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Erschienen in EasyLinux 08/2005   »   Ausgabe bestellen

Mit DHCP Rechner im Netzwerk dynamisch konfigurieren

Zahlen, bitte!

von Max Werner


Wer ein Heimnetzwerk betreibt, muss sich auch um die Vergabe der IP-Adressen kümmern. Mit DHCP nimmt Ihnen ein Systemdienst diese Arbeit ab und vermeidet automatisch Konflikte. Wie Sie DHCP auch in Ihrem Netz einsetzen, zeigt dieser Artikel.

In einem Computer-Netzwerk sprechen sich die Rechner in der Regel über ihre IP-Adressen an. Bei vielen Rechnern oder bei Laptops, die zwischen verschiedenen Netzen (etwa zu Hause und im Büro) wechseln, ist eine feste Vergabe von Adressen aber sehr aufwendig.

Sie müssten stets eine Liste verwalten, welcher Rechner welche Adresse besitzt, um nicht aus Versehen IP-Adressen doppelt zu vergeben. Dieses Problem löst DHCP, das Dynamic Host Configuration Protocol (deutsch: dynamisches Rechner-Konfigurationsprotokoll). Mit ihm weist ein Server im Netzwerk jedem Computer eine IP-Adresse zu. Auf den Clients müssen Sie dann lediglich DHCP einschalten (siehe Kasten "Clients mit DHCP").

Zu Diensten

Einen Server einzurichten, der die Adressen (Details zu IP-Adressen erfahren Sie im Artikel "Exakte Diagnose" ab Seite 20.) vergibt, ist etwas aufwendiger. Vor allem Suse-Linux-Nutzer müssen auf die korrekten Regeln ihrer Firewall achten, ansonsten blockiert sie alle Anfragen der Clients. Falls Sie das Starter Kit mit Suse Linux 9.2 einsetzen, finden Sie auf der Heft-CD die nötigen Pakete, um einen DHCP-Server zu installieren. Alle anderen Distributionen bringen entsprechende Pakete bereits mit.

Unter Suse Linux 9.2 konfigurieren Sie nach Installation des DHCP-Servers die Firewall mit Yast:

  1. Klicken Sie im KDE-Menü unter System auf YaST, geben Sie das Root-Passwort ein und drücken Sie [Eingabe].
  1. Die Firewall-Einrichtung befindet sich unterhalb von Sicherheit und Benutzer / Firewall.
  1. Wählen Sie Firewall-Einstellungen neu konfigurieren und klicken Sie auf Weiter. Als externe Schnittstelle wählen Sie dann Ihre Netzwerkkarte und klicken wieder auf Weiter.
  1. Jetzt müssen Sie das Häkchen bei DHCP-Server aktivieren und dann auf Experten klicken; denn Suse hat bei der Einrichtung der Firewall für DHCP etwas geschlampt.
  1. Geben Sie unter Zusätzliche UDP-Dienste eine 67 ein und klicken Sie auf OK.
  1. Mit einem Klick auf die nächsten beiden Weiter-Knöpfe und einem auf Beenden schließen Sie die Konfiguration ab.

Jetzt beginnt die DHCP-Einrichtung. Dazu müssen Sie Ihrer Netzwerkkarte auf dem Server eine feste IP-Adresse geben. Den Menüpunkt finden Sie unter Netzwerkgeräte / Netzwerkkarte in Yast. Klicken Sie im unteren Feld auf Ändern und dann auf Bearbeiten. Als IP-Adresse wählen Sie eine für private Nutzung geeignete aus, etwa 192.168.1.1.

Im Yast-Untermenü Netzwerkdienste / DHCP-Server klicken Sie auf DHCP-Server beim Systemstart starten und wählen dann den Punkt Kartenauswahl aus, um dort das Häkchen bei Firewall für gewählte Schnittstelle öffnen zu aktivieren. Unter Dynamisches DHCP geben Sie den Adressbereich vor, aus dem sich der DHCP-Server bei der IP-Adressvergabe bedient. Hängen mehr Rechner am Netz als IP-Adressen im Bereich vorhanden sind, weigert sich der Server, weitere Clients zu bedienen.

