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von Achim Leitner
Wenn Sie Ihre Dateien vor fremdem Zugriff schützen wollen, setzen Sie als Erstes die Zugriffsrechte [1]. Wer sich ordentlich am System anmeldet, erhält ausschließlich in die Dokumente Einblick, die ihm ein Leserecht gewähren -- dass das auch sicher funktioniert, dafür sorgt der Linux-Kernel. Nur: Wenn nicht das gewünschte Linux läuft, dann gibt es niemanden, der die Rechte durchsetzt. Die Zugriffsrechte verlieren ihre Wirksamkeit.
Diese Situation ist gar nicht so ungewöhnlich: Eine Knoppix-CD genügt. Einfach dieses System booten, die lokale Festplatte einbinden, und schon hat der Benutzer Zugriff auf jede Datei. In vielen Firmen sind aus diesem Grund Floppy- und CD-Laufwerk verschlossen oder wenigstens im Rechner-BIOS das Booten von Compact Disc, Diskette und USB-Stick untersagt. BIOS-Passwörter lassen sich aber vergleichsweise leicht knacken oder umgehen, um diese Restriktion auszuhebeln. Schlimmer noch: Wer die Festplatte ausbaut, kann sie in Ruhe in einen anderen PC schrauben und dort den Inhalt durchstöbern.
Vermeidbar ist diese ungewollte Offenheit nur mit starker Kryptographie. Selbst wenn ein Unbefugter eine verschlüsselte Datei liest, versteht er den chiffrierten Inhalt nicht. Nur die entschlüsselte Klartextvariante gibt ihre Geheimnisse preis. Wollen Sie sich vor Datendieben wirksam schützen, dann gelingt das nur mit Verschlüsselung. Die erste Entscheidung, die Sie treffen müssen, ist: Möchten Sie nur eine einzelne Datei verschlüsseln -- beispielsweise mit GnuPG [4] -- oder ein ganzes Dateisystem, eine komplette Partition [5]. Beide Varianten weisen eigene Vorteile auf.
Für die Einzelverschlüsselung spricht, dass sie ohne Eingriff in das System funktioniert. Sie brauchen keine Administratorrechte (Root), sondern legen als normaler Systembenutzer los. Die chiffrierte Datei ist problemlos kopierbar und per E-Mail zu versenden, ohne dass ihr Schutz darunter leidet. Bei einer größeren Menge an Dateien gerät das Verfahren allerdings zur Sisyphusarbeit. Zudem gibt es Sicherheitsprobleme:
Befinden sich das Home-Verzeichnis sowie die Verzeichnisse mit temporären Daten auf einer verschlüsselten Partition, gelangen keine Klartextversionen Ihrer schützenswerten Daten auf die Festplatte [5]. Der Kernel kümmert sich bei jeder Schreib- und Leseoperation darum, die Daten zu ver- oder entschlüsseln. Auf der Festplatte liegen immer nur chiffrierte Daten.
Beim Verschlüsseln eines ganzen Verzeichnisbaums haben Sie noch eine weitere Wahlmöglichkeit: Er kann als echte Partition auf der Festplatte liegen oder in einer gewöhnlichen Datei stecken, die sich als Partition ausgibt. Dieses so genannte Loopback-Verfahren spart Partitionen auf der Platte, ist dafür etwas unübersichtlicher. Statt der echten Plattenpartition landen die verschlüsselten Daten in einer Datei, die wie jede andere Datei in einem Dateisystem in einer Partition liegt -- auf den ersten Blick verwirrend, aber doch praktisch.
Eine Einschränkung sei aber noch genannt: Nicht jeder Bereich im Verzeichnisbaum taugt für Verschlüsselung. Der Münchhausentrick -- sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen -- scheitert in der Realität: Da der Kernel den Dateisysteminhalt ver- und entschlüsselt, muss der Kernel bereits geladen sein, bevor Zugriffe auf die Dateien gelingen. Er kann folglich nicht selbst in einem Krypto-Bereich liegen. Das Wurzelverzeichnis / ist tabu, /usr und /boot ebenfalls.
Egal ob einzelne Datei oder ganzes Filesystem -- bei beiden Techniken schützen Sie den Inhalt mit einem Schlüssel, den die Software aus einer Passphrase generiert. Dabei handelt es sich um ein Passwort, das beliebig lang ausfallen darf und nichts mit Ihrem normalen Benutzerkennwort zu tun hat. Die Passphrase sollten Sie möglichst zufällig wählen, so dass sie niemand erraten kann. Aber Vorsicht: Wenn Sie die Passphrase vergessen, sind Ihre Daten verloren. Der Schutz hält nicht nur Cracker erfolgreich ab, sondern im Ernstfall den rechtmäßigen Besitzer ebenso konsequent.
