claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 10/2005

USB-Stick DWL-122 im WLAN-Test

Linux Unplugged

von Kristian Kißling


Der Router steht auf Empfang -- doch Ihre WLAN-Karte findet ihn nicht? Um drahtlosen Zugang unter Linux einzurichten, brauchen Sie Nerven aus Stahl. Lesen Sie, wie es trotzdem klappt.

Es gibt unter Linux nach wie vor Geräte, die selbst nach stundenlangen Versuchen jede Mitarbeit verweigern -- dazu gehören auch WLAN-Karten. Da mittlerweile viele DSL-Anbieter standardmäßig WLAN-fähige Router an die Endkunden ausliefern, ist der Wunsch nach drahtloser Datenübertragung nicht besonders ausgefallen.

Die Probleme beginnen jedoch bereits mit der Hardware. Theoretisch müssten Sie beim Kauf wissen, welchen Chipsatz eine WLAN-Karte verwendet. Das steht aber meist nicht auf der Verpackung des Produkts: Beim hier getesteten USB-Stick DWL-122 ließ selbst das Datenblatt auf der Hersteller-Web-Seite den Chipsatz unerwähnt. Vereinbaren Sie daher beim Kauf einer WLAN-Karte oder eines WLAN-USB-Sticks ein Rückgaberecht.

Ein paar grundsätzliche Informationen entlocken Sie den Geräten schon: Öffnen Sie mit [Alt-F2] das Schnellstartfenster und geben Sie konsole ein. Mit su root und Ihrem Passwort werden Sie Administrator und tippen nun tail -f /var/log/messages. Auf der Konsole erscheint das Systemprotokoll (Abbildung 1), das Sie in Form kryptischer Ausdrücke über systeminterne Vorgänge informiert -- so auch beim Anschluss neuer Hardware. Der getestete Stick verwendet als den Prism2-Chipsatz, was allerdings nur aus der Tabelle des Linux-Wlan-Projekts [1] hervor geht. Diese listet diverse WLAN-Karten auf und überprüft ihre Linux-Kompatibilität. Besitzen Sie eine WLAN-Karte oder einen WLAN-Stick einer anderen Firma, schauen Sie auf der Liste, welchen Chipsatz das Gerät verwendet. Versuchen Sie dann einmal, es auf die hier beschriebene Weise zu installieren. Prism2-Chips unterstützt Linux vergleichsweise gut, im Test soll der USB-Stick mit dem Conceptronic-Router CS4BRS4 Kontakt aufnehmen.

Abb. 1: Das Systemprotokoll zeigt Ihnen laufend Veränderungen im System an. Die Zeilen muten kryptisch an, lassen aber Rückschlüsse auf den Status des USB-Sticks zu.

Routiniert routen

Verbinden Sie den Router über ein gewöhnliches Netzwerkkabel mit der Netzwerkkarte in Ihrem Rechner und deaktivieren Sie die Sicherheitsmechanismen. Das funktioniert bei jedem Router etwas anders: Das zugehörige Handbuch verrät meist, wie Sie das Gerät konfigurieren. Schalten Sie zunächst Verschlüsselungen wie WEP und WPA aus und die Option DHCP ein. Dadurch weist der Router den angeschlossenen Clients automatisch IP-Adressen zu. Entfernen Sie zudem für die Zeit der Experimente das DSL-Kabel, damit kein Unbefugter von außen Ihre Internet-Anbindung nutzt. Stellen Sie den Authentifizierungstyp auf Open und notieren Sie alle Eigenschaften des Routers: welche ESSID er benutzt und auf welchem Kanal er sendet. Abschließend sichern Sie die Einstellungen.

Kabellos mit Suse Linux 9.2/9.3

Konfigurieren Sie jetzt den USB-WLAN-Stick. Entfernen Sie das Netzwerkkabel wieder, schließen Sie den USB-Stick an und rufen Sie über den oben beschriebenen Befehl tail das Systemprotokoll auf. Starten Sie Yast, klicken Sie auf den Reiter Sicherheit und Benutzer und wechseln Sie zur Firewall, die Sie besser abschalten, weil sie die Verbindung zum Router stört.

  1. Unter dem Reiter Netzwerkgeräte klicken Sie auf Netzwerkkarte.
  1. Wählen Sie im nächsten Fenster unter der Schrift Verfügbar sind den Eintrag Andere (nicht erkannte) und schließen Sie den Vorgang mit Konfigurieren ab.
  1. Aus dem Drop-down-Menü Gerätetyp suchen Sie drahtlos aus und wechseln dann zu Auswahl aus Liste.
  1. Es erscheinen eine Reihe von WLAN-Karten. Für den USB-Stick DWL-122 gilt der Eintrag Wireless Device, das das Kernel-Modul prism2_usb.o verwendet. Ein Klick auf OK bringt Sie ins vorherige Menü zurück.
  1. Über Weiter gelangen Sie ins nächste Dialogfeld, in dem Sie den Stick einrichten. Aktivieren Sie die Automatische Adresskonfiguration (mit DHCP), damit der DWL-122 seine IP-Adresse, die Subnetzmaske und weitere Informationen vom Router bezieht. Klicken Sie auf Hostname und Nameserver, machen Sie zwei Kreuzchen und bestätigen Sie die Wahl mit OK. Nun erhält der Stick auch diese Daten vom Router. Das Standardgateway unter Routing bleibt leer, mit einem Klick auf Weiter gelangen Sie zu den Spezialeinstellungen für Wireless-Karten (Abbildung 2).

