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von Heike Jurzik
Er ist das Multitalent unter den Playern: VLC [1] spielt nicht nur DVDs, VCDs, MPEG-1/2/4- und DivX-Dateien ab, sondern unterstützt auch diverse Audioformate wie Wav, MP3 oder Ogg/Vorbis usw. Multimedia-Streams aus dem Netz stellen für den Medienakrobaten ebenfalls kein Problem dar. Eine vollständige Übersicht aller von VLC unterstützten Formate für die verschiedenen Plattformen bietet [2].
Was VLC positiv aus der Player-Masse hervorhebt, sind die eigenen Codecs, welche ihn vom Rest des Systems unabhängig machen. So werden die Installation und der multimediale Genuss zum Kinderspiel. Auf der Heft-CD finden Sie das Programm und die zur Installation benötigten Bibliotheken für die von EasyLinux unterstützten Distributionen.
Nach dem Start begrüßt Sie das Hauptfenster -- schlicht und übersichtlich. Unter der Menüleiste finden Sie wichtige Steuerungselemente, beispielsweise um die Wiedergabe zu starten oder anzuhalten sowie Titel langsamer oder schneller abzuspielen. Über die Icons rechts neben den Navigationsknöpfen erreichen Sie die Wiedergabeliste und Lautstärkeregelung. Mehr Optionen blenden Sie auf Knopfdruck ein, indem Sie im Menü Einstellungen / Erweiterte GUI wählen. Auf drei Registerkarten bietet VLC nun erweiterte Einstellungen für Video, Equalizer und Audio an. Für Videos verändern Sie damit u. a. den Farbton, den Kontrast und die Helligkeit oder aktivieren verschiedene Effekte und Filter. Über den Reiter Equalizer passen Sie den Klang an Ihre eigenen Wünsche an. Weitere Einstellungen zur Lautstärke und zur Klangverbesserung von Kopfhörern finden Sie schließlich in der Rubrik Audio.
Gefällt Ihnen das Standard-Skin namens wxWindows nicht, ziehen Sie VLC einfach ein Mac-OS-X-artiges Gewand an. Im Menü Einstellungen / Interface wechseln / Skins 2 finden Sie einen alternativen Look für den Player (Abbildung 1). Sämtliche Menüeinträge erreichen Sie in dieser Oberfläche jedoch nur noch über das Kontextmenü der rechten Maustaste. Das Fenster der globalen Konfiguration erreichen Sie unter dem Kontextmenü-Eintrag Verschiedenes / Einstellungen...
Verschiedene Methoden stehen Ihnen zum Abspielen von Musik oder Videos zur Verfügung. Über das Menü Datei und den Menüeintrag Einfaches Datei Öffnen erreichen Sie einen Auswahldialog, in dem Sie zu Ihren Daten navigieren können. Standardmäßig startet dieser Dialog mit einer Listenansicht Ihres eigenen Home-Verzeichnisses. Informativer zeigt sich die Ansicht, wenn Sie über den zweiten Button von links die Dateien im Detailmodus anzeigen. Sollen auch versteckte Dateien und Verzeichnisse auftauchen, aktivieren Sie unten im Dialog die entsprechende Checkbox.
Alternativ ziehen Sie zum Abspielen die Datei Ihrer Wahl (z. B. aus dem Konqueror oder aus Nautilus heraus) einfach per Drag & Drop auf das VLC-Fenster. Um ganze Ordner an die Abspielliste zu übergeben, wählen Sie hingegen aus dem Menü Datei den Punkt Verzeichnis öffnen. Zum Abspielen von Wechselmedien wie CDs oder DVDs klicken Sie auf Datei / Medium öffnen.
VLC spielt die gebräuchlichsten Audioformate wie MP3, Wav und Ogg/Vorbis ohne zu Mucken ab. Unterstützte Dateien nehmen Sie über den Dateiauswahldialog oder per Drag & Drop in die Playlist auf. Auch Audio-CDs bereiten dem Alleskönner keine Probleme: Gehen Sie einfach im Menü Datei auf Medium öffnen und klicken Sie in die Checkbox vor Audio CD. Der Device-Name ist schon richtig eingestellt. Sofern Sie mit dem ersten Titel beginnen wollen, reicht ein Klick auf OK um die Wiedergabe zu starten. Alternativ wählen Sie im Feld Titel ein anderes Stück aus. Während der Wiedergabe springen Sie über die Steuerknöpfe unterhalb der Menüleiste zum nächsten oder vorherigen Lied oder wählen gezielt einen Track über den Menüpunkt Navigation / Titel aus.
