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Erschienen in EasyLinux 08/2005   »   Ausgabe bestellen

Programmstarter für den Desktop

Auf einen Klick

von Andrea Müller


Wenn eine Anwendung sich nicht ins Menü einträgt, ist es oft kniffelig herauszufinden, wie die Programmdatei heißt. Wir bringen Licht ins Software-Dickicht und zeigen, wie Sie bequem eigene Programmstarter für den Desktop anlegen.

Ein neues Programm ist installiert, die Maus fährt Richtung Startmenü -- doch von der Neuerwerbung keine Spur. Obwohl das Menü die zentrale Schaltstelle zum Programmstart ist, registrieren sich längst nicht alle Anwendungen dort. Das hat unterschiedliche Gründe: Zum einen bringen moderne Distributionen weit über 1000 Programme mit, von denen viele Hilfs- oder Kommandozeilenanwendungen sind. Befehle wie etwa ping, mit dem Sie im Netzwerk die Erreichbarkeit anderer Rechner überprüfen können, suchen Sie daher vergebens im K-Menü.

Ein weiterer Grund ist, dass viele Anwendungen zwar als RPM-Paket daherkommen, aber nicht vom Distributor selbst stammen. Oft erstellen Entwickler und freiwillige Helfer Programmpakete für mehrere Distributionen, um eine einfache Installation zu ermöglichen. Die Distributionen kochen jedoch bei der Verwaltung des K-Menüs alle ein eigenes Süppchen: So kümmert sich bei Mandrake Linux der Befehl update-menus darum, dass einmal installierte Menüsymbole und Einträge nicht nur auf dem KDE-Desktop, sondern auch unter alternativen Arbeitsoberflächen wie Gnome erscheinen. Freiwillige Paketschnürer arbeiten sich aus Zeitgründen meistens nicht in diese Feinheiten ein, so dass Software, die nicht vom Distributor stammt, oftmals keinen Menüeintrag mitbringt.

Ein solches Programm trotzdem zu starten, ist jedoch kein Hexenwerk: Zunächst gilt es mit Bordmitteln herauszufinden, wie die ausführbare Datei heißt. Sagt Ihnen der Start mit Eingabe des Programmnamens in ein Schnellstartfenster ([Alt-F2]) nicht zu, legen Sie einfach ein Desktop-Icon für die Anwendung an.

Namenssuche

Um mit einer Anwendung zu arbeiten, die Sie nicht im Menü finden, müssen Sie den Namen der ausführbaren Programmdatei kennen. Meistens kommen Sie schon mit Raten und konsequenter Kleinschreibung recht weit. So heißt die ausführbare Datei, mit der Sie das Chat-Programm Gaim starten, gaim. Die Eingabe von kmail startet KMail, und kwrite ruft den KDE-Text-Editor KWrite auf den Plan. In welchem Ordner die Datei liegt, müssen Sie dabei nicht wissen, denn unter Linux landen neu installierte Programme im Suchpfad, dem $PATH: Dort finden sich die Verzeichnisse, die unter Linux ausführbare Programme enthalten. Die meisten Programme für Benutzer liegen im Ordner /usr/bin [1]. Suse Linux nutzt zusätzlich die Unterverzeichnisse des Ordners /opt für große Programmpakete wie den KDE-Desktop. Bei Suse Linux liegen auch diese Ordner, für KDE /opt/kde3/bin, im Suchpfad.

