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von Achim Schefczyk
Sie möchten eine Dokumentation mit ansehnlichen Zeichnungen illustrieren? Es ärgert Sie, das Sie Ihre in Gimp erstellten Grafiken nicht verlustfrei in der Größe ändern können? Sie suchen ein Tool, das im Leistungspektrum an das der Windows-Programme Corel Draw, Adobe Illustrator oder Macromedia Freehand heranreicht? Wenn Sie eine dieser Fragen mit "ja" beantworten, ist Inkscape das Programm, nach dem Sie suchen. Im Artikel erfahren Sie anhand eines Beispiels, wie Sie Inkscape [1] einsetzen und welche Möglichkeiten Ihnen das Programm bietet.
| Vektor vs. Bitmap |
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Vektorgrafiken Vektorgrafiken stellen Objekte anhand von Koordinaten dar. Auf dem Zeichenblatt ist die Position des Objektes ausgehend von zwei XY-Koordinaten vermerkt, das Objekt selbst beinhaltet wiederum Informationen zur eigenen Form und Farbe. Da es sich bei der dargestellten Grafik letztendlich nur um eine visualisierte Beschreibung handelt, lässt sich diese beliebig und ohne Qualitätsverlust in Größe und Form verändern. Vektorgrafiken sind völlig unabhängig von der Auflösung und werden dadurch von jedem Ausgabegerät (Bildschirm, Drucker) verlustfrei wiedergegeben. Bitmap-Grafiken Bitmaps benutzen ein Rastersystem und stellen eine Grafik durch einzelne Punkte auf diesem Rasters dar. Jeder Punkt enthält eine eigene Farbinformation. Da das Raster aber von der gewählten Auflösung abhängt, lässt sich eine Bitmap-Grafik auch nur in der Auflösung absolut verlustfrei darstellen, in der sie erstellt wird. Das bedeutet: Wird eine Bitmap-Grafik beispielsweise vergrößert, verteilen sich die Punkte auf das neue, größere Raster. Dadurch entstehen Ausfransungen, die (wenn überhaupt) nur mit sehr viel Aufwand zu korrigieren sind. |
Inkscape (Abbildung 1) ist ein so genannter "Scalable Vector Graphics Editor". Mit ihm erstellen Sie Illustrationen und Grafiken, die Sie nach Bedarf verlustfrei verformen oder in ihrer Größe verändern. Neben SVG (Scalable Vector Graphics) dem freien, speziell für Web-Grafiken entwickelten Standard, exportiert das Programm Ihre Grafiken in die Formate eps, Postscript, pdf, png, bmp,text und tiff. Da es sich dabei um Standardformate handelt, lässt sich Inkscape sowohl für Web- als auch für Druckgrafiken beinahe universell einsetzten.
Abb. 1: Inkscape bietet eine Vielzahl von Funktionen, die sowohl dem Laien als auch dem fortgeschrittenen Anwender gerecht werden.
Beim Start erzeugt das Program eine leere Datei. Möchten Sie ein anderes als das eingestellte Standardformat verwenden, öffnen Sie den Menüpunkt Datei / neu. Dort finden Sie Vorlagen wie Din-A4, Desktop-Größen oder Standard-Banner-Bemaßungen. Bevorzugen Sie ein eigenes Format, öffnen Sie den Menüpunkt Datei / Dokumenteinstellungen. Im neuen Fenster stellen Sie etwa Vorgaben wie Größe oder Hintergrundfarbe ein.
Als Erstes machen Sie sich mit den einfachen Funktionen vertraut. Klicken Sie in der linken Objektleiste auf das blaue Viereck und ziehen Sie mit gedrückter linker Maustaste auf dem Zeichenblatt ein Rechteck auf. Testen Sie diese Funktion nun mit gedrückter [Strg]-Taste: Sie erzeugt dann ein Quadrat. Ähnlich verhält es sich beim Erstellen von Kreisen und Ellipsen.
Noch wichtiger ist die [Strg]-Taste bei bereits angelegten Objekten: Erstellen Sie ein Viereck und aktivieren Sie es, indem Sie zuerst den schwarzen Pfeil in der Objektleiste links auswählen und im Anschluss das zuvor erstellte Viereck anklicken. Die schwarzen Pfeile um das Objekt ändern beim Kontakt mit dem Mauszeiger die Farbe. Diese Pfeile können Sie nun mit dem Zeiger "anfassen" und beliebig verzerren. Bei gedrückter [Strg]-Taste stellen Sie fest, dass sich das Objekt zwar immer noch verändert, aber nur noch proportional zum letzten Zustand.
Als ersten Schritt öffnen Sie eine neue Datei, wobei die Größe dank des Vektorformates eine untergeordnete Rolle spielt.
