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Erschienen in EasyLinux 12/2005

Fünf aktuelle Linux-Distributionen im Test

Vorsicht beim Einstieg

von Marcel Hilzinger


Die Entscheidung für die richtige Distribution ist besonders wichtig beim Einstieg in Linux. EasyLinux hat für Sie die Distributionen Fedora Core 4, Kubuntu 5.10, Linspire 5, Mandriva Linux 2006 und Suse Linux 10.0 getestet.

Unterstützt Linux meine Hardware? Was passiert mit meinem Windows, wenn ich Linux installiere? Kann ich unter Linux auf meine Windows-Dateien zugreifen? Diese Fragen stellen sich Einsteiger in der Regel, bevor sie den Schritt zu Linux wagen. Obwohl das Grundsystem der verschiedenen Distributionen ähnlich aufgebaut ist, hängt die Antwort auf diese Fragen nicht von Linux ab -- "das Linux" existiert in diesem Sinne nicht --, sondern stets von einer konkreten Distribution: von einem Produkt auf CD oder DVD. Fünf von diesen Produkten hat EasyLinux für diesen Test genauer untersucht.

Installation neben Windows

Die Installation dauert bei den meisten Linux-Distributionen keine 30 Minuten. Sie entscheidet allerdings darüber, was mit existierenden Systemen und Daten auf dem Rechner geschieht. Im schlimmsten Fall löschen Sie bei der Linux-Installation Ihr komplettes Windows. Die beste Lösung erlaubt Ihnen, die bestehenden Partitionen zu verkleinern und Linux neben Windows zu installieren. Sie sollten sich deshalb für die Installation genügend Zeit nehmen. Um die Zusammenarbeit mit Windows zu testen, installierte die Redaktion sämtliche Testsysteme auf einem Rechner mit vorinstalliertem Windows. Die weiteren Spezifikationen des Testrechners finden Sie im Kasten "Test-Hardware". Unter den Kandidaten traten von Suse und Linspire die so genannten Retail-Versionen an, die es auch im Handel zu kaufen gibt. Bei Kubuntu, Mandriva Linux und Fedora Core 4 testete die Redaktion die Download-Versionen.

Fedora Core

Fedora Core 4 zeigt nach dem Booten von DVD zunächst einen Dialog im Textmodus an. Um die Installation im grafischen Modus zu starten, drücken Sie die Eingabetaste. Im folgenden Dialog können Sie die CD oder DVD auf Fehler prüfen. Dies ist dann hilfreich, wenn Sie das Medium selbst gebrannt haben und es vor der Installation testen möchten. Um ohne Test fortzufahren, drücken Sie [Tab] und die Eingabetaste. Erst dann startet Fedora Core 4 das grafische Installationsprogramm Anaconda mit dem Begrüßungsbildschirm und der Sprachauswahl. Anaconda wirkt übersichtlich, die Online-Hilfe ist ausreichend. Fedora Core bietet vier verschiedene Systeme zur Auswahl (Abbildung 1). Für einen Heimrechner eignen sich die ersten zwei am besten. KDE können Sie später nachinstallieren.

Beim Partitionieren fällt Fedora Core 4 durch die Prüfung. Klicken Sie beständig auf Weiter und ignorieren Warnungen, löscht es sämtliche Dateien auf der Festplatte -- Windows inklusive. Das Tool bietet auch keine Möglichkeit, Windows-Partitionen zu verkleinern. Nach der Partitionierung stellen Sie den Bootloader, die Netzwerkkarte und den Rechnernamen ein. Anschließend folgt das Setup der Firewall und von SELinux. SELinux erlaubt es dem Systemadministrator, den Zugriff einzelner Programme auf ein Minimum zu beschränken. Benutzen Sie Fedora Core 4 ausschließlich zu Hause, können Sie den SELinux-Support getrost ausschalten. Im nächsten Dialog richtet Fedora Core 4 die Zeitzone ein. Sind Sie mit den Einstellungen durch, können Sie in einem Übersichtsbildschirm nochmals einzelne Pakete auswählen. Das ist eine gute Gelegenheit, um KDE nachzurüsten. Für diesen Vergleichstest kam die Option Standardpakete installieren zum Einsatz.

