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Erschienen in EasyLinux 09/2005   »   Ausgabe bestellen

Neue Themes für KDE

Kleider machen Leute

von Sebastian Holler


Bevorzugen Sie es bunt und verspielt oder gefällt Ihnen eher ein schlichtes, edles Outfit? KDE bietet beides, und in diesem Artikel werfen wir einen Blick in den Desktop-Kleiderschrank der grafischen Oberfläche.

Individualität ist "in", auch am PC. Das fängt beim Case-Modding, der phantasievollen Gestaltung der eher tristen PC-Gehäuse, an und hört bei der Suche nach der "besten" Linux-Distribution längst nicht auf.

Auch dem Linux-Desktop verpassen Sie mit wenig Aufwand eine persönliche Note: KDE bietet dem Nutzer viele Optionen, das Look & Feel der Arbeitsumgebung zu beeinflussen. Dabei sind Sie nicht nur auf die Handvoll Themes angewiesen, die Ihre Distribution mitliefert. Unterteilt in 24 Rubriken, finden Sie unter http://www.kde-look.org eine breite Palette an zusätzlichen Gestaltungsmöglichkeiten. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie sich durch den Austausch einiger Desktop-Elemente eine individuelle Arbeitsumgebung zusammenstellen. Zunächst geht es auf Shopping Tour im Netz, wobei Sie unser Einkaufsführer zu den attraktivsten Angeboten der KDE-Look-Seite führt. Der zweite Teil dieses Artikels erklärt, wie Sie die heruntergeladenen Desktop-Verschönerungen installieren und KDE damit aufpolieren.

Zusätzliche Design-Anregungen erhalten Sie über die Abbildungen dieses Artikels. In den Bildunterschriften finden Sie in Klammern die Namen der Themes, über die Sie diese auf der KDE-Look-Homepage finden. Besonders Eilige greifen zur Heft-CD, die einige der im Artikel vorgestellten Desktop-Goodies enthält.

Navigationshilfe

Mit ein wenig Englischkenntnissen finden Sie sich auf der KDE-Look-Seite schnell zurecht: Am linken Rand erreichen Sie in der Spalte Content eine Übersicht der einzelnen Design-Elemente (Abbildung 1). Markieren Sie eines davon, listet die Seite im mittleren Bereich alle Elemente der Kategorie mit einem Vorschaubild auf. Für mehr Übersicht sorgen dabei vier Sortierkriterien:

Erstreckt sich die Menge an Einträgen über mehrere Seiten, blättern Sie über die Links unten im Browser-Fenster zwischen den Seiten hin und her. Wenn Sie bereits den Namen des von Ihnen gesuchten Themes kennen, ist das Eingabefeld mit der Schaltfläche Search (Suchen) in der rechten Fensterhälfte der schnellste Weg zum Ziel.

Abb. 1: Auf der KDE-Look-Web-Seite findet sich alles, was Sie zum Verschönern des Desktops benötigen (Fensterdekoration: "Active Heart"; Icons: "Noia").

Hintergründiges

Der größte Blickfang auf dem Desktop ist zweifellos das Hintergrundbild. Die Kategorie Wallpapers bietet eine reichhaltige Auswahl an Motiven aller Art. Um nur Grafiken in der passenden Größe zu finden, schränken Sie die Anzeige auf Bilder ein, deren Größe der von Ihnen verwendeten Bildschirmauflösung entspricht. Gefällt Ihnen eines der Vorschaubilder, wählen Sie den Eintrag per Mausklick aus. Haben Sie sich so für ein Motiv entschieden, erscheint im folgenden Fenster neben dem Beschreibungstext und den Nutzerkommentaren ein eher unauffälliger Download-Link (Abbildung 2). In der Regel führt dieser zu einer ungepackten Grafikdatei, die der Konqueror darstellt. Wählen Sie Speichern unter aus dem Menü, um den neuen Hintergrund zu speichern. Einige der Desktop-Tapeten kommen als Vektorgrafik mit der Dateiendung .svg daher. Dieses Format kann der KDE-Desktop jedoch erst ab Version 3.4 als Hintergrundbild einbinden.

Um den neuen Hintergrund auf den Desktop zu bannen, müssen Sie nicht das KDE-Kontrollzentrum öffnen: Navigieren Sie im Konqueror einfach in den Speicherordner und ziehen Sie die Datei auf eine freie Stelle des Desktops. Nach der Auswahl von Als Hintergrundbild verwenden aus dem aufklappenden Menü sind die Tapezierarbeiten erledigt.

Abb. 2: Über die Download-Schaltfläche befördern Sie neue Hintergrundbilder auf die heimische Festplatte.

Stilecht

Damit die anderen Desktop-Elemente zum Hintergrund passen, suchen Sie unter Themes / Styles eine passende Fensterdekoration aus. Wählen Sie dort das Untermenü KDE 3.2 +, da alle von uns unterstützten Distributionen den KDE-Desktop in Version 3.3 oder 3.4 enthalten.

