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Erschienen in EasyLinux 08/2005   »   Ausgabe bestellen

Musik hören und organisieren mit Amarok

Musikalisch mit Struktur

von Carsten Schnober


Der Audio-Player Amarok spielt Musik nicht nur ab. Er organisiert sie komfortabel und brennt sie auf CD, bindet iPods ein und nimmt am Community-Projekt Audioscrobbler teil.

CDs liegen hüllenlos in chaotischen Stapeln vor der Hifi-Anlage, die eine oder andere ist schon unter dem CD-Player verschwunden oder bis zur Unhörbarkeit zerkratzt. Eine große Musiksammlung benutzbar zu halten, erfordert ein hohes Maß an Disziplin. Zum Glück vereinfacht der Computer alles: Was digitalisiert auf der Festplatte liegt, geht nicht mehr kaputt oder verloren. Statt mühsamer Suche nach der richtigen CD genügt ein Klick, um das Lieblingslied erklingen zu lassen.

Doch wer sich über die komfortablen Vorzüge des Multimediazeitalters freut, merkt bald, dass die Realität bei einer Kollektion aus Hunderten oder Tausenden Dateien nicht immer so rosig aussieht. Oft hat man nicht den zum Song gehörenden Dateinamen im Kopf oder möchte die Lieder eines Interpreten oder eines bestimmten Albums hören. Das Wiedergabeprogramm Amarok (http://amarok.kde.org) hilft mit zahlreichen Automatismen, die Musiksammlung zu sortieren, zu bewerten und zu organisieren.

Installation

Unter den von EasyLinux unterstützten Distributionen liefern Suse und Mandrake Linux Amarok mit. Im Falle von Suse Linux wählen Sie über das K-Menü System / YaST und geben im Dialogfenster Ihr Root-Passwort ein. Tippen Sie Amarok ins Suchfeld und markieren Sie das Suchergebnis amarok zur Installation. Ein Klick auf Übernehmen spielt es von der Suse-DVD ein.

Unter Mandrake Linux öffnen Sie den Paket-Manager über den Menüpunkt System / Einstellungen / Paketverwaltung / Software installieren. Nach Eingabe des Root-Passworts suchen Sie nach Amarok. Markieren Sie das unter Suchergebnisse erscheinende Paket amarok zur Installation und klicken auf OK. Fedora-Benutzer finden das Paket neben einer Installationsanleitung auf der Heft-CD.

Der Programmstart erfolgt über das Schnellstartfenster mit der Tastenkombination [Alt-F2] mit dem Befehl amarok. Der Einrichtungsassistent unterstützt Sie beim ersten Start bei der Basiskonfiguration. Nach dem Willkommensgruß wählen Sie aus, ob Sie wie beim Windows-Player Winamp und seinem Linux-Pendant XMMS ein von der Wiedergabeliste getrenntes Fenster für die Grundfunktionen oder ein gemeinsames Hauptfenster für beide Zwecke wie beim KDE-Standard Juk wünschen.

Im nächsten Dialog sehen Sie einen Verzeichnis-Browser. Darin markieren Sie sämtliche Ordner, die Musikdateien für Ihre Sammlung enthalten. Lassen Sie den Eintrag Unterordner rekursiv durchsuchen markiert, landen auch die in Unterverzeichnissen enthaltenen Dateien in der Musiksammlung. Deaktivieren Sie das Feld Änderungen überwachen, verhindern Sie, dass Amarok im Betrieb regelmäßig die markierten Ordner auf neue Dateien überprüft. Wiedergabelisten importieren schließlich liest auch Playlist-Dateien anderer Programme ein.

Vorhang auf

Nach Abschluss der Erstkonfiguration füllt Amarok die Datenbank auf, indem es die angegebenen Ordner nach Musikdateien durchsucht. Dabei liest es die in MP3-Dateien enthaltenen so genannten ID3-Tags aus, die Auskunft über Liednamen, Interpreten, Album, Genre und zahlreiche weitere Details geben. Bei großen Musiksammlungen dauert dieser Aufbau der Sammlung mehrere Minuten.

Danach erreichen Sie das Amarok-Hauptfenster (Abbildung 1). Den größten Teil davon nimmt der zunächst leere Abschnitt für die aktuelle Wiedergabeliste ein. Am linken Rand befinden sich fünf Schaltflächen, über die Sie die verschiedenen Ansichten ansteuern. Die oberste zeigt den Kontext-Browser, der Informationen über das momentan abgespielte Lied anzeigt; er ist beim Programmstart geöffnet.