Über das Menü Audio / Visualisierungen sorgen Sie darüber hinaus für entsprechende visuelle Untermalung (Abbildung 2). Ist ein Plug-in aktiviert, wechseln Sie mit [F] oder über das Menü Video in den Vollbildmodus. Zurück geht es ebenfalls über [F] oder mit der rechten Maustaste (und dort den Eintrag Vollbild im Kontextmenü).
Die Ansicht der Wiedergabeliste blenden Sie entweder über das Icon in der Werkzeugleiste oder über den Menüpunkt Ansicht / Wiedergabeliste ein (Abbildung 3). Neben Informationen über schon gespielte oder noch kommende Stücke finden Sie hier auch Möglichkeiten, die Liste zu sortieren oder zu mischen. Unerwünschte Einträge entfernen Sie, indem Sie den entsprechenden Song mit einem einfachen Mausklick markieren und dann aus dem Menü dieses Fensters Auswahl / Löschen wählen. Mehrere Lieder selektieren Sie, indem Sie entweder [Umschalt] (für einen Bereich) oder [Strg] (einzelne Stücke) gedrückt halten.
Im Menü des Wiedergabelistenfensters finden Sie drei Knöpfe, mit denen Sie die Zufallswiedergabe sowie den Wiederholmodus für eine einzelne oder alle Dateien aktivieren. Gerade bei sehr langen Playlists ist das Feld Suchen praktisch: Hier dürfen Sie in Groß- oder Kleinbuchstaben gesuchte Begriffe oder nur Teile davon eingeben. Ein Klick auf Suchen startet die Jagd; mehrmaliges Klicken zeigt eventuelle weitere Treffer an.
Abspiellisten im M3U-Format, die auch von viele andere Player unterstützen, legen Sie mit wenigen Mausklicks selbst an. Gehen Sie dazu im Wiedergabelistenfenster im Menü Datei auf den Eintrag Wiedergabeliste speichern, navigieren Sie im aufgehenden Dialogfenster in den Ordner, in dem Sie die Liste speichern möchten, geben Sie einen Dateinamen ein (Abbildung 4) und bestätigen Sie über OK. Um M3U-Dateien im Player abzuspielen, wählen Sie diese entweder als Datei im Hauptmenü aus oder binden Sie sie in eine bestehende Liste über den Menüpunkt Datei / Wiedergabeliste öffnen ein.
Reproduzierbare Abstürze auf allen Testrechnern gab es leider mit den Shoutcast-Radiolisten, die Sie im Wiedergabelistenfenster über Datei / Services-Discovery / Shoutcast-Radiolisten finden. Sobald VLC im Test versuchte, die Listen einzublenden, verabschiedete sich der Player.
Videodateien aller Art wählen Sie über den schon gezeigten Dateiauswahl-Dialog oder per Drag & Drop zum Abspielen aus. Während der Wiedergabe können Sie verschiedene Filter und Effekte einsetzen, wenn Sie das Hauptfenster über Einstellungen / Erweiterte GUI vergrößern und zum Reiter Video gehen. Die Schaltfläche Mehr Infos verrät, dass Sie sämtliche Konfigurationsmöglichkeiten der Filter im Einstellungsdialog finden. Hier gehen Sie zum Bereich Video / Filters. So können Sie beispielsweise für den Filter Bild klonen im Bereich Video / Filters / Clone die Anzahl der Klone beeinflussen und für den Verzerrungseffekt im Bereich Distortion aus dem Pull-down-Menü Welle und Kräuselung als Verzerrungsmodus auswählen. Abbildung 5 zeigt die Wiedergabe eines Videos mit insgesamt fünf Klonen.
Praktisch ist auch der Effekt Transformation -- dieser dreht das gezeigte Video einfach um 90 Grad. Gehen Sie im Einstellungsdialog in den Bereich Video / Filters / Transformation, um das angezeigte Bild nach eigenen Vorstellungen im Winkel 90, 180 oder 270 Grad zu drehen oder das Viedo horizontal oder vertikal zu spiegeln.
