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Know-how für die Kommandozeile
von Andrea Müller
Der Befehl ls listet die Dateien und Unterordner eines Verzeichnisses auf. Allerdings unterschlägt die Ausgabe die Ordnerinhalte, deren Namen mit einem Punkt beginnen. Auch Datei-Manager, etwa der Konqueror, blenden diese Dateien und Ordner nur ein, wenn Sie über das Menü Ansicht die Anzeige versteckter Dateien aktivieren. In diesen versteckten Verzeichnissen und Dateien legen die meisten Linux-Programme ihre Einstellungen ab. So finden Sie im Ordner .kde in Ihrem Home-Verzeichnis alle persönlichen Einstellungen des KDE-Desktops.
Möchten Sie mit Hilfe von ls sehen, welche versteckten Inhalte sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, führt der Aufrufparameter -a (für all, alle) zum Erfolg.
ls -a
zeigt wirklich alle Dateien und Ordner an, unter anderem auch die Dateien .bashrc und .profile, in denen die Einstellungen der Linux-Shell bash stehen (Abbildung 1).
Das Kommando ls -l datei zeigt zusätzlich zum Namen einer Datei auch ihre Größe und Rechte an. So sehen Sie, welchem Benutzer eine Datei gehört und ob Sie diese lesen oder sogar verändern dürfen. Wenn Sie jedoch versuchen, mit
ls -l ordner
dasselbe für ein Verzeichnis zu erreichen, wartet eine Überraschung: Statt ausführlicher Angaben zu dem Ordner präsentiert ls Ihnen diese Informationen für alle Dateien und Unterverzeichnisse. Um die Zugriffsrechte auf einen Ordner anzuzeigen, verwenden Sie zusätzlich den Parameter -d (für directory, Verzeichnis), also beispielsweise ls -ld ordner (Abbildung 2).
Unter den von EasyLinux unterstützten Distributionen handelt es sich bei dem Befehl ls um ein Alias [1]. Damit sorgen die Distributoren unter anderem dafür, dass beim Aufruf automatisch eine Option gesetzt wird, welche die Ausgabe des Befehls farblich ansprechend formatiert. So färbt ls unter Suse Linux Verzeichnisse blau, Grafikdateien pink und komprimierte Formate, wie RPM-Pakete und TAR-Archive, rot ein.
Um bequem durch die Ausgabe von ls zu blättern, bietet es sich gerade bei Verzeichnissen mit vielen Dateien und Unterordnern an, die Ausgabe mit dem Pipe-Zeichen an einen Betrachter zu übergeben[2]. Ein Beispiel für ein solches Programm, das man auch Pager nennt, ist less.
ls | less
leitet die Ausgabe an less weiter, doch von den Farben sehen Sie nichts mehr. Das liegt daran, dass die Farboption nur dann greift, wenn die ls auf die Standardausgabe, also in das Terminal-Fenster schreibt. Der Versuch, Farben in less mit ls --color | less zu erzwingen, scheitert auch. less blendet stattdessen die so genannten Escape-Sequenzen ein, mit denen ls seine Ausgabe farbig gestaltet. Diese Steuerzeichen definieren im Terminal, in welcher Farbe der folgende Text erscheint.
Der Ausweg aus dem Dilemma heißt more, und eventuell haben Sie den Befehl schon einmal unter DOS ausgeführt. more ist auch ein Pager-Programm, doch im Gegensatz zu less können Sie dort nicht beliebig vor und zurück blättern. Ein Druck auf die Leertaste bringt Sie eine Seite weiter, und sobald more alles angezeigt hat, beendet es sich. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass Sie die Ausgabe von ls --color an more übergeben können, ohne dass die farbige Darstellung verloren geht (Abbildung 3).
Wenn Sie den Text-Editor vim benutzen, der zwischen dem Einfüge- und dem Befehlsmodus unterscheidet, gibt es einen einfacheren Weg, Buchstabendreher zu korrigieren, als erst mit [I] in den Eingabemodus zu wechseln, dort die beiden Buchstaben zu löschen und sie neu einzugeben: Bewegen Sie den Cursor im Befehlsmodus zum ersten Zeichen des Buchstabendrehers und drücken Sie [X] und danach [P], um den Buchstaben mit dem folgenden zu vertauschen.
Dieser Trick nutzt die Funktionen zum Ausschneiden und Einfügen von Text: Mit [X] schneiden Sie den Buchstaben unter dem Cursor aus. Dieser steht nun über dem folgenden Zeichen. Der Druck auf [P] fügt den ausgeschnittenen Inhalt dahinter ein.
