claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 11/2005

Mandrake Linux mit Drakconf administrieren

Systemsteuerung

von Andrea Müller


Um Linux zu administrieren, müssen Sie keine kryptischen Textdateien bearbeiten. Moderne Distributionen liefern grafische Einrichtungsprogramme mit, mit denen Sie Linux konfigurieren. Dieser Artikel stellt das Kontrollzentrum von Mandrake Linux vor.

Nach der Installation des Systems müssen sich Linux-Novizen erst einmal an das neue Betriebssystem gewöhnen. Auch wenn viele Programme denen unter Windows ähneln, ist doch so manches anders. Früher oder später möchten Sie eventuell etwas an den Installationsvorgaben ändern oder nachbessern. Aber wo ist die "Systemsteuerung"? Die meisten Distributionen bringen leistungsfähige Assistenten für fast alle nur denkbaren administrativen Aufgaben mit.

Mandrake Linux bündelt die Systemverwaltungs-Software im Kontrollzentrum, das Sie über System / Einstellungen / Den Computer konfigurieren aus dem K-Menü starten. Nach einem Klick auf den Eintrag geben Sie in der folgenden Dialogbox das root-Passwort ein. Unter Linux heißt der Administrator root und nur er darf systemweite Einstellungen ändern. Was es mit den verschiedenen Benutzern und root auf sich hat, erfahren Sie im Artikel "Offenes Haus" auf Seite 37 dieser Ausgabe.

Dank seines übersichtlichen Aufbaus finden Sie sich im Kontrollzentrum schnell zurecht: In der Leiste am linken Fensterrand listet das Programm die einzelnen Bereiche der Systemadministration auf. Sobald Sie einen davon markieren, sehen Sie in der rechten Fensterhälfte die zu diesem Abschnitt gehörenden Einrichtungswerkzeuge. Am häufigsten benötigen wohl die meisten Anwender die Tools unter Software, mit denen Sie Programme einspielen und entfernen. Wie Sie die Installationsassistenten bedienen, lesen Sie im Beitrag "Freie Auswahl" ab Seite 30 nach.

Für frischgebackene Systemadministratoren gibt es jedoch noch mehr zu tun: Manchmal gelingt es Linux bei der Installation nicht, die grafische Oberfläche korrekt zu konfigurieren. Dann arbeitet der Bildschirm nicht in der gewünschten Auflösung oder mit einer zu niedrigen Frequenz, was auf Dauer Kopfschmerzen verursacht.

Das grafische System

Im Kontrollzentrum verteilt Mandrake Linux die Einrichtungswerkzeuge für die grafische Oberfläche auf mehrere Module. Sie finden im Abschnitt Hardware unter anderem die Einträge Konfigurieren des Monitors, Ändern der Bildschirmauflösung und Einrichten des Zeigegeräts. Statt sich durch diese Einträge durchzuarbeiten, haben Sie mit einem über [Alt-F2] aufgerufenen Schnellstartfenster, in das Sie kdesu drakx11 eingeben, alles unter einem Dach (Abbildung 1). Dort fehlt nur ein Konfigurations-Tool für die Maus.

Abb. 1: Das Tool "drakx11" fasst die Werkzeuge zum Einrichten von Monitor und Grafikkarte zusammen.

Um die Einstellungen der grafischen Oberfläche in drakx11 anzupassen, gehen Sie so vor:

  1. Über die Schaltfläche hinter Grafikkarte wählen Sie das in Ihren Rechner eingebaute Modell aus. Der Name steht auf der Schaltfläche und hier liegt Mandrake Linux nur selten falsch. Im Auswahldialog finden Sie eine Liste mit Grafikkartenherstellern. Ein Klick auf den Pfeil davor, öffnet die Modellauswahl, in der Sie Ihre Karte markieren. Wenn Sie exotische ältere Hardware nutzen, die Sie in der Herstellerliste nicht finden, probieren Sie es versuchsweise mit dem Eintrag Xorg / vesa. Sie müssen sich dann jedoch eventuell mit einer niedrigeren Auflösung zufrieden geben als sie Ihre Grafikkarte darstellen kann.
  1. Der Button Monitor bringt Sie zu den Bildschirmeinstellungen. Dort finden Sie auch eine Herstellerliste, aus der Sie die Hardware auswählen. Finden Sie Ihren Monitor nicht in der Liste, schlagen Sie in seinem Handbuch nach, welche maximale Auflösung das Gerät darstellt. Wählen Sie diese im Abschnitt Generisch aus. Sind Sie sich nicht sicher, was Ihr Bildschirm kann, stellen Sie die Auflösung ein, die Sie auch unter Windows nutzen oder probieren es mit einem Wert wie 1024x768 @70 Hz. Diese Auflösung kann jede nicht allzu alte Hardware darstellen.

  1. Hinter Auflösung entscheiden Sie sich für die Bildschirmauflösung, mit der Sie arbeiten wollen. Wählen Sie diese aus dem Drop-down-Feld aus und stellen Sie gegebenenfalls noch die Farbtiefe ein.

  1. Bevor Sie die neuen Einstellungen über die Schaltfläche Verlassen speichern, klicken Sie auf Test um sicherzustellen, dass Ihnen kein Fehler unterlaufen ist. Mandrake Linux zeigt daraufhin ein farbig gestreiftes Testbild mit einer Dialogbox, in der Sie angeben, ob das Bild Ihren Wünschen entspricht. Ist das der Fall, übernehmen Sie die Änderungen. drakx11 zeigt eine letzte Sicherheitsabfrage an, in der das Programm die aktuelle Konfiguration zusammenfasst. Klicken Sie dort auf Ja. Eine Dialogbox informiert Sie, dass Sie sich erneut anmelden müssen, damit die Einstellungen wirksam werden. Wenn Sie dort auf Ja klicken, erscheint automatisch der Abmeldedialog.

Eine zu niedrig eingestellte Auflösung ist schnell korrigiert, doch wenn Linux gar nicht im grafischen Modus startet und Sie sich nach dem Hochfahren des Systems auf einem schwarzen Textbildschirm wiederfinden, liegt der Fall komplizierter. Auch für dieses Problem gibt es eine Lösung, denn das Einrichtungs-Tool für das grafische System landet auch in einer textbasierten Version auf der Festplatte. Wie Sie den Grafikmodus von dort aus konfigurieren, erfahren Sie im Kasten drakx11 im Textmodus.

drakx11 im Textmodus

Wenn Linux nur im Textmodus startet, melden Sie sich mit dem Benutzernamen root und der Eingabe des Passworts in der nächsten Zeile als Administrator an. Mandrake Linux zeigt bei der Passworteingabe auf der Kommandozeile keine Sternchen als Platzhalter an. Ihre Eingaben nimmt das System trotzdem entgegen. Geben Sie nun drakx11 ein, um die Text-Variante des Programms zu starten. Es bietet dieselben Menüpunkt wie das grafische Tool. Mit dem Pfeiltasten wählen Sie einen der Einträge aus. Um das markierte Modul zu starten, springen Sie durch zweimaligen Druck auf [Tab] zur Schaltfläche Los und drücken [Eingabe]. Die Dialoge listen Grafikkarten, Monitormodelle und Auflösungen auf. Navigieren Sie mit den Pfeiltasten zum gewünschten Wert, aktivieren Sie über [Tab] den Ok-Button und drücken Sie die Eingabetaste.

Wählen Sie bei der Auflösung einen niedrigen Wert, damit das grafische System überhaupt startet. Die Feineinstellungen nehmen Sie dann später komfortabel unter KDE vor. Sobald Sie fertig sind, überprüfen Sie die Konfiguration über Test. Mandrake Linux startet den X-Server und blendet für 15 Sekunden das farbig gestreifte Testbild ein. Sind die Einstellungen korrekt, klicken Sie auf Ja. Sehen Sie dagegen kein Bild und flimmert der Monitor nur, passen Sie die Werte im Konfigurationsdialog erneut an, bis Sie ein korrektes Testbild sehen.