Nach der Installation müssen Sie den Lizenzbedingungen von Fedora Core zustimmen, dann richten Sie Bildschirm und Sound-Karte ein. Die Installation dauert rund 20 Minuten.

Abb. 1: Fedora Core installiert in der Grundeinstellung einen persönlichen Desktop. Möchten Sie auch Programme selbst kompilieren, wählen Sie die Workstation.

Kubuntu

Bei Kubuntu 5.10 verläuft die ganze Installation im Textmodus. Im ersten Dialog wählen Sie den Installationsmodus aus. Drücken Sie hier die Eingabetaste, gelangen Sie zur Sprachauswahl, anschließend zur Auswahl des Landes und der Tastaturbelegung. Die Liste der möglichen Tastaturen reduziert Kubuntu damit auf die relevanten Layouts nach Land und Sprache. Im nächsten Schritt legen Sie den Namen des Rechners fest. Drücken Sie einfach [Eingabe], heißt Ihr PC ubuntu. Anschließend startet der Partitionierer. Vorbildlich schlägt dieser vor, die bestehende Windows-Partition zu verkleinern, und fragt die neue Größe der Partition ab. Sie legen diese entweder in GByte oder in Prozent fest. Kubuntu schlug vor, die 120 GByte große Partition auf 66 GByte zu verkleinern. Im folgenden Dialog weist Sie die Distribution nochmals darauf hin, dass es die Festplatte formatiert. Hier müssen Sie explizit Ja wählen, um die Installation fortzusetzen. Der Rest der Installation verläuft automatisch. Kubuntu startet den Rechner dabei einmal neu. Hier zeigt sich, dass die Debian-basierte Distribution auch für Windows einen Eintrag im Startmenü angelegt hat. Nach rund 20 Minuten ist die Installation von CD beendet, und Sie können sich mit dem eingerichteten Benutzer-Account am System anmelden.

Linspire

Linspire 5 startet gleich mit einem grafischen Bildschirm. Sie können die erste CD entweder als Live-System zum Ausprobieren einsetzen oder die Installation starten. Wählen Sie die Installation, gelangen Sie nach rund fünf Minuten stiller Systemanalyse und dem anschließenden Willkommensbildschirm direkt zur Partitionierung. Hier ist für Rechner ohne freie Partition Endstation, da Linspire kein eigentliches Partitionierungs-Tool mitbringt. Auch bestehende Windows-Installationen zu verkleinern, ist nicht möglich. Sie müssen für Linspire also bereits eine mindestens 4 GByte große Partition frei haben, sonst nimmt die Distribution die ganze Festplatte in Anspruch. Haben Sie sich für eine dieser zwei Varianten entschieden, geben Sie den Namen des Rechners und das Passwort für den Systemadministrator root an. Die Installation von CD dauert rund 15 Minuten. Die Größe der Installation von 3 GByte sorgte für Überraschung, gelang es doch Suse Linux, in 30 Minuten nur 2,5 GByte an Software auf die Platte zu packen. Wie sich herausstellte, beinhalten die 3 GByte lediglich 1,6 GByte an Software. Den restlichen Platz nimmt die Swap-Datei unter /boot in Anspruch.