Mit [5] schalten Sie die Ansicht auf die volle Größe des Zeichenblattes um, damit Sie die Details genauer erkennen. Das von Inkscape als "Führung" bezeichnete Hilfslinienkonzept ist in anderen Grafikprogrammen besser bekannt unter den den Namen Guide- oder Helplines bzw. Hilfslinien. Klicken Sie auf das linke Lineal und halten Sie die Maustaste gedrückt. Ziehen Sie nun die Maus nach rechts und platzieren Sie damit die Führungslinie im ersten Viertel des Dokuments. Eine weitere Führung ziehen Sie aus dem oberen Lineal in das erste Viertel des Dokuments. Gehen Sie jetzt auf Datei / Dokumenteigenschaften / Führungen und aktivieren Sie die Punkte Führungen anzeigen und Umrandungsbox an Führungen einrasten. Zusätzlich setzen Sie den Einrastabstand auf 4 PX. Führungen und deren "Einrastfunktion" sind für ein sauberes und gleichmäßiges Positionieren von Objekten hilfreich.
Nun benötigen Sie noch zwei weitere Hilfslinien für das Logo. Um diese genauer zu positionieren, bedienen Sie sich eines gängigen Tricks: Ziehen Sie ein beliebig großes Rechteck auf und drücken Sie [F1] (das aktiviert die Funktion Objekte anzeigen/verändern) -- sollte Ihr Objekt nicht aktiv sein, klicken Sie einmal darauf. Im Menü oberhalb des Dokuments geben Sie sowohl bei W(eite) als auch H(öhe) 60 ein. Das macht aus dem Rechteck ein exaktes Quadrat mit je 60 Pixel Breite und Höhe. Positionieren Sie nun die linke obere Ecke des Objekts an die zuvor angelegten Führungslinien.
Nun können Sie ganz leicht unter und rechts neben dem Viereck weitere Hilflinien platzieren. Um das möglichst präzise zu tun, vergrößern Sie den Bereich zuvor mit der Lupenfunktion. Fertig ist unser Hilflinien-Gerüst. Das Viereck löschen Sie nun wieder, indem Sie das Objekt aktivieren und [Entf] drücken. Über [5] oder einen Klick auf das Icon Seite in das Fenster einpassen kehren Sie wieder zur normalen Dokumentansicht zurück.
Nachdem Sie die Hilfslinien festgelegt haben, fehlt noch der Hintergrund des Logos. Aktivieren Sie die Funktion Kreise, Ellipsen und Bögen erstellen aus dem Werkzeugmenü links und ziehen Sie bei gedrückter [Strg]-Taste einen Kreis auf. Geben Sie wie zuvor beschrieben die exakte Größe des Objekts ein -- für unser Beispiel nehmen Sie sowohl bei W als auch H 470 Pixel. Drücken Sie [F1] und bewegen Sie die linke obere Ecke des Objekts an die äußeren beiden Führungslinien, bis es "andockt".
Nun kommt Farbe ins Spiel: Achten Sie darauf, dass der Kreis, den Sie einfärben möchten, aktiviert ist. Drücken Sie nun [Strg-Umschalt-F] oder klicken Sie auf das Icon Füllung und Linien links neben dem fettgedruckten A in der oberen Icon-Leiste, worauf sich ein neues Fenster öffnet (Abbildung 2). Wählen Sie im geöffneten Menü den Reiter Füllen, klicken Sie auf das Viereck neben dem X (für Endfarbe bzw. Vollfarbe) und -- falls nicht bereits gewählt -- auf RGB. Geben Sie nun in die ersten drei Felder jeweils 150 ein. Dies sind die Farbschlüssel der RGB-Farbskala, sie beschreiben die Intensität der Farben Rot, Grün und Blau. Die mögliche Intensität liegt zwischen 0 (Null) für nicht vorhanden und 255 für volle Farbwirkung. Die untere Angabe, den Alphakanal, versehen Sie mit dem Wert 255. Zum Test variieren Sie mit dem untersten Schieberegler Gesamt-Transparenz die Transparenz des Objekts. Da Inkscape Änderungen direkt auf das Objekt anwendet, können Sie die Veränderung sofort beobachten.
Aktivieren Sie im Anschluß den Reiter Linienfarbe und ziehen die RGB-Schieberegler ganz nach links oder geben in die drei Felder jeweils 0 (Null) ein; damit wird die den Kreis umgebende Linie schwarz. Klicken Sie danach auf den Reiter Linienstil und geben dem Objekt eine satte Umrandung, indem Sie eine Breite von 4 Pixel wählen.

Bauen Sie einen zweiten Kreis mit der Größe 360 (W und H) und setzen den Füllfarbwert auf 238 (RGB) sowie die Breite der Linie auf 0 (Null). Anschließend positionieren Sie dieses Objekt genau an der linken oberen Ecke der inneren Führungslinien, so dass Ihr zweiter Kreis genau in der Mitte des ersten liegt.