Ebenso schnell reparieren Sie Fehler bei der Groß- und Kleinschreibung, ohne dafür in den Einfügemodus zu wechseln. Gerade wenn man schnell tippt, passiert es leicht, dass man versehentlich ein Wort mit einem Kleinbuchstaben beginnt, obwohl es sich um ein Hauptwort handelt. Entdecken Sie einen solchen Tippfehler, bewegen Sie den Cursor darüber und drücken [Alt Gr-+], also die Tastenkombination, mit der Sie normalerweise das Tilde-Zeichen [~] erzeugen. vim kehrt daraufhin die Schreibweise des Zeichens um. [Alt Gr-+] über einem Großbuchstaben wandelt diesen in einen Kleinbuchstaben um. Über Zahlen und Sonderzeichen bewirkt die Tastenkombination übrigens nichts, sie tauscht beispielsweise nicht die 5 gegen das Prozentzeichen aus.
Zum Kopieren in der Shell benutzen Sie den Befehl cp.
cp dokument.txt privat
kopiert die Datei dokument.txt in das Verzeichnis privat. Existiert kein Ordner mit dem Namen privat erstellt cp eine Kopie von dokument.txt mit dem Namen privat. Was der Befehl bewirkt, hängt also davon ab, ob es sich bei dem zweiten Argument um einen bestehenden Ordner handelt oder nicht.
Das Kopieren von Verzeichnissen gelingt jedoch nicht auf diese Art: Wenn Sie versuchen, einen Ordner in einen anderen zu kopieren, erhalten Sie nur die Meldung cp: Verzeichnis "xxx" ausgelassen (Abbildung 4). Anstelle von "xxx" erscheint in der Ausgabe der Verzeichnisname. Um eine Kopie eines Ordners mitsamt Inhalt zu erzeugen, benötigen Sie den Aufrufparameter -r (für rekursiv). cp -r ordner1 ordner2 erzeugt ohne Murren eine Kopie von ordner1 im Verzeichnis ordner2. Existiert ordner2 noch nicht, verhält sich cp wie beim Kopieren von Dateien und erzeugt eine Kopie von ordner1 mit dem Namen ordner2.
Wenn Sie mit rm ein Verzeichnis löschen wollen, benötigen Sie den Aufrufparameter -r. Wie beim cp-Befehl steht er bei rm für eine rekursive Aktion. Wer mit Mandrake Linux arbeitet, sollte zusätzlich die Option f (für force, erzwinge) verwenden: Bei der französischen Distribution ist rm ein Alias [1] auf rm -i (für interaktiv), Das veranlasst rm, bei jeder zu löschenden Datei sicherheitshalber nachzufragen. Bei einzelnen Dateien stört das nicht weiter, kurz y zur Bestätigung der Aktion einzugeben -- wenn Sie jedoch einen Ordner mit vielen ausgemusterten Dokumenten entsorgen wollen, wird das Löschen zum Geduldspiel. Um das zu verhindern, geben Sie rm -rf verzeichnis ein.
Moderne Distributionen machen es Ihnen besonders leicht, die Titel einer Audio-CD in einem komprimierten Format wie MP3 oder Ogg-Vorbis auf die Festplatte zu kopieren. Sobald Sie eine Musik-CD einlegen und in die Adresszeile des Konquerors audiocd:/ eingeben, zeigt der Datei-Manager zumindest virtuelle Ordner für .wav- und .ogg-Dateien an. Ob Sie auch einen MP3-Ordner finden, hängt unter Suse Linux davon ab, ob Sie über das Online-Update oder unsere Heft-CD die MP3-Unterstützung nachinstalliert haben.
In diesen Ordnern zeigt der Datei-Manager alle Stücke der CD an. Sie können diese in ein Verzeichnis auf der Festplatte ziehen, wodurch der Konqueror den Titel von der CD ausliest und in das jeweilige Format umwandelt. Haben Sie mehrere Titel im Ogg-Vorbis-Format vorliegen und wollen einige davon zurück in das WAV-Format konvertieren, um sich eine eigene CD zusammenzustellen, gelingt das auf der Kommandozeile besonders schnell: Wechseln Sie in den Ordner mit den Ogg-Vorbis-Dateien und geben Sie dort
oggdec *.ogg
ein. Schon legt der Konvertierer los und wandelt ohne weitere Interaktion alle Dateien mit der Endung .ogg in das WAV-Format um und passt den Dateinamen entsprechend an (Abbildung 5). Aus dem Musikstück titel.ogg erzeugt oggdec die Datei titel.wav. (amü)
| Infos |
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[1] Alias-Artikel: Elisabeth Bauer, "Schleichwege", EasyLinux 07/2004, S. 82 f.
[2] Artikel über Umleitungen in der Shell: Heike Jurzik, "Genial gelenkig", EasyLinux 09/2005, S. 84 ff., http://www.easylinux.de/2005/09/084-umleitungen/ |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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