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Know-how für die Kommandozeile
von Andrea Müller
Über Umgebungsvariablen belegen die Distributoren die Linux-Shell mit sinnvollen Voreinstellungen [1]. Ein Beispiel dafür ist die PATH-Variable, die alle Pfade enthält, in denen die Bash nach ausführbaren Programmen sucht. Das erspart es Ihnen, Anwendungen mit dem vollem Pfad aufzurufen: Programme, die in einem Ordner im PATH liegen, starten Sie einfach durch Eingabe ihres Namens.
Haben Sie den Artikel unter [1] gelesen und nun Lust bekommen, selbst einmal Umgebungsvariablen zu setzen oder zu ändern, probieren Sie das am gefahrlosesten in einer eigens dafür gestarteten Shell aus. Um in einem Konsolenfenster eine neue Shell aufzurufen, geben Sie bash ein. Dort sind dann Experimente möglich, wie die Eingabe des Befehls
unset PATH
der diese Variable löscht. Versuchen Sie danach, ein Programm mit seinem Namen zu starten, gelingt das nicht mehr (Abbildung 1), selbst wenn es installiert ist. Sie müssen dann alle Anwendungen mit Angabe des vollen Pfads starten.
Dabei gibt es zwei Ausnahmen: Alle Befehle, bei denen es sich um eingebaute Shell-Kommandos handelt, funktionieren weiterhin wie gewohnt. Ein Beispiel dafür ist echo, mit dem Sie Variablen abfragen. echo $PATH zeigt Ihnen, dass das die Variable PATH derzeit nicht gesetzt ist. Die zweite Sorte Kommandos, die Sie weiterhin nur mit dem Programmnamen aufrufen können, sind die, für die der Distributor ein Alias gesetzt hat, in dem der volle Programmpfad enthalten ist. So handelt es sich unter Suse Linux bei ls zum Auflisten des Verzeichnisinhalts um ein Alias auf /bin/ls $LS_OPTIONS. In der Alias-Definition steht bereits der volle Pfad, so dass das Kommando ls auch ohne gesetzte PATH-Variable seine Arbeit verrichtet.
Ob es sich bei einem Befehl um eine eingebaute Shell-Funktion handelt oder ob ein Alias gesetzt ist, erfahren Sie mit dem Befehl
type befehlsname
Haben Sie genug herumexperimentiert, beenden Sie die eigens dafür gestartete Shell mit der Tastenkombination [Strg-D].
Wenn Sie gelegentlich den Text-Editor vim benutzen, müssen Sie nicht mit [I] in den Einfügemodus wechseln, um dort Text mit der [Entf]-Taste zu löschen. Im Befehlsmodus bietet das Programm gleich mehrere komfortable Funktionen, Teile eines Textes zu entfernen: Falls Sie sich im Einfügemodus befinden -- Sie erkennen es an dem Text Einfügen am unteren Fensterrand -- verlassen Sie diesen mit [Esc]. Am schnellsten löschen Sie den Text der Zeile, in der sich der Cursor befindet, mit einem Druck auf [Umschalt-S]. Danach wechselt der Text-Editor automatisch wieder in den Einfügemodus. Alternativ drücken Sie zweimal auf [D]. Damit entfernen Sie nicht nur den Text, sondern die gesamte Zeile.
Um gleich mehrere Zeilen auf einmal loszuwerden, geben Sie davor die gewünschte Zeilenzahl an. Drücken Sie also zuerst [3] und danach zweimal [D], um die aktuelle und die zwei folgenden Zeilen zu löschen.
Ähnlich einfach löschen Sie einzelne Wörter: [D] [W] entfernt den Text von der Cursor-Position bis zum Anfang des nächsten Worts. Um gleich mehrere zu erwischen, geben Sie vorher wie bei den Zeilen die gewünschte Zahl ein: So entfernt [4] [D] [W] die folgenden vier Wörter.
Moderne Distributionen machen es Ihnen besonders leicht, die Titel einer Audio-CD in einem komprimierten Format wie MP3 oder Ogg-Vorbis auf die Festplatte zu kopieren. Sobald Sie eine Musik-CD einlegen und in die Adresszeile des Konquerors audiocd:/ eingeben, zeigt der Datei-Manager zumindest virtuelle Ordner für .wav- und .ogg-Dateien an. Ob Sie auch einen MP3-Ordner finden, hängt unter Suse Linux davon ab, ob Sie über das Online-Update oder unsere Heft-CD die MP3-Unterstützung nachinstalliert haben.