Eine Fensterdekoration umfasst die Elemente Buttons, Laufleiste, Anfasser und Fensterleiste. Ganz so einfach wie bei den Hintergrundbildern fällt die Wahl jedoch nicht: Die meisten Themes liegen als TAR-Archiv im Quellcode vor. Für einen Linux-Einsteiger empfiehlt sich das Selbstkompilieren in den meisten Fällen nicht, da die Distributionen die dazu nötigen Werkzeuge standardmäßig nicht installieren. Beschränken Sie sich daher auf jene Stile, für die Sie bereits ein fertiges RPM-Paket für Ihre Distribution finden.

Gibt es von einem Stil nur Pakete für Suse Linux 9.2, können Sie diese zumeist auch für Version 9.3 der Distribution verwenden. Auch der Versuch, Pakete für Mandrake Linux 10.1 unter Version 10.2 einzuspielen, gelingt in den meisten Fällen. Aber selbst wenn ein Theme noch so schön ist, sollten Sie die Finger von RPM-Paketen für eine Distribution lassen, die Sie nicht verwenden: So speichern Suse und Mandrake Linux die Dateien des KDE-Desktops in unterschiedlichen Verzeichnissen (Mandrake Linux unterhalb von /usr, Suse Linux im Ordner /opt/kde3). Manchmal gelingt die Installation eines solchen Fremdpakets zwar trotzdem, doch KDE findet später die Dateien im Speicherordner der anderen Distribution nicht ohne Weiteres.

Ob es für einen Stil Pakete gibt, erkennen Sie oft schon am Namen eines Eintrags (Abbildung 3). Ist das einmal nicht der Fall, befinden sich auf Seite des Stils mehrere Download-Links, hinter denen Sie das Paketformat ablesen. Die RPM-Pakete von der Heft-CD installieren Sie bequem über das Paketverwaltungswerkzeug Ihrer Distribution. Ist das erledigt, müssen Sie sich unter Umständen einmal ab- und wieder anmelden, damit der Fensterschmuck im KDE-Kontrollzentrum unter Erscheinungsbild / Fensterdekorationen auftaucht.

Abb. 3: Für viele der Fensterdekorationen stehen fertige RPM-Pakete zur Verfügung.

Wenn Sie beim Einbinden des neuen Fensterstils den Eintrag Design-Verwaltung entdecken, werfen Sie einen Blick auf die Zukunft von KDE. Dieser Menüpunkt soll in kommenden Versionen die Integration kompletter Themes vereinfachen. Ein solches umfasst dabei den Hintergrund, Icons und die passende Fensterdekoration inklusive Farbschema. Bislang ist es nur möglich, über die KDE-Look-Seite unter Themes / Styles / Theme Manager Dateien mit der Endung .kth herunterzuladen. Diese Beschreibungsdatei listet alle Elemente eines Themes auf, wobei Sie derzeit noch alle Elemente vorher manuell installieren müssen.

Symbole und Farben

Mit einem individuellen Icon Set sorgen Sie zusätzlich für eine persönliche Note. Der Artikel ab Seite 23 erklärt Schritt für Schritt, wie Sie neue Symbole installieren. Die Sammlungen auf der KDE-Look-Seite kommen zumeist als komprimiertes Archiv daher. Es gibt sowohl Icon Sets, die nur Icons für ein bestimmtes Programm enthalten, als auch vollständige Kollektionen, die nahezu alle KDE-Standardsymbole ersetzen. Als Beispiel sehen Sie in Abbildung 4 die FairytaleWorld-Icons, die Sie auch auf der Heft-CD finden.

Abb. 4: Bei den "FairytaleWorld"-Icons handelt es sich um ein komplettes KDE-Icon-Set.

Auch bei der Farbwahl sind Sie nicht von den mitgelieferten Schemata Ihrer Distribution abhängig. Die Einträge der KDE-Look-Rubrik Color-Schemes führen zu Dateien mit der Endung .kcsrc. Laden Sie eine davon herunter und speichern Sie diese in einem beliebigen Ordner. Die Integration in den Desktop erledigen Sie später im KDE-Kontrollzentrum.

Spritzige Fenster

Bei einem Splash Screen handelt es sich um ein rahmenloses Fenster, das während des Programmstarts eingeblendet und nach dessen Abschluss wieder ausgeblendet wird. Nicht nur KDE, sondern auch viele andere Programme, wie beispielsweise OpenOffice oder K3b, zeigen einen solchen Startbildschirm. Entsprechend heterogen fällt auch die Auswahl auf der KDE-Look-Seite aus. Name und Begleittext eines jeden Themes verraten, für welche Anwendung es konzipiert wurde.

Wir beschränken uns im Folgenden auf den KDE-Startbildschirm, den Sie später bequem über das Kontrollzentrum anpassen (Abbldung 5). Einige der Themes benötigen ein zusätzliches Programm, wie z. B. die Moodin-Engine, welche es nur im Quelltext gibt. Die meisten Einträge enthalten jedoch ein fertiges TAR-Archiv und lassen sich auch von Linux-Einsteigern leicht in KDE einbinden.

Abb. 5: Perfekt abgestimmt: Desktop-Stil und Splash Screen im Metallic-Look (Theme: "Metal4kde"; Icons: "black and white").

