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von Kristian Kißling
Mittlerweile hat jeder zweitklassige Regionalsender eine virtuelle Filiale im Netz. Über ihre Web-Seiten beschallen die Stationen ihre Hörer mit dem laufenden Programm -- meist über proprietäre Streaming-Protokolle wie RTSP oder MMS. Ein Haken: Die Qualität oder Vielseitigkeit des Musikangebots wächst dadurch nicht. Radiosender müssen wirtschaftlich arbeiten, für jeden muss etwas dabei sein. Dem wirtschaftlichen Zwang zum seichten Dudeln unterliegen die unabhängigen Web-Radios weit weniger. Auf Web-Seiten wie Shoutcast oder Icecast finden Leute mit vielfältigen musikalischen Neigungen die nötige Abwechslung. Hunderte von Radiostationen senden dort im MP3-Format. Betreut werden sie häufig von Privatpersonen mit Spaß an der Musik, die -- global verteilt -- die unterschiedlichsten musikalischen Genres bedienen. Vom argentinischen Tango bis zur zypriotischen Volksmusik ist alles vertreten. Ein Vorteil: Was in Kenia Mainstream ist, klingt für unsere Ohren neu und aufregend.
Alles, was Sie unter Linux brauchen, um diese Sender zu hören und aufzuzeichnen, sind der Streamtuner [1] und der Streamripper [2]. Eine intuitive grafische Oberfläche hilft beim Abspielen und Aufzeichnen der Sendungen per Mausklick. Zwar sind auch RTSP- und MMS-Streams unter Linux mit dem Realplayer und dem Mplayer abspielbar, aber vor allem das Aufzeichnen ist sehr viel umständlicher [3].
Natürlich empfangen Sie die Radiosender auch über Modem, aber eine DSL- oder ISDN-Flatrate empfiehlt sich mitunter. Einerseits, weil die Datenmenge sich im Laufe der Zeit summiert. Andererseits, weil die Streams für eine vernünftige Qualität etwas mehr Bandbreite benötigen.
Streamtuner und Streamripper ließen sich im Test mit Suse Linux recht umstandslos installieren. RPM-Pakete, die kein Bestandteil Ihrer Distribution sind, finden Sie auf der Heft-CD. Unter Suse Linux 9.3 erschwert sich die Installation durch das Fehlen des MP3-Codecs. Neuerdings verzichten einige Distributoren aufgrund von Lizenzgebühren, aber auch wegen der unklaren Rechtslage, auf den hauseigenen MP3-Support. Die Anwender sollen sich die Codecs selbst holen. Das ist zum Glück nicht schwer:
Die aktuelle Version des Streamtuner für Mandrake Linux 10.2 machte einige Probleme. Abhängigkeiten ließen sich nicht auflösen, und beim Aufnehmen öffnete sich zwar die Konsole, es passierte jedoch nichts. Daher enthält die Heft-CD eine frühere -- aber funktionierende -- Version des Streamtuners. In dieser Kombination klappte es auch mit Mandrake. Fedora-Anwender müssen Xmms und das Xmms-mp3-Plugin [4] nachinstallieren. Streamripper und Streamtuner finden Sie auf der Heft-CD.
Die Verknüpfung zum Streamtuner liegt gewöhnlich im Startmenü in der Audio-, Video-, oder Multimedia-Abteilung. Ein Klick auf das kleine grüne beziehungsweise gelbe Dreieck öffnet die grafische Oberfläche. Sollte der Eintrag fehlen, drücken Sie [Alt -- F2], geben Sie das Wort streamtuner ein und bestätigen Sie mit [Eingabe]. Auch andere Programme wie Xmms lassen sich auf diese Weise starten. Zum Probieren gehen Sie gleich einmal auf den Reiter mit der Beschriftung Shoutcast. Der Streamtuner lädt die Shoutcast-Stationen herunter. Mit einem Doppelklick auf eine der Stationen öffnet sich der Xmms-Player [5]. Zunächst wird der ankommende Datenstrom kurz gepuffert und dann abgespielt.
Während Sie der Musik lauschen, können Sie sich mit der Bedienung des Streamtuners vertraut machen. Zunächst zu den Voreinstellungen: Die nehmen Sie unter dem Eintrag Einstellungen im Menü Bearbeiten vor. In der Rubrik Anwendungen können Sie festlegen, welche Programme standardmäßig mit welchen Optionen starten. (Abbildung 1).
