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Erschienen in EasyLinux 10/2005

KDE-Tuning

KDE in Fahrt

von Thomas Hümmler


In manchen Situationen erscheint KDE recht langsam, etwa beim Starten von OpenOffice oder beim Surfen auf manchen Internet-Seiten. Wir verraten Ihnen die Tricks, mit denen Sie KDE flott machen.

Nur ein System, das schnell auf Benutzereingaben reagiert, ist ergonomisch. Vielleicht kennen Sie die Ungeduld, die einen erfasst, wenn man beim Start einer Anwendung auf die Sanduhr in der Kontrollleiste starrt und sich fragt, ob das Programm auch wirklich startet oder nicht vielleicht abgestürzt ist. Doch das muss nicht sein: Es gibt mehrere Wege, die Arbeit auf dem KDE-Desktop zu beschleunigen. Einige dieser Einstellungen erreichen Sie bequem über das Kontrollzentrum, für andere müssen Sie als Benutzer root Konfigurationsdateien bearbeiten.

Browser-Bremse lösen

Manche Internet-Seiten lädt der Konqueror trotz ISDN- oder DSL-Verbindung quälend langsam. Wenn das kein temporäres Problem ist, etwa weil der betreffende Web Server überlastet ist, kann es an einem DNS-Server liegen, der mit der neuen Version 6 des Internet-Protokolls (IPv6) nicht zurecht kommt oder diese noch gar nicht unterstützt. DNS-Server kümmern sich um die Namensauflösung im Netz, kennen also die richtige IP-Adresse einer Domain, wie etwa 62.245.157.216 für www.easylinux.de.

KDE beherrscht von Haus aus das IPv6-Protokoll. Wenn ein befragter DNS-Server damit noch nicht umgehen kann, äußerst sich das in einem stark verzögerten Seitenaufbau. Um das Problem zu beheben, deaktivieren Sie die IPv6-Unterstützung. Der beste Ort dafür ist die systemweite Konfigurationsdatei /etc/profile. Dort hinterlegte Umgebungsvariablen [1] setzt Linux automatisch, sobald sich ein Benutzer anmeldet.

Um die Datei zu bearbeiten, benötigen Sie root-Rechte.

  1. Öffnen Sie mit [Alt-F2] ein Schnellstartfenster und geben Sie dort
    kdesu kedit
    ein.
  1. Der folgende Dialog erfragt das Administratorpasswort und startet den Text-Editor KEdit [2]. Wählen Sie Datei / Öffnen und markieren Sie im Auswahldialog die Datei /etc/profile.
  1. Geben Sie am Ende der Datei in eine neue Zeile
    export KDE_NO_IPV6=true
    ein und speichern Sie die Datei (Abbildung 1).

Melden Sie sich nun neu am System an, damit die Umgebungsvariable KDE_NO_IPV6 den Wert true (wahr) erhält. KDE beachtet diese Variable und schaltet die IPv6-Unterstützung ab. Der Seitenaufbau im Konqueror erfolgt nun wesentlich flotter, und Sie müssen sich nicht fragen, ob vielleicht heimlich jemand Ihren DSL-Anschluss gegen eine Modem-Verbindung ausgetauscht hat.

Abb. 1: In der Datei "/etc/profile" deaktivieren Sie das IPv6-Protokoll für alle KDE-Anwendungen.

Flinke Alternative

Falls Ihnen ein anderer Browser wie Firefox oder Opera trotzdem schneller vorkommt, können Sie diesen statt des Konquerors zum KDE-Standard-Browser machen. Dazu starten Sie das Kontrollzentrum und wechseln in das Menü KDE-Komponenten / Komponenten-Auswahl. In der Liste auf der linken Seite klicken Sie auf Web-Browser. Geben Sie in das Eingabefeld unter Adressen (URLs) öffnen, die mit http oder https beginnen, im folgenden Browser den Befehl firefox für Mozilla Firefox oder opera für Opera ein und bestätigen Sie Ihre Wahl mit einem Klick auf Anwenden (Abbildung 2). Künftig startet bei einem Klick auf einen Link automatisch der Lieblings-Browser.

Abb. 2: Erscheint Ihnen der Konqueror zu langsam, stellen Sie im Kontrollzentrum einen anderen Standard-Browser ein.

Programme im Autostart-Ordner

Ähnlich wie Windows bringt auch der KDE-Desktop einen Autostart-Ordner mit. Sie erreichen ihn über Gehe zu / Autostart aus dem Konqueror-Menü. Der Datei-Manager wechselt daraufhin in das versteckte Verzeichnis .kde/Autostart/ in Ihrem Home-Verzeichnis. Dort hinein gehören Verknüpfungen zu Programmen, die KDE beim Anmelden starten soll.

