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von Andrea Müller und Marcel Hilzinger
Die Software-Welt unter Linux ist für Windows-Umsteiger am Anfang verwirrend. Anders als das System aus Redmond kommt Linux nicht nur mit einigen wenigen Anwendungen daher, sondern moderne Distributionen umfassen nahezu alles an Software, was Sie für die Arbeit am Rechner benötigen. Die Auswahl reicht dabei von Multimedia-Anwendungen über Internet- und Office-Programme bis hin zu Server-Software, wie etwa einem Web Server. Die Applikationen müssen Sie nicht zusätzlich kaufen, sondern Sie finden sie meistens schon auf den Installationsmedien Ihrer Distribution.
Ein weiterer Unterschied zu Windows ist, dass Sie Linux-Programme nicht mit einem Installationsprogramm wie setup.exe oder install.exe einspielen: Die Distributionen nutzen so genannte Pakete [1], die alle Komponenten eines Programms enthalten. Von den Applikationen benötigte Bibliotheken -- diese sind mit den DLL-Dateien unter Windows vergleichbar -- stecken in separaten Päckchen. Das ist sinnvoll, da mehrere Anwendungen dieselben Bibliotheken nutzen. So greifen sehr viele Programme auf die libpng zu, um Grafiken im PNG-Format anzuzeigen. Dadurch, dass diese Bibliothek in einem eigenen Paket steckt, müssen die Anwendungen, die sie benötigen, diese nicht selbst mitbringen.
Mandrake und Suse Linux arbeiten mit Paketen im RPM-Format. Diese Dateien tragen die Endung .rpm, und auf der Kommandozeile spielen Sie diese mit dem Kommando rpm ein [2]. Das hat jedoch den Nachteil, dass es sich nicht darum kümmert, die von einem Paket benötigten Bibliotheken einzuspielen. Stattdessen erhalten Sie eine Fehlermeldung, wenn eine wichtige Datei fehlt. In welchen Paket die Bibliothek steckt, verrät rpm dabei nicht. Sie müssen also darauf hoffen, dass das Paket genauso heißt, wie die Bibliothek.
Um Ihnen diese Arbeit abzunehmen, bringen die Distributionen grafische Anwendungen mit, die Ihnen nicht nur den Weg auf die Kommandozeile ersparen, sondern auch die Abhängigkeiten auflösen. Installieren Sie also eine Anwendung, die nach einer bestimmten Bibliothek verlangt, spielt der Installationsassistent diese automatisch ein. Unter Mandrake Linux heißt das praktische Helferlein RpmDrake, bei Suse Linux greift Ihnen YaST beim Einspielen neuer Software unter die Arme.
Mandrake Linux installiert zwar alles, was ein Desktop-System ausmacht, doch auf den Installations-CDs finden sich noch viele weitere Anwendungen. Wenn Sie ein Programm für eine bestimmte Aufgabe suchen oder von einer nützlichen Applikation gehört haben, ist die Paketverwaltung der Distribution die erste Anlaufstelle.
Besonders praktisch ist die Suchfunktion, die Sie über das Eingabefeld hinter Finden nutzen. Standardmäßig durchforstet RpmDrake die Paketnamen nach dem eingegebenen Suchbegriff. Die Treffer blendet das Programm in einer eigenen Gruppe namens Suchergebnisse ein. Wer neu bei Linux ist, kennt jedoch die meisten Paket und Programmnamen nicht. Um trotzdem die passende Software zu finden, wählen Sie in der Drop-down-Box hinter Finden den Eintrag in Beschreibungen aus. Hier müssen sie allerdings einen englischen Suchbegriff verwenden, da Mandrake Linux keine deutschen Paketbeschreibungen mitliefert. Geben Sie beispielsweise audio ein, um alle Pakete anzuzeigen, deren Beschreibung diesen Begriff enthält.
Über die Auswahl von in Dateinamen suchen Sie sogar nach einzelnen Dateien. Vermissen Sie das KDE-Spiel kmahjongg, geben Sie das als Suchbegriff ein und RpmDrake verrät, dass dieses Programm sich im Paket kdegames-3.3.2-8mdk befindet. Möchten Sie dagegen wissen, welche Dateien in einem markierten Paket enthalten sind, aktivieren Sie die Option Alle Informationen. RpmDrake zeigt dann im Beschreibungsfenster zusätzlich eine Liste aller Dateien und das ChangeLog des Pakets an. Dort steht, was sich in den einzelnen Paketversionen geändert hat.
