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Erschienen in EasyLinux 11/2005

Pakete installieren, aktualisieren und löschen unter Ubuntu

Pakete am laufenden Band

von Max Werner


Mit Ubuntu gibt es endlich ein Debian-System, das Computer-Nutzern den Einstieg in Linux erleichtert. Kynaptic und Synaptic sind zwei Paket-Manager für Ubuntu, die den Vorteil des Debian-Paketformats gegenüber RPM voll zur Geltung bringen.

Immer mehr Anwender setzen die Linux-Distribution Ubuntu auf ihrem Computer ein. Die Installation gestaltet sich sehr einfach, und Sie erhalten alle Software-Pakete, die Sie für Ihren Desktop-Alltag brauchen. Mit der offiziellen Variante Kubuntu bekommen Sie zusätzlich zu allen Ubuntu-Paketen einen kompletten KDE-Desktop, denn Ubuntu setzt standardmäßig auf Gnome.

Für viele Benutzer ist die Paketverwaltung von Ubuntu auf den ersten Blick verwirrend. Wer die RPM-Pakete von Suse Linux und Fedora kennt, muss sich mit Ubuntu auf ein neues Format einstellen: Da die Distribution auf Debian basiert, nutzt sie das Debian-eigene Deb-Format. Es erweist sich -- vor allem im Zusammenspiel mit den zahlreichen Werkzeugen -- als äußerst flexibel und einfach zu handhaben. So installieren und löschen Sie ohne großen Aufwand Pakete und bringen Ihr System auf den aktuellen Stand.

Die KDE-Lösung

Speziell für KDE gibt es das Programm Kynaptic, das Sie im KDE-Menü unter System / kynaptic finden. Weil Kynaptic für die Installation zusätzlicher Pakete auf Systemdateien zugreift, müssen Sie in einem Dialogfenster Ihr Passwort eingeben und auf OK klicken. Ein Root-Passwort gibt es bei Ubuntu normalerweise nicht -- sie erledigen alle Verwaltungsaufgaben mit Ihrem persönlichen Benutzerpasswort.

Nach dem Start von Kynaptic sehen Sie auf der linken Seite eine lange Liste von Kategorien, mit deren Hilfe Sie Software finden, die Sie installieren oder löschen wollen (Abbildung 1). Fahren Sie mit dem Mauszeiger über einen Paketnamen, zeigt Kynaptic Ihnen in einem kleinen Tooltip die Kurzbeschreibung der Software an. Falls Sie schnell zu einem bestimmten Paket springen wollen, benutzen Sie die Suche:

Abb. 1: Mit Kynaptic installieren, aktualisieren und löschen Sie Software unter Kubuntu. Die drei Knöpfe oben links reichen aus, um sämtliche Verwaltungsaufgaben zu meistern.
  1. Rufen Sie den Menüpunkt Edit / Find auf oder drücken Sie [Strg-F], um die Suchmaske zu öffnen (Abbildung 2). Für die Oberfläche von Kynaptic gibt es noch keine deutsche Übersetzung, weshalb Sie sich mit englischen Knöpfen und Menüs begnügen müssen.
  1. Auf der rechten Seite sehen Sie die drei Auswahlfelder Name, Summary und Description. Klicken Sie eines oder mehrere dieser Felder an, um entweder im Namen, der Zusammenfassung oder der kompletten Beschreibung jedes Pakets zu suchen.
  1. In der Eingabezeile What geben Sie nun den Suchbegriff ein. Wenn Sie nur nach dem Namen suchen, aktualisiert Kynaptic die Liste im unteren Teil des Fensters während des Tippens. Anderenfalls klicken Sie auf Find, um die Suche zu starten.

Abb. 2: Die Suche von Kynaptic ist übersichtlich und leicht zu handhaben. Suchen Sie nur nach dem Paketnamen, aktualisiert das Programm die Liste der Treffer schon beim Tippen.

Zu jedem Paket wählen Sie eine Aktion aus, indem Sie mit der linken Maustaste auf das kleine Kästchen links neben dem Namen klicken. Haben Sie Ihre Auswahl getroffen und wollen nun, dass Kynaptic die Änderungen vornimmt, klicken Sie auf das rechte der drei Symbole im Hauptfenster.