Abb. 1: Amarok organisiert die Musiksammlung.

Hinter der zweiten Schaltfläche von oben finden Sie die Sammlungsübersicht. In einer Baumansicht listet sie alle Interpreten auf und unterteilt diese Äste wiederum in die Alben des Künstlers. Ein Doppelklick auf ein Lied spielt es direkt ab. Um es später wiederzugeben, schieben Sie seinen Eintrag mit gehaltener Maustaste in den Playlist-Bereich. Auf diese Weise nehmen Sie auch ganze Alben oder alle Lieder eines Interpreten auf einmal in die Wiedergabeliste auf.

Da die Ansicht bei einer großen Musikdatenbank schnell unübersichtlich wird, bieten mehrere Optionen die Möglichkeit, die Sammlung den eigenen Bedürfnissen entsprechend darzustellen. Im Menü Gruppierung finden Sie fünf vorgefertigte Anordnungen, die angezeigten Felder entsprechen immer einer Ebene in der Baumansicht. So ordnet ein Klick auf Genre / Interpret / Album die Anzeige in drei Stufen, wobei in der obersten das Genre steht. Klappen Sie einen Zweig auf, sehen Sie alle Interpreten und darin wiederum ihre Alben, bevor sie zu den einzelnen Titeln gelangen.

Über die Menüpunkte Erste Ebene bis zu Dritte Ebene legen Sie eine eigene Ordnung fest. Geben Sie im Textfeld unter dem Button Gruppierung einen Begriff ein, erscheinen unabhängig von der Anordnung nur noch Titel, in deren Beschreibung der betreffende Text vorkommt.

Indem Sie einzelne Lieder oder ganze Alben und Interpreten ins Hauptfenster ziehen, füllen Sie manuell die Wiedergabeliste. In der Voreinstellung spielt Amarok ein Lied nach dem anderen von oben nach unten ab. Die vorhandenen Einträge sortieren Sie per Klick auf eine Spaltenüberschrift; beispielsweise alphabetisch nach Songname, Interpret, Album oder Titellänge. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine Spaltenüberschrift, sehen Sie eine Liste von Feldern; markieren Sie per Mausklick eines, erscheint es ebenfalls in der Wiedergabeliste in einer neuen Spalte.

Haben Sie eine Wiedergabeliste zusammengestellt, die Sie künftig häufiger hören möchten, speichern Sie diese in einer Datei ab. Wählen Sie dazu im Menü Wiedergabeliste den Punkt Wiedergabeliste speichern unter... Im folgenden Dialogfenster navigieren Sie ins gewünschte Zielverzeichnis und geben im Feld Adresse einen Dateinamen ein.

Intelligenz gefragt

Abgespeicherte Wiedergabelisten zeigt die Ansicht Wiedergabelisten unter der Überschrift Aktuelle Wiedergabelisten. Ein Doppelklick füllt das Hauptfenster mit den darin enthaltenen Songs. Amarok liefert hier den Eintrag Cool-Streams mit -- eine Auswahl von Internet-Radios, die Sie bei bestehender Internet-Verbindung ebenso wie ein einzelnes Lied anhören.

Amarok kennt neben den gewöhnlichen, statischen Playlists dynamische Wiedergabelisten. Dazu liefert die Anwendung einige nützliche Vorschläge mit. Klicken Sie auf einen Eintrag in der Liste im Feld Intelligente Wiedergabelisten, um das Playlist-Feld mit den enthaltenen Songs zu füllen.

Unter den vorgefertigten Einträgen befinden sich beispielsweise die am häufigsten gespielten Lieder. Mit einem Klick auf das Plus-Symbol neben dem Eintrag Meistgespielte klappen Sie eine Sammlung von Unterlisten auf, die nur die Lieder je eines Interpreten enthalten. Weiterhin stehen die neuesten und die zuletzt gespielten Titel ebenso wie alle jemals oder noch nie wiedergegebenen Lieder für den Schnellzugriff zur Verfügung. Eine zufällige Auswahl aus der Sammlung erstellt die Liste Random Tracks.

Konstruktive Kritik

Die Liste Lieblingsstücke verwendet das Amarok-interne Bewertungssystem, um die Songs auszuwählen, die dem Benutzer am besten gefallen. Jedes Mal, wenn Sie ein Lied abspielen, registriert Amarok das und speichert es in seiner internen Datenbank. In einem Punktesystem erhält der Song dabei 100 Punkte, wenn er zu Ende läuft. Lediglich beim ersten Abspielen zieht das Bewertungssystem Punkte ab, so dass ein Lied nach einem Durchlauf mit 75 Punkten startet.