Eine Hintertür gibt es nicht. Es empfiehlt sich eventuell, die Passphrase entgegen allen Regeln doch zu notieren und den Zettel in einem Schließfach zu deponieren. Oft ist der Schaden größer, wenn die Datei nicht mehr lesbar ist, weil der Schlüssel (Passphrase) fehlt, als wenn sich ein Fremder unberechtigt Zugriff verschafft. Hier gilt es im Einzelfall gut abzuwägen.
Wollen Sie nur eine einzelne Datei verschlüsseln, können Sie dafür das KGpg-Programm verwenden. Dieses Tool dient als grafische Oberfläche für die komplexe Verschlüsselungssoftware GPG (GNU Privacy Guard) [4] und hat daher sehr viele Funktionen, die Sie für eine einfache Dateiverschlüsselung gar nicht brauchen. Unter Mandrake Linux 10.2 ist das Programm nicht installiert; Sie können das Paket aber von der Heft-CD aufspielen. Dort finden Sie auch eine Installationsanleitung.
KGpg versteckt sich im Mandrake-Startmenü unter System / Einstellungen / Sonstiges / KGpg. Suse Linux bringt das Programm in der Standardinstallation bereits auf die Festplatte. Hier ist es im Startmenü über Dienstprogramme / KGpg zu erreichen.
Beim ersten Aufruf erscheint ein Assistent, der an allen Stellen bereits sinnvolle Einträge vorschlägt. Klicken Sie einfach auf Weiter, bis der Assistent seine Arbeit erledigt hat. Danach öffnet sich die Schlüsselverwaltung -- dieses Fenster öffnet sich auch bei jedem erneuten Aufruf von KGpg. Auch die zu Beginn laufende Schlüsselgenerierung können Sie bedenkenlos abbrechen. Danach ist nur noch das Fenster Schlüsselverwaltung geöffnet:
Wenn Sie die geheimen Daten wieder in Klartext verwandeln wollen, dann verwenden Sie ebenfalls KGpg. Folgendes klappt auch auf einem fremden Rechner, Sie können das chiffrierte File problemlos kopieren und versenden.

KGpg nistet sich nach dem ersten Aufruf übrigens im System-Tray (rechts unten in der Startleiste) ein. Wenn Sie dort auf das Schloss-Symbol klicken, öffnet sich wieder das Schlüsselverwaltungsfenster. Um das Icon im Tray loszuwerden, beenden Sie KGpg mit dem Menüpunkt Datei / Beenden, statt das Fenster über den X-Knopf zu schließen.
Wollen Sie statt einer einzelnen Datei einen ganzen Verzeichnisbaum verschlüsseln (die so genannte Loopback-Variante), klappt das unter Mandrake Linux am leichtesten mit Drakloop (Suse bringt leider nichts Vergleichbares mit). Dieses pfiffige Programm verdient das Prädikat "besonders praktisch". Es gehört zum mountloop-Paket, das leider nicht per Default installiert wird. Sie können es aber von der Mandrake-10.2-CD nachinstallieren:


Das Programm starten Sie im Startmenü über System | Archivierung / Sonstiges / DrakLoop. Um ein verschlüsseltes Dateisystem zu erzeugen, klicken Sie auf das große Plus-Symbol in der Werkzeugleiste (Hinzufügen) und geben folgende Daten an (Abbildung 2a):
Das Drakloop-Übersichtsfenster zeigt nun einen Eintrag für das neue verschlüsselte Verzeichnis (Abbildung 2b). Wenn Sie sich ausloggen, wird die Verzeichnis-Einbindung gelöst, und niemand kommt an die geschützten Daten heran. Beim nächsten Login fragt das Tool nach dem Passwort (Abbildung 2c). Wenn Sie auf Abbrechen klicken, können Sie das Einbinden des Verzeichnisses später noch nachholen: Sie starten erneut Drakloop, aktivieren im Hauptfenster (Abbildung 2b) den gewünschten Eintrag und klicken auf Einhängen.
Trotz allem Lob verdient Drakloop auch etwas Tadel: Es zwingt den Benutzer, das Verzeichnis von Hand einzutippen, statt dafür einen Dateiauswahldialog zu benutzen. Software-technisch wäre das leicht zu bewerkstelligen. Außerdem sind nachträglich keine Änderungen mehr möglich; zumindest der Status "Beim Login automatisch einbinden" wäre jederzeit veränderbar, wenn die Programmoberfläche diese Option anböte. Die anderen Parameter sind aus technischen Gründen schwerer zu verändern.
Reichlich verwirrend ist auch, dass die angegebene Datei immer im eigenen Home-Verzeichnis liegt. Selbst wenn Sie den Dateinamen mit einem Schrägstrich beginnen, was für gewöhnlich eine absolute Angabe bedeutet (vom Wurzelverzeichnis ausgehend), legt Drakloop das Verzeichnis in Ihr Home.