Über Verlassen speichern Sie die Einstellungen. Geben Sie nun init 5 ein, um in den grafischen Modus zu wechseln. Wenn die Anzeige des Testbildes funktioniert hat, startet nun der KDE-Anmeldebildschirm, über den Sie sich als normaler Benutzer am System anmelden. Wenn Sie Linux das nächste Mal bootet, fährt das System automatisch im grafischen Modus hoch.

Dienstbare Geister

Die Zeit, die vom Einschalten des Rechners bis zum KDE-Anmeldebildschirm vergeht, erscheint manch einem ziemlich lang. Das liegt unter anderem daran, dass Linux beim Hochfahren bestimmte Systemdienste [1] startet. Um welche es sich dabei handelt, hängt auch davon ab, welche Programme Sie installiert haben. Nutzen Sie beispielsweise den Web Server Apache, startet Mandrake Linux ihn standardmäßig beim Booten. Indem Sie nicht benötigte Dienste deaktivieren, beschleunigen Sie den Linux-Start und sorgen für mehr freien Arbeitsspeicher. Dabei gilt es jedoch, vorsichtig zu sein: Deaktivieren Sie nur Dienste, von denen Sie wissen, dass Sie diese nicht benötigen.

Welche dienstbaren Geister Mandrake Linux automatisch startet, erfahren Sie im Abschnitt System des Kontrollzentrums. Klicken Sie dort auf Aktivieren oder Deaktivieren der Systemdienste, um eine Liste aller Dienste anzuzeigen (Abbildung 2). In der ersten Spalte steht der Name des Dienstes, dahinter lesen Sie ab, ob er läuft (aktiv) oder nicht (gestoppt). Ein Klick auf Info öffnet eine kurze Beschreibung des jeweiligen Dienstes. In den Checkboxen vor Beim Systemstart legen Sie fest, ob ein Dienst beim Hochfahren des Systems startet. Schließlich gibt es noch die beiden Buttons Start und Stopp, über die Sie Dienste manuell starten oder anhalten.

Um zu entscheiden, welche Systemdienste Sie benötigen, sollten Sie auf jeden Fall den Informationstext lesen. Allgemeingültige Hinweise können wir zu diesem Punkt nicht geben, da die Frage, welche Dienste wichtig sind, von der individuellen Systemkonfiguration abhängt. So benötigen Sie in der Regel die den Boot-Vorgang verzögernde Hardware-Erkennung namens harddrake nicht, wenn Sie niemals neue Geräte in den Rechner einbauen. Deaktivieren Sie diesen Dienst, um Zeit beim Systemstart zu sparen. Sie können die Hardware-Erkennung später jederzeit wieder einschalten, wenn Sie eine neue Steckkarte einbauen. Besitzen Sie keine Bluetooth-Geräte, können Sie alle dafür verantwortlichen Dienste abschalten: Das sind bluetooth, dund, hidd und pand. Wer an einem Einzelplatzrechner arbeitet, deaktiviert netfs, das in Heimnetzen die Netzwerkdateisysteme NFS und Samba automatisch einbindet.

Tabu sind die Einträge udev, syslog, cron, hotplug, keytable und dm. udev legt die benötigten Gerätedateien beim Systemstart an, der syslog schreibt die Log-Einträge des Systems in die Datei /var/log/syslog. Sie benötigen diese, um Fehlern auf die Spur zu kommen. Den cron-Daemon nutzt Mandrake Linux, um regelmäßig wiederkehrende Aufgaben zu erledigen, wie etwa das Komprimieren der Log-Dateien oder das Säubern des /tmp-Ordners. hotplug kümmert sich darum, dass USB-Geräte automatisch eingebunden werden und ohne keytable müssten Sie mit englischer Tastaturbelegung arbeiten. Hinter dem Dienst dm steckt der grafische Anmelde-Manager KDM, auf den Sie nur verzichten können, wenn Sie sich im Textmodus einloggen wollen.