Mandriva

Mandriva Linux 2006 zeigt nach dem Start über die DVD einen Willkommensbildschirm an. Im ersten Dialog wählen Sie die Sprache aus und müssen die ins Deutsche übersetzten Lizenzbedingungen akzeptieren. Nach der Tastaturauswahl legen Sie den Sicherheitslevel Ihres Rechners fest (Abbildung 2), anschließend folgt der Dialog zum Partitionieren. Hier verhielt sich Mandriva Linux merkwürdig. Obschon die Distribution auf einem anderen Testrechner mit zwei Festplatten die NTFS-Partition von Windows korrekt erkannte (siehe dazu auch den separaten Artikel zu Mandriva Linux 2006 auf Seite 38), zeigte Mandriva Linux auf dem eigentlichen Testrechner die Windows-Partition als ReiserFS an. Über den Expertenmodus ließ sich diese zwar angeblich verkleinern, im Endeffekt formattierte das Installationsprogramm jedoch ohne speziellen Hinweis die ganze Platte -- Windows war gelöscht. Achten Sie also bei der Parallel-Installation mit Windows speziell darauf, ob Mandriva Linux die Partition richtig erkannt hat. Die Installation von 1,6 GByte Software dauerte eine Viertelstunde.

Abb. 2: Mandriva Linux schlägt bereits in der Grundeinstellung einen hohen Sicherheitslevel vor.

Suse Linux

Suse Linux 10.0 startet die Installation ebenfalls mit grafischer Oberfläche. Positiv fällt auf, dass Sie die Sprache bereits im Boot-Menü einstellen können. So zeigt Suse Linux auch die Hilfetexte zu den einzelnen Installationsmodi in Deutsch an. Nach der Auswahl der Sprache müssen Sie die Lizenzbedingungen von Novell akzeptieren. Die Vereinbarung erscheint allerdings in Englisch, was rechtlich zumindest fragwürdig ist. Findet Suse Linux auf dem Rechner bereits eine Linux-Partition, fragt Sie der Installer, ob Sie das System neu installieren oder aktualisieren möchten. Anschließend stellen Sie Zeitzone, Datum und aktuelle Uhrzeit ein. Im folgenden Dialog (Abbildung 3) wählen Sie, welche grafische Oberfläche Sie benutzen möchten: KDE, Gnome oder eine andere. Erst dann erscheint der Überblicksbildschirm, der Sie über die einzelnen Komponenten informiert. Klicken Sie hier einfach auf Weiter, verkleinert Suse Linux die bestehende Windows-Partition so stark wie möglich. Auf dem Testrechner wollte YaST die NTFS-Partition von 120 auf knapp 40 GByte reduzieren. Der Vorgang brach allerdings mit einer Fehlermeldung ab, und das System startete neu. Auch in einem zweiten Anlauf gelang es dem Suse-Installer nicht, die NTFS-Partition zu verkleinern. Erst eine Suse Linux 9.3 DVD brachte den gewünschten Erfolg. Immerhin war die Windows-Partition nicht beschädigt, wie bei Mandriva Linux 2006. Vom Einlegen der DVD für die Installation bis zum erfolgreichen Login unter KDE benötigte Suse Linux 25 Minuten.

Abb. 3: In Suse Linux 10.0 müssen Sie sich explizit für einen der beiden Desktops entscheiden. Eine Parallelinstallation von KDE und Gnome ist allerdings später problemlos möglich.
Test-Hardware

Für die Tests benutzte EasyLinux einen handelsüblichen PC mit einem 64-Bit-Athlon, 512 MByte Arbeitsspeicher, integrierter Netzwerk- und Sound-Karte sowie einer Radeon-9200Pro-Grafikkarte von ATI. In einem ersten Test mussten sämtliche Distributionen versuchen, sich eine 120 GByte große IDE-Festplatte mit Windows XP Professional zu teilen. Windows nahm jeweils die ganze Platte für sich in Anspruch. Für den Dual-Boot-Test ergänzten wir den Rechner um eine SATA-Festplatte. Windows blieb auf der ersten Festplatte, und die Linux-Distributionen installierten wir auf die SATA-Platte.

Sämtliche Distributionen mussten zudem auf einem Pentium-M-Laptop ihre Power-Management-Funktionen unter Beweis stellen. Hier testete die Redaktion zudem die WLAN- und Bluetooth-Unterstützung sowie das Touchpad.

