-Betrieb
TasteFunktion
F1Rot
F2Grün
F3Gelb
F4Blau
MMenü
EingabeOk
RückExit
0-90-9
CursorNavigation
+Lauter
-Leiser

Das Bild samt On-Screen-Menü zeigt VDR simultan über den an der DVB-Karte angeschlossenen Fernseher und mit Hilfe des Programms kvdr an: Dabei dürfen Sie sich nicht daran stören, dass das Fernsehbild in Kvdr größer zu sein scheint als auf dem Fernseher. Das ist normal, je nach Fernsehgerät verdeckt das Gehäuse den Rand der Bildröhre, um ein möglichst rechteckiges Bild zu zeigen. Diesen Verschnitt haben Sie bei Kvdr natürlich nicht.

Normalerweise starten Sie Kvdr, indem Sie den Ausführen-Dialog per [Alt-F2] von KDE verwenden und als Befehlszeile kvdr angeben. Sollte dies nicht funktionieren, kann das mit den Einstellungen Ihrer Grafikkarte zusammenhängen. In diesem Fall versuchen Sie einfach die Befehlszeile kvdr -x.

Erster Start

Bei der ersten Inbetriebnahme schaltet VDR automatisch auf den Kanal Das Erste, zukünftig wird VDR mit dem zuletzt eingestellten Kanal und der zuletzt eingestellten Lautstärke starten. Ist kein Kabel an die DVB-Karte angeschlossen oder haben Sie nur ein analoges Signal zur Verfügung, funktioniert in jedem Fall das Menü aus Abbildung 3, das Sie mit [M] aufrufen.

Abb. 3: Das Hauptmenü ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt für die Steuerung des Videorekorders. Das Erscheinungsbild ähnelt dem Videotext verschiedener Fernseher, was die Bedienung von VDR auch für Laien einfach macht.

Die Navigation ist für fast alle Menüs innerhalb von VDR gleich: Mit den Cursor-Tasten [Auf] und [Ab] bewegen Sie den türkisfarbenen Balken, mit [Eingabe] wählen Sie den aktuellen Menüpunkt aus. Am unteren Rand zeigt VDR bei jedem Menü die spezifische Belegung der vier Farbtasten [Rot], [Grün], [Gelb] und [Blau] an. Damit sind eigentlich entsprechende farbige Tasten auf einer Fernbedienung gemeint, auf der Tastatur erfüllen die Tasten [F1] bis [F4] diese Funktion.

Nach der Installation ist VDR auf Englisch als Bediensprache eingestellt, dies ändern Sie als erstes. Dazu wählen Sie mit den Cursor-Tasten und [Eingabe] den Menüpunkt Setup (später Einstellungen) aus. Im darauf folgenden Menü wählen Sie OSD. Im OSD-Menü ist gleich der erste Menüpunkt für die Sprache zuständig, mit den Tasten [Rechts] und [Links] stellen Sie die Sprache auf Deutsch und bestätigen mit [Ok]. Damit kehrt VDR in das Setup-Menü zurück. Verlassen Sie es mit [Exit], und drücken Sie dann im (noch immer englischsprachigen) Hauptmenü noch einmal [Exit]. Damit schließt VDR das Menü und übernimmt die gerade eingestellte Sprache.

Eingedeutscht

Das deutschsprachige Menü von VDR zeigt Abbildung 4. Die wichtigsten Funktionen von VDR enthalten die Menüpunkte 1 bis 4, hinter den Menüs 5 bis 7 verbergen sich drei Plugins, die in einer späteren Ausgabe genauer besprochen werden. Das Menü Programm enthält die elektronische Fernsehzeitung (EPG, Electronic Programme Guide), Kanäle führt zu einer Liste aller eingerichteten Fernsehkanäle, das Timer-Menü verwaltet die programmierten Aufnahmen, und mit dem Menü Aufzeichnungen erhalten Sie Zugriff auf bereits gespeicherte Filme.

Um einen Menüpunkt auszuwählen, können Sie ihn entweder mit den Cursor-Tasten markieren und dann [Ok] drücken, oder Sie geben direkt die Ziffer ein, die vor dem Menüpunkt steht. Entscheidend ist dabei, dass dem Menüpunkt tatsächlich eine Ziffer zugeordnet ist -- Sie sollten also nicht auf Verdacht die [5] drücken, nur weil es sich um den fünften Eintrag von oben handelt.

Abb. 4: Die Spracheinstellungen übernimmt VDR erst, wenn Sie das Menü verlassen. Die Menüpunkte 1 bis 4 enthalten die wichtigsten VDR-Funktionen, 5 bis 7 sind Plugins.

