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Erschienen in EasyLinux 10/2005

Tipps und Tricks zu Knoppix und Ubuntu

Knoppix und Ubuntu

von Heike Jurzik


Knoppix und Ubuntu Linux basieren auf Debian -- wir verraten Tricks und Kniffe, die die Arbeit mit diesen Distributionen angenehmer machen.

Tipp: Knoppix: Serielle Maus "wiederbeleben"

Manchmal "vergisst" das Live-System die Einstellungen zur seriellen Maus, z. B. wenn Sie einen Handheld-Computer (Palm Pilot & Co.) anschließen und in KPilot die Autoerkennung des Gerätes starten (Abbildung 1).

Abb. 1: KPilots Autoerkennung reißt gelegentlich serielle Mäuse in den Abgrund.

Mit einem einfachen Trick beheben Sie das Problem: Wechseln Sie mit [Strg-Alt-F1] auf die erste virtuelle Konsole; dort sehen Sie als letzte Meldung Starting X11. Drücken Sie [Eingabe], um den Root-Prompt zu sehen, und geben Sie den Befehl

/etc/init.d/gpm restart

ein Wechseln Sie dann mit [Strg-Alt-F5] zurück in die grafische Umgebung -- die Maus sollte nun wie gewohnt arbeiten.

Tipp: Knoppix: Schlanker Window Manager

Besitzen Sie einen etwas betagteren Computer und wollen mit Knoppix arbeiten, müssen Sie nicht in die sehr speicherhungrige KDE-Oberfläche booten: Mit IceWM und Twm stehen zwei schlanke Window Manager als Alternative zur Verfügung. Geben Sie dazu am Boot-Prompt den Cheat-Code

desktop=icewm

bzw.

desktop=twm

ein und freuen sich anschließend über eine performantere grafische Arbeitsoberfläche (Abbildung 2). IceWM ist dabei die komfortablere Variante; Twm ist ein sehr simpler Window Manager.

Abb. 2: Knoppix tunen: Schlanke Window Manager (hier IceWM) bringen die Live-Distribution auf Trab.

Tipp: Ubuntu: Paketverwaltung mit Synaptic

Wer sich mit den Kommandozeilen-Befehlen wie apt und aptitude nicht anfreunden kann, sollte einen Blick auf Synaptic werfen. Sie starten die Paketverwaltung beispielsweise über [Alt-F2] und Eingabe von gksudo synaptic (unter Gnome) bzw. über kdesu synaptic (unter KDE). Geben Sie ins nächste Feld Ihr eigenes Kennwort ein.

Links sehen Sie die Software nach Themengebieten sortiert, in der rechten Hälfte finden Sie die Pakete. Klicken Sie diese jeweils einmal an, erscheint im unteren Bereich eine Beschreibung. Was die Farben in den kleinen Kästchen vor den Paketnamen bedeuten, erfahren Sie, wenn Sie die Legende aus dem Menü Hilfe / Symbolerläuterung aufrufen. In der Werkzeugleiste gibt es nützliche Funktionen, die den Status der Paketliste aktualisieren (Neu laden), die verfügbaren Aktualisierungen vormerken, Pakete genauer betrachten (Eigenschaften) und eine Suche starten.

Um ein Paket zu installieren, klicken Sie jeweils in die kleine Checkbox vor dem Namen und wählen aus dem Kontextmenü Zum Installieren vormerken. Synaptic erkennt Abhängigkeiten zu anderen Paketen und informiert in einer Dialogbox über die nötigen Änderungen: Wählen Sie hier entweder Vormerken, um diese Vorschläge zu übernehmen, oder klicken Sie auf Abbrechen, um den Vorgang zu beenden (Abbildung 3). Nachdem Sie alles ausgewählt haben, klicken Sie in der Werkzeugleiste auf Anwenden, und Synaptic zeigt eine Zusammenfassung der vorzunehmenden Änderungen an. Neben den zu installierenden sehen Sie auch die zurückgehaltenen Pakete (Unverändert). Klicken Sie auf Anwenden, um die Software einzuspielen.

Abb. 3: Synaptic installierte nicht nur neue Pakete, sondern hält dabei auch das System in einem konsistenten Zustand.

Tipp: Ubuntu: Von UTF8 zu ISO-8859-15

Als Standardzeichensatz ist unter Ubuntu Linux UTF8 gewählt -- wer diesen nicht benutzen und stattdessen mit ISO-8859-15 arbeiten möchte, stellt die Vorgabe in wenigen Schritten um:

  1. Starten Sie eine Konsole (z. B. über Eingabe von [Alt-F2] und konsole oder xterm) und werden Sie über den Aufruf sudo -s zum Administrator. Am Passwort-Prompt geben Sie das eigene Kennwort ein.
  1. Konfigurieren Sie das Paket locales noch einmal, indem Sie den Befehl dpkg-reconfigure locales eingeben. Die einzelnen Einträge in der Liste wählen Sie durch Drücken der Leertaste an und ab. Werden Sie auf diese Weise alle Einträge im Bereich de_ los, die UTF8 im Namen haben.
  1. Anschließend wählen Sie als neue locales beispielsweise de_DE@euro ISO-8859-1 aus, springen mit [Tabulator] auf OK und drücken [Eingabe] (Abbildung 4).
  1. Als Letztes wählen Sie eine Standardeinstellung für Ihre eigene Umgebung aus und bestätigen wieder mit [Eingabe]. Melden Sie sich ab und starten Sie KDE oder Gnome neu, damit die Änderungen greifen.