Bei Suse und Mandrake Linux können Sie bereits bei der Linux-Installation bestimmen, dass das System ganze Partitionen verschlüsselt. Mandrake Linux versteckt diese Option während der Partitionierung in seinem Diskdrake-Programm:
Beim nächsten Booten des Systems stellt Mandrake Linux fest, dass es ein verschlüsseltes Dateisystem einbinden soll. Es fragt daher nach dem Passwort und gibt dem Benutzer gerade einmal 15 Sekunden Zeit, mit J kundzugeben, dass er tatsächlich das Passwort eintippen will. Stimmt das Passwort, bootet Mandrake weiter wie gewohnt. Wenn nicht, setzt es den Boot-Vorgang ebenfalls fort -- ohne die verschlüsselte Partition einzubinden.
Bei Suse Linux 9.2 und 9.3 haben Sie ebenfalls schon während der Installation die Möglichkeit, verschlüsselte Partitionen anzulegen:
Ein echtes Loopback-Dateisystem, das keine Partition auf der Festplatte belegt, sondern selbst in einer einfachen Datei steckt, legen Sie im Partitionierungsprogramm über die Schaltfläche Kryptodatei / Verschlüsselte Datei erzeugen an (untere Button-Reihe). Auch hier verwirrt der Name: Die Datei ist tatsächlich verschlüsselt, sie enthält aber ein ganzes Dateisystem und ist daher nicht mit einer einzeln verschlüsselten Datei zu verwechseln, wie Sie sie beispielsweise mit KGpg anlegen.
Die Daten für das verschlüsselte Loopback-Dateisystem geben Sie im Fenster Neue Konfiguration für das Loop-Device erzeugen ein (Abbildung 6):
Nach diesen Einstellungen fragt die Software nach einem Passwort für das verschlüsselte Dateisystem. Beim nächsten Booten wartet Suse Linux -- ähnlich wie Mandrake Linux -- kurz darauf, dass der Benutzer das Passwort für die verschlüsselten Partitionen eintippt. Auch Suse wartet nur begrenzte Zeit und überspringt diesen Schritt, wenn der Benutzer nicht reagiert. Bei einer falschen Eingabe ist Suse Linux gnadenlos: Statt dem Anwender einen zweiten Versuch zu gewähren, bootet das System weiter ohne die verschlüsselte Partition einzubinden.
Wenn Ihr System bereits installiert ist, können Sie verschlüsselte Partitionen auch nachträglich aufsetzen. Über System / Einstellungen / Konfigurieren Sie Ihren Computer gelangen Sie ins Mandrake-Kontrollzentrum, wählen dort Einhängepunkte und dann das erste Icon im rechten Fenster (mit der sperrigen Bezeichnung Erstellen, löschen und verändern der Größe von Festplattenpartitionen). Damit landen Sie im Partitions-Editor Diskdrake, der sich lediglich durch seine Menüleiste von der Version während der Installation unterscheidet. In diesem Fenster können Sie zusätzliche verschlüsselte Partitionen anlegen -- das Vorgehen gleicht dem oben beschriebenen.
Bei Suse Linux gelangen Sie im laufenden Betrieb ebenfalls an das Partitionierungswerkzeug: Starten Sie YaST aus dem Startmenü über System / Yast, wählen Sie links den Bereich System und dann rechts Partitionieren. Nach der (sehr sinnvollen) Warnung, dass alle nachfolgenden Änderungen gefährlich sind, startet Festplatte vorbereiten im Expertenmodus. Die Bedienung gleicht der während der Systeminstallation.
Die Binsenweisheit, dass sich Linux um die Sicherheit der Daten und ihrer Benutzer sorgt, bestätigt sich in den umfangreichen Verschlüsselungstechniken. Egal ob Sie nur eine einzelne Datei, einen Verzeichnisbaum oder eine ganze Partition vor Dieben und anderen fremden Zugriffen schützen wollen -- für jeden Fall liefern die Distributionen ein geeignetes Programm mit. (fjl/amü)
| Infos |
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[1] Carsten Schnober, "Dateien und Rechte -- Grundlagen der Linux-Dateisysteme", EasyLinux 01/2005, S. 12.
[2] Max Werner, "Scheibenwelt -- Festplatten nachträglich an die eigenen Bedürfnisse anpassen", EasyLinux 06/2005, S. 46 [3] EasyLinux Starter Kit 9, Mandrake Linux 10.2, Mai-Juli 2005 [4] Andrea Müller, "Digitales Schlüsselbrett -- GnuPG-Frontend KGpg", EasyLinux 09/2003, S. 21 [5] Clemens Fruhwirth und Markus Schuster, "Geheime Niederschrift -- Festplattenverschlüsselung mit DM-Crypt und Cryptsetup-LUKS", Linux-Magazin 08/2005, S. 28. |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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