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Erschienen in EasyLinux 08/2005   »   Ausgabe bestellen

E-Mail mit Kmail

Ab die Post

von Kristian Kißling


Kmails Infofenster poppt auf und verkündet fröhlich: Sie haben Mail. Oh nein, es ist wieder dieser verrückte Spammer. Das Mail-Programm Kmail hat's gleich gemerkt und die Nachricht in den Papierkorb geleitet. Was Kmail sonst noch kann, erfahren Sie hier.

Kmail begleitet die grafische Oberfläche KDE bereits seit geraumer Zeit. Den Vergleich mit der Konkurrenz braucht das Mail-Programm nicht zu scheuen, besonders in puncto Sicherheit bietet es einiges. Kmail läuft im Hintergrund und schaut in regelmäßigen Abständen nach neuer Mail. Dabei kann es Nachrichten sowohl über unterschiedliche Postfächer abholen als auch versenden. Das ist sinnvoll, wenn Sie private Post über Mail-Provider wie Yahoo oder Web.de, dienstliche Mails aber über den Mail-Server Ihres Arbeitgebers verschicken.

In den meisten Fällen verfügen Privatanwender nicht über einen eigenen Mail-Server. Das bedeutet, sie rufen erst einmal die Web-Seite ihres Mail-Providers auf, loggen sich ein und lesen ihre Post online, oder sie verwenden ein Mail-Programm, das die Mails aus dem Internet holt und in lesbarer Form präsentiert. Zu diesen Programmen gehört auch Kmail.

Sie haben Post

Eine Installation von Kmail ist nicht nötig: Es genügt, dass Sie KDE als grafische Oberfläche nutzen. Drücken Sie einfach [Alt - F2] und tippen Sie kmail ein, um das Programm zu starten. Für Nutzer von Fedora Core 3 gibt es einen Wermutstropfen: Es startet leider nur eine englische Version von Kmail. Unter Mandrake Linux 10.2 lädt Kmail gleich Kontact mit, den Personal Information Manager von KDE, auf die Bedienung hat das aber keinen Einfluss. Um die Nachrichten vom Server des Mail-Providers abzuholen, muss der Mail-Client die Sprache des Mail-Servers sprechen. Die heißt POP, steht für Post Office Protocol und ist das für den Mail-Transfer wohl am häufigsten genutzte Protokoll. Das Einrichten der Posteingänge geschieht in fünf Schritten:

  1. Zunächst wählen Sie aus dem Menü Einstellungen den Eintrag Kmail einrichten aus. Im Bereich Netzwerk gibt es einen Reiter mit der Beschriftung Empfang. Über Hinzufügen tragen Sie einen neuen Mail-Provider ein.
  1. Legen Sie nun den Postfach-Typ fest. Vermutlich werden Sie ein POP-Postfach einrichten, denn das IMAP-Protokoll (Internet Message Access Protocol) wird vorwiegend in Firmennetzwerken eingesetzt.
  1. Im nächsten Dialogfeld erfolgt das Fein-Tuning (Abbildung 1). Geben Sie im Reiter Allgemein einen beliebigen Namen für das Postfach an. Dann benötigen Sie Ihren Benutzernamen und das Passwort. In das Feld Server schreiben Sie den Namen des POP-Servers Ihres Providers. Probieren Sie es mit folgenden Varianten: pop.providername.de, pop3.providername.de oder mail.providername.de. Funktionieren diese Beispiele nicht, suchen Sie auf den Internet-Seiten des Providers nach dem Namen des POP-Servers. Als Port lassen Sie 110 eingestellt.

Abb. 1: Ihren Mail-Provider entnehmen Sie Ihrer E-Mail-Adresse. In der Beispielgrafik nutzt Lothar123 den Mail-Provider "providername.de". Der POP-Server heißt dementsprechend "pop.providername.de".
  1. Im unteren Bereich gibt es Optionen zum Ankreuzen. Hier legen Sie fest, wie häufig das Programm nach neuer Mail schauen soll und wie Sie mit der Post auf dem Mail-Server verfahren. Entweder laden Sie die Post auf die Festplatte, oder Sie lassen sie auf dem Mail-Server, um auch von anderen Rechnern darauf zuzugreifen.
  1. Im Reiter Extras konfigurieren Sie die Sicherheitseinstellungen für die Kommunikation via E-Mail. Die Frage ist, welche Verschlüsselung und welche Anmelde-Methode der Mail-Server Ihres Providers beherrscht. Das finden Sie heraus, indem Sie die Fähigkeiten des Servers testen. Dabei erfahren Sie auch, ob Sie die Adresse des POP-Servers richtig eingetragen haben: Kmail kann die Sicherheit nur prüfen, wenn es den POP-Server findet (Abbildung 2).

Abb. 2: Der Test zeigt: Dieser POP-Server nutzt SSL- oder TLS-Verschlüsselung, um Nachrichten zu übertragen, die Anmeldung geschieht über einfachen Text.

