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von Martin Loschwitz
Entgegen der Aussage so manch eines Zeitgenossen war früher eben doch nicht alles besser: Der alte Dateimanager von KDE 1.x, trug diesen Namen eigentlich zu Unrecht. Zum einen war er groß und träge und zum anderen gestaltete sich das Managen von Dateien mit diesem Teil recht umständlich.
Ein Segen schien da KDE 2.0, das im Oktober 2000 auf die Computer kam. Es war schön aunzusehen und hatte zudem den Konqueror an Bord. Der Name ergibt sich aus dem englischen Wort Conqueror (Eroberer) mit dem KDE-typischen Austausch des ersten Buchstabens. Tatsächlich machte das Programm schnell Furore: Er managte nicht nur Dateien, sondern war obendrein auch ein funktionstüchtiger Web Browser.
Wie KDE selbst reifte der Konqueror über die Jahre, und so präsentiert sich das Programm heute als eine perfekte Mischung aus Web-Client, Dateimanager und Konfigurationswerkzeug. Grund genug, etwas genauer hinzuschauen -- wir zeigen Ihnen, wozu der Eroberer fähig ist.
Der Konqueror gehört fest zu KDE und liegt deswegen bei Suse und Mandrake Linux nach einer Standardinstallation automatisch auf der Platte -- für viele Anwender ein Vorteil, weil Sie so das Programm leicht wiederfinden. Die lästige Nachinstallation von zusätzlichen Paketen ist überflüssig. Da auch Knoppix und Ubuntu KDE enthalten, sind Sie mit diesen Distributionen genauso auf der sicheren Seite.
Übrigens: Alle von EasyLinux unterstützten Distributionen haben den Konqueror in der Version 3.3 oder 3.4 mit an Bord. Daher passt dieser Artikel zu allen Distributionen -- Unterschiede zwischen eizelnen Versionen sind marginal.
Konqueror starten Sie entweder über das K-Menü, über die KDE-Startleiste oder mit [Alt-F2] und der Eingabe von konqueror. Das Programm zeigt dann die Startseite, von welcher Sie alle Funktionen erreichen. Machen Sie sich zunächst mit den Bedienelementen des Konquerors vertraut: Von wesentlicher Bedeutung ist die Werkzeugleiste, die oberhalb der Adressleiste liegt. Mit ihr steuern Sie fast alle Funktionen des Programms.
Die ersten drei Buttons gehen jeweils eine Seite in der History vor oder zurück oder bringen Sie in das Verzeichnis, das in der Dateihierarchie über dem aktuellen steht. Der vierte Button sorgt dafür, dass im Konqueror der Inhalt Ihres persönlichen Ordners erscheint. Der sechste Knopf ist vor allem für das Surfen im Netz wichtig; mit ihm brechen Sie den Ladevorgang der aktuellen Web-Seite ab.
Mit den drei Symbolen auf der rechten Seite legen Sie fest, ob Sie im Konqueror lieber eine simple aber sehr präzise Liste aller Dateien sehen möchten oder ob Sie die Symbolansicht mit großen Symbolen für alle Ordner und Dateien bevorzugen.
Es schadet übrigens nicht, die Symbolleiste von Konqueror zu studieren und zu verstehen: Sie begegnet Ihnen in fast allen KDE-Programmen, wobei die einzelnen Buttons sogar fast immer die gleichen Funktionen haben.
Geben Sie in die Zeile, die mit Adresse: bezeichnet ist, ~ ein oder klicken Sie auf das Symbol mit dem Häuschen -- es erscheint der Inhalt Ihres persönlichen Ordners im Hauptfenster (Abbildung 1). Wahrscheinlich sehen Sie nun diverse Ordner und Dateien. Ein Klick auf ein Verzeichnis bewirkt, das Konqueror in dieses wechselt und seinen Inhalt anzeigt. Klicken Sie hingegen auf eine Datei, öffnet der Datei-Manager sie mit den entsprechenden Programm.
Datei-Management umfasst Operationen, bei denen Sie Dateien und Ordner modifizieren, das heißt, umbenennen, kopieren, verschieben, löschen oder neu anlegen. Auch das Ändern von Benutzerrechten gehört unter Linux dazu. All diese Aufgaben bewerkstelligen Sie im Konqueror mittlerweile sehr einfach, wie zum Beispiel das Anlegen eines neuen Ordners demonstriert:
Konqueror arbeitet hauptsächlich mit Drag & Drop. Wenn Sie im Folgenden also eine Datei in den Ordner verschieben wollen, den Sie gerade erstellt haben, funktioniert das so: Klicken Sie die Datei an und halten Sie die linke Maustaste gedrückt, ziehen Sie die Datei dann auf das Symbol des neuen Ordners -- schon sind Sie fertig. Wenn Sie Dateien kopieren möchten, gehen Sie genauso vor. Sie halten dabei lediglich [Strg] gedrückt.