Übersicht
Fedora Core 4Kubuntu 5.10 RC1Linspire 5Mandriva 2006Suse Linux 10.0
Kernel2.6.112.6.122.6.102.6.122.6.13
KDE3.4.03.4.23.3.23.4.03.4.2
Gnome2.102.122.102.12
OpenOffice.org1.9.1041.9.1291.1.31.1.51.9.125
Xorg6.8.26.8.26.8.26.9.16.8.2
BootloaderGrubGrubGrubLiloGrub
Standard-DesktopGnomeKDE*KDEKDEKDE
PaketformatRPMDEBDEBRPMRPM
Installationszeit20 Minuten20 Minuten15 Minuten15 Minuten25 Minuten
Größe der Installation2 GByte1,7 GByte3 GByte21,6 GByte2,5 GByte
Boot-Zeit inkl. grafischer Oberfläche60 Sekunden65 Sekunden80 Sekunden50 Sekunden45 Sekunden
MP3-Support--+++
Windows-Codecs--+--
Automatisches Einhängen von USB-Speichern1010101010
Bluetooth51001010
Drucker1010101010
Grafische Oberfläche51010510
Sound51051010
Suspend-to-Disk0100010
Suspend-to-RAM00000
Verkleinern der Windows-Partition010055
Tastatur und Maus/Touchpad510101010
WLAN055010
Gesamtpunktzahl: Hardware4085506085
PreisNur DownloadNur Download70 Euroab 60 Euro / Download frei60 Euro / Download frei
* Bei Ubuntu Gnome
2 Davon 1,3 GByte als Swap-Datei

Hardware-Einbindung

Windows-Benutzer sind es gewohnt, dass jeder Hardware eine Treiber-CD beiliegt. Nach einem Doppelklick auf setup.exe funktioniert das Gerät einwandfrei. Eine perfekte Hardware-Erkennung und -Einrichtung ist deshalb wichtig für die Benutzbarkeit von Linux. In der Übersichtstabelle sehen Sie zehn Hardware-Kategorien, die die Redaktion nach folgenden Kriterien bewertete:

Sämtliche getesteten Distributionen versuchten, die grafische Oberfläche, die Sound- und die Netzwerkkarte automatisch einzurichten. Dabei traten mehrere Probleme auf. Kubuntu 5.10 und Fedora Core 4 hatten auf dem 64-Bit-Rechner große Probleme mit der Grafikkarte. Der Bildschirm blieb nach der Installation schwarz, und der Rechner ließ sich nur noch über die Reset-Taste ausschalten. Ein Tausch der Radeon-9200-Karte gegen eine ältere Radeon 7000 löste dieses Problem. Hier hatte hingegen Mandriva Linux Probleme, die sich aber über den Befehl drakx11 lösen ließen. Fedora Core, Linspire und Kubuntu konnten zudem die integrierte GBit-Netzwerkkarte nicht ansprechen. Bei diesen Hardware-Fehlern handelt es sich um Probleme mit dem 64-Bit-Rechner. Auf einem bauähnlichen 32-Bit-PC traten sie nicht auf.

Die grafische Oberfläche automatisch mit der bestmöglichen Auflösung einzurichten, gelang Linspire 5 und Suse Linux 10.0. Außer Suse Linux aktivierten auch sämtliche Distributionen die 3D-Beschleunigung für die ATI-Karte.

Probleme mit dem Sound gab es unter Linspire und Fedora Core. Während sich das Sound-Problem unter Fedora mit dem Austausch der Videokarte löste, war es unter Linspire mehr ein Problem mit dem Sound-Server, als mit der Sound-Karte. Den Test-Sound abzuspielen, gelang der Debian-basierten Distribution zwar nicht, auch erschien nach dem ersten Login eine Fehlermeldung bezüglich des für den Sound verantwortlichen Jack-Daemons. MP3- und Video-Dateien spielte Linspire dann jedoch mit Ton ab. Lediglich die KDE-Systemklänge funktionierten nicht.

