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von Marcel Hilzinger
Jeden Tag lief Marcel H. (Name von der Redaktion geändert) während seines Einkaufs bei Plus zögernd an der digitalen Kamera mit MPEG4-Recorder, MP3-Player, Diktiergerät und Webkamera-Funktion vorbei. Zu gerne hätte er sich die digitale Videokamera gekauft, wusste aber nicht, ob sein Betriebssystem Linux das Gerät unterstützt. Beim Sonderschlussverkauf schlug er zu und erwarb die Mini-Kamera für 79 Euro.
Die Micromaxx MM 40539, die in Deutschland vom Discounter Plus vertrieben wird, ist baugleich mit der Aiptek Pocket DV 3500. Sämtliche Angaben in diesem Artikel gelten somit auch für das Aiptek-Modell. Zum Lieferumfang der Kamera gehören nebst Tasche, Mini-Stativ und Ohrhörer auch zwei AA-Batterien, ein USB- und ein TV-Kabel. Details zum Gerät entnehmen Sie der Tabelle "Technische Daten".
Nach dem Einsetzen der Batterien und einigen ersten Standbild- oder Videoaufnahmen schalten Sie die Kamera in den Play-Modus. Drücken Sie auf der Kamera den INDEX-Knopf, sehen Sie Ihre bisherigen Aufnahmen. Verbinden Sie die Kamera mit dem PC, erscheint auf dem Display die Meldung Disk Modus. Die Kamera ist nun mit dem PC verbunden.
Unter Fedora Core 3 und Mandriva Linux erscheint beim Anschließen der Mini-Kamera eine Meldung, dass das System Bilder auf dem Datenträger gefunden hat (Abbildung 1). Klicken Sie hier auf Importieren, öffnet Konqueror das Verzeichnis mit den Bildern. Mandriva Linux legt zusätzlich auf dem Desktop ein Symbol DV 3500 ab.
Auch Suse Linux öffnet den Speicher der Kamera in der Regel automatisch. Falls nicht, bringt Sie ein Klick auf das Symbol Arbeitsplatz zu den Daten der Mini-Kamera. Möchten Sie das automatische Öffnen des Verzeichnisses unter Suse Linux verhindern, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Suseplugger-Symbol im Systemabschnitt des Panels und wählen Einrichten. Hier entfernen Sie die Markierung vor kfmclient openURL file:%p, damit Suse Linux externe Festplatten in Zukunft nicht mehr automatisch öffnet.
Auf dem Datenträger befinden sich die Verzeichnisse dcim und mp3. Möchten Sie das Micromaxx-Gerät als MP3-Player benutzen, kopieren Sie einfach MP3-Dateien in den Ordner mp3. Im Ordner dcim befindet sich der Unterordner 100media (Abbildung 2). Hier speichert die Mini-Kamera Bilder im JPEG-Format und Videos im ASF-Format. Leider handelt es sich bei den Videodateien um ein MPEG4-Format von Microsoft. Dieses wird von den meisten Linux-Distributionen nicht unterstützt. MPlayer (auf der Heft-CD) spielt die Dateien aber problemlos ab. In der bestmöglichen Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten nimmt eine einminütige Aufnahme rund 4,5 MByte an Plattenplatz in Anspruch. Die niedrigere Auflösung von 352 x 288 Punkten bietet allerdings die weit bessere Qualität und belegt erstaunlicherweise mit 7,6 MByte pro Minute auch mehr Speicherplatz. Eine Beispiel-Aufnahme in dieser Auflösung finden Sie zur Beurteilung der Qualität auf der Heft-CD im Verzeichnis multimedia.
Da die 16 MByte an internem Speicher nicht weit reichen, bringt die Micromaxx MM 40539 auch einen zusätzlichen Einschub für MMC- und SD-Speicherkarten mit. Bei eingelegter Speicherkarte hält die Kamera sämtliche Aufnahmen auf dem externen Speicher fest.