Abb. 1: Einen DHCP-Server unter Suse Linux zu benutzen, ist dank Yast mit wenigen Klicks erledigt. Allerdings müssen Sie die Firewall manuell dazu bringen, DHCP-Anfragen durchzulassen.

In kleinen Netzen reicht ein Bereich von 192.168.1.10 bis 192.168.1.20. Benötigen Sie mehr IP-Adressen, setzen Sie den Wert der letzten Adresse höher. Die Leasing-Zeit und die maximale Leasing-Zeit legen fest, wie lange Clients ihre IP-Adresse ohne weitere Nachfrage beim Server nutzen dürfen. Ein Klick auf Beenden schließt die DHCP-Konfiguration ab.

Suse Linux 9.3

Auch Suse Linux 9.3 legt Ihnen zunächst Steine in den Weg, denn die Firewall verhindert hier ebenfalls den Einsatz von DHCP. Gehen Sie wie folgt vor, um die Firewall für DHCP zu öffnen (alternativ können Sie sie abschalten, was aber ein Sicherheitsrisiko darstellt, falls dieser Rechner direkt mit dem Internet verbunden ist):

  1. Starten Sie wie oben beschrieben Yast und wählen Sie das Firewall-Modul aus.
  1. Unter Erlaubte Dienste auf der linken Seite wählen Sie den zu erlaubenden Dienst namens DHCP-Server und klicken auf Hinzufügen.
  1. Dann klicken Sie links auf Broadcast und geben bei Externe Zone den Wert 67 ein. Damit schalten Sie den Port 67 frei, auf dem der DHCP-Server mit dem Client kommuniziert.
  1. Ein Klick auf Weiter führt Sie zu einer Zusammenfassung, mit Übernehmen starten Sie die Firewall neu.

Danach gilt es, wie bei Suse Linux 9.2 eine feste IP-Adresse zu vergeben. Erst danach konfigurieren Sie den DHCP-Server mit einem Klick auf DHCP-Server im Menüpunkt Netzwerkdienste. Hier gehen Sie wie bei der Suse-Linux-9.2-Konfiguration vor.

Viel zu tun bei Mandrake Linux

Leider verfügen nicht alle Distributionen über eine grafische Oberfläche für die Konfiguration des DHCP-Servers. Benutzer von Mandrake Linux 10.2 etwa müssen sich durch die Konfigurationsdateien kämpfen. Zum Glück liefert der Distributor eine Beispieldatei mit: Starten Sie eine Root-Konsole, indem Sie [Alt-F2] drücken und kdesu konsole eintippen. Nach Eingabe des Root-Passworts aktivieren Sie die Beispielkonfiguration mit

cp /etc/dhcpd.conf.sample \
/etc/dhcpd.conf

Der Befehl exit beendet die Konsole.

Diese Datei müssen Sie noch anpassen; starten Sie also mit [Alt-F2] sowie der Eingabe von kdesu kwrite und dem Root-Passwort den Editor KWrite. Wie die Datei in etwa aussehen sollte, zeigt Abbildung 2. Passen Sie die erste Option domain-name an den Domainnamen Ihres Netzes an. (Sie können die Einstellung auch auf meinheimnetz belassen.)

Die Zeile, die mit subnet beginnt, müssen Sie ebenfalls an Ihre Gegebenheiten anpassen. Falls Sie unsicher sind, belassen Sie den Wert auf 192.168.1.0, was in der Regel eine sinnvolle Wahl ist. Unter range geben Sie dann wie oben beschrieben den Bereich an, aus dem der Server andere Rechner im LAN mit IP-Adressen versorgt.

Abb. 2: Unter Mandrake Linux müssen Sie die DHCP-Server-Konfiguration von Hand vornehmen. Die hier gezeigte Datei dient als Vorbild für Ihr eigenes Netzwerk.