Auf den Schirm

Haben Sie Ihre Wunschkomponenten heruntergeladen und die RPM-Pakete erfolgreich installiert, geht es an die Einbindung in den Desktop. Dies erledigen Sie im KDE-Kontrollzentrum unter der Rubrik Erscheinungsbild. Unter Mandrake Linux erreichen Sie das KDE-Kontrollzentrum über den Eintrag System / Einstellungen / Die Arbeitsumgebung konfigurieren des K-Menüs. Außerdem heißt dort der richtige Abschnitt nicht Erscheinungsbild, sondern Look&Feel.

Die neuen Fensterdekorationen, deren RPM-Pakete Sie installiert haben, finden Sie im Drop-down-Menü des entsprechenden Abschnitts. Wählen Sie dort das gewünschte Theme, etwa Active Heart, aus und klicken Sie auf Anwenden, um Ihren Fenstern ein neues Gewand zu verpassen. Gleiches gilt für die neu hinzugekommenen Auswahlmöglichkeiten unter Stil. Haben Sie dort einen Eintrag ausgewählt, aktiviert KDE bei einigen die Schaltfläche Einrichten. Darüber nehmen Sie Theme-spezifischen Einstellungen vor: Einige Stile bieten beispielsweise die Option, die Farben der Bedienelemente frei zu wählen.

Um die neuen Farbschemata zu verwenden, klicken Sie im Dialog Erscheinungsbild / Farben im Kontrollzentrum auf Schema importieren und markieren die heruntergeladene Datei mit der Endung .kcsrc. Danach bietet KDE es in der Liste Farbschema zur Auswahl an. Sobald Sie es markieren, sehen Sie im oberen Fensterbereich eine Vorschau, ein Klick auf Anwenden gestaltet den gesamten Desktop um.

Falls keines der Farbschemata 100%ig Ihren Geschmack trifft, passen Sie einfach eines an Ihre Wünsche an. Wählen Sie dazu nacheinander alle Bedienelemente aus dem Vorschaufenster aus und legen Sie mit einem Klick auf die Farbauswahl unterhalb des Elementmenüs den Farbton fest (Abbildung 6). Speichern Sie anschließend das Ergebnis über den Button Schema speichern als kcsrc-Datei ab.

Abb. 6: Im Kontrollzentrum lässt sich jedes Bedienelement auch manuell farblich gestalten.

Die Desktop-Tapete ist ebenso schnell ausgewechselt: Haben Sie nicht den oben beschriebenen Weg über Drag & Drop gewählt, sind Sie im Abschnitt Hintergrund des Kontrollzentrums genau richtig. Entscheiden Sie sich dort für Bild und integrieren Sie die heruntergeladene Grafik über die Schaltfläche rechts neben dem Drop-down-Menü. Weicht die Auflösung Ihres Hintergrundbilds von der Ihres Bildschirms ab, bietet sich eine skalierte Darstellung an, die Sie in der Auswahlbox Position einstellen.

Nutzern von KDE 3.4 steht zum Download der Hintergrundbilder per Web Browser noch eine bequemere Alternative zur Verfügung: Mit einem Klick auf den Button Neue Hintergrundbilder herunterladen öffnen Sie ein weiteres Fenster, in dem, eine bestehende Internetverbindung vorausgesetzt, alle Einträge von http://www.kde-look.org aufgelistet sind. Treffen Sie anhand der Screenshots Ihre Wahl und bestätigen Sie diese mit einem Klick auf Installieren und einem anschließenden OK. Damit das Bild die Arbeitsoberfläche verschönert, markieren Sie es im Drop-down-Menü und klicken auf Anwenden.

Noch einfacher ändern Sie den Startbildschirm. Über die Schaltfläche Hinzufügen laden Sie den neuen Splash Screen in die Auswahlliste. Markieren Sie dabei direkt das heruntergeladene TAR-Archiv, ohne es vorher auszupacken. Mit dem Test-Knopf können Sie anschließend den KDE-Neustart simulieren und dabei den Startbildschirm bewundern.

Auch die Symbole liegen als gepackte Archive vor, die Sie ohne vorheriges Auspacken über den Button Neues Design installieren in die Auswahlliste aufnehmen. Wundern Sie sich nicht, dass Sie zunächst ein buntes Gemisch von Icons sehen: Die Änderung der Icons wirkt sich nur auf neu gestartete Programme aus.

Noch mehr?

Wir konnten Ihnen hier natürlich nur einen kleinen Ausschnitt aus dem reichhaltigen Fundus von KDE-Look vorstellen. Werfen Sie doch auch mal einen Blick in die anderen Rubriken, wie z. B. X11 Mouse Themes oder KDM Themes. Dort finden Sie neue Mauszeiger und optisch aufgepeppte Anmeldebildschirme. Es gibt auf der KDE-Look-Seite noch Vieles zu entdecken, und täglich kommen neue Einträge hinzu (Abbildung 7). (amü)

Abb. 7: Spiel mit mir -- Suse Linux 9.2 im Comix-Look (Theme: "Comix"; Icons: "Gartoon"; Bild: "summeros.png").

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