Das Umbenennen von Ordnern und Dateien verläuft gleichermaßen: Nach einem Rechtsklick auf die Datei oder den Ordner sorgt Umbenennen dafür, dass Sie den Namen ändern können. Mit [Eingabe] legen Sie die neue Bezeichnung fest. Und auch das Löschen von Dateien und Ordnern ist kein Teufelswerk:
Alternativ klicken Sie die zu löschende Datei mit der rechten Taste an und wählen Löschen -- je nach dem, ob Sie lieber mit der Tastatur oder mit der Maus arbeiten.
Freilich leistet der Konqueror viel mehr, als Dateien von A nach B zu verschieben oder Ordner mit anderen Namen auszustatten. Sorgen Sie für Übersicht, indem Sie oben bei Fenster auf Navigationsbereich anzeigen klicken. Das Programm blendet dann im linken Teil des Hauptfensters einen Bereich mit dem Konqueror-Navigationsmenü ein. Dies bietet schnellen Zugriff auf beinahe alle Konqueror-Funktionen.
So finden Sie zum Beispiel auch an dieser Stelle wieder ein Symbol mit Haus, das die Ansicht des eigenen Ordners im Konqueror öffnet. Klicken Sie links auf die Registerkarte mit der roten Fahne, um das Menü für KDE-Dienste zu öffnen.
Erschrecken Sie nicht wegen der vielen Symbole. Es handelt sich zum Teil um Schnittstellen zu KDE-Diensten, wie beispielsweise Schriften oder Drucksystem-Browser. Diese benötigen Sie nicht für die tägliche Arbeit.
Diverse Einträge sind jedoch für Sie sehr interessant: Wenn Sie links auf Einstellungen klicken, erscheinen im rechten Teil des Fensters die KDE-Konfigurationsmodule, die Sie schon aus dem Kontrollzentrum kennen. Haben Sie den Konqueror ohnehin meistens geöffnet und möchten nun etwas im Kontrollzentrum konfigurieren, führt der Weg über diese Schnittstelle schneller ans Ziel.
Sind Sie mit den Änderungen zufrieden und brauchen die Kontrollmodule nicht mehr, verwenden Sie das Fenster einfach wieder für die normale Navigation durch das Dateisystem. Informationen dazu, wie Sie mit dem Kontrollzentrum Ihren Desktop sinnvoll anpassen, finden Sie in [1].
Der Punkt Speichermedien bietet Ihnen schnellen Zugriff auf angeschlossene Geräte, also die Festplatten und CD-Laufwerke, die KDE gefunden hat. Sehen Sie sich die Symbole genau an um herauszufinden, was sich hinter ihnen verbirgt. Vermeiden Sie es allerdings, auf den Button Übernehmen zu klicken, um nicht versehentlich Einstellungen zu verändern.
Hinter dem Register mit einem roten Ordner als Symbol zum Beispiel versteckt sich die Baumansicht des Wurzelordners / -- von hier aus greifen Sie auf alle Dateien im System zu.
Sie müssen den Navigationsbereich übrigens nicht schließen, damit er verschwindet: Klicken Sie zunächst auf einen beliebigen Knopf links auf der Seite und drücken Sie dann nochmals darauf -- dann bleibt am Rand nur noch die Button-Leiste.
Datei-Management mit dem Konqueror funktioniert wirklich gut und ist mit dem passenden Icon-Theme sogar was für's Auge [2]. Wer allerdings die wahren Stärken des Konquerors erleben möchte, verlässt den heimischen Rechner und schickt den Konqueror ins Wolrd Wide Web.
Geben Sie in die Adressleiste zunächst google.de ein. Das sollte bei aktivierter Internet-Verbindung immer klappen -- ein sehr einfacher Verbindungstest. Bereits bei Google sehen sie eine Besonderheit des Surfens mit Konqueror: Schaltfläche, Eingabefelder und ähnliche Objekte zeichnet Konqueror nämlich im gleichen Stil, den auch alle anderen Objekte in KDE haben. So entsteht ein einheitlicher Look für den Desktop, der auch bei Internet-Seiten zum Einsatz kommt -- fast so wie bei Mac OS.
Darüber hinaus bietet Konqueror natürlich all die Funktionen, die Sie von einem modernen Browser erwarten dürfen. Vermutlich kennen Sie schon das so genannte Tabbed Browsing. Dabei öffnen Sie in einem Fenster des Browsers diverse Unterfenster, in denen verschiedene Websites angezeigt werden. Konqueror unterstützt dieses Feature, Fenster / Neues Unterfenster öffnet ein neues Fenster -- schneller geht's mit [Strg-Umschalt-N]. Möchten Sie ein Unterfenster schließen, geht das am Schnellsten mit [Strg-W].
