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von Carsten Schnober
Die alte Leier: Wie nehme ich meine Hardware unter Linux in Betrieb, wenn der Hersteller nur Windows-Treiber mitliefert? Auch im Falle von Funknetzwerkkarten und -USB-Sticks legen die Produzenten ihrer Hardware gewöhnlich nur für Windows und höchstens noch Apple-Computer Treiber bei. Unter Linux bleibt dann zu hoffen, dass das System sie trotzdem unterstützt. Da dies für viele Karten nicht ohne Weiteres gilt, haben findige Programmierer eine Möglichkeit entwickelt, die Windows-Treiber auch unter Linux zu benutzen und damit auch ansonsten nicht unterstützte Karten anzusprechen.
NdisWrapper [1] liest die Windows-Treiber von WLAN-Hardware ein und stellt sie Linux so zur Verfügung, dass das Betriebssystem keinen Unterschied mehr zu einem nativ von Linux unterstützten Gerät feststellt. Die umfangreiche und stetig wachsende Liste mit NdisWrapper funktionierender WLAN-Karten finden Sie unter [2]. Dort stehen zu einigen Einträgen weitere Anmerkungen, beispielsweise welcher Windows-Treiber sich am besten eignet, allerdings nur auf Englisch. Für viele Geräte finden Sie dort direkt einen Download-Link; im Regelfall verwendet NdisWrapper die für Windows XP vorgesehene Software.
Nun benötigen Sie den Windows-Treiber für Ihr WLAN-Gerät. Ihn finden Sie auf der mit der Hardware gelieferten CD oder auf der Homepage des Herstellers. Auf der CD-ROM sind die Treiberdateien meist bereits entpackt. Wenn Sie sie herunterladen, sollten Sie eine Datei mit der Endung zip bevorzugen. Selbstextrahierende Archive, deren Dateinamen auf exe enden führt Linux nicht aus. Sie lassen sich oft dennoch wie Zip-Archive entpacken, allerdings nicht immer.
Laden Sie die Windows-Software von der Hersteller-Homepage herunter, ist es außerdem wichtig, dass Sie die Treiber für Ihr Gerät sorgfältig aussuchen. Einige Hersteller produzieren gleichnamige Modelle mit verschiedenen Chip-Sätzen und unterscheiden sie lediglich durch ein Detail wie beispielsweise das Anhängsel "v2" an den Modellnamen. Die Treiber für die falsche Variante funktionieren weder unter Windows noch mit NdisWrapper.
Entpacken Sie nun das heruntergeladene Archiv an beliebiger Stelle, indem Sie es im Datei-Manager Konqueror mit der rechten Maustaste anklicken und im Menü Entpacken die Option Hier entpacken oder Entpacken nach... wählen (Abbildung 1).
Im entpackten Unterverzeichnis befinden sich die Treiber für die verschiedenen Windows-Versionen unterhalb weiterer Unterordner namens WinXP, Win2000 und anderen. In manchen Fällen legt der Hersteller diese auch unterhalb eines weiteren Verzeichnisses wie Drivers oder Release Files ab. Verwenden Sie die Treiber von der mitgelieferten CD des Herstellers, finden Sie dort eine ähnliche Verzeichnisstruktur.
Unter Suse Linux erfolgt die Installation des Windows-Treibers über die Kommandozeile.
Nun folgt die Einrichtung der WLAN-Karte über die grafischen Werkzeuge von Suse Linux.
Unter Mandrake Linux installieren Sie die Windows-Treiber mit NdisWrapper in der Netzwerkkonfiguration.
Die weitere WLAN-Konfiguration nehmen Sie über Wireless Verbindung ebenfalls im Punkt Netzwerk & Internet des Kontrollzentrums vor. Unter Verfügbare Netzwerke sehen Sie alle Netzwerke im Empfangsbereich. Indem Sie einen Eintrag markieren und auf Hinzufügen klicken, übernehmen Sie das entsprechende Netz in den Bereich Bekannte Netzwerke. Ein Klick auf Verbinden startet einen Login-Versuch (Abbildung 3).