Nötige Kleinarbeit

Beenden Sie KWrite über Datei / Beenden. Um den DHCP-Server starten zu können, muss eine Datenbankdatei existieren, in der er alle bereits vergebenen IP-Adressen abspeichert. Sie legen diese Datei an, indem Sie wieder [Alt-F2] drücken und dann folgendes Kommando eingeben:

touch /var/lib/dhcp/dhcpd.leases

Nun ist der Server bereit für den ersten Start. Öffnen Sie das Kontrollzentrum, indem Sie auf das entsprechende Symbol in der Symbolleiste klicken. Unter System / Aktivieren oder Deaktivieren der Systemdienste zeigt das Wort gestoppt in der Zeile, die mit dhcpd beginnt, an, dass der Server noch nicht läuft. Mit einem Klick auf Start und einem Häkchen bei Beim Systemstart starten Sie ihn und sorgen gleichzeitig dafür, dass er stets startet, wenn Sie den Rechner einschalten.

Fedora Core 3

Auch Fedora Core bietet keine Möglichkeit, den DHCP-Server grafisch zu konfigurieren. Führen Sie daher wie unter Mandrake Linux KWrite als Root aus: Drücken Sie [Alt-F2] und geben Sie kdesu kwrite /etc/dhcpd.conf ein. Das Dateiformat unterscheidet sich nicht von dem in Abbildung 2 gezeigten.

Den Start des Daemons vereinfacht die Dienstekonfiguration von Fedora Core (Abbildung 3). Sie befindet sich im KDE-Menü unter Systemeinstellungen / Servereinstellungen / Dienste. Suchen Sie in der Liste den Dienst dhcpd und klicken Sie auf Starten. Ein Häkchen vor dem Listeneintrag signalisiert, dass der DHCP-Server auch bei jedem Systemstart hochfährt. (mwe)

Abb. 3: Fedora Core 3 bietet zwar keine Oberfläche, um den DHCP-Server einzurichten. Über die Dienste-Konfiguration starten und stoppen Sie ihn aber wenigstens sehr komfortabel.
Clients mit DHCP

Ist der Server im LAN eingerichtet und gestartet, müssen alle Clients angepasst werden, damit sie zukünftig ihre IP-Adressen von ihm beziehen:

Suse Linux

Für beide Suse-Linux-Versionen gehen Sie gleich vor:

  1. Starten Sie Yast aus dem KDE-Menü und klicken Sie auf Netzwerkgeräte / Netzwerkkarte.
  1. Klicken Sie im unteren Bereich des Fensters auf Ändern und wählen Sie Ihre Netzwerkkarte aus. Ein Klick auf Bearbeiten öffnet das Konfigurationsfenster.
  1. Wählen Sie die Schaltfläche Automatische Adressenkonfiguration (mit DHCP) an, klicken Sie auf Weiter und dann auf Beenden.

Mandrake Linux 10.2

  1. Starten Sie das Kontrollzentrum über das blaue Bildschirmsymbol in der Symbolleiste. Geben Sie das Root-Passwort gefolgt von [Eingabe] ein.
  1. Im Untermenü Netzwerk & Internet finden Sie den Punkt Rekonfigurieren einer Netzwerkschnittstelle.
  1. Wählen Sie die passende Ethernet-Karte aus und markieren Sie im Abschnitt Protokoll unterhalb des Reiters TCP/IP den Eintrag DHCP.
  1. Ein Klick auf OK speichert die Konfiguration und beendet den Assistenten.

Fedora Core 3

  1. Öffnen Sie im KDE-Menü den Pfad Systemeinstellungen / Netzwerk und klicken Sie auf Netzwerk.
  1. Nach Eingabe des Root-Passwortes gefolgt von [Eingabe] sehen Sie bereits alle erkannten Netzwerkkarten aufgelistet. Wählen sie die gewünschte aus und klicken Sie auf Bearbeiten.
  1. Im ersten Reiter wählen Sie dann bei Automatisch IP-Adressen-Einstellungen erhalten mit: die Option dhcp aus. Klicken sie auf OK und dann auf Aktivieren.
  1. Im folgenden Dialog wählen Sie Ja und kurz darauf OK. Ein weiterer Klick auf OK schließt die Einrichtung ab. Wählen Sie Datei / Speichern und dann Datei / Beenden.

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