Unterbrechen Sie ein Lied, erhält es einen prozentualen Anteil. Beispielsweise ergeben sich 50 Punkte, wenn der Titel genau bis zu seiner Mitte lief. Aus dem Durchschnitt aller Punktezahlen ergibt sich die Gesamtwertung.

Schlaue Auswahl

Die beschriebenen so genannten Smart Playlists ergänzen individuelle Listen. Ein Klick auf Neu erstellen in der Wiedergabelistenansicht öffnet dazu ein Dialogfenster (Abbildung 2). Hier tragen Sie zunächst den Namen der Liste ein. Wählen Sie in der mittleren Zeile aus der Ausklappliste links ein Kriterium, beispielsweise Titel.

Abb. 2: Intelligente Wiedergabelisten filtern die Musiksammlung.

In der Liste im mittleren Feld legen Sie das Verhältnis zwischen dem Kriterium und dem Suchbegriff im Textfeld rechts fest -- ob er in einem Song-Titel enthalten sein muss, nicht darin vorkommen darf, damit beginnen oder darauf enden soll. Der Eintrag ist definiert, dass ein Titel exakt dem angegebenen Ausdruck entsprechen muss, dagegen bedeutet ist nicht, dass alles außer dem genauen Treffer passt.

Um ein zweites Kriterium hinzuzufügen, klicken Sie auf das Plus-Symbol (+) am Ende der Zeile. Daraufhin erscheint eine zweite Reihe, in der Sie einen weiteren Filter eintragen. Nicht jede Suchbedingung bezieht sich auf einen Textausdruck, es können auch das Datum des letzten Abspielens oder die Bewertungspunkte den Ausschlag geben.

Nachdem alle Suchkriterien definiert sind, legen Sie über die Auswahlliste in der Zeile Übereinstimmung deren Beziehung untereinander fest: Soll ein Lied nur dann in der Wiedergabeliste landen, wenn es alle angegebenen Bedigungen erfüllt, oder genügt dazu schon ein Treffer?

Darüber hinaus sortiert Amarok die Ergebnisse, wenn Sie das Feld Ordnen nach aktivieren. Geben Sie in den Auswahllisten die Spalte ein, nach der es die gefundenen Titel anordnen soll und ob sie in auf- oder absteigender Reihenfolge erscheinen. Abschließend begrenzen Sie auf Wunsch die Zahl der Treffer auf einen beliebigen Wert.

Die neu angelegte Liste erscheint nun in der Wiedergabelistenansicht, ein Doppelklick bringt die Suchtreffer zum Vorschein. Möchten Sie eine intelligente Liste löschen, markieren Sie diese und klicken auf das blaue Papierkorbsymbol. Eine Möglichkeit, intelligente Wiedergabelisten zu verändern sieht Amarok leider nicht vor.

Trendbewusst

Besitzern eines iPod hilft die Ansicht Medien-Gerät. Künftig soll sie mit jedem MP3-Player zusammenarbeiten, bislang erscheint hier jedoch nur das Abspielgerät von Apple. Schieben Sie Lieder, die Sie auf den iPod kopieren möchten, aus der Wiedergabeliste in den oberen Abschnitt des Mediengeräte-Browsers, dann landen sie in der Warteliste darunter. Haben Sie den iPod angeschlossen, kopiert ein Klick auf den Button Übertragen alle dort aufgeführten Lieder auf das tragbare Gerät.

Die letzte Ansicht Dateien ermöglicht es, Dateien von einem beliebigen Ort im Dateisystem in die Wiedergabeliste aufzunehmen. Sie müssen also nicht in den als Teil der Musikdatenbank aufgeführten Ordnern liegen. Beispielsweise eignet sich diese Funktion, um direkt von tragbaren Datenträgern wie CDs, externen Festplatten oder USB-Speicher-Sticks Musik zu hören.

Ins Zentrum

Im Hauptbereich des Programms finden Sie stets die aktuelle Wiedergabeliste. Wenn Sie eine dynamische oder eine statische Playlist einlesen, landen die enthaltenen Stücke darin. Unten haben Sie die unverzichtbaren Buttons zum Starten, Pausieren und Beenden der Wiedergabe sowie um zum nächsten oder vorherigen Lied zu springen.