Abb. 2: Über Yast erreichen Sie auch Optionen, die nur für Wireless-Karten gelten. Für die Kommunikation mit dem Router wählen Sie als Betriebsmodus "Verwaltet".
  1. Für die Kooperation einer WLAN-Karte mit einem Router tragen Sie als Betriebsmodus die Option Verwaltet ein. In die Zeile Netzwerkname (ESSID) kommt die ESSID des Routers, die im Test LINUX-AP lautete. Der Authentifikationsmodus ist Offen, und da der Router nun nicht mehr passwortgeschützt ist, lassen Sie das Feld Verschlüsselungs-Key leer.
  1. Zwei Klicks auf Weiter und Beenden schließen die Konfiguration des WLAN-Sticks ab.
    Beobachten Sie nun das Systemprotokoll (Abbildung 1). Steht dort Failed to retrieve NICIDENTITY, probieren Sie die Möglichkeiten aus dem Kasten Probleme mit dem DWL-122. Erscheint im Protokoll die Zeile linkstatus=CONNECTED, steht Ihr Stick in Kontakt mit dem Router. Überprüfen Sie die Verbindung, indem Sie via [Alt-F2] und konsole ein Terminal öffnen und dort ping IP eingeben, wobei IP für die IP-Adresse Ihres Routers steht. Der Rechner sendet über den USB-WLAN-Stick ein Signal an den Router und erhält im Erfolgsfall eine Rückmeldung (Abbildung 3). Steht dort nach dem Abbruch des Programms mit [Strg-C] die Rückmeldung 0% packet loss, haben alle Pakete den Router erreicht.

Abb. 3: Senden Sie einen "Ping", um zu testen, ob die Verbindung zwischen Router und WLAN-Stick steht. Beträgt der Paketverlust 0%, funktioniert die Kommunikation.

100% packet loss bedeutet, dass Sie keine Rückmeldung vom Router erhalten, lesen Sie auch in diesem Fall Kasten Probleme mit dem DWL-122. Finden Sie die Fehlerquelle nicht, posten Sie den Text, den tail -f /var/log/messages ausgibt, in einem Internet-Forum. Mitunter erhalten Sie dort wertvolle Hinweise.

Mandrake 10.2 an die Luft setzen

Die Installation des DWL-122 unter Mandrake Linux 10.2 verläuft recht einfach. Zunächst installieren Sie nach der mitgelieferten Anleitung die prism2-utils von der Heft-CD. Öffnen Sie dann mit [Alt-F2] und kdesu konqueror den Konqueror im Root-Modus, navigieren Sie ins Verzeichnis /etc und öffnen Sie mit dem Editor Kate die Datei modprobe.conf, in die Sie folgende Zeilen einfügen:

alias wlan0 prism2_usb
options prism2_usb pri\
sm2_doreset=1

Speichern Sie die Datei: Auf diese Weise konfiguriert Mandrake Linux das WLAN bei jedem Neustart automatisch. Wechseln Sie dann -- in dem Konqueror-Fenster mit Root-Rechten -- in das Verzeichnis /etc/wlan und passen Sie dort die Datei wlan.conf an. Ersetzen Sie an der Stelle WLAN_SCAN=n das n durch ein y und tragen Sie unter SSID_wlan0="" die ESSID Ihres Routers ein. Danach bearbeiten Sie die Datei wlancfg-DEFAULT. Erzeugen Sie im selben Verzeichnis eine Kopie dieser Datei, der Sie den Namen wlancfg-LINUX-AP geben, wobei Sie LINUX-AP durch die ESSID Ihres Routers ersetzen. In diese Datei kommen später die Einstellungen für die WEP-Verschlüsselung.

Für die abschließenden Einstellungen verlassen Sie die Kommandozeile und begeben sich in das K-Menü. Wählen Sie unter System den Eintrag Einstellungen und dann Den Computer konfigurieren. Geben Sie das Root-Passwort ein und wechseln Sie zum Reiter System, wo Sie die Option Aktivieren und Deaktivieren der Systemdienste aussuchen. Die vorhandenen Dienste erscheinen in einer Liste. Im unteren Bereich finden Sie den Eintragwlan, den Sie ankreuzen, um den Dienst bei jedem Systemstart neu zu laden. Durch einen Klick auf den Knopf Start aktivieren Sie das WLAN. Über OKverlassen Sie das Menü. Während Sie das Systemprotokoll beobachten, schließen Sie den Stick an. Am Symbol in der Kontrollleiste unten rechts (Abbildung 4) erkennen Sie, ob eine Verbindung etabliert ist. Andernfalls öffnen Sie mit einem Klick der rechten Maustaste auf das Symbol das Kontextmenü. Stellen Sie dort die Überwachte Schnittstelle auf Wlan0 und wählen Sie Wlan0 verbinden. Kommt keine Verbindung zustande, schließen Sie den USB-Stick einfach erneut an und warten ein paar Sekunden oder lesen den Kasten Probleme mit dem DWL-122.

