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von Martin Loschwitz
Auf dem Massenmarkt der immer billigeren IDE-Platten versuchen die Hersteller, die Qualität nicht zu weit absinken zu lassen -- manchmal ohne Erfolg: Dann stirbt wieder eine Festplatte den kreischenden Tod und man fühlt sich erinnert an so manche Festplattenfamilie, deren Mitglieder starben wie die sprichwörtlichen Fliegen. Aber es soll auch schon Linux-Gurus und Einfaltspinsel gegeben haben, die einmal zu oft als Root unterwegs waren. Ob wegen eines Hardwaredefekts oder aus Unachtsamkeit: Wenn die Daten unwiderruflich vom System verschwunden sind, ist das ein Problem. Oder keins -- wenn es ein Backup gibt.
Obwohl Marketingstrategen nicht müde werden, selbst für Linux teure Profi-Lösungen anzupreisen, lässt sich schon mit dem, was eine Standard-Distribution mitbringt, alles Wichtige leicht sichern -- auch ohne teure Bandlaufwerke. Billig und einfach ist das Backup auf einem USB-Stick oder mit einem einem CD/DVD-Brenner.
Nicht alle Daten Ihres Linux-Systems müssen Sie mit einem Backup sichern: Beinahe alles, was nicht im /home-Verzeichnis liegt, kommt mit der Distribution und ist deshalb schon als Backup vorhanden -- es ist ja bereits auf der Installations-CD oder -DVD als .rpm-Paket enthalten.
Für ein gutes Backup nehmen Sie das eigene Benutzerverzeichnis im konqueror genau unter die Lupe. Dort sammelt sich mit der Zeit viel an, das zu sichern sich nicht wirklich lohnt: Programme, die man vor Urzeiten zum Testen heruntergeladen hat oder Dateien, die irgendwann den Weg auf die Festplatte fanden, dann aber in Vergessenheit geraten sind. Der erste sinnvolle Schritt eines Backups ist, diesen Ballast zu löschen.
USB-Sticks mit riesiger Speicherkapazität sind in Mode und bezahlbar: Beim Hardwarehändler Ihres Vertrauens bekommen Sie Sticks mit bis zu einem GByte Platz, Modelle mit viel mehr sind schon in der Mache. Sogar mobile Festplatten und normale Festplatten im mobilen Wechselrahmen sind mittlerweile absolut erschwinglich. Auf USB-Sticks mit einem GByte lassen sich ganze Linux-Distributionen speichern; Platz genug für ein Backup der wichtigsten Daten bieten sie allemal.
Einzige Voaussetzung ist ein USB-Anschluss am Rechner, der Stick muss lediglich dort hinein. Dann ist nur noch wenig Arbeit nötig, um den USB-Stick ins Dateisystem einzubinden, damit Linux direkt darauf zugreifen kann.
mount -t auto /dev/sda /mnt/usbstickfunktionieren.
Benutzen Sie eine SCSI-Festplatte, kann der Name der Gerätedatei abweichen: Sie heisst dann /dev/sda, /dev/sdb, /dev/sdc... Je nachdem, wie viele SCSI-Geräte ihr System hat, verändert sich der letzte Buchstabe.
Vielleicht müssen Sie auch /dev/hda1, /dev/sda1, /dev/sdb1 oder dergleichen angeben, denn die Hersteller bauen den einen Stick so, dass er als ganzes Laufwerk angesprochen wird (/dev/hda), den anderen so, dass er als einzelne Partition anzusprechen ist (/dev/hda1).
Fahren Sie nun fort, indem Sie das Paket ark installieren. Es ist in den EasyLinux-Starterkits und neueren Distributionen von SuSE, Fedora und Mandrake enthalten.
ark ist ein Programm, mit dem Sie Datei-Archive ähnlich wie mit WinZip oder WinRar erzeugen können. Es verwendet auf das Shell-Programm tar und erkennt und benutzt anhand des Dateinamens automatisch das richtige Kompressionsverfahren und -programm (Abbildung 1).
Wenn das eigene Benutzerverzeichnis zu groß für Ihren USB-Stick ist, müssen Sie zunächst die Dateien, die gesichert werden sollen, an einer Stelle bündeln. Erstellen Sie mit dem Konqueror in Ihrem Home-Verzeichnis einen Unterordner -- auch hier haben Sie freie Namenswahl, wir verwenden im Beispiel den Namen backup.