In diesen Ordnern zeigt der Datei-Manager alle Stücke der CD an. Sie können diese in ein Verzeichnis auf der Festplatte ziehen, wodurch der Konqueror den Titel von der CD ausliest und in das jeweilige Format umwandelt. Haben Sie mehrere Titel im Ogg-Vorbis-Format vorliegen und wollen einige davon zurück in das WAV-Format konvertieren, um sich eine eigene CD zusammenzustellen, gelingt das auf der Kommandozeile besonders schnell: Wechseln Sie in den Ordner mit den Ogg-Vorbis-Dateien und geben Sie dort
oggdec *.ogg
ein. Schon legt der Konvertierer los und wandelt ohne weitere Interaktion alle Dateien mit der Endung .ogg in das WAV-Format um und passt den Dateinamen entsprechend an (Abbildung 2). Aus dem Musikstück titel.ogg erzeugt oggdec die Datei titel.wav.
Der Datei-Manager Midnight Commander bringt über der Kurzhilfe am unteren Bildschirmrand eine eingebaute Kommandozeile mit, von der aus Sie Programme starten. Um etwa schnell den KDE-Text-Editor KWrite aufzurufen, geben Sie einfach kwrite ein und drücken [Eingabe]. Sobald Sie den Text-Editor schließen, können Sie mit mc weiterarbeiten.
Die Befehlszeile des Midnight Commander bietet ebenso wie die Linux-Shell Bash eine praktische History-Funktion, mit deren Hilfe Sie durch bereits eingegebene Befehle blättern. Das ist praktisch, wenn Sie sich Tipparbeit ersparen wollen oder sich nicht mehr genau an die Schreibweise eines Kommandos erinnern. Die Tasten [Pfeil hoch] und [Pfeil runter] führen in mc jedoch nicht zum Erfolg. Diese dienen nur dazu, in der Verzeichnisansicht zu navigieren. Um die History des Datei-Managers zu durchstöbern, drücken Sie [Alt-P] zum Zurück- und [Alt-N] zum Vorwärtsblättern. Haben Sie den Befehl, den Sie erneut ausführen möchten, gefunden, schicken Sie ihn mit einem Druck auf [Eingabe] ab.
Die Kommandozeile von mc eine praktische Abkürzung mit die es Ihnen erspart, lange Pfad- und Dateinamen einzutippsen. Mit [Strg-X], [T] fügen Sie den Namen der gerade markierten Datei an der aktuellen Position in der Kommandozeile ein. Um eine Datei in KWrite zu öffnen, markieren Sie diese, geben kwrite, gefolgt von einer Leerstelle ein und drücken [Strg-X], [T]. Wenn Sie den Befehl mit [Eingabe] abschicken, öffnet sich KWrite mit der gewünschten Datei.
Möchten Sie stattdessen den Pfad des aktuellen Ordners in die Kommandozeile einfügen, benutzen Sie die Tastenkombination [Strg-X], [P]
Haben Sie den Midnight Commander geöffnet und wollen kurz etwas in der Shell erledigen, müssen Sie den Datei-Manager weder beenden noch einen neuen Reiter in der KDE-Konsole öffnen. Mit [Strg-O] öffnet mc eine neue Shell im Terminal-Fenster, in der Sie alle Befehle eingeben. Ein erneuter Druck von [Strg-O] bringt Sie wieder zurück zu Ihrer Midnight-Commander-Sitzung.
Um schnell einen Blick in den Kalender zu werfen und herauszufinden, auf welchen Wochentag der 24. Dezember fällt, müssen Sie keinen ausgewachsenen Personal Information Manager wie KOrganizer starten. Der Befehl
cal -y
gibt einen übersichtlichen Jahreskalender im Terminal-Fenster aus. Damit das Tool den Montag und nicht den Sonntag als ersten Tag der Woche anzeigt, benutzen Sie zusätzlich den Aufrufparameter -m. Möchten Sie einen solchen Kalender ausdrucken, leiten Sie die Ausgabe des Kommandos mit dem Umleitungszeichen > in eine Datei um:
cal -y -m > kalender.txt
Die Datei ziehen Sie entweder direkt auf das Drucker-Icon auf dem Desktop oder drucken sie aus einem Text-Editor wie Kate (Abbildung 4).
Interessiert Sie der Kalender des nächsten Jahres, ist auch das kein Problem: cal gefolgt von der Jahreszahl liefert die gewünschten Informationen. So zeigt cal 2006 den Jahreskalender für 2006 an.
Um nur einen bestimmten Monat anzuzeigen, geben Sie diesen vor der Jahreszahl ein.
cal 4 2006
gibt den Kalender für April 2006 aus. So finden Sie heraus, auf welchen Wochentag der eigene Geburtstag oder andere Ereignisse fallen. (amü)
| Infos |
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[1] Artikel zur Shell-Konfiguration: Elisabeth Bauer, "Schleichwege", EasyLinux 07/2004, S. 82 ff.
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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