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Erschienen in EasyLinux 09/2005   »   Ausgabe bestellen

Nachrichten

OpenOffice und StarOffice

Die offizielle Release von OpenOffice (http://www.openoffice.org) 2.0 verzögert sich voraussichtlich bis zum Spätsommer. Geplant war ein Veröffentlichungstermin um Mitte Juli. Den Anwender erwarten eine Menge Änderungen: So verfügt das Office-Paket dann über eine eigene Datenbank und zahlreiche Verbesserungen im Zusammenspiel mit anderen Office-Produkten. Außerdem folgt das Dokumentenformat einer offenen Spezifikation des unabhängigen Gremiums OASIS (http://www.oasis-open.org). Dies verbessert ebenfalls die Kompatibilität.

Wie schon in der Vergangenheit veröffentlicht das Unternehmen Sun Microsystems auch von der Version 2.0 des freien Büropaketes einen kommerziellen Ableger. Dieser trägt den Namen StarOffice 8 (http://www.sun.com/software/star/staroffice/) und enthält wahrscheinlich noch mehr zusätzliche Komponenten als seine Vorgängerversionen.

Das Projekt OpenOffice zählt nach wie vor zu den stärksten Magneten in der Open-Source-Welt: Die so genannte Community umfasst zirka 31 000 Mitglieder, wobei von diesen nicht alle aktiv entwickeln. Rund 43 Millionen Downloads verzeichnete das Projekt bis heute; dazu kommen noch die Versionen, die über Datenträger verteilt wurden.

Open-Source-Projekte bei der BBC

Die britische Rundfunk- und Fernsehanstalt BBC widmet ihren Open-Source-Projekten eine eigene Web-Seite. Unter http://www.bbc.co.uk/opensource/ stehen verschiedene Perl- und Apache-Module, aber auch der freie Video-Codec Dirac und die virtuelle Weltensimulation Media Lounge bereit. Die Site umfasst jedoch nur die Projekte, die von BBC initiiert wurden. Nicht aufgeführt ist die weit längere Liste der Projekte, an denen sich die Anstalt bis jetzt lediglich in irgendeiner Form beteiligt hat.

Der Sender betrachtet diese Seite als Service am Kunden -- der britischen Öffentlichkeit. Da sich die BBC über Rundfunkgebühren finanziert, haben die Hörer und Zuschauer auch das Recht, von den Entwicklungen der Anstalt zu profitieren.

Die Web-Seite listet zu jedem Projekt den Autor sowie die Lizenz und außerdem eine kurze Beschreibung der Software auf. Über einen weiteren Link gelangt man zur Homepage des jeweiligen Projektes.

USB-Speicher mit Zahlenschloss

Viele Anwender greifen gerne zu Speichermedien wie USB-Sticks, um persönliche Daten bei sich zu tragen oder von Rechner zu Rechner zu transportieren. Eine eigenwillige Methode, die Daten auf dem Medium schützen, setzt ein scheckkartengroßer USB-Speicher mit dem Namen Morsecode ein: Um Zugang zum Medium zu erhalten, muss der Benutzer zuerst eine vierstellige Geheimzahl auf den Tasten des Geräts eingeben.

Der Flashspeicher fasst 512 MByte Daten, beherrscht USB 2.0 und verfügt über ein kurzes USB-Kabel, das in einer Aussparung im Gehäuse Platz findet. Den portablen Datentresor mit Zahlenschloss verkauft das Unternehmen ARP Datacon (http://arp-datacon.de) zum Preis von rund 70 Euro.

Abb. 1: Dieser USB-Speicher fragt erst nach einer Geheimzahl, bevor er sich lesen lässt.

Opera-Browser mit eingebautem Bittorrent

Kommende Browser-Versionen der norwegischen Firma Opera (http://www.opera.com/) bringen eine eingebaute Unterstützung für das Bittorrent-Protokoll mit. Bereits in der Version 8.02 Technology Preview 1 lassen sich Downloads per Bittorrent direkt aus dem Browser-Fenster starten -- genauso wie die üblichen Downloads über die Protokolle HTTP und FTP. Für den Alltagseinsatz empfiehlt das Unternehmen die Vorabversion des Browsers jedoch noch nicht.

Das Bittorrent-Verfahren verteilt große Download-Dateien, etwa CD-Images, stückweise über mehrere Teilnehmer (Peers) im Netzwerk. Die Peers wiederum tauschen diese Dateischnipsel untereinander aus. Dadurch wird die Quelle, etwa der Web-Server einer beliebten Linux-Distribution, entlastet. Die Teilnehmer an diesem verteilten Download profitieren von der kürzeren Ladezeit.

Abb. 2: Die Preview-Version zeigt es bereits: Kommende Opera-Browser ermöglichen den Download per Bittorrent direkt aus dem Browser-Fenster.