Backups dienen dazu, die gewohnte Umgebung nach einem Datenverlust so schnell wie möglich zu rekonstruieren. Dazu gehören im Wesentlichen die Einstellungen des Desktops und der Programme sowie persönliche Einstellungen wie E-Mail-Konten. All diese Informationen sind in versteckten Ordnern und Dateien gespeichert, die im Home-Verzeichnis liegen und deren Namen mit einem Punkt (".") beginnen. Um diese Dateien zu sehen, wählen Sie im Konqueror Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen; auf der Kommandozeile verwenden Sie das Kommando ls -a.
Wählen Sie die zu kopierenden (versteckten) Dateien und Verzeichnisse aus (Mehrfachauswahl mit gedrückter Strg-Taste und Mausklick) und kopieren Sie diese nach backup; dieser Inhalt wird später auf den USB-Stick kopiert. Ergänzen Sie dann die Auswahl um alle Dateien und Verzeichnisse, die Sie zusätzlich sichern wollen. Überschreiten Sie dabei nicht die Kapazität des Memory-Sticks.
Es empfiehlt sich, jede einzelne Datei und jeden Ordner durchzugehen und ständig zu prüfen, ob einzelne Dateien oder Ordner zwingend gesichert werden müssen. Das stellt sicher, dass wichtige Daten einbezogen und weniger wichtige ausgesondert werden (Abbildung 2).
Selbstverständlich muss sich Ihre Auswahl nicht auf Dateien auf Linux-Partitionen beschränken -- Haben Sie Windows-Partitionen eingebunden (Suse Linux tut das automatisch, Fedora Core und Mandrake Linux liefern immerhin die notwendigen Werkzeuge, so dass das Einhängen sehr einfach ist), können Sie auch deren Daten sichern.
Befindet sich alles, was auf dem USB-Speicherriegel gesichert werden soll, im backup-Verzeichnis, ist der Rest reine Formsache:
Das Archiv ist damit auf dem USB-Stick gespeichert. Wollen Sie es später -- auch auf einem anderen Linux-Computer -- wieder entpacken, ist das kein Problem: Stecken Sie den USB-Stick in einen USB-Anschluss, vergewissern Sie sich, dass er in das Dateisystem eingehängt ist, und öffnen Sie das Archiv mit ark. Klicken Sie in der Symbolleiste des Programms auf das vierte Icon von rechts und geben Sie im Feld Entpacken nach das Zielverzeichnis an, in das das Archiv entpackt werden soll (z. B. /home/Benutzername/backup/). Ein Klick auf OK entpackt das Archiv an die gewünschte Stelle.
Dieser Trick lässt sich übrigens nicht nur zum Einspielen eines Backups verwenden: Auf diese Weise stellen Sie auch auf anderen Rechnern, die das selbe System -- also die selbe Distribution -- verwenden, Ihre gewohnte Umgebung schnell wieder her.
Die Datensicherung auf CD unterscheidet sich vom Backup auf einem USB-Stick nur dadurch, dass Sie die Daten anders vorbereiten und auf das Medium schreiben. Das Prinzip ist das selbe: Weil eine einzelne CD nur selten groß genug sein wird, um ein komplettes Home-Verzeichnis aufzunehmen, müssen Sie auch hier die Dateien sorgfältig auswählen und mit ark packen. DVDs lösen das Problem zum Teil, aber noch gibt es nicht in jedem Rechner einen DVD-Brenner.
Die CD oder DVD brennen Sie komfortabel mit K3b. Eine detaillierte Anleitung zu K3b finden Sie in der letzten EasyLinux-Ausgabe [1]. Falls noch nicht geschehen, installieren Sie das Programm nach, es liegt allen von EasyLinux unterstützen Distributionen bei. Leider ist K3b noch immer nicht vollständig übersetzt, so dass die Sprache der Menüs wechselt.
In der Voreinstellung kann nur Root CDs mit K3b brennen -- starten Sie darum K3b mit Root-Rechten, indem Sie mit [Alt-F2] ein Schnellstartfenster öffnen und darin
kdesu k3b
eingeben. Quittieren Sie die Frage nach dem "K3BSetup" mit einem Klick auf Nein. Um ein Image zu erstellen und auf CD zu brennen, gehen Sie wie folgt vor:
Das Zurückspielen der Daten von CD-ROM ist noch einfacher als vom USB-Stick: Legen Sie die CD ins Laufwerk, öffnet KDE automatisch ein Datei-Manager-Fenster, aus dem Sie das Archiv mit ark öffnen und direkt in Ihr Benutzerverzeichnis entpacken können. (hge)
| Infos |
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[1] K3b-Artikel, Martin Loschwitz: "Durchgebrannt", EasyLinux 07/2005, S. 42 ff.
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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