Elektronischer Programmführer

Das Programm-Menü enthält die elektronische Programmzeitschrift. Wenn Sie diesen Menüpunkt aufrufen, zeigt Ihnen VDR stets die Programmübersicht des aktuell eingestellten Kanals an (Abbildung 5), auch wenn Sie gerade eine Aufzeichnung abspielen.

Abb. 5: Die elektronische Programmzeitschrift (EPG) gibt es kostenlos, je nach Sender reicht sie sogar ein bis zwei Wochen voraus. Auf anderen Sendern wie DSF hingegen gibt es gar kein EPG.

Wie umfangreich die Informationen des Programmführers sind und wie weit er in die Zukunft reicht, hängt stark vom jeweiligen Sender ab. Die Sendeanstalten der ARD haben meist ein sehr ausführliches Programm, gefolgt von der Prosieben-Gruppe. ZDF und die RTL-Gruppe haben hingegen meist nur sehr spärliche EPG-Informationen, während DSF, 9-Live, XXL, Bahn-TV und viele andere das digitale Zeitalter ignorieren und gar kein EPG anbieten.

Die Details zu einer Sendung rufen Sie ab, indem Sie den entsprechenden Programmeintrag markieren und dann [Ok] drücken. Abbildung 6 zeigt einen ungewöhnlich umfangreichen Eintrag von RTL.

Abb. 6: Die Detailinformationen zu den einzelnen Sendungen sind oft nur spärlich, die Namen von Schauspielern und Regisseuren gibt es meist nur auf Sendern der ARD oder bei Premiere.

Programmieren leicht gemacht

Die integrierte Programmzeitschrift erleichtert es Ihnen, Aufnahmen zu programmieren. Mussten Sie bei herkömmlichen Videorekordern noch Sender, Startzeit und Aufzeichnungsdauer von Hand einstellen, genügen bei VDR zwei Tastendrücke: Steht die türkise Markierung auf der gewünschten Sendung, drücken Sie einfach die rote Taste. VDR springt dann automatisch in die Timer-Programmierung (Abbildung 7) und füllt alle Felder aus. Sie brauchen dann lediglich noch mit [Ok] zu bestätigen und landen wieder in der Programmzeitschrift.

Abb. 7: Mit Hilfe des EPG lassen sich Aufzeichnungen sehr komfortabel programmieren: Alle Felder wie Beginn und Ende sowie der Kanal und den Titel des Films füllt VDR automatisch aus, Sie brauchen nur noch zu bestätigen.

Das Kanäle-Menü benutzen die meisten Anwender nur unmittelbar bei der Einrichtung des VDR, um die Kanalliste nach eigenem Gutdünken zu sortieren. Die Rubrikbezeichnungen wie "Standard" und "Dritte Programme" aus Abbildung 8 können Sie allerdings nicht verschieben, Sie müssen daher aufpassen, dass eine Rubrik niemals leer wird -- sonst können Sie dort keine Kanäle mehr unterbringen.

Abb. 8: Die Kanalliste lässt sich bequem per Fernbedienung sortieren, dazu wählen Sie einfach den betreffenden Kanal aus, drücken die blaue Taste und fügen ihn an der gewünschten Position wiederum mit der blauen Taste ein.

Neue Kanäle legen Sie mit Hilfe der grünen Taste an, dies ist jedoch problematisch: Nur wenige Sat-Zeitschriften wie Sat+Kabel veröffentlichen Kanallisten, die alle nötigen Informationen wie Frequenz, Video-PID, Audio-PID, Service-ID und Teletext-ID enthalten. Am besten bedienen Sie sich im Download-Bereich des VDR-Portals [2], müssen aber unbedingt darauf achten, dass Sie eine Kanalliste für VDR 1.2.6 und nicht für die neueren Entwicklerversionen 1.3.x herunterladen. Diese Datei kopieren Sie dann nach /etc/vdr/channels.conf, wofür Sie allerdings Root-Rechte benötigen. Am einfachsten geht dies mit dem Konqueror, wenn Sie sich ausnahmsweise als Root einloggen.

Timer um Timer

Das Timer-Menü enthält eine Liste der programmierten Aufnahmen. Abbildung 9 stellt die typischerweise völlig überfüllte Timer-Liste eines VDR dar. Die erste Spalte zeigt den Status des Timers an, eine Raute wie in Zeile 1 symbolisiert einen gerade aufzeichnenden Timer, während ein Größer-Zeichen für einen Timer in Bereitschaft steht. Der dritte Timer ist deaktiviert, genau wie Timer Nummer 4 mit dem Ausrufezeichen voran -- letzterer setzt jedoch nur für einen Tag aus.