Kommen Sie einmal mit Raten nicht weiter, hilft Ihnen die Paketverwaltung, den richtigen Namen eines Programms herauszufinden. Unter Mandrake Linux gehen Sie mit einem grafischen Tool auf Erkundungstour. Starten Sie über System / Einstellungen / Paketverwaltung / Software entfernen des K-Menüs den Deinstallationsassistenten. Das ist nötig, da Sie nur dort die Liste der bereits eingespielten Software finden. Markieren Sie das Paket, in dem die gesuchte Anwendung liegt und aktivieren Sie die Option Alle Informationen. Nun zeigt der Deinstaller zusätzlich zu der kurzen Beschreibung eine Liste aller Dateien im gerade markierten Paket an. Die ausführbaren Dateien stehen dabei immer ziemlich weit oben in der Liste. So sehen Sie beispielsweise, dass das Büropaket OpenOffice mehrere Programme mitbringt (Abbildung 1). Auch hier ist wieder ein wenig Raten angesagt, doch mit Ausprobieren finden Sie schnell heraus, dass oowriter die Textverarbeitung und oocalc die Tabellenkalkulation startet.

Abb. 1: Die Detailansicht der Mandrake-Software-Verwaltung listet alle Dateien eines Pakets auf.

Anwender von Suse Linux und Fedora Core 3 nutzen das rpm-Kommando in einer KDE-Konsole, um herauszufinden, wie die ausführbaren Dateien eines Pakets heißen. Shell-Liebhaber können diesen Weg auch unter Mandrake Linux wählen, da dessen Software-Verwaltung im Hintergrund auch mit dem rpm-Befehl arbeitet. Das Kommando

rpm -ql paketname

listet alle Dateien eines RPM-Pakets auf. Da diese Liste mitunter mehrere Bildschirmseiten füllen, grenzen Sie die Suche mit dem grep-Befehl ein:

rpm -ql paketname | grep bin

Das Pipe-Zeichen (|) leitet die Ausgabe des rpm-Kommandos an grep weiter. Dieses sucht nun nach allen Zeilen, die die Zeichenkette bin enthalten, und gibt sie aus (Abbildung 2). paketname ersetzen Sie durch den Namen des Pakets, die Angabe der Versionsnummer ist nicht nötig. Heißt das RPM-Paket, über das Sie etwas erfahren wollen blafasel-1.2.92-1mdk, genügt das Kommando rpm -ql blafasel, um alle darin enthaltenen Dateien aufzulisten.

Abb. 2: Mit den Befehlen "rpm" und "grep" finden Sie heraus, welche Programme ein Paket mitbringt.

Klickstart

Kennen Sie den Namen, mit dem Sie ein Programm aufrufen, ist es ein Leichtes, dafür ein Desktop-Icon zu erstellen:

  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Desktop und wählen Sie Neu erstellen / Datei / Verknüpfung zu Programm aus dem Kontextmenü.
  1. Im folgenden Dialog tragen Sie auf dem Registerreiter Allgemein den Namen der Verknüpfung ein. Diesen Text zeigt KDE später unter dem Desktop-Icon an. Klicken Sie auf die Schaltfläche mit dem blauen Zahnrad, um den Auswahldialog für Symbole zu öffnen. Sie finden dort eine bunte Mischung aller möglichen Icons, aus der Sie sich ein passendes heraussuchen. Sagt Ihnen keines der vorinstallierten Bildchen zu, aktivieren Sie die Option Sonstige Symbole und entscheiden sich im Dateiauswahldialog unter Auswählen für eine eigene Grafik als Programmsymbol.
  1. Das Kommando, das KDE bei einem Klick auf das Icon ausführt, gehört ins Feld Befehl auf dem Register Programme. Um beispielsweise einen Programmstarter für die Tabellenkalkulation von OpenOffice anzulegen, tragen Sie dort oocalc ein. Die Einträge in die anderen Felder sind optional. Die Angabe eines Verzeichnisses hinter Arbeitsordner ist z. B. dann sinnvoll, wenn das zu startende Programm den Dateiauswahldialog immer in dem Ordner öffnet, aus dem heraus es gestartet wurde. Liegen die Dateien, die Sie mit einer solchen Anwendung bearbeiten, im Ordner /home/privat/briefe, schreiben Sie diesen Pfad in das Feld Arbeitsordner, damit der Dateidialog direkt im richtigen Verzeichnis startet. Über die Schaltfläche OK speichern Sie die Einstellungen und erzeugen das Icon.