Bluetooth funktionierte bei Kubuntu, Mandriva und Suse Linux problemlos. Suse Linux wies mit einem Popup-Fenster auf den eingesteckten Bluetooth-Adapter hin und startete anschließend YaST für die Konfiguration. Bei Mandriva Linux müssen Sie zunächst noch die KDE-Bluetooth-Tools nachinstallieren. Auch Fedora Core bringt Bluetooth-Unterstützung mit. Die grafischen Gnome-Programme funktionierten allerdings nicht wie beabsichtigt, so dass Fedora Core hier nur fünf Punkte erhielt.

Mit der über USB angeschlossenen Linux-Tastatur von Cherry kamen sämtliche Distributionen klar, auch das Mausrad einzurichten, ist inzwischen kein Problem mehr. Die Scroll-Funktion des Alps-Touchpad funktionierte hingegen nur unter Suse Linux automatisch, ebenso die für den Suspend-Modus vorgesehene Tastenkombination des Notebooks -- Suse Linux hätte hier eigentlich 15 Punkte verdient. Fedora Core 4 verschenkte bei diesem Test fünf Punkte, weil es das Tastatur-Layout trotz deutscher Auswahl auf Englisch einstellte. Eine Besonderheit ließ sich Kubuntu einfallen: Das Installationsprogramm ermittelt das Layout auf Wunsch interaktiv über Tastendrücke.

Beim Power-Management sieht es noch immer schlecht für Linux aus. Auf den zwei Testrechnern gelang lediglich Suspend-to-Disk -- dies auch nur unter Suse Linux und Kubuntu. Hier genügt allerdings ein klick mit der rechten Maustaste auf ein kleines Hilfsprogramm im KDE-Panel, um den Rechner in Tiefschlaf zu versetzen. Keine Probleme hatten die fünf Distributionen mit der Druckereinrichtung. Den über USB angeschlossenen, etwas älteren DeskJet-Drucker banden sämtliche Testkandidaten einwandfrei ein.

Programmauswahl und Bedienung

Die Dauer der Installation hängt maßgeblich vom Umfang der Software-Pakete ab, die das System auf den Rechner packt. Hier arbeiteten Linspire und Mandriva Linux am schnellsten, gefolgt von Kubuntu und Fedora Core. Dennoch zeigen sich bei der Programmauswahl kaum Unterschiede. Die meisten Distributionen setzten hier den Leitspruch "Weniger ist mehr" um, und packen mit dem Grundsystem nicht mehr drei Browser, fünf E-Mail-Programme und vier Bildbetrachter ins Hauptmenü, sondern nur noch eine oder zwei Anwendungen pro Aufgabe. Suse Linux hat zudem eine Suchfunktion in das Startmenü eingebaut (Abbildung 4).

Abb. 4: Suse Linux hat das KDE-Menü um eine nützliche Suchfunktion erweitert.

Positiv schnitten auch sämtliche Distributionen beim Office-Test ab. Beim Klick auf eine Microsoft-Word-Datei oder eine Excel-Tabelle öffneten sämtliche Distributionen die dazugehörige OpenOffice-Komponente.

Weniger einheitlich sieht es bei den Konfigurationen aus. Während Kubuntu und Linspire auf ein erweitertes KDE-Kontrollzentrum setzen, bringen Mandriva Linux mit Drakconf und Suse Linux mit YaST ein eigenständiges Tool mit. Teilweise überschneiden sich dabei Module, was nicht zur Benutzerfreundlichkeit beiträgt. Unter Mandriva Linux sind zudem einige Einträge in mehreren Untermenüs versteckt (Abbildung 5). Fedora Core geht nochmals einen eigenen Weg: Hier findet der Anwender weder für die grafische Oberfläche noch für das System ein Kontrollzentrum. Sämtliche Module sind in ein separates Menü ausgegliedert, das Sie direkt vom Panel aus erreichen. Auch diese Lösung ist von der Übersichtlichkeit her nicht optimal.

Abb. 5: Für jedes Modul einen eigenen Menüeintrag anzulegen erhöht die Benutzerfreundlichkeit nicht.