Abb. 2: In diesem Kontrollzentrum-Modul steuern Sie, welche Dienste Mandrake Linux beim Booten startet.

Plattenplatz verwalten

Die Zeiten, zu denen Festplattenspeicher knapp und teuer war, sind glücklicherweise vorbei. Wenn Sie Ihrem System eine zweite Festplatte gönnen, binden Sie diese mit dem grafischen Partitionierungs-Tool in den Linux-Verzeichnisbaum ein.

1. Wechseln Sie im Kontrollzentrum zum Eintrag Einhängepunkte und klicken Sie auf das Laufwerkssymbol oben links. Bestätigen Sie die Dialogbox, die Ihnen räti, zuvor Ihre Daten zu sichern, mit einem Klick auf Ja.

2. Mandrake Linux zeigt für jede Festplatte einen Registerreiter an. Auf dem ersten mit hda oder sda (bei einem S-ATA-System) beschrifteten, befindet sich normalerweise die Root-Partition, die Linux mit / kennzeichnet. Wechseln Sie zu der neuen Platte, die Sie daran erkennen, dass es dort noch keine Partitionen gibt.

3. Klicken Sie in der Grafik auf den grauen Balken. Er kennzeichnet freien, unpartitionierten Platz. Durch Auswahl von Erzeugen gelangen Sie in den Dialog, in dem Sie eine neue Partition anlegen.

4. Als Größe hat Mandrake Linux 4000 MByte eingestellt. Passen Sie den Wert mit dem Schiebregler nach Ihren Wünschen an. Den Dateisystemtyp Journalised FS: ext3 können Sie beibehalten, sofern Sie nur unter Linux auf diese Partition zugreifen wollen. Für eine Datentauschpartition mit einem parallel installierten Windows ist FAT32 die richtige Wahl.

5. Hinter dem Eintrag Einhängepunkt müssen Sie aufpassen: Standardmäßig trägt Mandrake Linux dort /usr ein. In diesem Ordner liegen alle ausführbaren Programme des Systems. Für eine zusätzliche Partition, auf der Sie Daten speichern wollen, markieren Sie den Eintrag und überschreiben ihn beispielsweise mit /mnt/daten. Der Partitionierer legt das Verzeichnis automatisch an, wenn es noch nicht existiert.

  1. Markieren Sie die neu angelegte Partition in der Übersicht (Abbildung 3) und klicken Sie auf Formatieren, damit DiskDrake ein Dateisystem anlegt. Bestätigen Sie die folgende Dialogbox mit OK und klicken Sie auf fertig, sobald sich das Fenster mit dem Fortschrittsbalken schließt.
  1. DiskDrake fragt, ob er die Änderungen in die Datei /etc/fstab schreiben soll. Klicken Sie auf Ja, damit Linux die Partition beim Booten automatisch in das Verzeichnis /mnt/daten einhängt.

Abb. 3: DiskDrake beschriftet die Partitionen mit den zugewiesenen Einhängepunkten.

DiskDrake kann jedoch noch mehr als neue Partitionen anlegen. Mit dem Tool löschen Sie beispielsweise Windows-Partitionen und machen den freigewordenen Platz für Linux verfügbar. Wie Sie vorgehen, um ein Windows-System vom Rechner zu entfernen, erfahren Sie unter [2].

Im Kontrollzentrum finden Sie für fast jede Aufgabe einen Assistenten. So besteht kaum noch ein Grund, für eine Konfigurationsänderung zum Text-Editor zu greifen und auch Linux-Einsteiger finden sich schnell zurecht. (amü)

Infos
[1] Artikel über den Linux-Systemstart: Andrea Müller und Elisabeth Bauer, "Hochfahren", EasyLinux 01/2004, S. 74 ff
[2] Artikel zum Deinstallieren von Betriebssystemen: Andrea Müller, "Plattenputz", EasyLinux 02/2005, S. 78 ff., http://www.easylinux.de/2005/02/078-deinstallieren/

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2012 Linux New Media AG | Last modified: 2007-04-05 11:10

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]