Die Deinstallation nicht mehr benötigter Software gelingt genauso schnell: Im Kontrollzentrum klicken Sie dafür auf das mit einem roten Minuszeichen versehene Paket. Das Deinstallationsprogramm sieht wie ein Zwilling des Installationsassistenten aus. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das Tool in der Paketliste auf der linken Seite nur die bereits eingespielte Software auflistet. Um ein bestimmtes Paket zu entfernen, nutzen Sie die alphabetische Ansicht oder die Suchfunktion. Geht es Ihnen darum, Plattenplatz freizuschaufeln, eignet sich die Sortiermethode Alle Pakete, nach Größe besonders gut, um Platzfresser aufzuspüren. Dort sollten Sie jedoch nur Programme entfernen, von denen Sie genau wissen, dass Sie diese nicht benötigen. Wenn Sie beispielsweise nicht mit OpenOffice, sondern mit KOffice arbeiten, können Sie alle OpenOffice-Pakete entfernen und so mehrere 100 MByte Plattenplatz gewinnen. Auch beim Deinstallieren überprüft RpmDrake, ob andere installierte Anwendungen das zum Entfernen markierte Paket benötigen. Ist das der Fall, informiert Sie der Assistent, dass er noch weitere Pakete löschen muss (Abbildung 3).
Selbst RPM-Pakete, die Sie im Internet finden, können Sie eventuell mit RpmDrake einspielen. Navigieren Sie im Konqueror in das Download-Verzeichnis und doppelklicken Sie auf das RPM-Paket. In der folgenden Dialogbox entscheiden Sie sich für Installieren. Geben Sie danach das root-Passwort ein. Wenn das Programmm keine weite Software benötigt, spielt Rpmdrake es sofort ein und zeigt eine Dialogbox an, sobald die Installation beendet ist. Ist das Paket von anderen abhängig und liegt das Paket auf den Distributions-Datenträgern, zeigt der Installationsassistent eine Liste der zusätzlich benötigten Pakete an. Klicken Sie dort auf OK. RpmDrake fordert nun die Installationsmedien an und spielt alle nötigen Pakete ein.
Ist dagegen das Programm von einem Paket abhängig, das nicht auf den Distributions-CDs vorhanden ist, meldet RpmDrake, dass er die ASbhängigkeiten nicht auflösen kann und verweigert die Installation. Dann müssen Sie zunächst im Internet das fehlende Paket suchen und es per Doppelklick einspielen.
Benutzern von Suse Linux hilft YaST bei der Installation von RPM-Paketen. Um mit YaST Pakete zu installieren, müssen Sie zunächst das YaST-Kontrollzentrum starten. Dies geschieht über die Tastenkombination [Alt-F2] und die Eingabe von kdesu yast2. Im YaST-Kontrollzentrum wählen Sie dann das Modul Software / Software installieren oder löschen aus. Möchten Sie das YaST-Modul direkt starten, öffnen Sie über [Alt-F2] und die Eingabe von konsole das KDE-Terminal und geben hier folgenden Befehl ein:
kdesu yast2 sw_single
Der Start des YaST-Moduls dauert einige Sekunden, da das Programm dazu die gesamte RPM-Datenbank einliest. Einige Tipps, wie Sie RPM-Pakete schneller über die Kommandozeile installieren, finden Sie am Ende dieses Artikels. In der Grundeinstellung startet YaST den Paket-Manager mit der Suchfunktion (Abbildung 4). Tippen Sie hier einen Suchbegriff ein und klicken auf Suche, zeigt YaST sämtliche Programme an, die den Begriff im Paketnamen oder in der Kurzbeschreibung tragen.