Abb. 4: Über ein Symbol in der Kontrollleiste bestimmen Sie unter Mandrake Linux, mit welcher Netzwerkkarte Sie arbeiten wollen, egal ob Ethernet oder WLAN.

Mandrake Linux hat mit dem DWL-122 und seinem Prism2-Chipsatz offenbar deutlich mehr Probleme als Suse Linux.

Sicher ist sicher

Die WEP-Verschlüsselung chiffriert die Kommunikation zwischen der WLAN-Karte und dem Router -- besonders sicher ist diese Form der Verschlüsselung aber nicht (siehe Artikel "WEP-Verschlüsselung" auf S. 30). Weniger geduldigen Angreifern genügt jedoch meist, dass es eine Verschlüsselung gibt, um Abstand von einem Einbruch zu nehmen -- schließlich gibt es leichtere Ziele. Richten Sie zuerst die Verschlüsselung auf Ihrem Router ein: Dazu benötigen Sie ein WEP-Passwort. Dieses generieren Sie über die Konsole: Geben Sie einfach /sbin/nwepgen Schlüsselwort 13 ein und ersetzen Sie Schlüsselwort durch ein selbst gewähltes Codewort. Das Programm generiert vier hexadezimale Schlüssel: Schreiben Sie einen davon ab, verbinden Sie Ihren Rechner via Kabel mit dem Router und melden Sie sich an dessen Web-Oberfläche an. Die Stärke des WEP-Schlüssels legen Sie auf 128 Bit fest, den notierten Schlüssel tragen Sie -- meist ohne die Doppelpunkte -- in die Zeile des Router-Interfaces, die nach dem WEP-Passwort verlangt.

Unter Suse Linux funktioniert die WEP-Konfiguration problemlos. Rufen Sie per Yast noch einmal die Einstellungen für die drahtlose Netzwerkkarte auf (Abbildung 2) und schreiben Sie in das Feld Verschlüsselungs-Key den oben erzeugten Schlüssel hinein -- allerdings ohne die trennenden Doppelpunkte. Klicken Sie dann auf Weiter und Beenden, wird der DWL-122 neu konfiguriert. Ein Ping zum Router zeigt, ob das Passwort stimmt.

Unter Mandrake Linux 10.2 bearbeiten Sie als Root die Datei /etc/wlan/wlancfg-LINUX-AP (Abbildung 5). Setzen Sie die Einträge dot11PrivacyInvoked und PRIV_KEY128 von false auf true. Tragen Sie in die Zeilen, die den Begriff dot11WEPDefaultKey enthalten, jeweils denselben WEP-Schlüssel ein -- diesmal mit Doppelpunkten. Speichern Sie die Datei ab und melden Sie den USB-Stick am Router an. Klappt das nicht, versuchen Sie es mit den Lösungen aus dem Kasten Probleme mit dem DWL-122. Und denken Sie daran: Mitunter braucht es eben Nerven aus Stahl. (kki)

Abb. 5: Die Datei wlancfg-LINUX-AP editieren Sie, um die WEP-Verschlüsselung für die Kommunikation zwischen Router und WLAN-Stick einzurichten.
Infos:
[1] WLAN-Adapter mit Linux-Unterstützung: http://www.linux-wlan.org/docs/wlan_adapters.html.gz
[2] FAQ des Linux-WLAN-Projekts: ftp://ftp.linux-wlan.org/pub/linux-wlan-ng/FAQ

Probleme mit dem DWL-122

Während der Tests mit dem DWL-122 traten verschiedene Probleme auf, die mit unterschiedlichen Methoden gelöst wurden. Häufig sind Flüchtigkeitsfehler: eine falsch eingetragene IP-Adresse, eine aktive Firewall oder ein abgeschalteter DHCP-Server. Überprüfen Sie also minutiös und systematisch Ihre Einträge. Unter Suse Linux 9.2/9.3 wiederholen Sie entweder die Einrichtung der Netzwerkkarte oder deaktivieren die zweite Netzwerkkarte und schließen den Stick erneut an. Die Probleme unter Mandrake Linux 10.2 stammen von der fehlerhaften Prism2-Firmware. Es hilft, den Stick mehrmals abzuziehen und wieder anzuschließen. Im Test meldete Mandrake Linux den Stick manchmal als wlan1 an. Wählen Sie über das Symbol unten rechts (Abbildung 4) die Option Netzwerk konfigurieren und konfigurieren Sie wlan1 -- ohne den Reiter Wireless auszufüllen. Ein Klick auf Anwenden startet den DHCP-Client, der versucht, eine IP-Adresse zu erhalten. Wird der Stick neu angeschlossen, nimmt er Kontakt zum Router auf. Manchmal starten Browser und Konsole erst nach einem erneuten Login.

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2018 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2007-04-05 11:10

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]