Unter Suse und Mandriva Linux können Sie nach dem Anschließen der Kamera wahlweise auf den externen oder den internen Speicher zugreifen. Fedora Core 3 sah in unseren Tests bei eingesetzter Speicherkarte hingegen nur den externen Speicher.
Die neuen EasyLinux-Distributionen Suse Linux 9.3, Fedora Core 3 und Mandriva Linux 10.2 benutzen beim Einhängen des externen Datenträgers das Label des Datenträgers. Ist ein solches Label eingerichtet, mounten diese Distributionen die Kamera nicht nach /media/usbdisk, sondern nach /media/Label-der-Kamera. Auch Mandriva Linux benutzt das Label, hängt Wechseldatenträger jedoch nicht unter /media, sondern unter /mnt in den Verzeichnisbaum ein.
Damit Sie den internen Speicher der Kamera leicht von anderen USB-Datenträgern unterscheiden können, lohnt es sich, den Flash-Speicher mit einem Label zu versehen. Dies ist besonders dann praktisch, wenn sich in der Kamera eine zusätzliche Speicherkarte befindet. Linux erkennt dann nämlich diese als /dev/sda1 und hängt diesen Datenträger als /media/usbdisk ein. Besitzt der Speicher hingegen einen Namen, befinden sich immer die gleichen Inhalte im gleichen Verzeichnis. Um den 16 MByte großen internen Speicher mit einem Label zu versehen, sind folgende Schritte notwendig:
Linux hängt nun den internen Speicher der Kamera immer am gleichen Mount-Punkt ein.
Mit einem zusätzlichen Kernel-Modul von http://mxhaard.free.fr funktioniert auch die Webkamera unter Linux. Das Kernel-Modul spca5xx sowie Software zum Aufzeichnen von Bildern und Filmen über die Webkamera befinden sich auch auf der Heft-CD. Unter Suse Linux und Mandriva Linux installieren Sie das Modul und das Programm spcaview bequem über den distributions-eigenen Paket-Manager. Benutzer von Fedora Core 3 wechseln auf der Heft-CD ins Verzeichnis programme/fedora und installieren die Pakete spca5xx-20050501-1.i586.rpm und spcaview-20050419-1.i586.rpmüber den Befehl system-install-packages Paketname.
Nach der Installation des Kernel-Moduls drehen Sie den Schalter der Mini-Kamera auf das Webkamera-Symbol. Linux lädt nach einigen Sekunden automatisch das benötigte Kernel-Modul. Die entsprechenden Meldungen verfolgen Sie auf der Konsole als root mit dem Befehl
tail -f /var/log/messages
Hat Linux das Modul erfolgreich geladen, öffnen Sie über [Alt-F2] ein Terminal und geben den Befehl spcaview ein. Dazu müssen Sie zunächst das Paket spcaview installieren. Sie sollten jetzt das Bild der Webkamera sehen. Zeigt der Befehl kein Bild an, überprüfen Sie mit
/sbin/lsmod | grep spca5
ob das automatische Laden des Moduls erfolgreich war. Gibt der Befehl nichts zurück, müssen Sie das Modul als Benutzer root mit /sbin/modprobe spca5xx von Hand laden. Beachten Sie, dass das vorkompilierte Kernel-Modul nur mit dem Original-Kernel Ihrer Distribution zusammenarbeitet.
Obschon das Micromaxx-Gerät USB-2.0-tauglich ist, scheint die Webkamera nur mit USB 1.0 ordentlich zu funktionieren. Darauf deutet auch der Umstand hin, dass die rund 80 Seiten umfassende Windows-Dokumentation 20 Seiten den Problemen mit USB widmet. Erscheint mit spcaview ein Bild, das stark flimmert und etliche Fehler aufweist (Abbildung 3), sollten Sie die Anwendung sofort stoppen und zunächst das Kernel-Modul für USB 2.0 entfernen. Bei geladenem Modul hängten sich drei Testrechner mit USB 2.0 regelmäßig nach 10 bis 15 Sekunden auf. Geben Sie dazu als Benutzer root auf der Kommandozeile folgenden Befehl ein:
rmmod ehci-hcd
Gibt der Befehl keine Rückmeldung aus, verlief das entladen des Moduls erfolgreich. Erhalten Sie hingegen eine Fehlermeldung, müssen Sie eventuell zunächst sämtliche USB-Geräte vom Rechner trennen. Starten Sie nun spcaview neu, sollte das Bild fehlerfrei sein. Vergessen Sie nicht, das Modul zur Übertragung von Fotos oder Filmen von der Kamera auf den PC wieder zu laden. Linux erkennt sonst den USB-Speicher nicht.