Abb. 4: Konfigurieren Sie das Paket "locales" neu, um Ubuntu Linux von UTF8 auf ISO-8859-15 umzustellen.

Tipp: Ubuntu: SSH-Server

Standardmäßig läuft unter Ubuntu Linux kein SSH-Server, so dass eine Anmeldung von einem entfernten Rechner aus nicht möglich ist. Damit das klappt, spielen Sie das Paket openssh-server nachträglich ein.

  1. Starten Sie ein Terminal, z. B. über [Alt-F2] und Eingabe von konsole oder xterm, und tippen Sie
    sudo aptitude install openssh-server
  1. Am Passwort-Prompt geben Sie Ihr eigenes Kennwort ein; das System beginnt nun mit der Arbeit, lädt das Paket herunter, richtet es ein und startet den Server.

Jetzt sollten Sie in der Lage sein, über das Kommando

ssh user@server

eine verschlüsselte Verbindung aufzubauen. Anstelle von user geben Sie einen gültigen Benutzernamen für einen Account auf dem Ubuntu-Rechner ein; für server schreiben Sie entweder den Namen oder die IP-Adresse des Ubuntu-Computers. (Mehr zu ssh und scp erfahren Sie auch im Guru-Training dieser Ausgabe ab Seite 84.)

Tipp: Ubuntu: Windows-Partitionen nutzen

Wer parallel zu Ubuntu Linux ein Windows-System auf der Festplatte hat, muss zum Datenaustausch nicht jedes Mal umbooten. Partitionen mit dem NTFS-Dateisystem (Windows NT, 2000 und XP) können Sie immerhin lesend einbinden, auf Datenträger mit FAT-Dateisystem (Windows 95/98 oder ME) greift Linux sogar lesend und schreibend zu.

  1. Öffnen Sie ein Terminal (z. B. über [Alt-F2] und Eingabe von konsole. Tippen Sie sudo -s und geben Sie am Passwort-Prompt das eigene Passwort ein, um zum Administrator zu werden.
  1. Legen Sie für alle Windows-Partitionen Verzeichnisse an -- wo Sie diese unterbringen, ist Ihnen selbst überlassen; ein guter Platz ist beispielsweise unterhalb von /mnt:
    mkdir /mnt/windows
  1. Finden Sie heraus, auf welcher Partition [1] sich Ihr Windows-System befindet. Am einfachsten geht das mit einem Programm wie QtParted oder dem Kommandozeilenwerkzeug fdisk. Befindet sich das Windows-System beispielsweise auf der ersten IDE-Festplatte, tippen Sie (immer noch als Root):
    # fdisk -l /dev/hda
    ...
    /dev/hda1  1  1305  10482381  7  HPFS/NTFS
  1. Mounten Sie die so gefundene Windows-Partition testweise von Hand, z. B. über den Befehl
    mount -t ntfs /dev/hda1 /mnt/windows
    Für ein FAT-Dateisystem heißt das Kommando entsprechend:
    mount -t vfat dev/hda1 /mnt/windows
  1. Überprüfen Sie, ob die Daten alle da sind -- bei FAT-Partitionen kopieren Sie auch probeweise eine Datei in das Windows-Verzeichnis.

Tipp: Ubuntu: Windows-Partitionen dauerhaft nutzen

Nach einem Rechnerneustart müssen Sie die Windows-Partitionen wieder, wie oben beschrieben, von Hand einbinden. Um das zu vermeiden, fügen Sie einfach einen entsprechenden Eintrag in der Datei /etc/fstab [2] ein, die verwaltet, welche Datenträger Linux beim Systemstart einbindet.

  1. Öffnen Sie wieder ein Terminal und werden Sie mit sudo -s und anschließender Eingabe des eigenen Passwortes zum Administrator. Legen Sie zunächst ein Backup der Originaldatei an:
    cp /etc/fstab /etc/fstab.orig
  1. Anschließend bearbeiten Sie in einem Text-Editor der Wahl die Originaldatei. Da Sie dazu ebenfalls Root-Rechte benötigen, starten Sie den Editor über [Alt-F2] und Eingabe von sudo kate /etc/fstab bzw. gksudo gedit /etc/fstab.
  1. Für eine NTFS-Partition fügen Sie beispielsweise die folgende Zeile hinzu:
    /dev/hda1  /mnt/windows  ntfs  ro,dmask=0222,fmask=0333 0 0
    Für eine FAT-Partition könnte der Eintrag entsprechend so aussehen:
    /dev/hda1 /mnt/windows  vfat  user,umask=0 0 0

Beachten Sie den Zusatz ro (englisch "read-only" = "nur lesbar") für die NTFS-Partition: Dieser sorgt dafür, dass die Partition nur lesbar ist. (Ohne diese Option beschwert sich der Treiber jedesmal beim Einbinden der Partition.) (hge)

Infos
[1] Artikel zu Festplatten-Partitionen: Carsten Schnober, "Friedliche Koexistenz -- Partitionen und Dateisysteme", EasyLinux 06/2005, S. 54 ff., http://www.easylinux.de/2005/06/054-partitionen/
[2] Artikel zu mount und /etc/fstab: Heike Jurzik und Hans-Georg Eßer, "Bergsteiger -- Dateisysteme mounten", S. 80 ff., http://www.easylinux.de/2004/06/080-guru-mount/

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