Natürlich verwaltet der Konqueror auch Lesezeichen. Möchten Sie für die gerade angezeigte Seite eines hinzufügen, so erledigen Sie das über Lesezeichen / Lesezeichen hinzufügen. Alternativ führt der Weg über die Tastatur mittels [Strg-B]. Um Lesezeichen aufzurufen und zu verwalten, klicken Sie im Navigationsbereich auf das oberste Symbol; im linken Teil des Konqueror-Fensters öffnet sich dann der Lesezeichendialog und erlaubt die Konfiguration zahlreicher Details.
Dass der Konqueror die WWW-Standardprotokolle -- HTTP und HTTPS -- spricht, versteht sich von selbst. Darüber hinaus beherrscht er aber noch viele weitere Protokolle. Das FTP-Protokoll kommt Ihnen vielleicht bekannt vor. Zwar ist es nicht das sicherste Protokoll, aber es bietet zumindest eine einfache Schnittstelle, um Dateien auf einen Server in der Ferne zu übertragen. Viele Webspace-Provider verwenden FTP außerdem noch immer als einzigen Weg für die Benutzer, ihre Seiten hochzuladen.
Der Konqueror ist ein vollständiger FTP-Client. So nutzen Sie ihn in dieser Funktion: Tragen Sie in die Zeile mit der Beschriftung Adresse: die URL ftp://Server-Adresse ein, um sich am entsprechenden Server anzumelden. Ersetzen Sie dabei Server-Adresse durch die konkrete Adresse für Ihr Setup. Die Software versucht dann, sich am Server als anonymer Benutzer mit der Kennung anonymous anzumelden.
Wenn Sie einen Benutzernamen zum Anmelden am FTP-Server haben, stellen Sie vor die IP des Servers Benutzer@, tragen also ftp://Benutzername@Server-Adresse in die Zeile ein. Es erscheint dann ein Passwortdialog.
Danach arbeiten Sie mit dem Konqueror so, als ob Sie ihn auf einem lokalen Datenträger einsetzen. Um beispielsweise eine Datei auf den Server zu laden, gehen Sie so vor, wie beim Kopieren von Dateien auf lokalen Medien. Alle anderen Vorgänge, wie das Anlegen von Ordnern, funktionieren ebenfalls äquivalent zur Arbeit im Datei-Manager-Modus. Um die Verbindung zu trennen, schließen Sie das Konqueror-Fenster oder das Unterfenster (Abbildung 2).
Ein Datei-Manager, der die Freigaben von Windows-Maschinen im Netz erkennt und anzeigt, fehlte bei Linux lange Zeit. Der Konqueror füllt auch diese Lücke aus. So verwenden Sie ihn als Browser für Windows-Netzwerke:
Der Konfigurationsdialog des Konquerors soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Viele Einstellungen sind zwar in der Standardkonfiguration schon ideal, wenn Sie aber zum Beispiel das Erscheinungsbild des Konquerors in Sachen Schriftart und -größe missfällt, sind Sie hier am richtigen Ort.
Sie erreichen den Dialog über Einstellungen / Konqueror einrichten. Links führt Erscheinungsbild zu den Einstellungen für die Schriftart; hier legen Sie neben der Schriftgröße auch die Schriftfarbe fest (Abbildung 3). Achten Sie beim Ändern der Farbe darauf, keine zu grellen Farbtöne zu verwenden, sonst mutiert das Datei-Management schnell zum Horrortrip. Weiter unten bei Schriften legen Sie die Schriften für den Betrieb als Web Browser fest.
Es schadet auch nicht, die Optionen bei Verhalten zu studieren; unter Umständen entpuppen sich auch hier Veränderungen als sehr nützlich. Nach einer Fehlkonfiguration hilft Ihnen der Button Voreinstellung am unteren linken Rand des Fensters aus der Patsche.
Noch ein Tipp: Besonders auf älterer Hardware braucht der Konqueror manchmal sehr lange für den ersten Start. Sie umgehen diese Wartezeit, indem Sie bei Leistung die Checkbox Beim KDE-Start eine Ausgabe ... aktivieren. Der Konqueror öffnet dann beim KDE-Start ein erstes Fenster, so dass Sie ihn direkt nutzen können.
Der Konqueror ersetzt im Alltag durchweg den Windows Explorer. Sollten Sie also im Zweifelsfall einmal nicht weiterwissen, schadet es nicht, vorhandenes Wissen vom Windows Explorer einmal auszuprobieren. Oft funktioniert der Konqueror sehr ähnlich. (agr)
| Infos |
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[1] EasyLinux 11/2004, S. 38, Valerie Haselbek "KDE-Kontrollzentrum"
[2] EasyLinux 09/2005, S. 25, Marcel Hilzinger, "Manche mögen's bunt" |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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