Mit einem Klick auf OK beenden Sie die Konfiguration und schauen jetzt nach neuer Post. Wundern Sie sich nicht, wenn Kmail zu Beginn eine Menge Mails herunter lädt. Falls Sie bisher kein externes Mail-Programm verwendet haben, warten sämtliche Mails der letzten Monate noch auf ihre Abholung.

Schreib mal wieder

Sicherlich möchten Sie auch Post verschicken. Dazu muss das Mail-Programm wissen, welchen Server es kontaktieren soll. Neben dem oben erwähnten Reiter Empfang im Bereich Netzwerk gibt es einen Reiter Versand. Klicken Sie auf Hinzufügen und wählen Sie SMTP. Die entsprechenden Server tragen meist Namen wie: smtp.providername.de, mail.providername.de und mailout.providername.de. Falls keine dieser Alternativen funktioniert, fragen Sie Ihren Mail-Provider nach dem Namen des SMTP-Servers. Anschließend setzen Sie bei Server verlangt Autorisierung ein Kreuzchen und geben Ihren Benutzernamen und das Passwort an. Der Server prüft, ob Sie der rechtmäßige Besitzer des Postfachs sind und leitet dann die Post weiter. Im Reiter Sicherheit testen Sie die Korrektheit Ihrer Eingabe. Der Test funktioniert nur, wenn Sie den SMTP-Server korrekt eingetragen haben. Weitere Postausgänge richten Sie nach dem selben Muster ein. Wahlweise erstellen Sie für jedes Postfach eine eigene Identität. Wie das geht, lesen Sie weiter unten.

Zum Überprüfen der korrekten Einstellungen senden Sie am besten eine Mail an sich selbst. Dazu genügt ein Klick auf das weiße Briefsymbol oben links in der Werkzeugleiste: Eine leere Mail-Vorlage öffnet sich. Wollen Sie Nachrichten über unterschiedliche Postausgänge verschicken, macht es Sinn, sich alle Felder im Kopf der Mail anzeigen zu lassen (Abbildung 3). Wählen Sie im Menü der Mail-Vorlage Ansicht, setzen Sie ein Häkchen bei Alle Felder, und füllen Sie die Felder anschließend aus. Bestimmen Sie in der Zeile Versandart einen Mail-Server. Im Feld Von tragen Sie Ihre oder eine beliebige E-Mail-Adresse ein. Der Mail-Server kann die Adresse des Absenders nicht verifizieren, was aber nicht bedeutet, dass Ihre Post anonym verschickt wird. Über den Quelltext der Mail erfährt der Empfänger, von welchem Mail-Server sie stammt. Betrachten Sie den Quelltext einmal selbst. Klicken Sie auf eine Mail im Posteingang und drücken Sie [V]. In einem neuen Fenster erscheint die komplette Mail im Klartext. Die Adresse hinter dem letzten Received: from-Eintrag offenbart den Ursprungs-Mail-Server.

Abb. 3: Über den Menüpunkt "Ansicht" lassen Sie sich alle Felder einer Mail-Vorlage anzeigen. Identität, Versandart und die Adresse des Absenders können Sie so jedes Mal neu definieren.

Um eine Datei an die Mail zu hängen, klicken Sie auf die blaue Heftklammer im Menü der Mail-Vorlage. Der Datei-Manager öffnet sich. Benötigen Sie alle Dateien aus einem Ordner, markieren Sie diese mit [Strg - A]. Wollen Sie nur ausgewählte Dateien verschicken, klicken Sie mit der Maustaste auf die entsprechenden Dateien, während Sie [Strg] gedrückt halten. Nach einem Klick auf OK erscheinen die ausgewählten Dateien im unteren Bereich der E-Mail.

So siehts aus

Betrachten Sie nun die grafische Oberfläche von Kmail. Was die Symbole in der Werkzeugleiste bedeuten, zeigt die Grafik (Abbildung 4). Die Oberfläche besteht aus drei verschiebbaren Rahmen. Im linken Rahmen liegen die lokalen Ordner, die gewöhnlich aus Posteingang, Postausgang, Papierkorb, Entwürfe und Gesendete Nachrichten bestehen. Klicken Sie auf einen Ordner, werden im oberen rechten Rahmen die darin enthaltenen Nachrichten aufgelistet. Wenn Sie eine Mail markieren, sehen Sie im unteren rechten Rahmen eine Vorschau. Ein Doppelklick öffnet die komplette Mail in einem neuen Fenster.

Abb. 4: Die Oberfläche von Kmail. Im linken Rahmen sehen Sie die Ordnerstruktur, rechts oben liegen die eingegangenen Mails. Über die Symbole in der Werkzeugleiste verschicken und empfangen Sie die Mails.

Um die Post zu holen, klicken Sie auf das Symbol mit dem grünen Pfeil, der nach unten weist. Halten Sie den Button gedrückt, können Sie eine konkrete Mailbox auswählen, ein kurzer Klick ruft sämtliche Mailboxen ab.