Damit Sie die beiden Objekte nicht aus Versehen verschieben oder verändern, gruppieren Sie diese. Das heißt, Sie verbinden die Objekte zu einem, wobei Sie diese Gruppierung jederzeit wieder aufheben können. Halten Sie [Umschalt] gedrückt, klicken Sie zuerst auf den äußeren Kreis und anschließend auf den inneren. Wählen Sie dann den Menüpunkt Objekt / Gruppieren, um die Objekte zu verbinden. Versuchen Sie jetzt, einen der beiden Kreise zu bewegen, werden Sie feststellen, das beide verbunden sind. Bringen Sie die Objekte -- falls sie verschoben wurden -- dann wieder in ihre ursprüngliche Position. Am einfachsten erledigen Sie das mit der Rückgängig-Funktion, die Sie entweder über den Menüpunkt Bearbeiten / Rückgängig oder das Tastenkürzel [Strg-Z] auslösen.
Aktivieren Sie nun die gruppierten Objekte und ziehen Sie eine Führungslinie genau bis zu den mittleren Pfeilen -- eine einfache Art, die Mitte eines Objekts zu ermitteln. Wählen Sie jetzt das Textwerkzeug A aus dem linken Menü und klicken Sie auf eine leere Stelle in Ihrem Dokument, worauf ein blinkender Cursor erscheint. Tippen Sie das Wort "Emsland" und aktivieren Sie den Text- und Schriftdialog A aus dem oberen Menü. Dort wählen Sie als Schriftfamilie Luxi Mono oder eine beliebige andere, falls diese auf Ihrem System nicht vorhanden ist. Als Stil wählen Sie Bold (fett) und als Schriftgröße 20. Leider fehlen Inkscape die Funktionen, um feinere Schrifteinstellungen wie die Laufweite festzulegen. Falls Ihr "Emsland" nicht in Schwarz angezeigt wird, ändern Sie das genau wie bei den Kreisen. Halten Sie das Objekt "Emsland" außerhalb der Kreisobjekte, Sie werden es später positionieren.
Jetzt brauchen Sie einen weiteren Schriftzug: Gehen Sie grundsätzlich so vor wie bei "Emsland", nur tippen Sie nun "Indians" und wählen als Schriftgröße 125. Geben Sie dem Textobjekt eine schwarze Linienbreite von 2 Pixel und klicken Sie anschließend auf den Bereich Füllen. Im vorigen Abschnitt bei den Kreisen haben Sie die Funktion Endfarbe benutzt, nun gehen Sie ein Feld weiter und klicken das Viereck Linearer Farbverlauf an. Geben Sie als erste Farbe ein mildes Orange (RGB: 242, 142, 2 -- A(lpha) 255) an. Klicken Sie nun in der Auswahlbox (Abbildung 3) auf das Feld stop4321 und wählen Sie andere Farbe aus. Benutzen Sie dort ein sattes Rot (RGB: 250, 0, 2 -- (A)lpha 255) und bestätigen Sie Ihre Wahl mit [Eingabe].
Mit einem Trick erreichen Sie den Eindruck von räumlicher Tiefe: Klicken Sie auf den Schriftzug "Indians", kopieren Sie den Text mit [Strg-C] und fügen Sie ihn mit [Strg-V] an einer anderen Stelle wieder ein. Hier zeigt sich ein kleines Manko des Programms: Die Funktion Kopie an Originalposition einfügen fehlt.
Positionieren Sie den Originalschriftzug "Indians" an die korrekte Postion über den Kreisen. Benutzen Sie zur Orientierung die mittlere Hilfslinie und die mittleren Pfeile des aktivierten "Indians"-Objektes. Platzieren Sie danach das "Emsland" in die Lücke zwischen dem "I" und dem "d" von "Indians". Aktivieren Sie im Anschluß den duplizierten "Indians"-Schriftzug und setzen Sie die Füllung zurück auf Endfarbe und schwarz sowie die Linienstärke auf 6. Jetzt positionieren Sie das Objekt mittig über den Orignalschriftzug. Dieser wird zwar noch komplett von der Kopie verdeckt, das lösen Sie aber ganz einfach. Einzelne Objekte liegen wie Schablonen aufeinander, deren Anordung Sie beliebig steuern können. Mit [Bild auf] und [Bild ab] ändern Sie die Layer-Position des aktivierten Objektes. Die gleiche Funktion erreichen Sie über den Menüpunkt Objekt / absenken. Damit legen Sie den schwarzen "Indians" Schriftzug unter das Orginal. Benutzen Sie die Pfeiltasten um den unteren "aktiven" Schriftzug nach Ihren Vorstellungen zu positionieren und die gewünschte Tiefenwirkung zu erzielen.
Das im Workshop entstandene fertige Logo der "Emsland Indians" steht auf unserer Web-Seite [2] zum Download bereit. (tle)
| Infos |
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[1] Inkscape-Homepage: http://www.inkscape.org/
[2] Logo Download: http://www.easylinux.de/Download/2005/10/inkscape/indians_logo.svg |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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