Möchten Sie ein Desktop-Icon nachträglich bearbeiten, erreichen Sie den Einrichtungsdialog über den Eintrag Eigenschaften aus dem Kontextmenü des Symbols.

Hinter dem Button Erweiterte Optionen auf dem Register Programme verbergen sich noch mehr Einstellungen: Möchten Sie beispielsweise eine Konsolenanwendung wie den Datei-Manager Midnight Commander per Mausklick starten, tragen Sie als Befehl mc ein und setzen bei den erweiterten Optionen ein Häkchen vor In Terminal starten. Ein Klick auf das Icon startet den Midnight Commander in der KDE-Konsole, und sobald Sie ihn mit einem Druck auf [F10] beenden, schließt sich auch das Kommandozeilenfenster.

Möchten Sie über ein Icon einen Befehl ausführen, der lediglich etwas ausgibt und sich danach beendet, aktivieren Sie zusätzlich die Option Nach Programmende geöffnet lassen, so dass Sie die Ausgabe in Ruhe studieren können.

Selbst der Programmstart mit root-Rechten gelingt über ein Icon: Setzen Sie dazu unter Erweiterte Optionen ein Häkchen vor Als anderer Benutzer ausführen und schreiben Sie root in das Feld Benutzername. Wenn Sie diese Option etwa bei einem Konqueror-Icon einschalten, erfragt KDE nach einem Klick auf das Symbol zunächst das Administratorpasswort und startet den Datei-Manager danach im Systemverwaltungsmodus.

Icons nach Maß

Desktop-Icons haben einen gravierenden Nachteil: Sobald Sie mehrere Fenster oder eines in voller Bildschirmgröße geöffnet haben, liegen die Programmstarter darunter, und Sie müssen erst einige Fenster minimieren, um die Icons zu erreichen. Um ein Symbol immer griffbereit zu haben, ziehen Sie es mit gedrückt gehaltener linker Maustaste auf eine freie Stelle in der KDE-Leiste und lassen es dort fallen (Abbildung 3). Das jetzt überflüssige Desktop-Icon können Sie danach löschen.

Abb. 3: Desktop-Icons ziehen per Drag & Drop in die KDE-Leiste um: Dieses Bild zeigt Programmstarter für K3b und Gwenview.

Die Icons in der Kontrollleiste taugen jedoch nur für einige wenige, besonders wichtige Anwendungen -- schließlich ist der Platz in der KDE-Leiste begrenzt. Einen Ausweg aus dem Dilemma stellt das Schnellstart-Applet dar: Es richtet einen Programmstartbereich in der KDE-Leiste ein, in dem es die Icons als Platz sparende Miniaturen anzeigt. Sie starten das Applet über das Kontextmenü der KDE-Leiste. Wählen Sie Hinzufügen / Miniprogramm / Schnellstarter. Der neue Bereich erscheint sich neben den Standardsymbolen in der linken Hälfte der Leiste. Dort finden Sie bereits einige Symbole, mit die etwa den Konqueror und eine Konsole starten. So wie zur Kontrollleiste selbst, bewegen Sie Ihre eigenen Desktop-Icons per Drag & Drop in den Schnellstartbereich. Sie erscheinen dort mit demselben Symbol wie auf dem Desktop, nur wesentlich kleiner (Abbildung 4). So bringen Sie auf dem Platz, den sonst ein einziger Programmstarter verschwendet, gleich neun Anwendungs-Icons unter. (amü)

Abb. 4: Platz sparende Alternative: Das Schnellstart-Applet fasst Programmstarter auf kleinstem Raum zusammen.
Infos
[1] Artikel über die Linux-Verzeichnisstruktur: Elisabeth Bauer und Andrea Müller, "Durch den Verzeichnisdschungel", EasyLinux 12/2003, S. 14 ff., http://www.easylinux.de/2003/12/014-dateibaum/index.html

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