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von Marcel Hilzinger
Endlich haben Sie Ihre neue Multimedia-Tastatur ausgepackt und an den USB-Port angeschlossen. Siehe da -- Linux erkennt die Tastatur ohne jegliche manuelle Eingriffe. Doch neben der Freude am neuen Keyboard macht sich auch Ärger breit: Warum funktionieren bloß die Sondertasten nicht?
Die meisten neuen Tastaturen bringen Sondertasten mit, die auch unter Linux problemlos funktionieren. Allerdings weiß die grafische Oberfläche zunächst nicht, wie sie die zusätzlichen Tasten behandeln soll, und ignoriert diese schlicht. Dieser Workshop zeigt Ihnen, wie Sie das System über xev und xmodmap mit den Sondertasten bekannt machen und einzelnen Tasten mit khotkeys spezielle Befehle zuordnen.
Drücken Sie auf Ihrer Tastatur das [Ä], sendet diese dem System eine Nummer, den so genannten Keycode. Aus dieser Nummer und den Spracheinstellungen leitet das System ab, welches Zeichen Sie schreiben möchten. Besondere Tastaturtabellen (keymaps) liefern dazu die Information, zu welchem Tastaturtyp bei welcher Sprache welches Zeichen gehört. Sie finden diese Keymap-Dateien im Verzeichnis /usr/share/kbd/keymaps/i386 (für Suse Linux) respektive /usr/lib/kbd/keymaps/i386 (Mandrake Linux ). Weisen Sie das System an, eine andere Tastaturtabelle zu benutzen, schreiben Sie zum Beispiel auf einer deutschen Tastatur auch kyrillische oder arabische Buchstaben. Die meisten Tastaturtabellen berücksichtigen allerdings nur reguläre Tasten, keine Sondertasten.
Um dem System eine Sondertaste bekannt zu machen, müssen Sie zuerst deren Keycode ermitteln. Dazu eignet sich das Programm xev. Unter Suse Linux gehört es zur Standardinstallation, bei Mandrake Linux installieren Sie xev über das Paket X11R6-contrib nach.
Drücken Sie in Xev eine beliebige Taste, zeigt das Programm diverse Informationen zu dieser an, darunter auch den gesuchten Keycode (Abbildung 1). Damit Sie diese Informationen sehen, müssen Sie das Programm aus einem Terminal-Fenster starten:

Haben Sie Ihre Tabelle mit den Tasten und den zugehörigen Keycodes erstellt, machen Sie diese dem System bekannt. Dabei existieren Unterschiede zwischen der grafischen Oberfläche und dem Konsolenmodus. Die grafische Oberfläche und KDE werten nicht die anfangs erwähnten Tastaturtabellen aus, sondern benutzen ein aufwendiges System aus Symboltabellen und Zuordnungsregeln. Die entsprechenden Dateien finden Sie unter /usr/lib/X11/xkb/.
Die saubere Lösung wäre nun, für die Tastatur neue Tabellen und Regeln anzulegen und diese den Entwicklern der grafischen Oberfläche zu mailen. So könnten in Zukunft auch andere Benutzer von den Vorteilen der Sondertasten profitieren. Die dazu nötigen Schritte setzen allerdings einiges an Linux-Know-how voraus. Es existiert deshalb mit dem Befehl xmodmap auch ein einfacher Weg: Das Programm modifiziert die jeweils aktuelle Keymap -- unabhängig davon, welches Layout Sie gerade benutzen. Dazu benutzt es die Konfigurationsdatei .Xmodmap in Ihrem Home-Verzeichnis.