Sind Sie mit dem Suchergebnis nicht zufrieden, können Sie die Suche erweitern. Klicken Sie dazu die Einträge Beschreibung und Provides (RPM-Feld) an. Das Provides-Feld liefert detaillierte Informationen zum Inhalt eines RPM-Paketes. Sie benötigen deshalb diese Funktion immer, wenn Sie nach einer bestimmten Datei suchen. Beschreibung sollten Sie nur dann auswählen, wenn Sie nicht genau wissen, wonach Sie suchen, da diese Option den Suchdurchlauf deutlich verlängert. Die Option Requires (RPM-Feld) sucht nach bestimmten Abhängigkeiten. Sie benötigen diese nur, wenn YaST ein Paket auf Grund von Abhängigkeiten nicht löschen kann.
In der rechten Fensterhälfte listet YaST die gefundenen Pakete auf. Den Zustand zeigen verschiedenen Symbole an. In der Regel sind installierte Pakete mit einem blauen Häkchen versehen, installierbare mit einem leeren Viereck. Den Zustand eines Paketes ändern Sie, indem Sie mit der rechten Maustaste auf den Paketnamen klicken und dann den gewünschten Eintrag auswählen.
Zwei besondere Zustände sind geschützt und tabu. Mit geschützt markieren Sie Pakete, die YaST nie löschen soll. Möchten Sie die automatische Installation eines Paketes durch YaST verhindern wählen Sie tabu. Eine Übersicht über sämtliche Symbole und ihre Bedeutung erhalten Sie über [Umschalt-F1].
Je nach Größe und Auflösung Ihres Bildschirms sehen Sie hinter den Spalten Paket und Zusammenfassung noch weitere Optionen. Verkleinern Sie notfalls die Spaltenbreite mit der Maus oder benutzen Sie den Scroll-Balken. Ähnlich einer Tabellenkalkulation lassen sich die einzelnen Pakete über einen Klick auf den Spaltenkopf sortieren. So zeigt YaST zum Beispiel über einen Klick auf Größe sämtliche Pakete der Größe nach an.
Links unten sehen Sie vier Reiter. In der Grundeinstellung zeigt YaST den Reiter Beschreibung an, der detaillierte Informationen zu einem Paket liefert. Unter Technische Daten finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann ein bestimmtes RPM-Paket erstellt wurde und seit wann es auf Ihrem Rechner installiert ist.
Der Reiter Abhängigkeiten beinhaltet eine Liste sämtlicher im PRM-Paket eingebetteter Dateien (Beinhaltet). Scrollen Sie weiter nach unten, sehen Sie auch, welche Dateien das Paket zur Installation benötigt (Benötigt). Markiert YaST ein Paket mit roter Schrift, sollten Sie auf den Reiter Versionen wechseln. Hier zeigt YaST die verfügbaren und installierten Versionen eines Pakets an. Ist das installierte Paket grün markiert, besteht kein Versionskonflikt. Bei rot markieren Paketen, kann YaST den Konflikt hingegen nicht lösen.
Wählen Sie ein beliebiges Paket zur Installation aus, kann dies unter Umständen weitere Pakete nach sich ziehen. Um dies zu überprüfen, klicken Sie auf den Button Abhängigkeiten prüfen. Eine sehr nützliche Funktion starten Sie über [Strg-A]. YaST zeigt dann sämtliche Pakete an, die das Programm nach einem Klick auf Übernehmen automatisch installieren würde (Abbildung 5). Sie finden diese Funktion auch im Hauptmenü unter Extras / Automatische Paketabhängigkeiten anzeigen.
Die eigentliche Stärke von YaST, Paketabhängigkeiten so weit als möglich aufzulösen, bringt leider auch Nachteile mit sich. So kann YaST manchmal nicht sämtliche Abhängigkeiten automatisch lösen und konfrontiert dann den Benutzer mit Hinweisfenstern, wie auf Abbildung 6 zu sehen.
Treffen Sie auf solche Fälle, sollten Sie zuerst versuchen, das Abhängigkeitsproblem durch Löschen oder Installieren weiterer Programme zu lösen. Notieren Sie sich jeweils das Problem, indem Sie mit [Alt-F2] und dem Befehl ksnapshot ein Foto des YaST-Fensters erstellen. Gelingt es Ihnen nicht, den Konflikt zu lösen, wählen Sie die Option Diesen Konflikt ignorieren und ein inkonsistentes System riskieren oder klicken Sie auf Alle ignorieren um sämtliche Konflikte zu ignorieren. Stellen Sie im Nachhinein fest, dass der Konflikt in der Tat Probleme verursacht, wählen Sie in YaST Extras / Ignorierte Abhängigkeitskonflikte zurücksetzen. Sie können dann erneut versuchen, den Konflikt zu lösen.