Amarok spielt in der Voreinstellung die Lieder der Wiedergabeliste von oben nach unten ab. Doppelklicken Sie auf einen Eintrag, gibt Amarok diesen wieder und unterbricht dazu den aktuellen Song. Mit der rechten Maustaste erreichen Sie ein Kontextmenü, in dem Sie den Punkt Stück in Warteschlange einstellen wählen, damit Amarok den laufenden Titel zu Ende spielt und erst danach zum gewählten Lied springt. Die Warteliste kann auch mehrere Lieder umfassen.

Im selben Kontextmenü öffnen Sie über Meta-Informationen anzeigen/bearbeiten... den Editor für die MP3-Informationen (Abbildung 3). Dort sehen Sie die ID3-Tags einer MP3-Datei. Die Schaltfläche Tags mit Musicbrainz ausfüllen erstellt an Hand der ersten dreißig Sekunden eines Titels eine Kennung, über die Amarok versucht, vom Internet-Dienst Musicbrainz die Liedinformationen in Erfahrung zu bringen. Die Trefferquote ist hierbei recht hoch, aber nicht immer eindeutig. Häufig muss man aus mehreren möglichen Treffern den richtigen aussuchen.

Abb. 3: Amarok sucht die Informationen über Lieder selbständig im Internet.

In der untersten Fensterzeile des Hauptfensters befinden sich drei Würfel-Symbole. Mit dem linken weisen Sie Amarok an, statt der in der Playlist vorgegebenen Reihenfolge die Lieder zufällig nacheinander wiederzugeben. Ist der mittlere aktiviert, wiederholt es die gesamte Liste fortwährend.

Der dritte Würfel, Empfohlene Stücke, nutzt ein von Apples iTunes eingeführten Konzept: Auf der Website http://www.audioscrobbler.com registrieren sich Musikfreunde und teilen der Öffentlichkeit mit, welche Songs sie spielen. Daraus ergeben sich Charts und Empfehlungen für andere Benutzer. Ist die Option Empfohlene Stücke aktivert, füllt Amarok automatisch die Wiedergabeliste mit von Freunden des gespielten Lieds empfohlenen weiteren Songs.

Wer selbst ein Audioscrobbler-Profil hat, meldet sich direkt mit Amarok an. Dazu wählen Sie im Dialog unter Einstellungen / amaroK einrichten den Punkt Scrobbler. Hier tragen Sie Benutzernamen und Passwort ein und bestätigen, dass die von Ihnen abgespielten Lieder in die Audioscrobbler-Charts einfließen sollen.

Im Einrichten-Dialog finden Sie neben der Audioscrobbler-Konfiguration auch die Möglichkeit, alle bei der Einrichtung getroffenen Einstellungen nachträglich anzupassen. Bevorzugen Sie dazu Hilfe vom Assistenten, wählen Sie den Menüpunkt Extras / Einrichtungsassisten.

Alle Infos

Die Empfehlungen zum momenten gespielten Lied zeigt die Kontext-Ansicht im Reiter Aktuell an. Dort findet sich auch eine Statistik darüber, wie häufig ein Lied bereits seinen Weg durch die Boxen fand und das Amarok-Bewertungssystem es einstuft. Unter Übersicht bietet die Kontext-Ansicht Listen der beliebtesten und der neusten Lieder. Der Reiter Text schließlich sucht auf dem Internet-Server lyrc.com.ar nach dem Text eines Lieds und zeigt ihn bei Erfolg an.

Amarok verfügt weiterhin über eine Cover-Verwaltung im Menü Extras. Es lädt von der Homepage des Online-Kaufhauses Amazon für das unter Amazon-Lokalisierung eingestellte Land die Titelbilder aller Alben herunter -- falls Amazon es anbietet. Bei der Wiedergabe eines Lieds erscheint dann das zugehörige Cover-Bild. Allerdings löscht Amarok diese Bilder nach 30 Tagen automatisch, wie es die Lizenzbedingungen von Amazon vorschreiben.

In jeder Ansicht bringt ein Rechtsklick auf jedes einzelne Lied oder eine Wiedergabeliste ein Kontextmenü hervor. Über den Punkt Brennen geben Sie die ausgewählten Stücke direkt ans Brennprogramm K3b weiter, um daraus eine Audio- oder Daten-CD zu erstellen.

Weltmeister

Mit der Vielzahl seiner Funktionen übertrifft Amarok jedes andere Audioprogramm und entwickelt sich damit zu einem der beliebtesten Player. Die etwas unübersichtliche Oberfläche erschwert zwar den Einstieg, hat man sie aber erst im Griff, strukturiert Amarok die Musiksammlung sinnvoll wie kein anderes Programm. Ältere PCs haben jedoch Mühe mit den hohen Anforderungen an die Rechenleistung. (csc)

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