Ändern Sie den voreingestellten Browser, indem Sie den Namen epiphany löschen und konqueror eintippen. In der Zeile
xterm -e streamripper %q
ersetzen Sie das Wort xterm durch konsole. Nun startet der Streamripper während der Aufnahme in einem Terminal, allerdings ohne besondere Optionen. Auch hier kann nachjustiert werden. Ergänzen Sie das Ende der Zeile um die Option -d /Pfad/zum/Zielverzeichnis. Damit bewirken Sie, dass der Stream in einem von Ihnen festgelegten Unterverzeichnis abgelegt wird. Oder Sie nutzen die Option -a, die dafür sorgt, dass der gesamte Stream als eine einzige Datei gespeichert wird. Das ist zum Beispiel für Konzertaufnahmen sinnvoll.
Im linken Fenster stehen die Streams nach Genres geordnet (Abbildung 2).
Ein Klick auf den Ordner World listet im rechten Fenster alle Sender auf, die den Begriff World in der Genrebezeichnung tragen. Die Suchfunktion dient der Orientierung im Wust der Kanäle. Das rechte Fenster zeigt die gefundenen Sender an und bietet wichtige Zusatzinformationen.
Zunächst steht in der Kategorie Beschreibungen eine Selbstauskunft der jeweiligen Sender: wer sie sind, was sie machen, woher sie kommen. Die Rubrik Zuhörer zeigt an, wie viele Menschen gerade zuhören. Rechts daneben steht die Zahl der maximal zulässigen Hörer für die einzelnen Sender. Wichtig ist auch die Rubrik Bitrate: Sie informiert darüber, in welcher Qualität der jeweilige MP3-Stream verbreitet wird. Für eine einfache Bedienung des Tools sorgen die Knöpfe ganz oben in der Werkzeugleiste. Per Mausklick können Sie Verbindung mit einem Sender herstellen, den Stream aufnehmen oder die Senderliste aktualisiere. Der Button Stop unterbricht übrigens nicht den Aufnahme- oder Abspielprozess, sondern lediglich das Laden der Radiostationen aus dem Internet. Über den Knopf Durchsuchen gelangen Sie auf die Homepage eines ausgewählten Senders, sofern er über eine verfügt.
Haben Sie einen Lieblingssender entdeckt, richten Sie ihn einfach als Lesezeichen ein. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Sender und wählen Sie Lesezeichen hinzufügen. Der Sender wird dann unter dem Reiter Lesezeichen abgelegt. Die anderen Reiter bieten Zugriff auf weitere Web-Seiten mit Radiosendern. So gibt es Xiph [6], wo Sie auch Streams im Ogg-Format finden, und die Radio-Suchmaschine Live365 [7]. Unter dem Reiter Lokal richten Sie Ihren eigenen Ordner mit Musik ein. Welcher das sein soll, bestimmen Sie in den Einstellungen, die Sie im Menü Bearbeiten finden.
Nun zu den Aufnahmen: Der Streamripper zeichnet die Streams im MP3-Format auf. Das Programm startet, sobald Sie im Streamtuner den Knopf Aufnehmen drücken. Die Konsole öffnet sich. Der Streamripper nimmt Kontakt zum ausgewählten Sender auf und beginnt mit der Aufzeichnung. Dabei werden verschiedene Daten angezeigt: der Name des aufgenommenen Streams, seine Bitrate und die Größe der Datei (Abbildung 3).
Gewöhnlich werden die Dateien in Ihrem Home-Verzeichnis gespeichert. Die dazu angelegten Ordner tragen den Namen der Radiosender, die Sie mitschneiden. Die Titel werden direkt unter ihren Namen und im MP3-Format abgespeichert.
Streamtuner und Streamripper bieten zwei einfache Lösungen, um MP3-Streams aus dem Netz zu hören und aufzuzeichnen. Der Vorteil ist: Sie behalten eine große Vielfalt an Radiosendern im Blick, ohne jedes Mal die einzelnen Stationen ansurfen zu müssen. Schön wäre es nur, wenn man auch auf Real- und MMS-Streams so einfach zugreifen könnte. (kki/hge)
| Infos: |
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[1] Die Streamtuner-Projektseite: http://www.nongnu.org/streamtuner/
[2] Die Streamripper-Projektseite: http://streamripper.sourceforge.net/ [3] Dazu ein Artikel im aktuellen LinuxUser: Kristian Kißling: "Spiel's noch mal, Tux! -- Audiostreams aus dem Netz aufzeichnen", LinuxUser 06/2005, S. 43. [4] Das Plugin finden Sie über die Paketsuchmaschine: http://rpm.pbone.net [5] Ein Artikel zu Xmms: Katrin Jost: Musik mit Linux -- Der Audioplayer XMMS", EasyLinux 06/2004, S. 58. [6] Xiph finden Sie unter: http://www.xiph.org [7] Der Link zur Radio-Suchmaschine Live365: http://www.live365.com |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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