Abgesehen von Fedora Core mit Gnome als Standard-Desktop (Abbildung 6) setzen alle Distributionen die gleichen Hauptanwendungen ein. Kleine Ausnahmen machen lediglich Linspire und Mandriva Linux. Linspire bringt für die Multimedia-Funktionen den auf MPlayer basierenden KPlayer mit. Anstelle der KDE-Jukebox Amarok gibt es dort das eigene Lsongs (Abbildung 7). Auch digiKam fehlt; für die Fotosammlung wartet Linspire mit der Eigenentwicklung LPhoto auf. Wie Mandriva Linux setzt es nicht auf die kommende Version von OpenOffice 2, sondern legt eine aktuelle Version von OpenOffice 1 bei. Mandriva Linux bringt zudem vom X-Server die noch nicht veröffentlichte Version 6.9.1 mit.

Sehr gut gelungen ist unter Kubuntu der neue Paket-Manager Adept Manager (Abbildung 8). Über zahlreiche Filter lassen sich darin genaue Suchkriterien festlegen. Zudem schalten Sie in adept über einen Mausklick weitere Paketquellen (so genannte Repositories) aus dem Internet frei. Das Ubuntu-Hauptarchiv "Universe" enthält zum Beispiel über 17000 Pakete.

Abb. 6: Fedora Core 4 setzt auf Gnome als Standard-Oberfläche. KDE lässt sich nachinstallieren.

Abb. 7: Linspire bringt für Multimedia-Anwendungen eigene Programme mit. Über die Jukebox Lsongs können Sie auch Musik aus dem Internet kaufen.

Abb. 8: Mit Adept bringt Kubuntu einen übersichtlichen, leicht zu bedienenden Paket-Manager mit.

Generell unterscheiden sich die KDE-Desktops von Kubuntu, Linspire, Mandriva und Suse Linux nicht groß. Differenzen zeigen sich unter Anderem darin, wann Konqueror ohne Adressleiste erscheint, zum Beispiel im Geräte-Manager von Mandriva Linux und beim Arbeitsplatz von Linspire. Auch Nautilus -- der Datei-Manager von Fedora Core 4 -- zeigt in der Grundeinstellung keine Adressleiste an.

Mandriva Linux wartet zudem mit einer weiteren Neuerung in Konqueror auf: Fünf bereits angelegte Verzeichnisse in verschiedenen Farben sollen es optisch erleichtern, Dokumente einzuordnen und zu finden (Abbildung 9).

Abb. 9: Mit farbigen Ordnern will Mandriva Linux den Benutzern das Organisieren von Dateien erleichtern.

Fazit

Betrachtet man die Punkte der Hardware-Erkennung, sind Kubuntu und Suse Linux die klaren Gewinner dieses Distributionsvergleichs für Heimanwender. Auch für die Installation neben einem bestehenden Windows eignen sie sich am besten. Suse Linux 10.0 schaffte es zwar auf einem Testrechner nicht, die NTFS-Partition zu verkleinern, aber immerhin beschädigte es keine Daten wie Mandriva Linux. Den dritten Platz holt sich Mandriva Linux 2006. Vor allem beim WLAN und bei den Power-Management-Funktionen verschenkte die Distribution wertvolle Punkte. Auf den letzten zwei Rängen landen Linspire und Fedora Core. Linspire eignet sich zwar als Einsteiger-Distribution und verlockt auch mit Windows-Codecs. Durch die fehlende Möglichkeit, Windows-Partitionen zu verkleinern, scheidet es aber auf vielen Rechnern vorzeitig aus. Fedora Core 4 hat sich in diesem Test etwas unter seinem Preis verkauft, richtet die Distribution doch zahlreiche Hardware-Komponenten ein, ohne dass der Benutzer dazu lange Dialoge über sich ergehen lassen muss. Der Test zeigt aber, dass sich der Nachfolger von Red Hat für Einsteiger nur beschränkt eignet. (mhi)

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