Liegt Ihnen daran, den KDE-Start zu beschleunigen, erreichen Sie das, indem Sie nicht benötigte Programme aus dem Autostart-Ordner entfernen. Geht es Ihnen dagegen darum, dass der Desktop automatisch alle Anwendungen startet, mit denen Sie regelmäßig arbeiten, sollten Sie neue Verknüpfungen anlegen. Sie ersparen es sich so, jedes Mal dieselben Programme, wie etwa KMail und OpenOffice, über das Menü aufzurufen.

Um eine Verknüpfung im Autostart-Ordner anzulegen, wählen Sie dort Bearbeiten / Neu erstellen / Datei / Verknüpfung zu Programm aus dem Menü. Im folgenden Dialogfenster tragen Sie zunächst im Register Allgemein einen Namen für die Verknüpfung ein. Wechseln Sie dann zum Register Programme und schreiben Sie den Befehl, der die gewünschte Anwendung startet, in das Feld Name, etwa kmail für das KDE-Mail-Programm oder oowriter für die Textverarbeitung von OpenOffice.

Kennen Sie den Namen einer Anwendung nicht, erzeugen Sie die Verknüpfung einfach per Drag & Drop: Öffnen Sie das K-Menü und ziehen Sie den Programmeintrag mit gedrückter linker Maustaste in den Autostart-Ordner (Abbildung 3). KDE fragt nun, ob Sie eine Verknüpfung erzeugen wollen oder ob Sie den Eintrag aus dem Startmenü in den Autostart-Ordner kopieren möchten. Für welche der beiden Optionen Sie sich entscheiden, ist egal -- die Anwendung startet später in beiden Fällen problemlos.

Abb. 3: Mit Hilfe einer Programmverknüpfung im Autostart-Order laden Sie bereits beim Anmelden startfaule Programme in den Speicher.

Anmelde-Manager optimieren

Wenn Sie den Start von KDE beschleunigen wollen, hilft es, an ein paar Schräubchen des Anmelde-Managers KDM zu drehen [3]. Sie konfigurieren das Programm im Abschnitt Systemverwaltung / Anmeldungsmanager des Kontrollzentrums. Klicken Sie dort auf die Schaltfläche Systemverwaltungsmodus und geben Sie im folgenden Dialogfenster das root-Passwort ein. Da das, was Sie in diesem Modul ändern, für alle Benutzer des Systems gilt, hat nur der Administrator Zugang zu den KDM-Einstellungen.

Um KDE -- oder auch den Rechner -- schneller zu starten, bietet das Register Vereinfachung einige interessante Optionen an. Schalten Sie beispielsweise Automatische Anmeldung erlauben ein, können Sie aus der Liste darunter einen Benutzer wählen, den KDM dann ohne vorherige Passwort-Eingabe einloggt (Abbildung 4). Damit hat jedoch jeder Zugang zu einem bestimmten Benutzerkonto auf dem Computer, eine Überprüfung, ob auch wirklich Sie selbst vor dem Rechner sitzen, findet nicht statt. Die Option bietet sich daher nur dann an, wenn Sie Ihren Rechner alleine benutzen oder alle mit demselben Konto arbeiten sollen.

Während mit der Option Automatische Anmeldung erlauben nach dem Einschalten des Rechners KDE direkt startet, müssen Sie mit der Option Anmeldung ohne Passwort zulassen zumindest noch den Benutzernamen eingeben. Diese Option ist praktisch für Haushalte, in denen jeder seinen Desktop individuell zusammengestellt hat und auch mit dieser Oberfläche arbeiten will. Vertrauen Sie den anderen Nutzern Ihres Rechners nicht, heißt es "Finger weg" von dieser Einstellung, da sich so jeder mit Ihrem Benutzernamen anmelden kann. Welche Benutzer sich ohne Passwort anmelden dürfen, wählen Sie nach Einschalten der Option aus der Liste aus.

Die Auswahl dieser Option zeigt unter Suse Linux 9.3 keine Wirkung, da die Nürnberger Distribution mit einem angepassten Anmelde-Manager arbeitet.

In Verbindung mit Anmeldung ohne Passwort zulassen bietet sich auch die Option Ausgewählte Benutzer an. Hier entscheiden Sie, welchen Benutzer KDM vorschlägt. Die Voreinstellung ist Keine, unter Suse Linux ist dagegen die Option Voriger aktiviert. Damit schlägt KDM automatisch den zuletzt angemeldeten Nutzer vor. Damit Ihnen das Anmeldeprogramm immer denselben Anwender vorschlägt, aktivieren Sie die Option Bestimmen und wählen den gewünschten Nutzer aus.