Das Paket Spcaview (auf der Heft-CD) besteht aus den Programmen spcaview und spcaserv. Mit Hilfe von spcaview nehmen Sie einzelne Bilder oder ganze Videosequenzen auf. Details zur Bedienung des Kommandozeilen-Programms liefert der Befehl spcaview -h. Spcaserv beinhaltet die Server-Komponente: Möchten Sie das Bild der Webkamera auf einem zweiten Rechner betrachten, starten Sie auf dem Rechner, an den die Webkamera angeschlossen ist, spcaserv -w 7070. Auf dem zweiten Rechner -- auf dem Sie das Bild sehen möchten -- geben Sie anschließend den Befehl spcaview -w Adresse:7070 ein, wobei Sie Adresse durch die Netzwerk-Adresse des ersten Rechners ersetzen müssen. Im Verzeichnis /usr/share/doc/packages/spcaview/http-java-applet finden Sie zusätzlich ein Java-Hilfsprogramm und ein HTML-Beispiel, um die Webkamera per Browser zu erreichen.
Auf der Heft-CD finden Sie auch zwei Programme mit grafischer Oberfläche: Spcagui und Gideo. Die beiden Programme unterscheiden sich lediglich im Aussehen, ihre Bedienung erfolgt weitgehend analog. Der Artikel beschränkt sich deshalb im Folgenden auf Gideo. Sie starten das Programm über [Alt-F2] und die Eingabe von gideo. Die Anwendung besteht aus dem Hauptfenster mit den verschiedenen Bedienelementen und dem Videofenster (Abbildung 4).
Über den Eintrag CIF im Hauptfenster links unten legen Sie die Größe des Bildes fest. Mit CIF liegt diese bei 480 x 320 Bildpunkten. Um in der höchsten Auflösung mit 640 x 480 Punkten aufzunehmen, klicken Sie den Listeneintrag an und wählen VGA. Bewegte Sequenzen wirken in diesem Modus aber etwas zähflüssig. Ein Klick auf den Eintrag JPG zeigt Ihnen die verschiedenen Farbmodi der Kamera an. Das beste Bild liefert die Webkamera mit der Einstellung R32 (RGB-Farben mit 32-bit). Videoaufnahmen sind aber nur mit den Einstellungen JPG und YUV möglich. Um ein Bild zu speichern, klicken Sie einfach auf das Symbol mit dem Fotoapparat ganz links; Gideo legt dann die Bilddatei in Ihrem Home-Verzeichnis ab.
Um eine Videoaufnahme zu starten, klicken Sie mit der Maus auf das zweite Symbol von links. Zum Stoppen klicken Sie erneut auf dieses Symbol. Gideo speichert dann die Aufnahme in Ihrem Home-Verzeichnis. Den Dateinamen bildet das Programm bei Bildern und Filmen automatisch aus dem aktuellen Datum und der Uhrzeit, zum Beispiel 05:08:2005-15:45:06.avi. Starten Sie das Programm von der Kommandozeile aus, speichert Gideo die AVI- oder JPEG-Dateien in dem Verzeichnis, aus dem Sie den Befehl ausgeführt haben.