Daraufhin öffnet sich ein Fenster, das die Änderungen anzeigt, die Kynaptic vornimmt. Unter Umständen kommt es vor, dass Sie dieses Fenster horizontal vergrößern müssen, da es einige Knöpfe am unteren Rand nicht darstellt. Klicken Sie auf Continue, beginnt Kynaptic damit, die Pakete zu installieren. Ubuntu stellt genau wie Debian alle Pakete im Internet bereit, daher sollten Sie vorher eine Internet-Verbindung aufbauen, um Fehlermeldungen zu vermeiden.

Der große Bruder

Da Kynaptic nicht viele Funktionen aufweist, sollten Sie dessen Vorbild Synaptic installieren, um in den vollen Genuss des Ubuntu-Paket-Managements zu kommen. Das erledigen Sie mit Kynaptic und beenden es dann mit einem Klick auf das Schließen-Symbol des Fensters. Da Synaptic auf dem Gnome-Desktop basiert, zieht die Installation des Programms (unter Kubuntu) einen Rattenschwanz von Bibliotheken nach.

Synaptic befindet sich dann ebenfalls im KDE-Menü; Sie starten es über System / Synaptic-Paketverwaltung. Geben Sie wieder Ihr Passwort ein und klicken Sie danach auf OK oder drücken Sie [Eingabe]. Beim ersten Start zeigt Synaptic Ihnen einige Informationen über das Programm. Lesen Sie diese sorgfältig durch und entfernen Sie das Häkchen vor Diesen Dialog beim Programmstart anzeigen, um die Meldung zukünftig nicht mehr zu sehen.

Der Aufbau des Hauptfensters ähnelt dem von Kynaptic. Die zusätzlichen Knöpfe in der oberen Leiste deuten jedoch schon an, dass Synaptic mächtiger ist als die KDE-Version (Abbildung 3). Klicken Sie einmal auf eines der Pakete, die Synaptic rechts anzeigt, und geben Sie dann einen Suchbegriff ein.

Abb. 3: Synaptic, der große Bruder von Kynaptic, besitzt deutlich mehr Funktionen. Mit diesem Werkzeug kontrollieren Sie viele Optionen des Paket-Managements, ohne auf der Kommandozeile Konfigurationsdateien bearbeiten zu müssen.

In der Mitte des Fensters erscheint daraufhin ein Eingabefeld mit dem eingegebenen Begriff. So finden Sie Pakete sehr schnell, wenn Sie deren Namen bereits kennen. Anderenfalls klicken Sie auf den Knopf Suche. Das sich öffnende kleine Fenster bietet Ihnen umfangreiche Suchmöglichkeiten, etwa nach Paketname, -beschreibung, -version oder gar zuständigem Betreuer.

Ein Paket zu installieren, zu löschen oder zu aktualisieren funktioniert wie bei Kynaptic: Klicken Sie auf das Kästchen neben dem Namen und wählen Sie eine Aktion aus. Bevor Sie nun per Klick auf Anwenden Ihre Änderungen ins System übernehmen, können Sie sich einen detaillierten Überblick über die vorgemerkte Auswahl verschaffen. Klicken Sie dazu unten links auf Benutzerdefiniert und wählen Sie dann aus der linken Liste Vorgemerkte Änderungen aus.

Ein Klick auf die Zeile mit dem Paketnamen zeigt Ihnen stets in der unteren Fensterhälfte die Beschreibung des Pakets an. Diese liegt allerdings immer nur in englischer Sprache vor. Interessieren Sie sich für weitere Details einer bestimmten Software, klicken Sie auf den Knopf Eigenschaften. Das Fenster zeigt in fünf Reitern alle Informationen über ein Paket an. Der Reiter Installierte Dateien hilft, alle Dateien zu finden, die dieses Paket auf die Platte hat.

Auf dem neuesten Stand

Das Ubuntu-Projekt reicht regelmäßig Sicherheitsaktualisierungen nach, so wie es die andren Distributionen auch tun. Sie sollten Ihr System deshalb regelmäßig auf den aktuellen Stand bringen, um keine fehlerhafte Software zu benutzen.