Abb. 9: Die typischerweise überfüllte Timer-Liste eines VDR. VDR kennt nicht nur Timer, die einmal aufzeichnen, sondern erlaubt beliebige Kombinationen für die Wochentage. Läuft eine Sendung wegen eines Feiertags einmal nicht, markiert man sie mit dem Ausrufezeichen und VDR setzt einen Tag aus.

VDR kennt zwei verschiedene Timer-Typen: Solche, die nur ein einziges mal aufzeichnen, und solche, die regelmäßig aufzeichnen. Bei Einmal-Timern steht in der dritten Spalte der Aufnahmetag -- ein Datum kennt VDR nicht, so dass sich Timer maximal einen Monat im voraus programmieren lassen. Die Timer 1 bis 3 aus Abbildung 9 sind solche Einmal-Timer.

Mehrfach-Timer sehen Sie in den Zeilen 4, 8, 9, 11, 13 und 14: Die dritte Spalte zeigt hier die Anfangsbuchstaben der jeweiligen Wochentage, an denen der Timer aufnimmt. So zeichnet VDR die Cosby Show von Montag bis Freitag 12:40 Uhr bis 13:30 Uhr vom Kanal 101 auf, während RTL Aktuell an allen Wochentagen gespeichert wird. Raumschiff Eingabeprise in der vorletzten Zeile hingegen läuft lediglich von Montag bis Donnerstag.

Überschneidungen

Wenn Sie selbst einen Mehrfach-Timer anlegen wollen, markieren Sie in der Detail-Ansicht des Timers (Abbildung 7) die Zeile mit dem Tag und drücken [0]. Dann können Sie mit der Taste [Links] durch die einzelnen Buchstaben blättern, bis Sie das gewünschte Muster sehen. Dieses bestätigen Sie mit [Ok], womit der Timer gespeichert wird.

Bei solch umfangreichen Timer-Listen wie in Abbildung 9 bleibt es nicht aus, dass sich Aufnahmen überschneiden und somit nicht alles aufgezeichnet werden kann, was programmiert wurde. Hier entscheidet die Priorität aus Abbildung 7, welcher Timer zum Zug kommt. Grundsätzlich gilt: Eine laufende Aufzeichnung wird nur dann unterbrochen, wenn ein Timer mit höherer Priorität anläuft und keine DVB-Empfangskarte mehr frei ist. Ist der höherwertige Timer abgelaufen, setzt der niederwertige seine Aufzeichnung fort, falls die Sendung dann nicht bereits zu Ende ist. Timer mit der Priorität 99 werden folglich niemals unterbrochen.

Die Aufzeichnungen

Das Menü Aufzeichnungen listet die VDR-Aufzeichnungen auf, die im Video-Verzeichnis von VDR gespeichert sind. In Abbildung 10 sehen Sie alle möglichen Elemente der Aufzeichnungsliste: Am Anfang der Liste stehen die geschnittenen Filme, zu erkennen am Prozent-Zeichen vor dem Namen, darunter die beiden Serien "American Chopper" und "Cheers". Aufnahmen von Serien erkennen Sie daran, dass in den ersten zwei Spalten nicht das Datum und die Uhrzeit stehen, sondern die Gesamtzahl der Serien-Episoden und die Zahl der noch nicht abgespielten Serien-Episoden. Es gibt demnach sieben Cheers-Folgen, von denen fünf noch nicht angesehen wurden.

Abb. 10: VDR sortiert die Aufzeichnungen in der Hauptansicht alphabetisch und kann Serien in Verzeichnissen zusammen fassen. Geschnittene Filme markiert das Programm automatisch mit einem Prozent-Zeichen am Anfang des Titels.

Bei dem markierten Film "Die zwölf Geschworenen" handelt es sich genau wie beim Film über die Nürnberger Prozesse um eine Aufzeichnung, die noch nicht abgespielt wurde -- zu erkennen an dem Stern zwischen Uhrzeit und Titel. Drücken Sie bei einem Film die blaue Taste, zeigt Ihnen VDR die Beschreibung zur Sendung an, die das Programm aus dem EPG automatisch archiviert hat. Die grüne Taste spielt die Aufzeichnung von Beginn an ab, die gelbe Taste löscht den Film nach vorheriger Rückfrage. Dabei werden gelöschte Aufzeichnungen nicht sofort entsorgt, sondern nur dann, wenn die Festplatte während eines Timers voll läuft oder VDR neu gestartet wird.

Für die Wiedergabe wählen Sie einen Film aus und drücken dann [Ok]. Während der Film läuft, haben die meisten Tasten eine neue Bedeutung, die Sie in der Tabelle Tastenbelegung bei Wiedergabe finden. Dort sind auch die Tasten beschrieben, mit denen Sie einen Film schneiden -- wie das im Detail funktioniert, beschreibt ein anderer Artikel in einer der nächsten Ausgaben von EasyLinux.