Weitere interessante Möglichkeiten bieten die Ausgabemodule Output Modules, welche sie unter dem Menüpunkt Einstellungen / Einstellungen / Video / finden. Aktivieren Sie die Checkbox Erweiterte Optionen, um alle Konfigurationsmöglichkeiten zu sehen. In der Grundeinstellung wählt VLC selbständig die beste Methode zur Videoausgabe. Wechseln Sie beispielsweise über die Tastenkombination [Strg-Alt-F1] zur ersten virtuellen Konsole, melden Sie sich dort am Login-Prompt an, und starten Sie die Videowiedergabe über:
vlc datei.mpg
Der Player startet nun automatisch die Ausgabe im ASCII-Modus. Zurück zur grafischen Oberfläche geht es mit [Alt-F7]. Auf der grafischen Oberfläche starten Sie die Wiedergabe als "Zeichensalat", wenn Sie aus dem Pull-down-Menü Videoausgabe-Modul auf ASCII-Kunst Videoausgabe umstellen (Abbildung 6).
Ein Hinweis vorweg: Ohne eine entsprechende Bibliothek (siehe dazu den Artikel "Film ab!" auf der Heft-CD) ist das Abspielen kopiergeschützter DVDs nicht möglich. Da der Gebrauch dieser gegen das Urheberrecht verstößt, ist sie nicht auf unserer Heft-CD enthalten. Die Darstellung unverschlüsselter Video-DVDs ist für VLC jedoch kein Problem.
Zum Abspielen gehen Sie im Menü Datei auf Medium öffnen und wählen auf dem Registerreiter Volume die Checkbox DVD (Menüs) oder DVD an. Wie bei der Wiedergabe von Audio-CDs ist auch hier der Devicename richtig gesetzt. Sie unterscheiden mit den Feldern darunter, welchen Titel bzw. Kapitel der Player startet; auch die Untertitelspur stellen Sie an dieser Stelle ein. Haben Sie sich für die Wiedergabe mit Menüs entschieden, navigieren Sie durch diese mit der Maus und nehmen beispielsweise die nötigen Einstellungen zum Abspielen der DVD vor (Abbildung 7).
Während der Wiedergabe bietet VLC über das Menü Video im Hauptfenster an, eine andere Untertitelspur zu setzen oder diese ganz zu deaktivieren. Im Bereich Navigation springen Sie zu anderen Kapiteln oder Titeln der DVD. Möchten Sie während des Abspielens auf eine andere Sprache umschalten, erreichen Sie die entsprechende Option unter Audio / Audiospur.
Radio- und Video-Streams aus dem Web bereiten VLC ebenfalls keine Probleme. Über das Menü Datei im Hauptfenster erreichen Sie die Funktion Netzwerkstream öffnen. Wählen Sie das Übertragungsprotokoll aus und geben Sie die Adresse ein. Eine lange Liste mit Web-Radios aus aller Welt finden Sie beispielsweise unter [3]. Möchten Sie sich auf den Urlaub einstimmen oder eingestaubte Sprachkenntnise auffrischen, werden Sie hier garantiert fündig (Abbildung 8).
Etwas schwieriger ist es, Video-Streams im Netz aufzutreiben. Eine Anlaufstelle finden Sie unter [4]; es ist jedoch relativ mühsam, den ganzen Links zu folgen und sich bis zu einem passablen Ergebnis durchzuklicken, welches VLC dann abspielen kann. Leichter ist es, Trailer der Lieblingsfilme über eine Suchmaschine ausfindig zu machen. Die URL des Films geben Sie einfach in den Netzwerkstream-Dialog ein, und schon flimmert die Vorschau zum neuen Kino-Highlight auf dem heimischen Computer (Abbildung 9).
VLC bietet zahlreiche Keyboard Shortcuts, mit denen Sie den Player -- ohne viele Mausklicks -- noch schneller bedienen. Über den Menüpunkt Einstellungen / Einstellungen des Hauptfensters erreichen Sie den Konfigurationsdialog. Gehen Sie dort im Bereich Interface auf Hotkeys settings, um die definierten Tastaturkürzel nachzulesen und bei Bedarf zu verändern. Zur Verfügung stehen neben einzelnen Tasten (z. B. [F] für den Vollbild-Modus) auch jeweils Kombinationen mit den Tasten [Alt], [Strg] und [Umschalt] (Abbildung 10). Falls Sie sich in diesen Einstellungen "verklickt" haben, stellen Sie VLC über den Punkt Standardwerte auf die ursprüngliche Konfiguration zurück.