  1. Klicken Sie in Synaptic auf Neu laden. Das Programm holt sich dann die neuesten Paketinformationen und zeigt Ihnen über das quadratische Symbol neben dem Paketnamen an, ob es eine aktuellere Version auf dem Server gibt. (Falls Sie einmal nicht mehr wissen, welches Symbol welche Bedeutung hat, wählen Sie einfach den Menüpunkt Hilfe / Symbolerläuterung aus.)
  1. Danach weisen Sie Synaptic an, aktualisierbare Pakete vorzumerken, indem Sie auf Aktualisierungen vormerken klicken.
  1. Fragt die Software Sie, welche Art der Aktualisierung Sie bevorzugen, wählen Sie am besten Intelligente Aktualisierung aus und setzen ein Häkchen bei Antwort für zukünftige Aktualisierungen beibehalten.
  1. In der Statusleiste am unteren Rand des Fensters sehen Sie nun, wie viele Pakete aktualisiert werden. Klicken Sie auf Anwenden, holt Synaptic nach einer Bestätigung über den Knopf Anwenden alle Pakete vom Server und installiert sie (Abbildung 4).

Abb. 4: Synaptic zeigt Ihnen beim Installieren oder Aktualisieren von Paketen an, wie viele Dateien es herunterlädt und wie viel Zeit der Vorgang ungefähr in Anspruch nimmt.
Die vier Komponenten

Die komplette Ubuntu-Distribution teilt sich in vier Hauptkomponenten auf: Main, Restricted, Universe und Multiverse. Die Entwickler haben diese Komponenten nach Support-Level und Konformität mit der Definition von freier Software sortiert:

Main

Diese Komponente bildet den wichtigsten Teil von Ubuntu. Pakete in Main werden vom Entwicklerteam komplett unterstützt, Sie erhalten also stets Sicherheitsaktualisierungen und technische Hilfe. Die Entwickler wählen die Pakete für diese Komponente sorgfältig aus. Main enthält alle Pakete, die nötig sind, um einen voll funktionsfähigen Desktop oder Internet-Server zu betreiben. Jede Software in Main muss der Lizenzpolitik von Ubuntu (http://www.ubuntu.com/ubuntu/licensing) entsprechen.

Restricted

Auch für Pakete im Restricted-Teil erhalten Sie volle Unterstützung durch das Ubuntu-Projekt. Die Software in diesem Teil der Distribution ist allerdings nicht komplett frei, so dass die Ubuntu-Entwickler nicht immer Aktualisierungen liefern können. Restricted enthält beispielsweise binäre Treiber für Grafik- und ISDN-Karten.

Universe

Die Universe-Komponente enthält die meisten Pakete innerhalb von Ubuntu. Hier finden Sie fast jedes freie und weniger freie Programm, das das Linux-Herz begehrt. Allerdings bietet Ubuntu offiziell weder Support noch Sicherheitsaktualisierungen. In dieser Komponente gibt es zum Beispiel Sylpheed, KOffice und Superkaramba.

Multiverse

Hier finden Sie Software, die unter keiner freien Lizenz steht. Diese Komponente enthält nicht sehr viele Pakete, aber dennoch einige, die für Desktop-Anwender interessant sind: den kostenlosen Adobe Reader, den MP3-Encoder Lame oder den Video-Abspieler MPlayer.

Das alles und noch viel mehr

Ein großer Vorteil von Debian und Ubuntu ist die riesige Auswahl an Software. Nach einer Standardinstallation von Kubuntu stehen Ihnen über 3000 Pakete zur Verfügung. Synaptic zeigt diese Zahl permanent in der Statusleiste an. Doch damit haben Sie den kompletten Umfang von Ubuntu noch lange nicht ausgeschöpft.

Ähnlich wie Debian haben die Ubuntu-Entwickler ihre Distribution in vier große Komponenten eingeteilt. Diese Struktur spiegelt den Grad der Unterstützung durch das Ubuntu-Projekt wider. Details dazu finden Sie im Kasten "Die vier Komponenten".

