claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 09/2005   »   Ausgabe bestellen

Flüsterleiser Energiespar-PC mit vorinstalliertem Linux

Leisetreter

von Mirko Dölle


Wenn die Festplatte kreischt, der CPU-Lüfter dröhnt und das CD-Laufwerk zum Triebwerk mutiert, wünscht sich der Anwender meist nur Ruhe. Notebook-Komponenten ermöglichen flüsterleise und energiesparende Desktops-PCs, ohne auf Rechenleistung und Erweiterbarkeit zu verzichten.

Seit Personal Computer die Büros verlassen und den heimischen Schreibtisch erobert haben, spielen nicht mehr die Gigahertz und der Speicher, sondern auch die Betriebsgeräusche und der Energieverbrauch eines Computers eine entscheidende Rolle. Die Mobile-Pentium-Prozessoren von Intel sind hier besonders gefragt; Obwohl eigentlich nur für Notebooks entwickelt, findet die stromsparende Variante des Pentium-4-Prozessors auch in Desktop-Systemen immer mehr Verbreitung. Der Grund ist, dass sich Rechner mit geringer Abwärme sehr einfach, manchmal sogar rein passiv, kühlen lassen. Heraus kommt ein flüsterleiser, stromsparender Rechner, der trotzdem über ausreichend Rechenleistung für den alltäglichen Betrieb verfügt -- so wie der Delphin Notos Economy von Leo Computer.

Umfangreiche Ausstattung

Der rund 800 Euro teure Rechner im Mini-ATX-Desktop-Gehäuse ist mit einem A-Open-Mainboard, einem Pentium-M mit 1,7 GHz und 256 MByte RAM ausgestattet. Der Hersteller Leo Computer hat gleich drei Lüfter eingebaut: Einen mit 8 cm im Netzteil, einen 7-cm-Lüfter auf der CPU und einen 6-cm-Lüfter an der Rückwand des Gehäuses. Letzterer ist jedoch nur Zierde und nicht angeschlossen -- sollten Sie den Computer eines Tages aufrüsten und mehr Abwärme nach außen führen müssen, haben Sie zumindest schon den passenden Lüfter. Zur weiteren Geräuschverminderung hat sich Leo Computer dafür entschieden, statt einer herkömmlichen 3,5-Zoll-Festplatte für den Desktop-Bereich eine 2,5-Zoll-Notebook-Platte einzubauen. Diese hat zwar vergleichsweise lange Zugriffszeiten und niedrige Transferraten, ist dafür aber fast nicht zu hören. Auch der Stromverbrauch war mit 33 Watt im Normalbetrieb angenehm niedrig, herkömmliche Desktop-Computer genehmigen sich nicht selten 100 Watt und mehr. Lediglich die Standby-Leistung von 6 Watt ist ein wenig hoch.

Auf dem Testgerät war noch Suse Linux 9.2 Professional vorinstalliert, bei den aktuell gefertigten Serienmodellen befindet sich Suse Linux 9.3 auf der Festplatte. Die Installation umfasste nahezu alle Pakete der Distribution, lediglich der Gnome-Desktop und einige Spezialprogramme aus der Software-Entwicklung fehlten. Dank der mitgelieferten Original-Suse-Medien ist es jedoch kein Problem, den Rechner selbst noch einmal aufzusetzen oder weitere Pakete einzuspielen.

Vom Text zur Grafik

Nach dem ersten Einschalten blieb Suse Linux 9.2 an der Kommandozeile stehen und erwartete ein Login. Da kein Monitor zum Lieferumfang des Rechners gehört, weiß der Hersteller nichts über dessen maximale Auflösung und Frequenzen. Ab Werk sind moderate 1024x768 Pixel bei 60 Hz eingestellt, die wohl die meisten aktuellen Monitore verkraften -- aber eben nicht alle. Aus diesem Grund ist es sogar sinnvoll, zunächst im Textmodus zu verharren, so kann selbst mit älteren Monitoren nichts passieren.

Wollen Sie die grafische Oberfläche mit den Werkseinstellungen starten, melden Sie sich an der Kommandozeile als root an und geben das Passwort ein. Die Passworteingabe erfolgt verdeckt, damit ein Zuschauer keinen Hinweis darauf erhält, wie lang das Passwort ist. Haben Sie sich angemeldet, geben Sie den Befehl init 5 ein gefolgt von [Eingabe] -- wenige Sekunden später erscheint dann der grafische Anmeldebildschirm.

Es ist normal, dass bei jedem Aufruf von init mehrere Zeilen mit Informationen von Diensten ausgegeben werden, die gerade starten oder angehalten werden. Dies verdeckt den Kommando-Prompt. Drücken Sie, wenn keine Meldungen mehr erscheinen, einfach [Eingabe], dann erhalten Sie einen neueen Prompt, hinter dem Sie Befehle eingeben können.

Wird die grafische Oberfläche bei Ihnen nicht korrekt, schalten Sie mit [Strg]+[Alt]+[F1] wieder auf die Textoberfläche zurück, schalten den grafischen Modus mit dem Befehl init 3 wieder aus und rufen dann das Konfigurationsprogramm sax2 auf. Hier können Sie den gewünschten Grafikmodus und Ihren Monitor auswählen. War der Test erfolgreich, versuchen Sie mit init 5 erneut, die grafische Oberfläche zu starten.