Im Bereich Verschiedenes finden Sie die Option Nach Absturz des X Server automatisch wieder anmelden. Es mag Ihnen zwar hoffentlich nicht passieren, dass das grafische System komplett abstürzt, aber wenn es doch zum Schlimmsten kommt, beschleunigen Sie so die unvermeidliche erneute Anmeldeprozedur.

Abb. 4: Wenn Sie die Option "Automatische Anmeldung erlauben" einschalten, startet der KDE-Desktop schneller, allerdings haben so auch Fremde leicht Zugriff auf Ihre Daten.

Weitere KDM-Optionen ändern

Einige KDM-Optionen finden Sie nicht im Kontrollzentrum, sondern sie lassen sich nur über die Konfigurationsdatei des Programms, die kdmrc ändern. Die Datei liegt entweder im Ordner /etc/opt/kde3/share/config/kdm (bei Suse Linux) oder unter /etc/kde3/kdm Ihr Aufbau ähnelt dem einer INI-Datei unter Windows.

Einige der dort hinterlegten Optionen helfen Ihnen, den Systemstart zu beschleunigen. Um in der Datei kdmrc etwas zu ändern, benötigen Sie root-Rechte: Starten Sie daher den Text-Editor KEdit über ein Schnellstartfenster, in das Sie kdesu kedit eingeben und öffnen Sie die Datei kdmrc.

Im Bereich [X-*-Core] steht unter anderem die Option TerminateServer. Damit kann KDM den lokalen X-Server entweder neu starten (Einstellung TerminateServer=true) oder nur zurücksetzen (TerminateServer=false). Die KDE-Voreinstellung ist das Zurücksetzen des X-Servers, das etwas schneller geht. Suse Linux jedoch arbeitet standardmäßig mit der Option TerminateServer=true. Die Option hat Vorteile in Bezug auf die Stabilität, wenn Sie sich sehr oft unter einer anderen Benutzerkennung anmelden; doch wenn es Ihnen darum geht, Ihr System auf Leistung zu trimmen, sollten Sie die KDE-Standardeinstellung

TerminateServer=false

ausprobieren. Speichern Sie die Datei kdmrc und schließen Sie den Text-Editor. Die Änderungen gelten, sobald Sie sich neu anmelden.

Einfache Maßnahmen zum Beschleunigen

Die zuvor erwähnten Änderungen gehen zum Teil schon sehr ins Eingemachte. Es gibt aber noch einige weitere Tricks, mit denen Sie KDE Beine machen: Verzichten Sie auf Schnickschnack und nette Spielereien auf dem Desktop. So verlangsamen aufwendige grafische Animationen die Arbeit, denn diese müssen erst berechnet und dann an die Grafikkarte übermittelt werden. Steht Ihnen der Sinn also nicht nach grafischen Spielereien, schalten Sie diese im Kontrollzentrum ab (Abbildung 6).

Die wichtigste Anlaufstelle für einen Performance-Gewinn finden Sie unter Arbeitsfläche / Fenstereigenschaften. So bremst beispielsweise die Option Fensterinhalt beim Verschieben anzeigen auf dem Register Verschieben den Desktop ebenso aus wie die Animation des Fensterhebers (Registerreiter Erweitert).

Kandidaten für Verzögerungen sind auch die Einstellungen und Animationen im Menü Erscheinungsbild. Unterschiedliche und große Hintergrundbilder (Menü Erscheinungsbild / Hintergrund) verlangsamen den Wechsel zwischen den Arbeitsflächen. Auch manche Effekte, wie animierte Menüs, bremsen KDE ein wenig aus (Menü Erscheinungsbild / Design-Verwaltung / Stil, Register Effekte).

Beim Abschalten einzelner Optionen müssen Sie abwägen, inwieweit die grafischen Kleinigkeiten Ihr Arbeitsverhalten positiv beeinflussen. Mehr Geschwindigkeit erreichen Sie auf jeden Fall durch die Summe der entfernten Bremsklötze. (amü)

Abb. 6: Verzichten Sie auf grafische Spielereien, um die Arbeit mit KDE zu beschleunigen.
Infos
[1] Artikel über Umgebungsvariablen: Elisabeth Bauer, "Schleichwege", EasyLinux 07/2004, S. 82 f.
[2] KEdit-Artikel: Martin Loschwitz, "Kleiner Mann ganz groß", EasyLinux 09/2005, S. 58
[3] KDM-Artikel: Kristian Kißling, "Wart' mal kurz", EasyLinux 09/2005, S. 18

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