Da außer Main und Restricted keine der Komponenten offiziellen Support durch das Projekt erhält, deaktiviert die Installationsroutine standardmäßig diese nicht unterstützten Teile. Mit Synaptic aktivieren Sie sie jedoch sehr schnell wieder.

Rufen Sie den Menüpunkt Einstellungen / Paketquellen auf. Es öffnet sich ein Fenster, das alle verfügbaren Paketquellen anzeigt. In der Spalte Distribution finden Sie zusätzlich zum Distributionsnamen hoary noch die Einträge hoary-updates und hoary-security, die Programmaktualisierungen und wichtige Sicherheitsaktualisierungen beinhalten.

Abb. 5: Die Verwaltung der Paketquellen ist dank Synaptic sehr einfach. Mit einem Klick auf die Auswahlfelder aktivieren und deaktivieren Sie bestimmte Teile der Distribution.

Haben Sie bislang nichts an den Paketquellen geändert, sehen Sie, dass die Sektion Universe sowohl für Hoary als auch für Hoary-Security deaktiviert ist. Da sich aber viele Pakete in Universe befinden, die Desktop-Nutzer installieren wollen, aktivieren Sie diese Komponente, indem Sie in jedes der Auswahlfelder ein Häkchen setzen. Die Einträge mit dem Wert deb-src in der zweiten Spalte brauchen Sie nur, wenn Sie Paketquellen selbst kompilieren wollen.

Klicken Sie dann auf OK, erinnert Synaptic Sie daran, die Datenbank verfügbarer Pakete zu aktualisieren. Dazu klicken Sie auf Neu laden. Wählen Sie in der linken Spalte des Hauptfensters Alle aus, sehen Sie in der Statusleiste, dass nun über 15000 Pakete zur Verfügung stehen.

Doch damit nicht genug. Denn leider bietet Synaptic keine voreingestellten Einträge für die vierte Komponente, Multiverse. Diese legen Sie bei Bedarf von Hand an:

  1. Öffnen Sie erneut den Dialog zu den Paketquellen und klicken Sie auf den Knopf Neu.
  1. Tragen Sie im Feld Adresse den Wert http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu ein, bei Distribution hoary und bei der Sektion schließlich multiverse.
  1. Wiederholen Sie Schritt 2 für die Distributionen hoary-updates und hoary-security, um Updates und Sicherheitsaktualisierungen zu erhalten.
  1. Klicken Sie auf OK und im Hauptfenster wieder auf Neu laden.

Nun schöpfen Sie endlich den kompletten Inhalt der Ubuntu-Quellen aus. Über 16000 Pakete stehen bereit, um auch die größte Festplatte zu füllen. (mwe)

Hintergründe

Wer einem Debian- oder Ubuntu-Experten Probleme bei der Verwaltung der Paketquellen schildert, stößt früher oder später auf die Datei /etc/apt/sources.list. In dieser speichert das Paket-Management alle Paketquellen, von denen sich Programme wie Synaptic Pakete beschaffen. Wenn Sie diese über den Menüpunkt Einstellungen / Paketquellen ändern, landet das Ergebnis letztendlich in der Datei sources.list. Ein vollständiges Beispiel sieht folgendermaßen aus:

deb cdrom:[Kubuntu 5.04 _Hoary Hedgehog_ - Release i386 (20050407)]/ hoary main restricted
deb http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu/ hoary main restricted universe multiverse
deb http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu/ hoary-updates main restricted universe multiverse
deb http://security.ubuntu.com/ubuntu/ hoary-security main restricted universe multiverse

Das Format ist recht intuitiv: Über den Begriff deb teilen Sie den Programmen mit, dass es sich um ein so genanntes Binärarchiv handelt (deb-src bezieht sich auf Quellpakete, ähnlich den SRPM-Dateien von Suse Linux oder Fedora). Darauf folgen die Adresse des Servers und der Name der Distribution beziehungsweise der Version (also hoary, hoary-security oder warty, wobei sich warty auf die alte Ubuntu-Version 4.10 bezieht). Dahinter steht der Name der gewünschten Ubuntu-Komponenten, mit Leerzeichen voneinander getrennt.

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