Tastenbelegung bei Wiedergabe
TasteFunktion
GrünEine Minute zurück
GelbEine Minute vor
BlauZurück zum Live-TV
OkStatusbalken einblenden
ExitZurück zum Menü
LinksBildrücklauf
RechtsBildvorlauf
UntenPlay/Pause
0Schnittmarke setzen
7Zur vorherigen Schnittmarke
9Zur nächsten Schnittmarke
4/6Schnittmarke verschieben
2Schnitt starten

Linux ins Wohnzimmer

Mit VDR erobert Linux nicht nur die Computer, sondern auch die Wohnzimmer: Auf lange Sicht ist es natürlich unkomfortabel, im Arbeitszimmer Filme anzuschauen oder einen lärmenden Computer unter den Fernseher zu stellen. Der nächste logische Schritt ist, einen möglichst leisen Computer in ansprechendem Gehäuse zu den übrigen Hifi-Komponenten zu stellen -- und VDR per Fernbedienung zu steuern.

Mit den herkömmlichen großen Distributionen wie Suse oder Mandrake Linux ist dies ein steiniger Weg, es fehlt an vielen kleinen Zusatzprogrammen und Konfigurationsdateien. Hier bietet LinVDR einen Ausweg, die Mini-Distribution von der Heft-CD ist genau auf VDR zugeschnitten und bereits komplett konfiguriert -- Sie brauchen lediglich noch eine Festplatte, einen Computer und natürlich eine Full-Featured-Karte. Eine kurze Einführung finden Sie im Kasten Mit LinVDR ins Wohnzimmer. (mdö)

Infos
[1] VDR-Homepage: http://cadsoft.de/vdr
[2] VDR-Portal: http://vdrportal.de
[3] Mini-Distribution LinVDR: http://linvdr.org/projects/linvdr
[4] DVB-Shop: http://dvbshop.tv
[5] Thomas Koch, Mirko Dölle: "Ferngesteuert", LinuxUser 12/2001, S. 60, http://www.linux-user.de/ausgabe/2001/12/060-vdr-2/vdr-2.html

Mit LinVDR ins Wohnzimmer

Die Linux-Distribution LinVDR [3] ist mit nicht einmal 90 MByte Platzbedarf besonders klein und genau auf VDR zugeschnitten. Die Heft-CD ist bootbar und startet, wenn Sie am Boot-Prompt linvdr eingeben und dann [Eingabe] drücken, das Installationsprogramm von LinVDR.

Das Betriebssystem ist nicht dafür gedacht, parallel zu anderen Linux-Distributionen auf einem Arbeits-PC installiert zu werden: LinVDR wurde als Stand-Alone-System entwickelt, um es als einziges Betriebssystem auf einem reinen Videorekorder-PC einzusetzen. Darauf hin ist es optimiert.

In der Standard-Installation partitioniert LinVDR die Festplatte neu und formatiert sie -- weshalb alle vorher gespeicherten Daten verloren gehen. Dies geschieht natürlich nicht ohne Ihr Einverständnis. Der weitere Installationsverlauf ist unspektakulär, nach wenigen Minuten öffnet sich die Schublade Ihres CD-Laufwerks, und Sie nehmen die CD heraus.

Beim ersten Start von der Festplatte benötigen Sie eine angeschlossene Tastatur und einen Monitor. Das Setup-Programm fragt noch einige Daten wie die IP-Adresse einer Netzwerkkarte sowie etwaige Plugins ab. Am besten beginnen Sie ganz ohne Plugins, das minimiert die Fehlerquellen. Ist die Ersteinrichtung abgeschlossen, startet VDR automatisch und nimmt über die Tastatur Ihre Befehle hingegen.

Zusätzlich sind verschiedene Fernbedienungen und Infrarot-Empfänger vorkonfiguriert. So können Sie zum Beispiel die Fernbedienung der Hauppauge WinTV Nexus-s (Revisionen 2.1 und 2.2) ohne zusätzliche Einstellungen verwenden -- vorausgesetzt, Sie haben bei der Frage des Setups nach dem Original-Hauppauge-Empfänger mit "Ja" geantwortet.

Eine andere Alternative sind serielle Infrarot-Empfänger, die Sie zum Beispiel im DVB-Shop [4] bekommen oder sich nach der Anleitung von [5] selbst zusammenbauen können. Wenn Sie dann noch eine der unterstützten Fernbedienungen von [3] mit dem richtigen Code programmieren, funktioniert auch das.

Wollen Sie nachträglich einige Einstellungen ändern, schalten Sie mit [Alt-F1] auf eine Textkonsole und loggen sich als Root mit dem Passwort linvdr ein. Anschließend müssen Sie nur noch das setup aufrufen.

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

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