VLC bringt einige Kommandozeilen-Optionen mit, die nicht nur etwas für Shell-Fans sind, sondern allen Benutzern fortgeschrittenere Anwendungsmöglichkeiten bieten. So können Sie schon direkt beim Start angeben, welche Datei das Programm abspielen soll, z. B.
vlc datei.mp3
Auch die Wiedergabe von Audio-CDs oder DVDs können Sie unter Angabe des richtigen Devices und der Track-Nummer starten. So spielt beispielsweise der Befehl
vlc cdda:///dev/cdrom@2
das zweite Stück (@2) einer Audio-CD ab.
Praktisch für die Konsolensteuerung ist das Ncurses-Interface. Mit der freien C-Bibliothek Ncurses ist eine ansprechende Darstellung in einem Text-Terminal möglich. Starten Sie dazu VLC aus einem Terminal heraus mit dem Befehl:
vlc -I ncurses
Drücken Sie [H], um eine Übersicht aller Kommandos einzublenden. Mit [Umschalt-B] öffnen Sie einen Dateidialog, in dem Sie mit den Pfeiltaste auf- und abblättern. Verzeichnisse erkennen Sie am vorangestellten Pluszeichen, einfache Dateien am Minus. Um in einen Ordner zu wechseln, navigieren Sie mit den Pfeiltasten zum entsprechenden Eintrag und drücken [Eingabe].
Etwas umständlich ist es, Songs zur Playlist hinzuzufügen, da Sie jeden Eintrag einzeln über [Eingabe] bestätigen und danach immer wieder über [Umschalt-B] in den Dateiauswahl-Dialog zurückkehren müssen. Der einfachere Weg führt über die Auswahl einer fertigen Playlist (mit der Dateiendung .m3u); auf diese Weise landen alle Songs in der Liste. Um mit der Wiedergabe zu beginnen, gehen Sie im Playlist-Fenster (zu erreichen über [Umschalt-P]) auf einen Eintrag und bestätigen über Druck auf [Eingabe]. Während des Abspielens sehen Sie auch im Ncurses-Interface einen Fortschrittsbalken und Informationen wie z. B. die aktuelle Lautstärke u. ä. (Abbildung 11).
Die wichtigsten Tasten zur Steuerung des Players finden Sie ebenfalls in der programmeigenen Hilfe, die Sie über Druck auf [H] einblenden: Mit [Q] verlassen Sie das Programm, [S] beendet die Wiedergabe, die Leertaste startet die Wiedergabe bzw. schaltet in den Pausenmodus. Über [N] und [P] geht es zum nächsten bzw. vorigen Stück in der Playlist. Auch die Lautstärke regeln Sie über die Tastatur: Mit [A] drehen Sie auf, und über [Z] stellen Sie den Player leiser. Für die Wiedergabeliste selbst gibt es ebenfalls ein paar Tasten, die Sie sich merken sollten: Mit [R] schalten Sie z. B. auf eine beliebige Reihenfolge, [Umschalt-R] wiederholt ein Stück, [O] sortiert die Liste nach Titeln und über [Umschalt-7] (den Schrägstrich) erreichen Sie die Suchfunktion. Einen Eintrag fügen Sie über [Umschalt-A] und anschließende Eingabe des Dateinamens hinzu,ein Druck auf [Entf] oder [Rückschritt] wird ihn wieder los.
VLC ist ein echter Alleskönner und präsentiert zuverlässig Musik, Videos und DVDs, wahlweise grafisch oder auf der Kommandozeile. Da der Player zusätzlich mit Radio- oder Video-Streams aus dem Netz klarkommt, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, für jeden Dateityp ein neues Programm zu starten -- die Devise heißt jetzt: Einer für alles. (tle)
| Infos |
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[1] VLC-Homepage: http://www.videolan.org/vlc/
[2] VLC-Features-Liste: http://www.videolan.org/vlc/features.html [3] Web-Radios aus aller Welt: http://www.surfmusik.de/ [4] Links zu WebTV-Angeboten: http://www.surfmusik.de/surftv.htm |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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