Nebst der Suchfunktion bietet YaST weitere nützliche Filter an. Wählen Sie zum Beispiel den Filter Selektionen aus, zeigt YaST von Suse oder Drittanbietern zusammengestellte Software-Auswahlen an. Hier finden Sie auch die Zusammenstellungen der EasyLinux-Redaktion, falls Sie die Heft-CD als YaST-Installationsquelle benutzen.
Der Filter Paketgruppen zeigt die RPM-Pakete nach Gruppe geordnet an. Dieser Filter hilft Ihnen dabei, zum Beispiel über die Gruppe Unterhaltung / Spiele sämtliche Spiele zu installieren. Da jedes RPM-Paket diese Information selbst mitliefert, sind die Einträge nicht immer korrekt. Möchten Sie eine Liste sämtlicher RPM-Pakete erhalten, wählen Sie die Gruppe zzz-Alle.
Ein neuer Filter in Suse Linux 9.3 ermöglicht die Installation zusätzlicher Sprachpakete. Wählen Sie hier zum Beispiel Hungarian installiert YaST die ungarischen Übersetzungen für KDE, Mozilla, OpenOffice und YaST. Auch die Module zur Rechtschreibprüfung packt das Suse-Tool auf die Festplatte. Zusammenfassung gibt Ihnen nochmals einen Überblick über sämtliche Aktionen, die der Paket-Manager nach einem Klick auf Übernehmen durchführt. Ist die Liste leer, installiert bzw. löscht YaST keine Pakete.
Die grafische Oberfläche von YaST zu starten, lohnt sich in jedem Fall, wenn Sie Pakete von den Suse-Installationsmedien einspielen möchten. YaST können Sie aber auch im Textmodus starten. Dazu müssen Sie über [Alt-F2] und den Befehl kdesu konsole zunächst ein Terminal-Fenster als Benutzer root starten. So installiert zum Beispiel der Befehl
yast -i circuslinux
das Spiel Circus Linux inklusive sämtlicher Paketabhängigkeiten auf der Kommandozeile. Sie müssen dazu lediglich wissen, wie das Paket heißt. Auch Pakete, die Sie aus dem Internet heruntergeladen haben, können Sie auf diese Weise mit YaST installieren. Dabei berücksichtigt das Tool jedoch keine Abhängigkeiten.
Noch schneller als mit YaST auf der Kommandozeile arbeiten Sie mit den RPM-Befehlen. Um zum Beispiel das Paket cooles-spiel.rpm zu installieren, tippen Sie als root auf der Kommandozeile einfach den Befehl
rpm -Uvh cooles-spiel.rpm
ein. Die Installation dauert so weniger lang als erst YaST zu starten.
Gerade als Einsteiger installiert man sein System mehrmals. Oft müssen Sie dann auch Ihre Lieblingspakete nachinstallieren, die nicht zum Grundsystem gehören. Um diesen Vorgang so einfach wie möglich zu machen, können Sie die aktuelle Paketauswahl in YaST speichern. Wählen Sie dazu Datei / Exportieren aus dem Hauptmenü von YaST und speichern Sie die Datei user.sel auf einer Diskette oder einem USB-Datenträger. Bei einer Neuinstallation wählen Sie dann wie gewohnt das Grundsystem und installieren anschließend Ihre persönliche Paketauswahl über Datei / Importieren nach. Da die Liste sämtliche installierte RPM-Pakete enthält, kann Sie auch anderweitig von Nutzen sein. (mhi/amü)
| Infos |
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[1] Artikel über Paketformate: Carsten Schnober, "Einpacken und mitnehmen", EasyLinux 08/2005, S. 55 ff.
[2] RPM-Artikel: Hans-Georg Eßer, " Kontakt aufnehmen zur RPM-Datenbank", EasyLinux 07/2003, S. 78 f., http://www.easylinux.de/2003/07/078-rpmdb/ |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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