Die eingehenden Nachrichten landen im Posteingang. Es empfiehlt sich, die Mails nach dem Ankunftsdatum zu sortieren. Ein Klick auf die Spaltenüberschrift Datum im Rahmen rechts oben positioniert die aktuellste Nachricht ganz oben in der Liste. Alternativ ordnen Sie Ihre Mails nach Absender oder Betreff. Mit [Leertaste] springen Sie zur nächsten ungelesenen Mail. Das ist praktisch, um Nachrichten zu finden, die aufgrund eines falschen Datums am Ende der Liste einsortiert wurden. Häufig handelt es sich bei diesen Mails allerdings um unerwünschte Werbung, die so um die Aufmerksamkeit der Betrachter buhlt. Mit [Umschalt - Entf] schicken Sie die nervige Post ins digitale Nirvana.

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Mails im HTML-Format unter Umständen ein Sicherheitsrisiko bergen. Kmail begegnet diesem Risiko, indem es standardmäßig alle Mails zunächst im Textformat anzeigt. Ein rot umrandeter Kasten zu Beginn der Mail warnt vor den Risiken, die mit dem Öffnen von HTML-Mails verbunden sind. Vertrauen Sie dem Absender, genügt ein Klick auf einen Link in dem Kasten, um die Nachricht im HTML-Format zu betrachten. Natürlich können Sie Ihre Post auch über die vorhandenen Menüeinträge senden und empfangen. Im Menü Datei finden Sie den Eintrag Nach E-Mail sehen. Über das Nachricht-Menü verfassen Sie neue Mails, antworten auf erhaltene Nachrichten oder leiten diese weiter.

Stille Post

Manchmal ist es hilfreich, für jeden Postausgang eine eigene Identität anzulegen. Möchten Sie an bestimmte Nutzer mit PGP verschlüsselte Nachrichten schicken, schaffen Sie eine Identität, mit der die Verschlüsselung von Mails möglich ist. Klicken Sie dazu im Menüpunkt Einstellungen auf Kmail einrichten und dann unter Identitäten auf den Punkt Neu. Unter dem Reiter Erweitert stellen Sie ein, welchen Schlüssel Sie benutzen wollen. Natürlich setzt das voraus, dass Sie und Ihr Kommunikationspartner bereits PGP installiert haben und über öffentliche und private Schlüssel verfügen [1,2]. Wenn Sie eine neue Mail verfassen, ändern Sie im Kopf der Mail-Vorlage einfach die Identität: Kmail schreibt dann automatisch den neuen Absender in die Nachricht.

Ein weiterer wichtiger Punkt in Verbindung mit Kmail sind die Sicherheitskopien. Um wertvolle Mails zu sichern, wählen Sie zunächst den entsprechenden Ordner aus -- meist den Posteingang -- und rufen den Eintrag Alle Nachrichten auswählen im Menü Bearbeiten auf. So markieren Sie die Nachrichten im Posteingang und archivieren sie anschließend mit dem Befehl Speichern unter aus dem Datei-Menü in einem Verzeichnis. Die entstandene Datei können Sie später mit einem Texteditor öffnen und durchsuchen, ihr Re-Import in Kmails Ordnerstruktur ist jedoch nicht möglich. Wollen Sie eine neue Version von Kmail installieren, legen Sie eine Sicherheitskopie des Inbox-Ordners von Kmail an. Suse Linux 9.3 legt die Post für Kmail unter

/home/benutzer/.kde/share/apps/kmail/mail/

ab. Fedora Core 3 speichert die Mails im Ordner Mail im Home-Verzeichnis, Mandrake Linux 10.2 nutzt den selben Ort, aber der Ordner heißt hier .Mail, ist also versteckt. Es genügt, nach dem Update den gesicherten Inbox-Ordner in das Mail-Verzeichnis zu kopieren. Schließlich gibt es auch eine Möglichkeit, das nervige Spam-Aufkommen zu drosseln: Unter Einstellungen und Filter einrichten definieren Sie Regeln, die auf eingehende Mails angewendet werden. Auf diese Weise verschieben Sie einfach alle Nachrichten Ihres Lieblings-Spammers automatisch in den Papierkorb. Zunächst legen Sie fest, welchen Bereich der Nachricht der Filter analysieren soll, beispielsweise das Subject. Enthält die Betreffzeile Worte wie Viagra oder Casino, wandert die Mail automatisch in den Papierkorb. Das System kann natürlich kein professionelles Anti-Spam-Programm wie SpamAssassin ersetzen, aber hartnäckige Werbe-Mails wird man damit schon los. (kki)

Infos:
[1] Zum Thema Verschlüsselung: http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2003/09/021-gpg-kgpg
[2] Auch zu Verschlüsselung: http://cccmz.de/wiki/index.php/GPG

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