Nach der Standardinstallation existiert diese Datei allerdings noch nicht. Gehen Sie deshalb folgendermaßen vor:
xmodmap .Xmodmap
Den Tastennamen (Schritt 3) können Sie nicht beliebig festlegen, da dieser dem System bekannt sein muss. Welche Tastennamen Ihr System kennt, hängt von der benutzen Distribution ab. Eine Auswahlliste finden Sie in der Datei /usr/X11R6/lib/X11/XKeysymDB. Wählen Sie hier am Ende der Datei einen Eintrag aus, der mit XF86 beginnt. Die Namen und Keycodes einiger Standardsondertasten listet auch die Tabelle "Keycodes und Namen" auf.
| Keycodes und Namen | |||
| Keycode | Name | Beispiel | |
|---|---|---|---|
| 122 | XF86Explorer | Startet den Dateimanager | |
| 129 | XF86AudioMedia | Startet den Mediaplayer | |
| 130 | XF86HomePage | Springt im Dateimanager zum Home-Verzeichnis | |
| 144 | XF86AudioPrev | Springt zum vorherigen Titel | |
| 153 | XF86AudioNext | Springt zum nächsten Titel | |
| 160 | XF86AudioMute | Schaltet die Lautsprecher stumm | |
| 162 | XF86AudioPlay | Startet die Wiedergabe | |
| 164 | XF86AudioStop | Stoppt die Wiedergabe | |
| 174 | XF86AudioLowerVolume | Lautstärkeregler aufdrehen | |
| 176 | XF86AudioRaiseVolume | Lautstärkeregler herunterdrehen | |
| 236 | XF86Mail | Startet das Mailprogramm | |
Den Lohn der Arbeit mit Xev und Xmodmap erntet nun KHotKeys: Über das KDE-Programm ordnen Sie Tasten oder Tastenkombinationen Befehle zu. Um zum Beispiel über die Taste XF86AudioMedia das Programm Kaffeine zu starten, gehen Sie folgendermaßen vor:
Auf die gleiche Art legen Sie auch Befehle für die anderen Tasten fest. Möchten Sie zum Beispiel über die Taste XF86HomePage die EasyLinux-Homepage öffnen, geben Sie als Befehl einfach www.easylinux.de ein.

Theoretisch können Sie über KHotKeys auch die Lautstärke regeln. Es ist jedoch einfacher, dies im KDE-Mischpult kmix zu tun. Läuft KMix bereits, sehen Sie im Systemabschnitt des KDE-Panels ein Lautsprechersymbol. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Minibild und wählen Sie Fenster des Lautstärkereglers anzeigen. Sehen Sie in der Kontrollleiste kein entsprechendes Symbol, starten Sie KMix über [Alt-F2] und die Eingabe von kmix.
Klicken Sie nun mit der rechten Maustaste auf den Regler Master und wählen Sie Kurzbefehle festlegen. KMix öffnet ein neues Fenster mit den Einträgen Lautstärke erhöhen, Lautstärke verringern und Stummschalten ein/aus. Markieren Sie den gewünschten Eintrag und klicken Sie anschließend auf Keine, um die Sondertaste zu verknüpfen. Sie können dabei auch Tasten kombinieren, zum Beispiel Strg-Alt-XF86AudioRaiseVolume. Analog zu KMix bietet fast jedes KDE-Programm unter Einstellungen / Kurzbefehle festlegen die Möglichkeit, Sondertasten zu nutzen.
Die Lösung über die Datei .Xmodmap hat einen Haken: Sobald Sie den Computer ausschalten, vergisst das Programm die Einstellungen. Sie müssen also nach jedem Anmeldevorgang den Befehl xmodmap ~/.Xmodmap ausführen (die Tilde "~" steht für Ihr Home-Verzeichnis). Doch auch dieses Problem lösen Sie mit den Bordmitteln von KDE: Werfen Sie einen Blick auf den Ordner .kde in Ihrem persönlichen Verzeichnis, finden Sie darin den Unterordner Autostart. Dateien in diesem Verzeichnis öffnet KDE beim Start automatisch. Handelt es sich dabei um ein Skript, führt KDE dieses aus.
Sie müssen also lediglich ein Skript sondertasten.sh im Verzeichnis ~/.kde/Autostart ablegen, damit KDE den Xmodmap-Befehl für Sie ausführt:
Nach einem Klick auf OK ist das Skript fertig, und Sie können den Editor beenden. Starten Sie nun KDE neu, sind sämtliche Sondertasten einsatzbereit.(mhi)
| Autostart-Skript |
#!/bin/bash # Das Skript sondertasten.sh xmodmap ~/.Xmodmap |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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