Alle Linux-Distributionen liefern SMP-Kernel für Rechner mit mehreren Prozessoren mit, mit denen NdisWrapper allerdings nicht funktioniert. Diese Kernel kommen außerdem bei Pentium-4-PCs mit Hyperthreading-Technologie, zu erkennen am Zusatz HT in der Prozessorbeschreibung, zum Einsatz. Auch AMD-64-Rechner verwenden ähnliche Technologien Hyperthreading-Technologien. In beiden Fällen installieren sowohl Suse als auch Mandrake Linux bei der Standardinstallation die SMP-Kernel.
Die einzige Möglichkeit, NdisWrapper mit solchen Systemen zu benutzen, besteht in der Installation des Standard-Kernels. Ein SMP-Kernel bietet zwar auf entsprechenden Computern kleinere Geschwindigkeitsvorteile beispielsweise beim Kompilieren neuer Programme, im Alltagsgebrauch fallen diese jedoch nicht ins Gewicht. Ihn zu ersetzen, um die WLAN-Karte per NdisWrapper zu benutzen, lohnt sich also durchaus. Nur wenn Sie wirklich einen Rechner mit mehreren Prozessoren besitzen, bringt der SMP-Kernel deutliche Vorteile.
Sie finden heraus, ob auf Ihrem Rechner ein solcher Kernel installiert ist, indem Sie auf der Kommandozeile den Befehl uname -r eingeben. Als Ausgabe erscheint die Kernel-Version, beispielsweise 2.6.11, gefolgt von der Distributionsbezeichnung wie suse oder mdk für Mandrake. Im Falle eines SMP-Kernels steht in dieser Zeile zusätzlich smp.
Unter Suse Linux enthält auch der SMP-Kernel das NdisWrapper-Modul, obwohl es nicht funktioniert. Dadurch lässt sich eine WLAN-Karte einrichten, der Verbindungsaufbau klappt jedoch nicht. Unter Mandrake Linux enthält der SMP-Kernel das NdisWrapper-Modul gar nicht. In beiden Fällen lässt sich das NdisWrapper-Paket dennoch installieren, und danach steht auch das Kommandozeilenwerkzeug ndiswrapper zur Verfügung, funktioniert aber nicht.
Wenn Sie unter Suse Linux den Standard-Kernel nachträglich installieren, brauchen Sie den SMP-Kernel nicht zu entfernen: Beide können parallel auf der Festplatte liegen. Im Boot-Menü stehen dann ebenfalls beide zur Auswahl, als Standard wählt der Boot-Manager stets den zuletzt installierten Kernel.
Unter Mandrake Linux können sich ebenfalls mehrere Kernel gleichzeitig koexistieren. Die Standardauswahl behält der Boot-Manager jedoch auch dann bei, wenn Sie einen neuen Kernel eingerichtet haben. Deshalb empfiehlt es sich, nach der Installation des neuen Kernels den SMP-Kernel zu entfernen.
Als das NdisWrapper-Projekt startete, entbrannte in der Linux-Welt eine Diskussion, ob dieser Weg der Entwicklung nativer Treiber im Wege stehe. Die Gegner argumentieren, selbst Benutzer mit Programmierkenntnissen verwenden aus Bequemlichkeit die Windows-Treiber, statt Linux weiterzuentwickeln, so dass es die Hardware direkt unterstützt. Sie möchten sich nicht dauerhaft auf die Hersteller verlassen, wie es NdisWrapper voraussetzt. Da diese die alleinige Kontrolle über ihre Software behalten, können die Linux-Entwickler nicht nachvollziehen, wie sich diese genau verhält, und eine Instabilität des gesamten System könnte die Folge sein.
Die NdisWrapper-Befürworter dagegen sehen als wichtigstes Ziel, dass möglichst viele Geräte unter Linux funktionieren. Auf welche Weise dies geschieht, erachten sie als zweitrangig.
Inzwischen haben die Distributoren NdisWrapper so weit in ihre Systeme integriert, dass auch Laien sie verwenden können. Zwar läuft auch damit nicht jede WLAN-Hardware unter Linux, aber die beeindruckende Länge der Liste unterstützter Geräte auf der NdisWrapper-Homepage enthält wohl die meisten handelsüblichen Karten, die Linux ansonsten nicht in Betrieb nehmen kann. (csc)
| Infos |
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[1] NdisWrapper: http://ndiswrapper.sourceforge.net
[2] Von NdisWrapper unterstützte Geräte: http://ndiswrapper.sourceforge.net/mediawiki/index.php/List |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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