Die besten Video-Aufnahmen liefert das Programm mit der Einstellung VGA/YUV. Hier müssen Sie allerdings über genügend freien Plattenplatz verfügen, da dieser Aufnahmemodus rund 400 MByte pro Minute auf die Festplatte schreibt. Die kleinstmögliche Datei erhalten Sie mit der Kombination CIF/JPG. Hier nimmt eine Aufnahme lediglich 20 MByte pro Minute in Anspruch. Einen Kompromiss zwischen YUV und JPG bietet der Aufnahmemodus YUV komprimiert. Dieser ist aber nur über die Kommandozeile verfügbar. Details zu den verschiedenen Aufnahmemodi finden Sie in der Tabelle "Aufnahmemodi".
| Aufnahmemodi | |||
| Videoformat | Bildgröße | Speicherplatz | Kommandozeile |
|---|---|---|---|
| JPG | 480x320 | 20 MByte/min | spcaview -f jpg -o aufnahme.avi |
| JPG | 640x480 | 45 MByte/min | spcaview -l -f jpg -o aufnahme.avi |
| YUV | 480x320 | 175 MByte/min | spcaview -f yuv -o aufnahme.avi |
| YUV | 640x480 | 350 MByte/min | spcaview -l -f yuv -o aufnahme.avi |
| YUV komprimiert | 480x320 | 75 MByte/min | spcaview -f yuv -z -o aufnahme.avi |
| YUV komprimiert | 640x480 | 150 MByte/min | spcaview -l -f yuv -z -o aufnahme.avi |
Hinter dem mittleren Symbol mit der Hundepfote verbirgt sich eine Funktion, um den Bildwechsel zu stoppen. Sie sehen dann so lange dasselbe Standbild, bis Sie das Symbol erneut anklicken. Das zweite Symbol von rechts mit dem schwarzweißen Kreis schaltet den Farbmodus um. Sie benötigen diese Funktion nur, wenn Sie zum Beispiel alles Rote in Grün sehen. Um Gideo zu Beenden wählen Sie das Symbol ganz rechts mit dem orange-farbenen Kreuz.
Für 79 Euro ist die Kamera in jedem Fall ein Schnäppchenkauf. Als Ersatz für eine gewöhnliche Digitalkamera ist Sie allerdings weniger geeignet. Obschon die Verpackung und die Dokumentation von einer 3-Megapixel-Kamera sprechen, liefert das Micromaxx-Gerät nur bei Bildern im kleinsten Format (640 x 480) leidlich scharfe Fotos. Die Auflösung 1600 x 1200 eignet sich allenfalls für Landschaftsaufnahmen. Mit der hardware-interpolierten Auflösung (2048 x 1536) gelangen im Test überhaupt keine scharfen Bilder.
Auch der MP3-Player zeigte im Test einige Schwächen. So ist es zum Beispiel nicht möglich, zum nächsten Lied zu wechseln, ohne vorher die Wiedergabe zu stoppen. Auch ist die Ausgabe ohne irgendwelche Effekte bereits ziemlich Bass-lastig. Schließlich war bei den Tests mit der leisesten Einstellung auch ein deutlicher Pfeifton zu hören. Positiv fällt beim MP3-Player der zusätzliche Lautsprecher ins Gewicht. Er bietet bei moderater Lautstärke eine gute Qualität. So können Sie sich zur Abwechslung auch mal ohne Ohrstöpsel mit Ihrer Lieblingsmusik berieseln lassen.
Die Stärken der MM 40539 liegen klar bei der Webkamera-Funktion und beim MPEG4-Recorder. Beide liefern für diese Preisklasse gute bis sehr gute Qualität. Bei den MPEG4-Videos sind zwar bei schnellen Bewegungen oder Wackeln der Kamera deutliche Artefakte zu sehen, mit diesem Problem kämpfen aber auch wesentlich teurere Modelle. (mhi)
| Technische Daten | |
| Hersteller: | Medion |
| Typ: | Micromaxx MM40539 |
| Maße: | 9,8 x 6,4 x 3,4 cm |
| Gewicht: | 200g |
| TFT: | 1,5" |
| Listenpreis: | 129 Euro |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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