Standard-Runlevel

Leo Computer hat einen Standardbenutzer namens user1 mit gleichlautendem Passwort angelegt, den Sie für die Einrichtung verwenden. Damit die grafische Oberfläche beim nächsten Start des Rechners automatisch erscheint, müssen Sie den so genannten Standard-Runlevel des Systems ändern. Mit den Runleveln lässt sich unter Linux sehr komfortabel bestimmen, welche Dienste gleichzeitig laufen oder angehalten werden. Üblicherweise wird die grafische Oberfläche nur bei Runlevel 5 gestartet, während bei Runlevel 3 nur ein Login auf den Textkonsolen laufen. Runlevel 0 fährt zum Beispiel den Rechner herunter -- wenn Sie Ihren Rechner also abschalten wollen, aktiviert Linux einfach den Runlevel 0, in dem schlicht alle Systemdienste nach und nach abgeschaltet werden. Am Ende ist nur noch der Kernel übrig, der dann den Rechner ausschaltet.

Den Standard-Runlevel verändern Sie über den Runlevel-Editor von YaST, Sie finden das Modul in der Rubrik System. Es präsentiert Ihnen zunächst den einfachen Modus, in dem Sie auswählen können, welche Dienste in welchem Runlevel gestartet oder beendet werden sollen. Sie benötigen jedoch den Expertenmodus aus Abbildung 1. Dort ist als Standard-Runlevel 3: Voller Mehrbenutzerbetrieb mit Netzwerk ausgewählt, ändern Sie dies auf 5: Voller Mehrbenutzerbetrieb mit Netzwerk und XDM und beenden Sie den Runlevel-Editor. Nach dem nächsten Neustart erwarten Sie dann automatisch die grafische Oberfläche.

Abb. 1: Den Standard-Runlevel Ihres Linux-Systems legen Sie über den Runlevel-Editor von YaST fest. Die grafische Oberfläche wird nur im Runlevel 5 gestartet, bei 3 gibt es lediglich Login-Prompts auf der Textkonsole.

Büro-PC als Heim-Computer

Die vorangegangene Anleitung, mit der Sie den Standard-Runlevel konfigurieren und den Runlevel im laufenden Betrieb wechseln, kommt auch dann zur Anwendung, wenn Sie an Stelle der Onboard-Grafik eine herkömmliche AGP-Grafikkarte nachrüsten oder die Grafikkarte später auswechseln: Mit der alten Karte ändern Sie den Standard-Runlevel auf 3, bauen die neue ein, konfigurieren die grafische Oberfläche neu und schalten dann wieder in den Runlevel 5 zurück. Für den normalen Hausgebrauch ist es jedoch nicht nötig, die Onboard-Grafik zu ersetzen: Der im Chipsatz integrierte Grafikadapter beherrscht sogar 3D-Hardware-Beschleunigung, die der Hersteller ab Werk aktiviert hatte. Erst bei leistungshungrigen Third-Person-Shootern sind größere Grafikkarten interessant.

Da der Delphin eigentlich als Büro-PC gedacht ist, hat ihn Hersteller Leo Computer mit gleich zwei Gigabit-Netzwerkschnittstellen ausgerüstet. Beide waren mit DHCP konfiguriert, was zu rund zehn Sekunden Wartezeit beim Systemstart führt, wenn einer der Ethernet-Ports nicht angeschlossen ist. Wenn Sie nur einen Netzwerkanschluss benötigen, sollten Sie entsprechend die andere abschalten. Leider gibt es keine zuverlässige Methode, vorab festzustellen, welcher der beiden Anschlüsse auf der Rückseite welcher Netzwerkschnittstelle zugeordnet ist. Als Faustregel lässt sich sagen, dass der Anschluss auf der Seite des Netzteils der erste ist und die niedrigere MAC-Adresse besitzt. Im Zweifel schalten Sie einfach den zweiten Anschluss ab und probieren, ob die Netzwerkverbindung noch funktioniert -- wenn nicht, war es der falsche.

Fazit

Auch wenn sich der Hersteller Leo Computer mit dem Silent-PC Delphin Notos Economy für rund 800 Euro hauptsächlich an Unternehmen richtet, ist der Rechner für Linux-Anwender zu Hause nicht weniger interessant. Alle wichtigen Komponenten inklusive dem 3D-beschleunigten Grafikadapter sind auf dem Mainboard integriert, so dass die drei PCI-Slots ab Werk für Erweiterungen wie TV-Karten, hochwertige Sound-Systeme oder Firewire-Schnittstellen frei bleiben.

Über den ebenfalls unbenutzten AGP-Slot können Sie sogar leistungsfähige Grafikkarten von Nvidia oder ATI nachrüsten, der eingebaute 1,7 GHz schnelle Pentium-M liefert für viele aktuelle Spiele ausreichend Leistung. Nur die geringe Festplattenkapazität von 40 GByte und der magere Speicherausbau mit 256 MByte RAM engen etwas ein, bei letzterem sollten Sie daher gleich beim Kauf auf 512 MByte RAM aufstocken. (mdö)

Leo Delphin Notos Economy
Hersteller:Leo Computer (http://www.leo-computer.de)
Prozessor:Pentium-M, 1,7 GHz
RAM:256 MByte, DDR, PC400
Grafik:Onboard, 3D-beschleunigt
Laufwerke:Festplatte 40 GByte (2,5 Zoll), DVD-ROM 16x, Diskette
Anschlüsse:1 x AGP, 3 x PCI, 2 x Gigabit-Ethernet, 4 x USB 2.0, VGA, parallel, seriell, 2 x PS/2, Mikrofon, Line, Kopfhörer
Betriebssystem:Suse Linux 9.3
Lieferumfang:Suse Linux 9.3 Professional, Anschlusskabel
Preis:ca. 800 Euro

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2017 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2007-04-05 11:16

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]