Wikipedia setzt Belohnungen aus

Friedensnobelpreisträger, Reggae und Cybersquatting: Das sind nur einige Schlagwörter, zu denen sich Benutzer der deutschen Wikipedia umfangreiche und gut gemachte Artikel wünschen. Im Rahmen einer neuen Aktion stellen sie Autoren mit ausreichend Wissen und Zeit kleine Belohnungen als Anerkennung in Aussicht.

Unter http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Kopfgeld findet sich eine ständig aktualisierte Liste der gewünschten Themen. Als kleines Dankeschön für Artikel, die die Bewertung "exzellent" oder "lesenswert" erhalten, gibt es meist Bücher, CDs oder Freigetränke auf einem Wikipedia-Treffen. Auch Übersetzungen aus fremdsprachigen Versionen der freien Enzyklopädie stehen auf der Wunschliste.

Freie Windows-Tools und Ubuntu Live

TheOpenCD ist eine Auswahl von Open-Source-Software für Windows auf CD. Damit möchte das gleichnamige Projekt Microsoft-Benutzern freie Programme wie OpenOffice, Gimp oder die Browser des Mozilla-Projekts näherbringen.

Die Version 3.0, die Mitte Juli erschien, enthält erstmals auch ein Linux-Live-System zum Ausprobieren. Das System basiert auf dem aktuellen Ubuntu 5.04 (Codename Hoary Hedgehog), enthält allerdings weniger Pakete als die Standard-Distribution, um Platz für die anderen Inhalte zu schaffen. Das Image steht unter http://www.theopencd.org zum Download bereit.

Sponsor hinter TheOpenCD ist Canonical Ltd., die Firma des Open-Source-Mäzens Mark Shuttleworth, der auch Ubuntu Linux aus der Taufe hob. Canonical fördert außerdem den internationalen Software Freedom Day (http://softwarefreedomday.org), bei dem am 10. September 2005 weltweit unter anderem tausende Exemplare von TheOpenCD verteilt werden.

Abb. 3: Der südafrikanische Mäzen Mark Shuttleworth bringt mit TheOpenCD und Ubuntu Linux freie Software unter die Leute.

Software-Patente vorerst vom Tisch

Die geplante europäische Richtlinie zur Patentierung so genannter computer-implementierter Erfindungen ist vorerst vom Tisch. Das EU-Parlament lehnte den Vorschlag des Ministerrats am 6. Juli mit überwältigender Mehrheit ab: 648 von 680 anwesenden Abgeordneten stimmten gegen den Entwurf. Nach der Einschätzung zahlreicher Kritiker hätte sie Patente auf reine Computer-Programme ermöglicht und damit die Open-Source-Community vor enorme rechtliche Probleme gestellt.

Gegner und Befürworter der umstrittenen Richtlinie hatten sich in den vergangenen Monaten eine regelrechte Lobby-Schlacht um die Gunst der EU-Abgeordneten geliefert und das Thema Software-Patente bis in Tageszeitungen wie das Wall Street Journal und die Süddeutsche Zeitung getragen.

Die Auseinandersetzung rüttelte die Open-Source-Gemeinde auf: Selbst der als unpolitisch geltende Linus Torvalds nutzte seine öffentlichen Auftritte, um auf die Gefahren von Software-Patenten hinzuweisen.

Abb. 4: Am 6. Juli lehnte das Straßburger EU-Parlament den Entwurf der europäischen Patentrichtline ab.

Einfacher Zugang zum Computer

Die Initiative Linaccess (http://www.linaccess.org) setzt sich dafür ein, aus dem Betriebssystem Linux auch für Behinderte eine interessante Alternative zu machen. Das Projekt präsentierte seine Ergebnisse erstmals auf dem LinuxTag 2005 und stellte dort freie Software für behinderte Benutzer vor.

Mit an Bord sind Klaus Knopper, Mitglieder des KDE-Accessibility-Teams und Marco Skambraks, der mit Suse Blinux ein wichtiges Programm für Braillezeilen unter Linux geschaffen hat. Linaccess versteht sich als zentrale Anlaufstelle für alle, die sich über barrierefreie Software informieren möchten.

Daneben beteiligt sich Linaccess auch an der Software-Entwicklung mit dem Ziel, unter anderem eine deutsche Stimme für das Text-to-Speech-System Festival zu schaffen: Das Programm liest dem Computer-Benutzer Texte vor. Ebenfalls in Arbeit befindet sich Linaccess-Knoppix: Das auf die Bedürfnisse behinderter User zugeschnitte Live-System unterstützt alle wichtigen Hilfstechnologien bereits out of the box. (Andreas Bohle, Mathias Huber/agr)

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